Archive for August, 2006

Nach VW-Nutten Suchen in der niedersächsischen Landesvertretung

Thursday, August 31st, 2006

Gerade hereingeflattert:

Suchmaschinen: In Technik, Wirtschaft und Medienkunst

Die zentrale Rolle der Suchmaschinen in der Informationsgesellschaft hat sich auf hohem Niveau etabliert. Gleichzeitig wächst von vielen Seiten die Kritik an den monopolartigen Strukturen des digitalen Wissenszugangs und der Ruf nach Alternativen wird (endlich) unüberhörbar lauter.

Das 3. SuMa-e.V.-Forum wird Trends, Richtungen, Probleme und Alternativen vorstellen und diskutieren. Dabei werden drei Richtungen genauer betrachtet: Entwicklungen in der Technik, in der Wirtschaft und deren Reflexionen in der Medienkunst. Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, den 28.9.2006, ab 13.00 Uhr in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin (Anfahrtsplan).

Das Veranstaltungsprogramm enthält unter anderem Vorträge von Google-Pressesprecher Stefan Keuchel, dem 18-jährigen Metager2-Entwickler Markus Franz sowie diversen Wissenschaftlern. Die Teilnahme kostet 20 Euro (ermäßigt 10 Euro), Anmeldung ist erforderlich und bis zum 19. September per Email und Überweisung (s. Programmseite) möglich.

Ach, das da oben ist bloß eine „suchmaschinenfreundliche“ Überschrift. Nicht so ernst nehmen – meine vorige Blog-Lektüre hat die Fantasie auf Abwege gebracht …

FAZ: Buße tun für Internet-Pilgerschaft

Thursday, August 31st, 2006

Standesdünkel oder Printkomplex? Die FAZ bedauert jedenfalls in ihrem heutigen Feuilleton auf Seite 35, im Internet recherchiert zu haben. Internetrecherche, tss, na sowas, bäh, Schweinkram, das …

Das Eröffnungskonzert des Kunstfestes Weimar steht seit 2004 unter der Überschrift „Gedächtnis Buchenwald“ und nicht, wie es an zwei Stellen unseres gestrigen Artikels „Gute deutsche Sätze“ irrtümlich hieß, „Gedenken Buchenwald“. Das gesamte Festival trägt auch in diesem Jahr wieder das Motto „pèlerinages“, dessen Schreibweise beim Redigat des gestrigen Berichts unserer Musikredakteurin leider in „pélérinages“ geändert wurde. Wir bedauern die Internetrecherche. [Hervorhebung von mir.] F.A.Z.

Liebe FAZ, vielleicht üben wir das einfach mit der Internetrecherche noch mal, statt gleich das gesamte doofe Internet auf euren Rechnern deinstallieren zu müssen. Das geht nämlich auch anders, bei Fragen zur französischen Rechtschreibung z.B. hier, hier, hier, hier und hier. Dann landet ihr auch nicht mehr auf Schweinkram- so komischen Web-2.0-Seiten bei der Suche nach der korrekten Schreibe von „pèlerinage“.

OLG Karlsruhe stärkt Rechte recherchierender Journalisten

Monday, August 21st, 2006

Recherchen, die die Persönlichkeitsrechte eines Betroffenen berühren, sind auch bei einem nur „schwachen Verdacht“ gerechtfertigt, so das Oberlandesgericht.
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Grass mit zwei S und mehr als zwei Fragezeichen

Wednesday, August 16th, 2006

Der vordere Teil unserer Überschrift belobigt die Jungle World für die schöne Überschrift.

Gestern frug ich mich, warum denn noch niemand über Grass’ Vergangenheit gestolpert ist. Einer der Biografen, jemand der über ihn schreibt. Recherche, die noch nicht einmal die Absicht hätte haben müsen, Grass etwas anzuhängen, hätte helfen können. Die Suche nach Zeitzeugen, Menschen, die Grass als Soldat erlebt haben, die Suche nach Dokumenten und sei es nur zu illustrativen Zwecken – all das hätte Chancen geöffnet, dahinter zu kommen.

Heute berichtet die Berliner Zeitung, dass Grass „vorläufige Erklärung“ als Kriegsgefangener zugänglich im Archiv lag – vermutlich seit 1964.

Im Moment interessiert aber die Frage, hätte man die Geschichte nicht nur finden können, sondern geradezu finden müssen, wenn man recherchiert hätte?

Wir bleiben dran.

Nachtrag 23 Uhr: Die Spekulation, das Grass einer möglichen Veröffentlichung zuvor kommen wollte, wurde entfernt, da es anders als Berliner Zeitung und Kölner Stadtanzeiger berichteten, keine entsprechenden Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit im Bundesarchiv gibt.

Bundesagentur gibt sich freundlicher als sie ist

Tuesday, August 15th, 2006

Nur kurz. Die internen Weisungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind jetzt online.
Die BA teilt hierzu in einer Pressemitteilung mit: „Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im Internet bisher interne Weisungen und Informationen veröffentlicht.“ Genau und kein einziges Dokument darüber hinaus. Und das obwohl auch einzelnen andere Dokumente bereits nach dem IFG herausgegeben wurden und diese dann eigentlich online gestellt werden sollten.
Weiter heißt es „Die BA setzt damit das seit dem 1. Januar 2006 geltende Informationsfreiheitsgesetz um. (…) Die BA hat sich für die Veröffentlichung zahlreicher Informationen im Internet entschieden, um Bürgern ohne Antragstellung Einsicht in wichtige interne Weisungen zu geben.“ Richtiger wäre wohl, dass die BA damit einem geschlossenen Vergleich nachkommt. Sie selbst hat das nicht entschieden, sondern ausdrücklich verweigert, sonst hätte man ja nicht vor Gericht ziehen müssen.

„Für die BA bedeutet das neben dem Serviceangebot auch eine Arbeitserleichterung.“ We will quote you on that!
„Das Angebot wird ständig aktualisiert und erweitert.“ Wir sind gespannt und halten den geneigten Leser hier auf dem Laufenden.

CAR-Workshop mit Michael Holm in Hamburg

Thursday, August 10th, 2006

Den Computer arbeiten lassen, um aus Datenbanken und Zahlenbergen die exklusive Story zu destillieren: Computer Assisted Reporting (CAR) gehört für die Kollegen in vielen Ländern längst zum Recherche-Alltag. Auch in Deutschland eröffnen uns Informationsfreiheitsgesetze in mittlerweile acht Bundesländern und seit 1. Januar 2006 auf Bundesebene den Zugang zu Datensätzen aus Ämtern und Behörden. Daneben zeigen wir, wie bereits öffentliche Daten gefunden werden und wie man sie verarbeiten kann.
Für CAR muss man kein Computer-Spezialist sein: In diesem dreitägigen Workshop geben wir einen Überblick über die Methoden und ihre Anwendungen. Das Recherchieren mit Hilfe von Excel wird ausführlich trainiert; an Beispielen aus dem In- und Ausland - und an den mitgebrachten Rechercheprojekten der Teilnehmer. Geeignete Projekte und Datensätze werden vorab mit den Teilnehmer besprochen. Zusätzlich gibt es vorab ein paar Excel-Übungen, um die Grundlagen zu vermitteln.

Mit Michael Holm, Dänemark, ehemals Danish International Center for Analytical Reporting (DICAR) und Marcus Lindemann (nr).

an der Akademie für Publizistik, Hamburg

Termin: 30. Oktober bis 1. November

Gebühr: 585 Euro

maximal 10 Teilnehmer

Anmeldung über http://www.akademie-fuer-publizistik.de/.

Inhaltliche Rückfragen etc. gerne an Marcus Lindemann.

Wer ist „AOL No. 4417749“? Thelma Arnold!

Wednesday, August 9th, 2006

Klar. Als AOL 500 MB an Suchdaten ins Netz stellte – absichtlich, als Fundus für Suchforscher –, war die Aufregung erstmal groß. AOL hatte die Suchdaten „anonymisiert“ – wozu es nach Ansicht des Unternehmens ausreichte, Nutzerkennungen durch Nummern zu ersetzen. Die Kritik war heftig. Aber schnell war (mindestens) ein bekannter Suchexperte zur Stelle, um AOL in Schutz zu nehmen und die Vermutung, anhand der Suchanfragen selbst werde es ein leichtes sein, Nutzer zu identifizieren, als übertrieben abzutun:

Nevermind that no one actually has come up with an example where someone could be identified. Just the theoretical possibility is enough to create a privacy firestorm in some people’s minds.

Und nun das: Michael Barbaro und Tom Zeller Jr. von der New York Times haben fleißig recherchiert und der Nummer ein Gesicht gegeben: „A Face Is Exposed for AOL Searcher No. 4417749“.

Was jetzt, Herr Linden? Immer noch alle nur paranoid da draußen?

Also denkt dran: Immer schön Cookies löschen!

News-Alerts per RSS-Feed

Friday, August 4th, 2006

Ach jeh, hat man schon eine schlimmere denglische Überschrift gelesen? Aber es ist ja für einen guten Zweck: Google soll’s verstehen, und die Suchenden auch. Nachrichten-Benachrichtigungen als elektronische Vertriebseinspeisung hätte wohl nicht wirklich seinen Zweck erfüllt. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Was ein RSS-Feed ist, erfährt man hier. Und da mir gerade ein Kollege, der sich gut mit Recherche und den Werkzeugen des so genannten Web2.0 auskennt, erzählte, dass er noch gar nicht wusste, dass man die Google News-Alerts auch per RSS-Feed abonnieren kann, dachte ich mir: weise ich doch auch bei recherche-info.de mal drauf hin. Ist schließlich so lange noch nicht im Angebot.

Inzwischen bieten es aber fast alle Nachrichtensuchmaschinen an (vielleicht einige sogar schon länger als Google, das weiß ich nicht): Bei Google, Yahoo, MSN, Netzeitung findet man den Hinweis auf RSS, Atom oder XML - alles das gleiche, zumindest was die Funktion angeht (Vorsicht: bei manchen erscheint der Knopf erst auf der Ergebnisseite, also wenn man bereits eine Suche ausgeführt hat). Man kann also die Nachrichten-Alarme (wie Web.de sie nennt, das übrigens als einzige der bekannten Nachrichtensuchmaschinen keine Feeds anbietet) im Feed-Reader seiner Wahl abonnieren und bekommt keine E-Mail-Benachrichtigungen mehr.

Ist das eine gute Idee? Das muss jeder selbst entscheiden. RSS ist sicher die eleganteste Versuchung, seit es XML gibt, aber wenn man dann erst mal 30 Feeds abonniert hat, kann es gut sein, dass die gute alte E-Mail im Postkasten wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht…