Eine Lanze brechen für die Online-Recherche

Den ganzen Unsinn, den man sich ständig anhören muss, wenn man Internet-Recherche als Methode nutzt, lehrt oder verteidigt, habe ich versucht in einem Beitrag für Message zusammenzufassen. Der Artikel ist jetzt erschienen und zur Hälfte auch online.

1.) Die Glaubwürdigkeit von Onlinequellen ist schwer ermittelbar und sie sind generell eher unglaubwürdig. Offlinequellen sind daher Onlinequellen überlegen.
2.) Wikipedia lässt sich nicht überprüfen, und Fehler könnten unbemerkt übernommen werden, bevor sie korrigiert werden.
3.) Dass jeder frei publizieren kann, ist ein Fluch für den Journalismus.
4.) Es ist besser, mehrere Suchmaschinen zu nutzen als nur eine.
5.) Durch Internetrecherche lässt sich nichts Neues zu Tage fördern, da alles, was im Internet zu finden ist, schon per Definition veröffentlicht ist.
6.) Die verzerrte Wirklichkeitsabbildung durch Suchmaschinen ist ein zentrales Problem der journalistischen Onlinerecherche.

In der internen Diskussion der Co-Blogger hier tauchte auch die Frage auf, woher ich den diese ganzen dummen Argumente hätte, mit denen ich mich dann auseinandersetze.
Daher möchte ich hier auf die beiden Hauptquellen verweisen: Professor Dr. Machill und Dr. Thomas Leif. Bei genauerem Quellenstudium nährt sich dabei der Verdacht, dass Leif, der ohnehin oft gerne halbgare Studien zitiert, seine Urteile Vorurteile vor allem aus der wissenschaftlichen Arbeit Propaganda Machills bezieht. Beide haben sich schon mehr als einmal bei Podiumsdiskussionen und dergleichen getroffen.

Sehr putzig ist auch eine Stelle in Machills jüngster Studie, die ich hier ja schon zweimal kommentiert habe. Die Autoren geraten begrifflich ins Schwimmen und referieren, dass Websites einen wichtigen Anteil (sic!) des Internets darstellten und zu vielen Bereichen Informationen lieferten. Selten habe ich einen solchen Sprachmüll gelesen. Sei auch alles nicht so gemeint, versichert mir der Herr Professor per Mail. In Anbetracht der Tatsache, dass die Landesmedienanstalt NRW 100 000 Euro für die „Studie“ ausgegeben hat, finde ich wäre ein Lektorart oder das Gegenlesen durch den Professor, der seinen namen auf den Buchdeckel drucken lässt, doch sicherlich angemessen gewesen.

Die zweite Quelle für die o.g. Thesen ist das schon altbekannte Interview auf webwatching.info, in dem Thomas Leif Blogger beschimpft (Leif, Thomas: Interview mit Kristin-Leonie Weiland. http://www.webwatching.info)

Eine Rezension der Machill-Studie findet sich ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Message; aber nicht online.


Disclaimer: Ich habe nichts gegen Professor Machill, mich ärgert ausschließlich der Inhalt dieser sogenannten Studie. Das ist alles unabhängig von sonstigen Auseinandersetzungen rund um seine Person - mit diesen habe ich nichts zu tun, auch wenn ich in Leipzig einen Lehrauftrag habe.

One Response to “Eine Lanze brechen für die Online-Recherche”

  1. Jens Weinreich Says:

    Oh ja, ich danke für den Hinweis auf das Interview mit dem Blog-Dingsda-Experten Thomas Leif. Dieses Kleinod des investigativen Journalismus muss mir irgendwann entgangen sein. Stammt es aus dem 20. Jahrhundert? Oder aus der Vor-Gutenberg-Zeit? Aus dem dritten Jahrtausend doch eher nicht, oder? Leider habe ich auf unter webwatching.info dazu keine Datumsangabe gefunden. Aber das mag meinen mangelnden Recherchefähigkeiten geschuldet sein.

    Egal, Thomas Leif, der, wie wir wissen, nie seine eigene Person in den Vordergrund stellt, auch nicht in TV-Beiträgen, und immer schön mit Belegen arbeitet, um ein möglichst objektives Bild eines Sachverhalts zu entwerfen, auch in TV-Beiträgen, hat wieder mal die Welt erklärt. Danke!