Archive for March, 2009

Unstimmige Zahlen innerhalb eines Textes (Folge 239)

Saturday, March 28th, 2009

Zahlen sind kompliziert, oft nicht zu überprüfen und viele Kollegen stehen mit Ihnen auf Kriegsfuss.
Heute wundere ich mich über den Artikel von Björn Wirth in der Berliner Zeitung.

Dort heißt es zunächst:

ließ sich Dieter von Holtzbrinck im Sommer 2006 überraschend seinen Anteil am Familienunternehmen auszahlen. Von einer bis anderthalb Milliarden Euro war die Rede

und wenig später

Damals wurde vereinbart, dass Dieter von Holtzbrinck seinen Anteil nicht sofort, sondern über 15 Jahre verteilt ausbezahlt bekommt. Wie der Branchendienst Kress berichtet, soll es sich dabei um bis zu 30 Millionen Euro im Jahr gehandelt haben.

Da rechne ich als Leser im Kopf 15 Jahre mal 30 Mio macht 450 Mio - ohne auflaufende Zinsen für die offene Forderung. Wie passt das zum Kaufpreis von 1 bis 1,5 Mrd?

Und sind 1,5 Mrd nicht ein stolzer Preis für einen Anteil (von einem Drittel) an einem Verlag, der gerade 165 Mio Gewinn macht?

Stimmiger dagegen sind die Zahlen in der Süddeutschen: 600 Mio Kaufpreis damals, davon 200 sofort, Rest in Raten von 30 Mio/Jahr.

Die 1,5 Mrd aus der Berliner Zeitung könnten der Gesamtwert des Unternehmens zum damaligen Verkauf beziffern: Drei Anteile zu 600 Mio. Dieser Kaufpreis liegt dann rund beim 10fachen Jahresgewinn - insgesamt ist das ein stimmigeres Bild.

Als Leser hasse ich es, wenn ich mir diese Mühe machen muss.

Minimalkanon der Internet-Recherche

Thursday, March 26th, 2009

Nachdem ich in einem Vortrag auf der GOR 2007 (pdf zur Konferenz, abstract auf Seite 109) bereits in einer Analyse typischer Fehler und Probleme Minimalstandards für die journalistische Internetrecherche gefordert habe, habe ich diese im verganenen Jahr geringfügig modifiziert - für das nun im Juni erscheinende Buch „Innovationen für den Journalismus“ (Hrsg.: Fengler, Susanne / Kretzschmar, Sonja).

Die Formulierungen sind vielleicht etwas kryptisch - die Liste ist ja sonst in einen Vortrag bzw (s.o) ein Buchkapitel eingebettet.

Minimalkanon der Internetkenntnisse für Rechercheure

1. Syntax und Funktionsweise von Suchmaschinen
2. Bewertung von Online-Quellen
3. Strategien, um die Zahl der Treffer zu reduzieren, Ergebnisse einzugrenzen
4. Methodisches Vorgehen statt Fleißarbeit, denn Fleiß statt Methode führt zu Fehlern
5. Systematisches Abarbeiten von Trefferlisten
6. Finden der eigenen Suchbegriffe auf den Trefferseiten
7. Einsatz der site-spezifischen Suche
8. Recherchefragen erkennen, die offline gelöst werden müssen; effiziente Kombination von On- und Offline-Recherche
9. Erschließen von Quellen des „deep web“ (z.B. die google und andere Suchmaschinen bislang noch nicht finden)

Handouts und Vorträge zu diesen Themen finden Sie auch hier auf dieser Site - bis Ende April sind bestimmt auch wieder alle pdfs online :-) Suchen Sie einfach ab und zu mit dem folgenden Suchbefehl:

site:recherche-info.de filetype:pdf

Über Kommentare und Ergänzungen freue ich mich!

Seitenhieb auf das Web-Adressbuch

Thursday, March 19th, 2009

SCNR: Wenn man auf einer Website den Button findet
Diese Web-Seite gehört zu den
6.000 wichtigsten deutschen
Internet-Adressen 2008

dann ist das selbstverständlich nicht nur eine Aussage über die betreffene Site, sondern auch über das Web-Adressbuch.

Und welche Site schmückt sich mit dem Button?
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Mangelhafte Recherche: die Winnenden-Ermittlungspanne

Saturday, March 14th, 2009

Der Innenminister von Baden-Württemberg päsentierte ein angeblich vor der Tat im Internet veröffentlichtes ‘Bekennerschreiben’ des Mörders von Winnenden. Das offenbart mangelhafte Online-Recherche der Ermittlungsbehörden. Dabei hatten diese mindestens zwei mal exklusiven Zugriff auf Quellen.

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Google immer kaputter

Monday, March 9th, 2009

Kürzlich hatte ich darauf hingewiesen, dass Googles OR-Operator im Eimer ist. Nun passieren weitere seltsame Dinge. Suche ich nach [spielkamp estland], bekomme ich 98 Treffer, suche ich nach [„matthias spielkamp“ estland], sind es 195.

Der Unterschied liegt darin, wie Google die Suchanfrage behandelt: gibt man einfach nur [„matthias spielkamp“ estland] ins Suchfeld ein, macht Google daraus

http://www.google.de/search?hl=de&q=%22matthias+spielkamp%22+estland&btnG=Suche&meta=

Streiche ich weg, was ich nicht verstehe, mache also

http://www.google.de/search?hl=de&q=%22matthias+spielkamp%22+estland

daraus, kommt das „richtige“ Ergebnis: 47 Treffer. Die Frage ist also zum einen, was &btnG=Suche&meta= zu bedeuten hat, zum anderen, warum Google verwirrende Suchergebnisse liefert, ohne das zu erklären (wie etwa mit

„Keine Ergebnisse für „Der Unterschied liegt darin, wie Google die Suchanfrage behandelt:“ gefunden.

Ergebnisse für Der Unterschied liegt darin, wie Google die Suchanfrage behandelt: (ohne Anführungszeichen):“

Ich kann keine Erklärung finden (auch nicht auf dieser genialen Seite) und bitte um Mithilfe bei der Aufklärung.