Archive for September, 2008

Besser Online 2008 am 18.10. in Hamburg

Sunday, September 28th, 2008

Der Bundesfachausschuss Online des DJV lädt ein zur Fachkonferenz Besser Online. Sie findet am Sonnabend, den 18. Oktober 2008 in der Handelskammer in Hamburg statt.

„Mehr Klicks …mehr Qualität?“ lautet dieses Mal die Leitfrage. Auf dem Programm (von 10 bis 17:30 h) stehen Diskussionsrunden und acht Workshops. Zur Anmeldung gehts hier.

Udo Vetter: Methoden bei der Jagd nach Bayerischem Whistleblower „skandalös“

Thursday, September 18th, 2008

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, haben Strafverfolger am vergangenen Freitag die Wohnung des Pressesprechers der Piratenpartei durchsucht. Offenbar waren sie auf der Suche nach einem internen Dokument des bayerischen Justizministeriums, aus dem hervor ging, dass Bayern zur Überwachung von Internet-Telefonaten bereits eine Abhör-Software benutzt hat, die dem geplanten Bundes-Trojaner sehr ähnlich war - „obwohl die gesetzlichen Grundlagen für Online-Durchsuchungen auf Bundesebene bis heute politisch hoch umstritten und nicht endgültig beschlossen sind.“ (FR)

Der Strafrechtler Udo Vetter dazu:

Die bayerischen Behörden haben ohne jede gesetzliche Grundlage an einem Trojaner gearbeitet und versuchen jetzt, die Kritiker mundtot zu machen“

Die Durchsuchung sei ein höchst fragwürdiges Mittel, um die undichte Stelle in der Behörde zu finden. Noch dazu sei der Pressesprecher lediglich als Zeuge, als unbeteiligter Dritter eingestuft gewesen.

„Die Strafjustiz wird instrumentalisiert, um unbequeme Behördenmitarbeiter einzuschüchtern, die auf Missstände hinweisen.“

Ex-Innenminister Gerhart Baum (FDP) sagte der FR, es sei die Frage, „ob hier nicht ein Übermaß an staatlicher Aktivität stattfindet“. Und: „Diese Sache hat einen unguten Geschmack.“

Sehr schön: Die FR verlinkt auf das Dokument, das die Piratenpartei veröffentlicht hat. Ein Schelm, wen das alles an den Fall CIcero erinnert.

Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf unsere Materialsammlung zum Thema „Digitaler Informantenschutz“ hinzuweisen.

Ist Mord noch strafbar?

Tuesday, September 16th, 2008

… fragt der Focus nicht. Wohl aber stellt er die Frage „Telefonstreich: Müntefering-Scherz strafbar?“.
In der Tat ist es schwer, in juristischen Fragen Aussagen im Indikativ zu machen. Was machen deutsche Journalisten deshalb: Richtig, sie fragen einen Experten. Und sicherheitshalber wird noch ein Fragezeichen drangehängt. Dann ist der Schreiber auf der richtigen Seite, der Leser aber weiß nicht, ob das Gesetz nun wirklich Mitschnitte verbietet, ob dies eine Mutmaßung des Focus ist oder aber nur die Einzelmeinung eines nicht näher spezifizierten Juristen.
Dienst am Leser sieht anders aus.
Dass Mitschnitte strafbar sind, ist indes unstrittig und unmissverständlich: Im §201 des Strafgesetzbuches heißt es:

„Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt
1. das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder
2. eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.“

Der Mitschnitt ist strafbar. Fullstop. Kein Fragezeichen.

Kombi aus Suchmaschine & Katalog

Monday, September 15th, 2008

Ich habe vor langer Zeit aufgehört, Kataloge wie das Yahoo-Verzeichnis oder auch das Open Directory Project in Seminaren vorzustellen, weil sie einfach nichts mehr taugen im Vergleich mit Volltextsuchmaschinen. Jetzt gibt es ein neues, interessantes Projekt namens Mahalo (na gut, gibt’s schon seit 2007, aber ist seit Januar 2008 im Beta-Stadium. Man kann ja nicht immer alles sofort bemerken ;-) )

Dort wird versucht, Meta-Suche (Google, Yahoo etc.) mit redaktionell und durch NutzerInnen erstellten Infos und Einordnungen zu verknüpfen. Noch ist alles ziemlich mau, aber die Einträge zu Suchbegriffen wie Obama zeigen auf, dass da durchaus Potenzial drinsteckt. Nur ist fraglich, wie lange das Projekt durchhält. Gründer Jason Calacanis ist ein sehr erfahrene Web-Unternehmer, aber dass da Geld drin steckt, ist einfach nicht sicher.

Futter für die Data-Mining-Nerds

Monday, September 15th, 2008

Two new APIs and a couple of chunky zip files… « Power of Information Task Force zeigt, was Briten und US-Amerikaner so alles mit öffentlichen Daten anfangen (oder anzufangen versuchen). Far out für jemanden wie mich, aber insofern interessant, als es aufzeigt, wohin die Reise gehen kann.

Sag niemals nie, Internet-Rechercheur!

Friday, September 12th, 2008

Oft werde ich gefragt, ob dies oder das online möglich sei. Die Liste, der Dinge, die ich für entweder unmöglich hielt oder aber wusste, dass sie unbezahlbar sind, schrumpft heute.

Beispiele, von dem was ich in Lillehammer gelernt habe:

1.) Datenbanken, die sich nicht herunterladen lassen, kann man mit Hilfe von robots auslesen. Ziel ist dabei, selbst mit den Daten zu arbeiten, und Zusammenhänge zu sehen. Bislang ging dies nur auf Apple-Rechnern oder aber wenn man bereit war, einen sechsstelligen Euro-Betrag zu investieren. Bisher. Jetzt gibt es mit Open-Kapow ein kostenloses Programm. Ein kleines Tutorial verlinke ich, sobald ich es online ist.

2.) Wer hat welche Websites registriert? Es gibt Methoden, solche Registrierungsdaten zusammen zu tragen, eine systematische Suche hat Paul Meyers (BBC) heute hier gezeigt, eine Suche bei Dialog. Anleitung und Beispiel folgen sobald….

3.) Wer hat eine Website früher besessen? Auch hierfür gibt es Datenbanken. Eine, die auch noch mehr bietet http://www.domaintools.com/products/units.html - leider kostenpflichtig, 10 Tage kostenlos

4.) Nicht neu, aber so universell noch nicht gesehen. Norid.no, das norwegische Pendant der Denic hat für alle Top Level Domains die offiziellen Registries verlinkt. http://www.norid.no/domenenavnbaser/domreg.html

Global Investigative Journalism Conference 2008, Lillehammer

Thursday, September 11th, 2008

Über 500 Journalisten aus über 80 Staaten sitzen für ein paar Tage just in dem Hotel im norwegischen Lillehammer, in dem zu den olympischen Spielen 1994 das Olympische Komitee stets tagte. Kein gutes Omen oder eine gezielte Provokation?
So es dass WLAN eben dieses Hotels zulässt, will ich hier ein bisschen von der Konferenz berichten verlinken.

Ein Stream ausgewählter Veranstaltungen ist hier verfügbar.

Die Handouts der über 110 Veranstaltungen sollen ebenfalls auf der Website zu finden sein. Im Moment gilt das nur für das Eröffnungspanel über den Journalismus nach 9/11 - 2001 ist gemeint, denn der 11. September 2008 wird, das kann ich nach dem ersten Tag der Konferenz sagen, den Journalismus (noch) nicht revolutionieren.

Vielleicht bringt den Kollegen auch noch jemand bei, dass man Links noch besser beschriften kann - die Dateinamen, die sich jetzt online finden, kann man nicht verstehen.
Downloads der handouts also hier: http://www.gijc2008.no/handouts

Links zu ausgewählten Handouts der Referenten folgen!

Paul Meyers von der BBC ist furchtbar unterhaltsam und hat uns allen noch Dinge rund um die Internet-Recherche gezeigt, die wir entweder gar nicht kannten oder aber die wir noch nicht so clever genutzt oder miteinander kombiniert haben.
Seine Präsentationen sind hier online: http://www.researchclinic.co.uk/skup/

Baumdaten: UIG trifft CAR

Friday, September 5th, 2008

Erstmals sind für Berlin die Rohdaten öffentlich, aus denen der Waldzustandsbericht erstellt wird. Um an die Daten zu gelangen half das Umweltinformationsgesetzes (UIG), mit Hilfe von Computer-assisted Reporting (CAR) entstand ein Artikel daraus. Kernaussage: Den Bäumen im Osten Berlins geht es etwas schlechter als denen im Westen der Stadt. Das war vorher noch nicht bekannt, denn der offizielle Bericht, der aus den Rohdaten erstellt wird, enthält nur Angaben über den Zustand der Bäume in Berlin insgesamt und differenziert nicht nach einzelnen Regionen. Anhand der Rohdaten – eine Datei im Excel-Format mit Angaben über alle 984 einzelnen Bäumen, die die Förster untersucht haben - war erstmals eine Differenzierung zwischen den Bäumen im Westen und Osten der Stadt möglich. Da die Rohdaten auch in anderen Bundesländern bisher noch nie veröffentlich wurden, folgt nun die Chronologie der Recherche für Kollegen, die das in anderen Bundesländern wiederholen möchten.
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