Archive for October, 2008

The End of Snippet View - Google Settles Lawsuit with Book Publishers - NYTimes.com

Tuesday, October 28th, 2008

Es ist soweit: Wie die New York Times berichtet, hat Google mit dem US-Verlegerverband Association of American Publishers (AAP) und dem Autorenverband The Authors Guild eine Einigung erzielt, die es Google erlaubt, 20 Prozent des Textes der Bücher in der Buchsuche anzuzeigen, nicht mehr nur Schnipsel. Das gilt selbstverständlich erst einmal nur für US-Bücher. Mal sehen, was in Deutschland passieren wird.

Wall Street Journal: Microsoft Battles Low-Cost Rival for Africa

Tuesday, October 28th, 2008

Wer gut Englisch spricht, sollte den Artikel aus dem WSJ lesen. Ein bedrückendes Beispiel für die Methoden eines Fast-Monopolisten, dessen Gründer sich gern als Wohltäter der Welt gibt. Aber auch - und deshalb der Hinweis in diesem Blog - ein beeindruckendes Lehrstück der Recherche.

Kleiner Recherche-Tipp nebenbei: Der Artikel wird nicht vollständig angezeigt, weil er angeblich nur für Abonnenten gedacht ist. Aber wer ihn über Googles News-Suche aufruft, bekommt ihn komplett. Wie lange, weiß ich allerdings nicht.

Eine Lanze brechen für die Online-Recherche

Monday, October 20th, 2008

Den ganzen Unsinn, den man sich ständig anhören muss, wenn man Internet-Recherche als Methode nutzt, lehrt oder verteidigt, habe ich versucht in einem Beitrag für Message zusammenzufassen. Der Artikel ist jetzt erschienen und zur Hälfte auch online.

1.) Die Glaubwürdigkeit von Onlinequellen ist schwer ermittelbar und sie sind generell eher unglaubwürdig. Offlinequellen sind daher Onlinequellen überlegen.
2.) Wikipedia lässt sich nicht überprüfen, und Fehler könnten unbemerkt übernommen werden, bevor sie korrigiert werden.
3.) Dass jeder frei publizieren kann, ist ein Fluch für den Journalismus.
4.) Es ist besser, mehrere Suchmaschinen zu nutzen als nur eine.
5.) Durch Internetrecherche lässt sich nichts Neues zu Tage fördern, da alles, was im Internet zu finden ist, schon per Definition veröffentlicht ist.
6.) Die verzerrte Wirklichkeitsabbildung durch Suchmaschinen ist ein zentrales Problem der journalistischen Onlinerecherche.

In der internen Diskussion der Co-Blogger hier tauchte auch die Frage auf, woher ich den diese ganzen dummen Argumente hätte, mit denen ich mich dann auseinandersetze.
Daher möchte ich hier auf die beiden Hauptquellen verweisen: Professor Dr. Machill und Dr. Thomas Leif. Bei genauerem Quellenstudium nährt sich dabei der Verdacht, dass Leif, der ohnehin oft gerne halbgare Studien zitiert, seine Urteile Vorurteile vor allem aus der wissenschaftlichen Arbeit Propaganda Machills bezieht. Beide haben sich schon mehr als einmal bei Podiumsdiskussionen und dergleichen getroffen.

Sehr putzig ist auch eine Stelle in Machills jüngster Studie, die ich hier ja schon zweimal kommentiert habe. Die Autoren geraten begrifflich ins Schwimmen und referieren, dass Websites einen wichtigen Anteil (sic!) des Internets darstellten und zu vielen Bereichen Informationen lieferten. Selten habe ich einen solchen Sprachmüll gelesen. Sei auch alles nicht so gemeint, versichert mir der Herr Professor per Mail. In Anbetracht der Tatsache, dass die Landesmedienanstalt NRW 100 000 Euro für die „Studie“ ausgegeben hat, finde ich wäre ein Lektorart oder das Gegenlesen durch den Professor, der seinen namen auf den Buchdeckel drucken lässt, doch sicherlich angemessen gewesen.

Die zweite Quelle für die o.g. Thesen ist das schon altbekannte Interview auf webwatching.info, in dem Thomas Leif Blogger beschimpft (Leif, Thomas: Interview mit Kristin-Leonie Weiland. http://www.webwatching.info)

Eine Rezension der Machill-Studie findet sich ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Message; aber nicht online.


Disclaimer: Ich habe nichts gegen Professor Machill, mich ärgert ausschließlich der Inhalt dieser sogenannten Studie. Das ist alles unabhängig von sonstigen Auseinandersetzungen rund um seine Person - mit diesen habe ich nichts zu tun, auch wenn ich in Leipzig einen Lehrauftrag habe.

Workshop zum Informantenschutz am 15.11. in Dortmund

Sunday, October 19th, 2008

Die DJV-Verlags- und Service GmbH lädt zum Workshop „Tarnkappen für Journalisten - Anonymität für Rechercheure“ am Sa., den 15. November nach Dortmund. Themen sind Anonymisierung und Verschlüsselung - was sonst bei diesem Thema?

Referenten:

  • Kajo Döhring, Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes Landesverband NRW ;
  • Anita Brandt-Zimmermann, Innenministerium NRW, Verfassungsschutz, Referat Spionageabwehr ;
  • Peter Berger, Online-Trainer und Berater für Internetsicherheit, Autor des Buches „Sicher kommunizieren und recherchieren im Internet“ ;
  • Peter Michalke, Fachjounalist, MEDIAHAFEN Dortmund ;
  • Dr. Elke Heck, Fachjournalistin, Datenschutz-Kompetenzzentrum Dortmund .

Anmeldung bis zum 31.10. über den DJV-Bundesverband.

Was tun, wenn der Staatsanwalt klingelt?

Saturday, October 18th, 2008

Die neue Message - Internationale Zeitschrift für Journalismus ist frisch am Kiosk. In jeder Message gibt es eine Beilage namens „Werkstatt“, die auf besonders praxisnahe Weise journalistisches Handwerk vermitteln soll. Die aktuelle Ausgabe steht unter der Überschrift

KEINE SPUREN HINTERLASSEN!
Wie Sie als Journalist Ihre Recherche und Ihre Informanten online wie offline vor dem Zugriff des Staates oder privater Detektive schützen können, zeigt Ihnen unsere aktuelle Message-Werkstatt.

Die Texte sind gekürzte Fassungen der Beiträge des Buches “Unerkannt im Netz - Sicher kommunizieren und recherchieren im Internet“ von Peter Berger, in dem auch ein Beitrag von mir erschienen ist - zum Thema „Was tun, wenn der Staatsanwalt klingelt?“ Der Verlag, UVK, hat mir erlaubt, den Text im Blog zu veröffentlichen. Was ich hiermit mache. Das soll natürlich niemanden daran hindern, die neue Message und/oder das Buch zu kaufen. Denn da steht ja noch viel mehr Interessantes drin.

Na dann: Was tun, wenn der Staatsanwalt klingelt? (more…)

Ars Technica über 750.000 und 250 Milliarden

Thursday, October 16th, 2008

Das US-Technikmagazin Ars Technica, hierzulande fast nur Nerds bekannt, hat eine fantastische Recherchere zu den Behauptungen von US-Regierung und Unterhaltungsindustrie, durch „Piraterie“ (also in dem Fall nicht die echte, die vor der Küste Somalias stattfindet, sondern die von Musik etc.) gingen der US-Wirtschaft 250 Milliarden US-Dollar und 750.000 Arbeitsplätze verloren.

Ein Lehrstück - über die Unterhaltungsindustrie und Lobbying, vor allem aber über Zahlen, die dadurch, dass sie beständig wiederholt werden (vor allem auch in den Medien), nicht richtiger und zuverlässiger werden. Und ziemlich sicher austauschbar, was das Thema angeht. Irgendwann werde ich so etwas auch für Deutschland machen. Wenn ich mal Zeit habe ;-)


750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy

Warum wart Ihr nicht im Netz, Korrespondenten?

Tuesday, October 14th, 2008

Es ist grausig, wenn man erst einmal anfängt, sich mit Fakten Nachrichten zu beschäftigen. Wie schon dargestellt, habe ich vergangenen Mittwoch zwei Fehler im ARD-Bericht zum Flugzeugabsturz in Nepal gefunden.
Gut für die ARD: Sie kann sich auf Agenturen berufen und die anderen „Qualitätsmedien“ wussten es auch nicht besser. Am Freitag Abend, 3 ganze Arbeitstage nach dem Absturz, war noch nicht einmal die Frage geklärt, wie weit der Absturzort von der nepalesischen Hauptstadt entfernt ist und in welcher Richtung beide Orte zueinander liegen.
Hier eine Auswahl der Antworten auf die Frage, wo der Absturzort Lukla von Kathmandu aus liegt:

… 300 km östlich (AP, ARD, 2 weitere Treffer) (185 Meilen)
… 250 km east (nepalnews.com, CNN) (155 Meilen)
… 140 km east (xinhuanet.com)
… 140 km northeast (AFP) (90 Meilen)
… 125 km nordöstlich (Reuters) (80 Meilen)
… 150 km nordöstlich (ZDF, Spiegel, Deutsche Welle, Tagesschau, Zeit, Süddeutsche, taz, 35 weitere)
… 150 km östlich (Zoomer mit AFP/DPA)

Richtig ist 140 Kilometer östlich, wenn man auf 10-km-genau rundet. Dass Lukla östlich von Kathmandu liegt, ist nicht zu bestreiten. Per Software wurde der Kurs von Kathmandu Airport nach Lukla Airport mit 90,2 Grad ermittelt. (90 Grad entsprechen genau Ostkurs.) Nordöstlich ist somit um 45 Grad daneben.

Landkarte von Nepal mit Maßband zum Entfernungsvergleich Bei ARD, Nepalnews und CNN hätte ein Lineal und der Blick in den Atlas genügt, um festzustellen, dass man grob daneben liegt: 300 km östlich von kathmandu liegt Sikkim (Indien). Alle anderen liegen aber immer noch so deutlich daneben, dass es einfach peinlich ist.

Da ich in der Woche des Unglücks eine Internetrechercheseminar für eine Nachrichtenredaktion zu geben hatte, habe ich anhand des Beispiels mal zusammen gestellt, was man zu dieser Meldung hätte im Internet finden können. In meiner Präsentation (PDF, 2 MB) finden sich zu dieser Frage Fotos aus meinem Atlas, eine Entfernungsmessung mit Hilfe des Lineals bei google earth sowie das Ergebnis einer Piloten-Software. Schnell zu finden sind auch eine Fülle guter Quellen zu Flughäfen, Airlines, Flugplan, Wetter und früheren Unglücken. Und das alles mit einem Aufwand, den ich von einem öffentlich rechtlichen Korrespondenten erwarte.

Etwas aufwändiger ist schon das Zusammenstellen weiterer Quellen, zumal dabei auch ein paar typische Probleme der Internet-Recherche auftauchen – das zeige ich in Teil 2 meiner Präsentation (PDF, 2MB). Dass sich die Mühe lohnt, zeigt der Bericht des Sterns einen Tag nach dem Unglück: Die verunglückte Maschine hatte zuvor bereits zwei Unfälle – die staatlichen Berichte zu beiden finden sich im Netz. Samt Fotos.

(Ich hoffe, mit dieser Erläuterungen ist die Präsentation zu verstehen.)

Von Kanzlermachern und Politikberatern - Oder wer die politische Agenda bestimmt - Stephan Weichert und Leif Kramp

Friday, October 10th, 2008

Eine schöne Zusammenfassung der Studie „Journalismus in der Berliner Republik – Wer prägt die politische Agenda in der Bundeshauptstadt?“ (komplett abrufbar als PDF, 700 KB), von Leif Kramp und Stephan Weichert (herausgegeben vom Netzwerk Recherche) gibt es auf der Schweizer Seite medienheft.ch:

Von Kanzlermachern und Politikberatern - Oder wer die politische Agenda bestimmt - Stephan Weichert und Leif Kramp.

Ein Auszug:

Die Recherchesituation der Hauptstadtjournalisten ist von einer starken Ambivalenz geprägt, die sich aus dem Zusammenspiel von Nähe und Distanz, Ausnutzen und Anfreunden ergibt. Hinzu kommen zuweilen auch Wissenslücken in Bezug auf die Sachthemen und das jeweilige Gegenüber. Die für den Recherchejournalismus zentrale Frage, warum in Berlin so wenig bzw. so mangelhaft recherchiert wird, lässt sich auf Grundlage der Befragung zwar nicht eindeutig beantworten. Die Befunde legen allerdings die Vermutungen nahe, dass (1) aktualitätsgebundene Redaktionen generell weniger recherchieren, (2) die Zentralredaktionen eine umfassende Recherche gar nicht unbedingt erwarten, (3) Recherchen – im ökonomischen und ideellen Sinn – nicht (mehr) angemessen honoriert werden und (4) generell nach einem „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip gehandelt wird: Bei einer kritischen Berichterstattung könnten wertvolle Recherchequellen für immer versiegen, umgekehrt könnten publizistische Liebesdienereien und ein Hinwegsehen über Missstände einen dauerhaften Zugang zu Exklusivinformationen garantieren.

Schickt Eure Korrespondenten ins Netz!

Thursday, October 9th, 2008

Zugegeben, die Nachricht hat mich betroffen gemacht: 18 Menschen sind am 8. Oktober 2008 morgens in Nepal ums Leben gekommen. Ich kenne den Ort, bin selbst auf dem Flughafen gelandet und mir war sofort klar, was die Menschen dort wollten: Bersteigen oder Wandern.
Damit war ich zweilfsohne besser informiert als der ARD-Korrespondent in Delhi. Der schaffte es nämlich in seinem Bericht, der im ARD-Hörfunk rauf und runter lief, gleich mindestens zwei Fehler zu machen:

- Die Landebahn ist nicht abschüssig, sondern ansteigend - was die Landung begünstigen soll.
- Lukla ist nicht 300 Kilometer von Kathmandu entfernt, sondern nur rund 140 (ermittelt mit dem Lineal von google earth).

Ob man bei 60 Kilometer noch von „nah am Mount Everest“ sprechen kann, lasse ich mal offen. Auch in anderen Punkten wie der Anzahl der nepalesischen Airlines und deren Sicherheitsstandards darf man nicht behaupten, dass die ARD da noch Spekulationen Informationen verbreitet. Das gilt übrigens auch für andere Medien an diesem Tag.
Warum muss man es sich als Leser gefallen lassen, dass die Zahl der Starts und Landungen wie der Insassen der Maschinen grob geschätzt werden, wenn doch die Flugpläne und die Kapazitäten der Maschinen leicht zu recherchieren sind?
Beide Fehler hätte man (mit etwas Können) in einer Viertelstunde finden können - abgesehen davon, dass ich tatsächlich vor Jahren mal dort war, sind mir die Fehler vor allem aufgefallen, weil ich Meldungen aus verschiedenen Quellen Medien miteinander verglichen habe - die widersprachen sich und für alle Punkte lassen sich gute Quellen im Netz finden.

Die neueren Meldungen von Tagesschau.de enthalten die Fehler nicht mehr. Die Entfernung zwischen Lukla und Kathmandu wird gar nicht mehr genannt. Die Landebahn aber ist nun ansteigend und nicht mehr abschüssig. (Fragen Sie mich nicht, wie ich nun formulieren würde, wenn von der Start- und Landebahn die Rede wäre - denn es ist ja nur eine Betonpiste von rund 500 Metern Länge (Ich übernehme hier nicht die vermeintlich präzise Länge von 527 Metern, da diese nicht mit der daneben genannten Länge von 1600 Fuß (rund 488 Meter) korrespondiert und die Quelle unklar ist.)

Mehr zu anderen, zumindest unpräzisen Infos und zu den Dingen, die ein Netz-Korrespondent für die ARD hätte finden können, demnächst hier in einem Nachtrag. Beide Fehler sind dem Anschein nach aus Meldungen von ap und dpa übernommen worden - denn auch andere Medien, die sich auf genau diese Quellen berufen, haben die 300 Kilometer gemeldet.

Was mich besonders ärgert ist, dass man Korrespondenten zum Vorlesen von Agenturmeldungen ans Mikro schickt statt ihnen eine Stunde Zeit zu lassen. In der Stunde hätte man mehr Infos zusammen tragen können als sämtliche anderen Medien bis mittags recherchiert von anderen abgeschrieben hatten. Den meisten Journalisten ist klar, dass die Korrespondenten nicht vor Ort sind und von den Agenturmeldungen leben - aber der Gebührenzahler wird sich ärgern. Zurecht. Es wäre redlicher, die Korrespondenten nur dann vor die Kamera und ans Mikrofon zu lassen, wenn Sie wirklich etwas zu berichichten haben. Wenn es nur der Stand der Agenturmeldungen ist, soll es doch die Heimatredaktion machen. Im Namen der Glaubwürdigkeit.

Neue Desktop-Suche für Windows: Viel besser als Google Desktop?

Monday, October 6th, 2008

Ich benutze Google Desktop nicht. Zum einen, weil ich mit Googles Umgang mit Nutzerdaten nicht einverstanden bin. Zum anderen, weil es seit Ewigkeiten Copernic gibt, das (so lange ich Windows genutzt habe und das beurteilen konnte) ohnehin viel besser war als Google Desktop. Aber das glaubt leider niemand in der Googlewelt, in der wir leben. Vielleicht schafft es jetzt ein kleines Programm, die Vormachtstellung zu brechen: Everything. Wenn man einem Bericht im Downlaod-Blog von CNet glauben darf, hat es das Zeug dazu. Wäre schön, wenn Sie / Ihr uns sagt, ob’s funktioniert.