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Wednesday, October 21st, 2020

Damit sich niemand mehr wundert: Wir bloggen hier nicht mehr, das Material wird nicht mehr aktualisiert.

Ab und zu nutzen wir die Website noch zu Trainingszwecken.

Besser online recherchieren: Gezielt in einzelnen Branchen recherchieren

Monday, October 20th, 2014

Fragen wie diese tauchen bei Recherchen schnell auf:

-  Wie kriege ich raus, welche Unternehmen es in einer Branche gibt? Wer sind die Wettbewerber?

oder aber auch:

-  Wie kann ich innerhalb einer Branche gezielt recherchieren?

Hier meine Antworten und Ideen.

I.  Mit der Hilfe von Google
Dort gibt es den Operator [related:] der ähnliche Websites findet. Ähnlich bezieht sich hier, auf Websites, die in einem Internet-Katalog (hier dem nicht mehr öffentlich einsehbaren von Google; verfügbarer Katalog: dmoz.org) in der gleichen Rubrik abgelegt sind, sie die genannte Website. Die folgende Suchanfrage

[related:volkswagen.de]

liefert z.B. eine ziemlich vollständige Liste von Automarken (aber auch andere
Websites, die zu VW gehören. Während das wohl eher für Marsmenschen interessant ist, liefert

[related:immobilienscout24.de]

eine gute Liste von anderen Immobilienportalen, auf denen sich auch Schnäppchen finden lassen. Die Ergebnisse sind aber immer nur so gut, wie der dafür genutzte Katalog. Gerade in Nischen-Märkten lässt sich damit nicht recherchieren.
II.  Mit der Hilfe von Datenbanken

Die Datenbank-Plattform genios.de bietet eine ganze Reihe von Firmen-Datenbanken, die sich in ihren Suchkriterien (strukturierte Daten!) voneinander unterscheiden. Auch hier lässt sich die an sich kostenpflichtige Datenbank, kostenlos zum Sortieren nutzen. Hat man erst die kostenlose Ergebnisliste erzeugt, lassen sich die aufgelisteten Unternehmen in der Regel problemlos im Internet oder in anderen Datenbanken finden, zumal die Trefferlisten bereits Ort und Postleitzahl enthalten.
So enthält „bedirect Firmenprofile Deutschland“ nach eigenen Angaben „schwerpunktmäßig“ (d.h. vermutlich weder vollständig noch ausschließlich) Unternehmen mit mehr als 5 Millionen Euro Umsatz. Die Daten stammen zum Teil aus Interviews/Befragungen und sind daher mit Vorsicht zu genießen. Es gilt wie immer: Jede Datenbank ist nur so gut wie die ihr zugrundeliegenden Daten.

a) Darunter bieten u.a. Bedirect (wichtig: „Deutschland Firmenprofile“ nicht die
Datenbank „Kurzprofile“ auswählen) und bismode auch eine Suche nach Branchen, anhand des sogenannte WZ-Codes (2003 oder 2008) des Statistischen Bundesamtes  oder des amerikanische US-Sic an. Der WZ-Code sortiert die ganze Wirtschaftswelt in 99 Über-Branchen ein. So erhält alles, was mit Landwirtschaft hat die Ziffer 01, es folgen Unterbranchen etwa der Anbau einjähriger Pflanzen dann unter 01.1, die sich dann wieder aufgliedert in den Anbau von Getreide (01.11) oder Reis (01.12) oder unter 01.13 dem „Anbau von Gemüse und Melonen sowie Wurzeln und Kartoffeln“etc. der sich wiederum in die Gruppen „Gemüse und Melonen“ (01.13.1) und „Wurzeln und Kartoffeln“ (01.13.2) untergliedert.

Kurzum: Jeder wirtschaftlichen Tätigkeit ist ein maximal 5stelliger WZ-Code
zugeordnet.

Hier ein weiteres Beispiel
10.3 Obst- und Gemüseverarbeitung
10.31   Kartoffelverarbeitung
10.31.0    Kartoffelverarbeitung
10.32    Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften
10.32.0    Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften
10.39    Sonstige Verarbeitung von Obst und Gemüse
10.39.0  Sonstige Verarbeitung von Obst und Gemüse

b) Die einzige Schwierigkeit hier ist, dass man wissen muss, in welchem Format der WZ-Code eingegeben werden muss. Die fünfstelligen Codes sind am einfachsten: Sie werden vollständig eigegeben. Es können aber auch zwei-, drei oder vierstellige Codes eingegeben werden, diese sollten immer mit einem [*] ergänzt werden, damit Sie auch die Unternehmen in den Unterrubriken mifinden, also z.B.:

[103*]  oder   [1032*]

Offensichtlich sind einige Unternehmen nur in der Oberkategorie eingetragen (hier z.B. 10.31) auch wenn es eine gleichnamige Unterkategorie (hier: 10.31.0) gibt.

c) Sobald Sie bei einer Recherche sicher sind, den richtigen Branchenschlüssel
gefunden zu haben, können Sie nun die Suche verfeinern. Bei bedirct etwa nach den Kriterien:
Ort, Postleitzahl (von .. bis), Rechtsform, Person, Eigentümer, Beteiligungen, HRNummer, Amtsgericht, Umsatz (von .. bis), Anzahl der Beschäftigten (von .. bis) und Gründungsjahr (von .. bis)

Darüber hinaus ist auch nach wie vor eine Suche nach Begriffen in der Volltextsuche möglich!
Tipp: Führt die Suche zu keinem Erfolg, suchen Sie zunächst mit einem Kriterium allein. (Bei der Postleitzahl führt z.B. die Suche mit [*] zu falschen Ergebnissen, das Auffüllen mit Nullen aber scheint sinnvolle Ergebnisse zu liefern. D.h. Sie können z.B. alle Unternehmen im Postleitzahlbereich 10000 bis 19999 finden.

© Marcus Lindemann 2014

Besser online recherchieren: Kann man eigentlich Google-Ergebnisse nach Datum sortieren?

Tuesday, September 16th, 2014

Ja.

Und das geht so:

Google sortiert prinzipiell nach seinen eigenen Relevanz-Kriterien.
(Nebenbei: Der genau Alogrythmus hierzu ist so geheim wie die Coca-Cola-Formel, aber die Hauptkritierien sind genauso bekannt wie die Zutaten von Coca-Cola.)

Aber: Die Suchoption „Zeitraum festlegen“ erlaubt, die Treffer auf beliebige Zeiträume einzuschränken. Und jetzt kommt der Trick: Ein solcher Zeitraum kann auch lauten „vor 31.12.2014“ (oder bis zum heutigen Datum), also alle aktuell bekannten Treffer enthalten. Sobald diese Suchoption eingestellt wurde, lässt sich dann auch die Sortierung ändern (siehe screenshot) und man erhält die Treffer in absteigener Sortierung. Durch eine Veränderung des festgelegten Zeitraums kann man dann auch gezielt zu älteren Treffern springen, ohne sich durch die Trefferlisten klicken zu müssen.

Datumsortierung mit Google

Das Ganze funktioniert (natürlich) nur so gut wie die Datumssortierung bei Google funktioniert - und die hat ihre Macken. Schwierigkeiten bereiten oftmals Inhalte auf Nachrichtenseiten, den neben älteren Inhalten auch akutelle Schlagzeilen enthalten (und umgekehrt).

Why accuracy matters and how journalism can survive in the digital age

Saturday, September 8th, 2012

Yesterday I was invited to hold a key note speech at the closing ceremony of the first German-Danish summer academy at Fachhochschule Kiel.
For today I will just put the whole speech online. Links and pictures are to follow next week.

Dear Ministerpräsident Albig,
dear professor Klausner,
dear honorary consul Bormann,
dear ladies and gentleman,
my dear colleagues,

Thank you for the opportunity to share some of my concerns about the future of journalism with you.
Sound training and a focus on regional issues –as at this summer-school - are certainly two promising remedies that can address the media crisis – especially the crisis among regional newspapers.

If you think, you know what you see on this picture,

(thanks to bildblog.de to point at that story.)
(The picture is still online - with a wrong subline http://www.sueddeutsche.de/wissen/neil-armstrong-ist-tot-still-und-weise-1.984317-3

If you believe that it was Hans-Joachim Friedrichs who originated the idea, that journalists should not fight for any cause, even not for a good one.

And if you trust your encyclopaedia at home that it will have the length of the river Rhine correctly …

… then you are likely, to make factual mistakes. Which is no problem – unless you work in a profession where facts matter. In journalism facts matter a lot – if our audience cannot trust us on these, we are lost.
Factual accuracy is therefore at the core of journalistic virtues and will stay with our profession no matter where it moves technically - whether it will still be printed on paper or broadcast in a linear manner as we know it.
When we talk about fact-checking, we want to ensure that facts are being checked before they get published. For those of you who are not involved in journalism (or exposed to journalism for other professional reasons) this might come as a surprise: But in general journalists -outside the US-publish what they consider to be facts without having these cross-checked by a second person.
Let’s look at some examples:

The frontpage of Süddeutsche Zeitung – Monday one week ago.
This suggests that this is the footprint of Neil Armstrong, but it isn’t. It’s that of his colleague Buzz Aldrin. The actual wording that the newspapser used here – doesn’t say it is his footprint. So at the very least, this is not very accurate.

But this one went for the full mistake: Saying this is Neil Armstrong’s footprint – which is false. (That story too was covered by bildblog.)

And while Süddeutsche had mirrored the picture, “Die Welt” had it upside down.
If you look into this matter, you will learn that there was even a debate on what Neil Armstrong actually said when he stepped out.

(source: Nasa)

And there is no longer any doubt that he dropped the article “a” in his famous “one small step for a man” which would have changed the meaning. Thus the famous quote is only what Armstrong intended to say – without actually saying it.

You might feel that all this is a bit nerdy - to discuss whether an astronaut dropped an article while he was doing something that is truly breathtaking. Why discuss whose footprint that is – as long as it is a footprint on the moon?
To me journalism is a profession that cares about precision, about detail – and about getting as close to the truth as feasible. That’s why I care. Or as one of my bosses had it: If you do not get the names and figures right, why should we trust your story anyway?
(More over it helps a lot, once companies take you to court for alleged false reporting.)
Fact-checking shall ensure that you have proof, or even two sources of proof. And often we do not cross-check because we are pretty sure that we know something by heart.

But this can turn out to be very tricky:

(article in  Süddeutschen Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/wissen/der-rhein-ist-kuerzer-als-gedacht-jahrhundert-irrtum-1.24664)

The river Rhine is 90 kilometres shorter than our schoolbooks or printed encyclopaedias have it. That’s almost the length of the Kiel canal that got lost here – due to transposed digits.

Who argued that journalists shouldn’t fight for any cause, even if it is a good one?

It was not Hans Joachim Friedrichs but Charles Wheeler at the BBC from whom Friedrichs got that way of thinking.

What was John F. Kennedy referring to, when he made his famous quote “Ich bin ein Berliner”?

He did not feel like a Berliner nor did he intend to say he was a citizen of Berlin and he did not want to create a slogan to draw tourists to the city. Instead he was referring to ancient Rome – when the proudest thing one could say was “I am a citizen of Rome.” because that menat to have civil rights.

For Kennedy the sixties equivalent was “Ich bin ein Berliner.”

[editorial annotation, added November 12th: Kennedy used that phrase twice: The second time was at the end of his speech. There the quote can be interpreted as -in one particular way- feeling like a Berliner or that he is a citizen of Berlin - but still Berlin here was meant as the modern equivalent of Rome, i.e. a free city in the democratic Western World. So he too was a free man living in the free democratic Western World and -as the Berliners- was not a citizen of the evil East. My speech is using the altered quote at the end to reflect this.]

In many cases false facts are not just based on human error, time pressure and the like, but on PR-people trying to get their story through – with a bias the pleases their clients.
Fact checking will help to show up such stories that are mainly based on one source only.

(The article is still online: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verpackungsindustrie-comeback-der-dose-1.953813)

Like this one that we examined last week and which is full of factual mistakes.
And yes again, it’s Süddeutsche Zeitung. I do not intend to say, that they make more mistaktes than others. I actually like that newspaper very much – but don’t we tend to be very rigorous on the ones we like the most?

Checking such facts hardly takes place. On the slide you see how Der Spiegel treats facts. They have a department staffed with around 100 people trying to eliminate or at least to reduce the amount of mistakes. According to one well documented account – this means that 1153 changes have been made due to the fact-checking of one issue only. This count includes 559 mistakes and another 400 cases where the fact-checking lead to more precision.
Some of these mistakes probably were only made because the journalists at Der Spiegel are fully aware that their magazine has fact-checkers and mistakes will be erased before going to the printing press. So journalists at Spiegel bother less to avoid mistakes because of the fact-checking.
However, despite the enormous effort Der Spiegel still makes mistakes –

(article in the archive of Spiegel: wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=87908010&aref=image052/2012/08/25/CO-SP-2012-035-0088-0088.PDF&thumb=false)

in last week’s issue our Danish participants saw that they mistook one Danish politician for another and hence printed the wrong picture.

 

Some papers run correction columns regularly – including Spiegel and Süddeutsche – which is good because everybody will tend to continue making mistakes as long as nobody cares about them. Moreover it is a message to the readership: This paper cares about accuracy. Factual mistakes and other shortcomings must at least be talked about – they must be a regular topic in staff meetings.

Bigger mistakes are often not talked about for years.

(link to that issue in the Spiegel archive: http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1993-27.html)

Like this Spiegel cover story that even made the German Home Secretary, Innenminister Seiters, resign – but –at its core – was false. It is very rare that journalists talk about their mistakes and admit that they have been wrong. In this case Hans Leyendecker frankly admitted that he was wrong – which makes him an even greater investigative journalist than he already is.
And of course he did not publish that false story on purpose – he was very sure that he was right.

In many cases you will start to fact-check and then come up with a story in its own right.
In another case a journalist wondered about how many hectares of forest there are in Schleswig-Holstein

And he found no less than three official statistics on what was meant to be one figure only:

One of the may reasons behind these discrepancies is that in one definition, it doesn’t matter in what federal state the trees of a forest are but where the citizen who owns the forest lives. If you look into that dataset – Hamburg looks like a huge forest.

(For the full article klick here: http://www.abendblatt.de/region/article1834083/Dichter-Statistik-Dschungel-im-Norden.html)

This was not intended to be a story on facts only. The government here spent money on increasing the forest area in this state. So looking into the statistic was decisive on whether that money had an effect.

Fact-checking can even lead to investigative stories

This was an advertisement under the red-green government. Claiming that those companies on the chalk board had established new apprenticeship-jobs – Ausbildungsplätze.
We were asked to fact-check it. And came up with a quite different account.

That is governmental PR in disguise and should belong to our key tasks as journalists. But no other journalist investigated that – although it was printed in Der Spiegel.
Seymour Hersh, the great American investigative journalist who uncovered the My Lai massacre in Vietnam in 1968 and whom you probably heard of last when he uncovered the Abu Ghraib torture procedures and pictures in 2004, said
« Governments lie. We don’t lie, we make mistakes but we’re not liars, that’s the difference. »
So even if we journalists do not lie on purpose – we do not always care very much about accuracy.

Unfortunately we do not have external quality controls in place for our media. We get reports on pesticides in our food, of the nasty bits of small print in insurance contracts and on hazardous toys, but we do not have consumer reports on the quality of our media. This is a structural problem because it is a hindrance for competition in quality. So if we complain that the media only compete in market share, this is due to a lack of alternatives.
By the way – it is not only consumer reports missing here, but consumer rights. You cannot return a newspaper because of factual mistakes nor can you reclaim your money or asked for a corrected version.

Why is factual accuracy so vital for the future of journalism?
Today everybody can publish and – different from ten years ago - everybody who wants to be read can publish and will be found by his or her audience.
Many newspapers over here still have not realised why blogs became such a buzz and they openly display that by nick-naming blogs as “Online-Tagebücher”, explaining to their readers, that blogs are just online diaries. They are not. They are powerful means of publication. If you should decide to start a blog on local politics in Kiel tonight, by tomorrow everybody who googles - say for the name of the candidates for mayor ship- will find your blog. (Actually if you google for my name plus some key words from this speech, you’ll find that online tomorrow morning as well.)
During the “old world wide web” this would have been a process of weeks if not months. It is important to understand that the web 2.o introduced technologies that make user-generated content not only easy to generate but more importantly: easy to find. Hence we should no longer use the term “Online diaries”. Otherwise we journalists might end up thinking that it is very difficult to replace journalism by private diaries. This is no longer true. Today you no longer need a publisher, a printing press or a broadcast station to share your stories. That is a problem for those owning such equipment, but it is not necessarily a problem for journalists.
We have all heard about the media crises, diminishing revenue from advertisements and the search for new sustainable sources of income, but so far this has been done from the publisher’s perspective only. From my perspective as a reader, it looks quite different: Up to today I pay my newspaper for printing news on paper and to deliver the paper in the early morning, while the publisher acquires advertisement to pay for the content. From a consumer’s perspective – I am not paying for content, but for convenience – printing and delivery. So nobody should wonder that I dislike paying for content – I am simply not used to it. In tomorrow’s world consumers will pay for their digital devices and for internet access – so they already pay for their convenience and expect content in exchange for paying some attention to advertisements. This is still a business model – Spiegel Online and Bild.de are profitable.
I would like to make a political remark here since the Leistungsschutz-Gesetz still has to pass Bundesrat. So Ministerpräsident Albig will have two more arguments on top of what his party’s working group is already advocating:
- First: Every publisher today is able to withdraw from Google completely or to deny Google to use their content. There is a lot of talk that Google makes profit from publisher´s content, because they display not only the headline of an article and the link to it but, two lines of content. Every webmaster can change that within minutes and stop Google from showing those two lines or from indexing their content at all.


Please see Stefan Niggemeier’s blog for the full story.

- Second: Publishers profit a lot from Google and Facebook – because online they are the main pathways to bring readers to them. Especially those publishers who advocate that strange piece of legislation the most, I name Springer and Burda, are the ones who spent a lot of money on search engine optimisation – apparently because it pays off for them.
I repeat this re-phrased: They pay for automatically generated content and for training and consultancy to optimise their profit from Google. Knowing that, it is rather strange to hear them now claiming the whole situation is vice versa and Google should pay.
Moreover these strategies of search engine optimisation could be considered unfair – to competitors and to the reader, because readers will quite often end up at a news page where they don’t get a good article but a short agency piece instead.


- (For the full argument on this please consult Stefan Plöchinger’s blog, the editor in chief at sueddeutsche.de)

So what should publishers do instead? What should we journalists concentrate on? What is it that could distinguish journalists from the other folk who publish nowadays?
In the age of Twitter – you do not have to own a wire network to be the first to report. But coming from that tradition – speed is still seen as an important criteria in journalism. But today, if publishers go for fast news, they end up with all the others having the same news. In my opinion there is no doubt that media will no longer create great revenue from mainstream news – and please do not even think of making your audience pay for that.
Hence it is a good idea to stress different journalistic virtues: accuracy, exclusiveness and good story-telling. All this is a long-term-project, but if you do not engage in this, you are less likely to survive in journalism for more than another decade.
If you imagine yourself the number of editors who are busy monitoring and editing the news agency feeds in order to fill their federal and foreign policy sections or to write some, usually not very insightful, commentary, you see the very workforce that publishers should employ to do something better. Something that gives greater or added value to their readership.
What could that be? - In a broad, if not global competition where access to media is ubiquitous and cheap, every publishing house should concentrate on what they are best at. They should no longer compete in areas where they cannot be first grade players. This is the paraphrased mantra on how to survive in the digital age as a business – Jeff Jarvis originally meant this to be an advice to bloggers:

“Do what you do best, and link the rest”.

Footnote: Until Tuesday evening I had this quote slightly wrong – until I fact-checked it.

On a national level we see that background information - going beyond the day-to-day reporting of he-said-she-said and the tiny advancements our news reports on a particular international conflict or this or that political debate - is valued more than ever. If you look at “Die Zeit”, a national weekly, you see a lot of things well done: long stories by distinguished journalists, background on what is going on and what will be going on. And – that’s good news – it appears to be paying off for them – their circulation is rising against the trend.
For regional papers something they could do best is clearly reporting on their region, on the communities. That will even include going hyperlocal, that is, covering what is going on in smaller sections of a city or region. Editors and reporters in the regions know their area and readership, they should be most important to their papers. Whereas a regional paper does not necessarily need a lot of staff on federal and even international politics.
If you no longer need to edit federal policy you can do stories nobody else is assigned to. Especially in a regional environment it is very easy to be unique. The story on how big the forests are in this state, is a small example – but it is unique and still most journalists could have written it.
Moreover this story matches two criteria that I always employ when I have to decide whether something is good enough for publication. I call that “Weitererzähl-Faktor” and it has a two-fold meaning: Is the story interesting and outstanding enough so that it is likely that my audience will like to pass it on - literally, as a copy or link or as we now say “share it with their community”? And: Is the story told in a comprehensible way so that everybody who heard about it can easily retell the story?
Before I come to an end, let me return to fact-checking for a moment and share with you an amazing story that actually became my biggest defeat this year – so far.
In January a big retailer, Schlecker, went into insolvency- they could no longer pay their bills. One week later the daughter of the owner declared that even the wealth of the family had gone – no assets left, although they were believed to be billionaires.
Very soon there were many rumours on where the family was keeping their assets. And whether they had transferred some of it in order to keep it – including their private estate. But nobody investigated it – while the rumours where spread all over. There is hardly any newspaper that did not repeat these rumours. It was reported that the wife of the company’s founder and CEO owned the house where they live but nobody was sure since when that was the case.

If the estate had been transferred while the company was already in trouble, such a transfer would have been illegal.
Initially we did not touch the story, because we were afraid of too much competition. Three months later, I still wondered why it should be so difficult to get facts on who owns the estate and especially since when it was owned by that person. On June 6th I asked our trainee to call the cadastre office –Grundbuchamt - in order to request that info. The amazing part of the answer was not that they denied us access to the data, but that we were the first and only journalists who had called by then.
That encouraged us to proceed, so we made a formal inquiry, got a formal denial and decided to go to court with that. Whenever I suggest such an appeal in theory, journalists will reply that this will consume time and money. Here I can prove them wrong:

Within five days we a got a positive court-ruling and the fixed layers’ fee for this is about 150 Euros.
Unfortunately on the day we got the court-ruling BILD-Zeitung already had the full story plus the documents. They were second to request the data, but overtook us during the appeal procedure by one day.


If in this case there were only two journalists requesting this data, you can imagine that in most cases journalists requesting data from governmental authorities will be the only ones to do so. And again: That can make your journalistic product unique.
If you look for further directions on where to go in order to generate unique content, I suggest a close look into data-journalism: the audience loves graphics, comparison and especially data about their region. No matter if you provide details on the homes for the elderly in your region in order to help people in their decision-making or if you analyse the crime statistics – you are very likely to produce good and unique journalism. Currently we see that –enhanced through the open data movement and the various freedom of information acts – more and more official data is being made available, but currently we do not have more than one or two dozen journalists who can analyse such data in Germany. The situation in Denmark actually is a lot better because training in computer assisted reporting there –as in general in Scandinavia – has been going on for a decade already.
My second hint is on how you handle your agenda. Media theory has it that journalists have an agenda setting-function, but a lot of journalism I see appears rather to be agenda-driven. I started as a local reporter at 17 and know very well what it means to cover anniversaries, the general assembly of the local sports club and hand-shake events with the mayor. Most of this is boring –not only for the reporter, but for the audience too. So why shouldn’t we aim at finding better stories that connect to these events? Take for example the jubilee of a local company. If you assign a reporter to that story a day before, you get the event covered plus a handshake-picture on top. If you prepare the event in time – you could dig out some ancient pictures and documents from the local archive, find retired workers and get quotes from other businesses dealing with the company. All this is not much work – if you prepare in time. And it is no big secret which companies have jubilees next year, it is a matter of research.

So let us actively demand information from our governments, question whatever story we are told – by officials as well as by companies! Let us care about detail and accuracy. Make up your mind, what topics should be on the agenda and where you do not want to followw the agenda that PR-people are setting. Start with sound facts, look into the details and then come up with great stories!
If you do so and if you care about our shared journalistic virtues, I am positive that throughout this century we can still take our pride in saying:

“I am a journalist.”

Thank you for your attention.

Auskunftsrecht Grundbuch: Beschluss des OLG Stuttgart im Fall Schlecker

Friday, June 29th, 2012

Das OLG Stuttgart hat am Mittwoch geurteilt, dass Journalisten eine Einsicht ins Grundbuch zusteht, wenn ein öffentliches Interesse bestehst. (ausführlich dazu im Blog von autoren(werk)). Wir stellen hier nun den Beschluss des OLG Stuttgart online.

Google Bildersuche ohne Suchbegriffe

Sunday, October 9th, 2011

Google hat -wohl Ende September schon- in den Suchschlitz der Bildersuche ein kleines Kamerasymbol eingebaut - wenn man darauf klickt, kann man Bilder anhand von Bildern anstatt von Begriffen suchen - entweder über die URL des Bildes oder aber das Hochladen eines Bildes.

Das klingt gut und ist ambitioniert, aber wer schon mal mit Picasa Bilder sortiert hat, weiß, dass das funktionieren kann. Diese Suchmöglichkeit gab es bisher so nicht - auch nicht bei anderen Anbietern. Am nächsten kam wohl tineye.com, aber Tests dort waren stets unbefriedigend.

Ohne umfangreiche Tests gemacht zu haben, hier ein paar erste Eindrücke:

- Google ist Tineye deutlich überlegen - einfach weil die Datenbank dahinter größer ist.

- Sehr gut funktioniert die neue Bildersuche bei Bildern, die in nahezu derselben Größe und im selben Ausschnitt gesucht werden - also typischerweise Profilbilder aus Twitter 6 Co.

- Verwendet man aber ein größeres Bild, aus dem Google nur den Ausschnitt kennt, wird das nicht gefunden.

 

- Komplett nutzlos sind die vorgeschlagenen ähnlichen Bilder, da hier alle möglichen Ähnlichkeiten - insbesondere des Bildaufbaus und der Farben - gefunden werden, aber keine Ähnlichkeiten. Ein Bild eines Turms findet zwar weitere Türme aber nicht weitere Bilder desselben Turms.

- Eine Suche ähnlicher Gesichter funktioniert nicht - soll ja angeblich bei Google auch nie kommen. Aber Picasa macht das ja und kann das ja schon. Für eine Recherche habe ich das mit Bilder aus dem Netz getestet und diese nach dem Runterladen mit Picasa sortiert. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber sehr gut.

- Die neue Suche hilft künftig sicher nicht nur beim Auffinden von Urheberrechtsverletzungen, sondern auch bei journalistischen Recherchen - etwa um weitere Netzwerke oder Seiten zu finden, auf denen eine Person mit dem gleichen Foto aktiv ist.

Wie hoch sind die Mauern von Bin Ladens Versteck?

Tuesday, May 10th, 2011

Susanne Lob hat mich gestern darauf aufmerksam gemacht, dass in deutschen Medien die Angaben zur Höhe der Mauer rund um Bin Ladens Versteck variieren - während FTD und Mopo an einer Stelle 5,40 Meter und an einer anderen 3,60 Meter angeben, nennen FAZ und SZ 5,50 Meter bzw 3,70 Meter, also jeweils 10 Zentimeter mehr.

Die Ursache ist relativ schnell zu finden. Als Quelle der Grafik wird die CIA angegeben. Mit dieser Google-Suche findet sich das Original recht schnell:

site:cia.gov abbottabad

https://www.cia.gov/news-information/cia-the-war-on-terrorism/usama-bin-ladin-operation/abbottabad-compound-graphics.html

Hier werden 12 und 18 feet angegeben. Offensichtlich haben sich es FTD und Mopo einfach gemacht und einfach mit 30 Zentimetern pro Fuß gerechnet, während FAZ und SZ genauer umgerechnet haben: Ein Fuß entspricht 0.3048 Metern. In der Summe kommen, aufgerundet, dann jeweils 10 Zentimeter mehr raus.

Die Ungenauigkeit durch das jeweilige Aufrunden ist allerdings fest genau so groß wie die Ungenauigkeit durch die ungenaue Umrechnung. Legt man die Originalangabe in Fuß zu Grunde kann man eine Genauigkeit von plus/minus einem Fuß ausgehen. Gemessen daran würde eine Angabe auf einen Zentimeter genau eine Scheingenauigkeit suggerieren.

Du sollst Dich mit keiner falschen Quelle gemein machen, sei sie auch noch so honorig

Monday, February 28th, 2011

Doppelseite aus Journalistenleben

Immer wieder wird Hanns Joachim Friedrichs mit dem schönen und richtigen Satz zitiert, ein guter Journalist sei einer, der sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Das hat er gesagt, das hat er vertreten und sicherlich steht Friedrichs auch für diese Haltung, ABER er ist nicht der Urheber dieser Einstellung, sondern hat das lediglich in „fast“ fünf Jahren bei der BBC dort aufgesogen, namentlich von seinem „väterlichen Freund“ Charles Wheeler. Friedrichs schreibt über ihn, er sei damals Leiter der Nachrichtenabteilung des englischen Dienstes gewesen. Wörtlich heißt es dann weiter:

Zu seinen Maximen gehörte die Erkenntnis, daß ein seröser Journalist „Distanz zum Gegenstand seiner Betrachtung“ hält; daß er sich „nicht gemein“ macht mit einer Sache, „auch nicht mit einer guten Sache“, daß er nicht in lauten Jubel einstimmt oder in öffentlicher Betroffenheit versinkt; und daß er auch im Umgang mit Katastrophen „cool“ bleibt, ohne „kalt“ zu wirken. „Immer dabeisein - nie dazugehören“, dieses Journalisten-Motto beschreibt den Reporter Charles Wheeler wohl am treffendsten.

(Quelle: Hanns Joachim Friedrichs, Journalistenleben, Taschenbuchausgabe Mai 1996, München, S. 66-67)

Zum Vergleich dazu aus dem letzten Interview von Friedrichs am Tag vor seinem Tod:

Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.

(Quelle: Website des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises)

Kurz notiert: Google Alerts verbessert

Monday, February 28th, 2011

Google Alerts bietet seit kurzem eine zusätzliche Auswahl an - nämlich, ob man „alle Ergebnisse“ oder aber nur die „relvantesten“ haben möchte.
Bislang habe ich an der Alerts ja bemängelt, dass eben nicht alle Treffer aus dem Index gezeigt werden, sondern nur die - gefühlt - top 200 bis 250. Bei einer Google-Suche zu einem vorhandenen Alert konnte man bislang noch nicht von Google per Alert gemeldete Seiten finden.

Wichtig: Für alle vorhandenen Alerts muss man die Einstellung auf „alle“ ändern, sonst hat man nicht von dieser Verbesserung.

Das Recherche-Paradoxon

Saturday, February 26th, 2011

Mein Buckapitel über Recherche wächst. Vor dem handwerklichen Teil will ich etwas weiter ausholen und beschäftige mich damit, warum Recherche es so schwer hat und was man dagegen machen kann. Denn ohne dass sich etwas ändert, wird es nicht dazu kommen, dass einzelne Journalisten, Redaktion, eine ganze Branche mehr auf Recherche setzen. Über Anregungen und Kritik freue ich mich.

Zeitungen haben Farbfotos bekommen und die Andruckzeiten wurden nach hinten geschoben. Das Netz ist voll mit Nachrichten, Videos und vielem Neuem - kostenlos. Das Konsumieren von Video- und Audioinhalten löst sich zunehmend von Sendezeiten. Das Verbreiten von Inhalten ist dank neuer Technologien und sinkender Technikpreise für jedermann möglich geworden. Blogs sind ein gutes Beispiel hierfür: Anders als mit einer privaten Homepage Ende der 90er Jahre, kann das, was ich in einem Blog schreibe binnen einer halben Stunde weltweit von jedermann gefunden werden. „Senden“ ist kein Privileg mehr. Es braucht nicht viel Weitsicht um zu folgern, dass die Inhalte sich von den Verbreitungsmedien lösen. „Content is King.“ heißt es immer, aber wer setzt das denn um?
Doch hat sich mit diesem technischen Fortschritt, mit der Entwicklung des Netzes auch die Qualität von Journalismus verändert, gar gebessert? Die Frage ist schwer zu beantworten, eines aber ist sicher: Gemessen an dem enormen Fortschritt bleibt der Journalismus weit hinter seinen (neuen) Möglichkeiten zurück. Gerade in der Recherche ist vieles einfacher oder überhaupt erst möglich geworden, vieles geht schneller, bei einigen Recherchen gibt es zumindest alternative Wege.
(Der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass sich abseits technischer Entwicklungen die PR professionalisiert hat und über ungleich mehr Mittel verfügt – das macht zum Teil Recherchen schwieriger.)
Gerade der Mangel an Recherche im Allgemeinen und an innovativen Ansätzen in der Recherche im Besonderen ist nicht zu verstehen, wenn man sich nicht klar macht, woran das liegt. Denn es ist unstrittig, dass Recherche die Basis jeglicher journalistischer Qualität ist. Ohne sie können wir fundamentale Ansprüche an Journalismus nicht einhalten: das Streben nach Wahrheit, Genauigkeit und Quellentransparenz. Ohne das nutzt alles andere nichts: kein schnelles Produzieren, kein schöner Schreiben und keine noch so originelle Themenfindung.
Bevor in diesem Kapitel die Grundsätze der Recherche vorgestellt werden, will ich thesenartig auf die Gründe eingehen, warum wir eben keinen Fortschritt in der Recherche erleben, denn diese Gründe, muss jeder Journalist überwinden, der es anders machen will.

1. Geschwindigkeit ist King.
Es gibt ein absurdes Rennen, wer eine Meldung zuerst hat. Onlinejournalismus hat beschleunigt, was schon lange eine journalistische Tugend war: Etwas als erster vermelden zu können. Doch das ist zum Selbstzweck geworden – denn bei den Minutenabständen, um die es heute geht, interessiert das nur noch die News-Junkies in und außerhalb der Redaktionen. Eingeschränkt gelten lasse ich das Geschiwindigkeitsdogma noch für Breaking News und Radio-Nachrichten. Aber selbst bei letzteren bleibt eine halbe Stunde, um die schlimmsten Fehler zu vermeiden.

2. Fehler werden nicht wahrgenommen.
Fehler werden gemacht, aber selten wahrgenommen. Fact-Checking vorher findet nicht statt – das ließe sich verschmerzen, wenn mehr Fehler im Nachhinein bekannt würden – über redaktionsinterne Kritik, Leserbriefe, Watchblogs etc. Aber ohne Rückmeldung zur Qualität der Fakten gibt es keinerlei Anreize, besser zu recherchieren. Ein Redaktionsmanagement, das eine Fehlerkultur etabliert, kann auf ein aufwändiges (institutionalisiertes) fact-checking verzichten. (Institutionalisiertes fact-checking reduziert die faktentreue der Autoren, wenn diese auf die institutionelle Fehlersuche und Kontrolle vertrauen.)

3. Die Verleger haben keine Idee für ihre Zukunft, die sich von ihrer Vergangenheit unterscheidet.
Die Verleger beschäftigen sich mit allem, aber nicht mit einem neuen Businessmodell für Ihre Zukunft: Bezahlmodelle, Streit um Nutzerdaten, Leistungsschutzrechte und die Beschimpfung von Google.
Die (zum Teil) neue Ökonomie des Netzes kommt darin nicht vor. Welcher Verleger hat sich schon ernsthaft mit dem „long tail“ oder den Ideen von Jeff Jarvis auseinandergesetzt?
Verleger sehen die Nischen nicht, in denen sie Geld verdienen können und vermutlich wundert sich kaum jemand, warum es sich für den Spiegel rechnet, sein ganzes Archiv kostenfrei online zu stellen und er schon seit Jahren nicht mehr versucht, Artikel einzeln zu verkaufen.
Lokales oder auch Hyperlokales ist eine Nische, Qualitätsjournalismus eine andere – zumindest wenn man, wie die Verleger behaupten, Geld mit Inhalten verdienen möchte.

4. Marketing wird mit Qualität verwechselt.
So wie einst die schiere Geschwindigkeit ein Qualitätsmerkmal sein konnte, war es auch die Möglichkeit, einen eigenen Reporter vor Ort zu haben oder schicken zu können. Doch auch das ist zum Symbol verkommen. „Reporter vor Ort“ sorgen heute dafür, dass uns vertraute Gesichter vor stets neuen Kulissen mit dem richtigfarbenen Popschutz auf dem Mikrofon erzählen, was die Heimatredaktion an Agenturmeldungen durchgegeben hat. Eine Zuspitzung, aber keine unzutreffende. Der Korrespondent ist ein Teil des Marketings: vertraute Köpfe und Namen, das Senderlogo am Ort des Geschehens.
Englische Zeitungen haben einst Reporter losgeschickt, um zu überprüfen, ob das was die Regierung vom Fortgang eines Krieges berichtet, stimmt. Davon sind wir weit entfernt – mit etwas Glück kann der Korrespondent etwas besser einschätzen und einordnen oder er hat wenigstens mit dem Zimmermädchen oder dem Taxifahrer gesprochen. Wie wichtig tatsächliche Nähe ist, zeigen Robert Gutjahrs Erfahrungen in Kairo – er kann auf dem Platz das Geschrei der Massen als Wut und Protest verstehen, auch ohne Arabisch zu können, denn er sieht die in die Höhe gereckten Schuhe. Dietmar Ossenberg vom ZDF hört auf dem Hoteldach dagegen nur das Geschrei und deutet es – falsch – als Freudenjubel. Akustisch vermutlich gar nicht zu unterscheiden.

5. Die Grenze zwischen Unterhaltung und Journalismus verschwindet.
Der sogenannte Sportjournalismus hat es vorgemacht: brave Fragen, der Reporter der sich gemein macht mit Spielern, Trainern, Vereinen und Sponsoren. Mitmachen statt Hinterfragen. Als Unterhaltungsmoderation noch akzeptabel (solange keine Faktenfehler gemacht werden), aber als Journalismus eine Katastrophe.
Unterhaltende Formen dienen der Quote und es ist ja auch nicht unzulässig, journalistische Medien für Unterhaltung zu nutzen, aber man sollte das dann nicht mehr als Journalismus bezeichnen. Gerade im Radio sind die Grenzen aber fließend geworden: selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern weiß der Hörer kaum, was Journalismus, was Unterhaltung, was Sendermarketing ist und sein soll.

6. Recherche zahlt sich selten aus.
In dem so beschriebenen Umfeld darf man kaum erwarten, dass Recherche geschätzt wird. Es funktioniert ja auch so, schon lange. Mehraufwand wird nicht honoriert, selten überhaupt gewürdigt. Berufsethos ist etwas für Berufseinsteiger und Recherche können sich nur Spiegel und Stern wirklich leisten. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Redaktion des Spiegel ist voller guter Rechercheure, die nach ein paar guten, großen Geschichten in einer Regionalzeitung ein Angebot vom Spiegel bekamen.
Wer sich für Recherche stark macht, wer selbst recherchieren will, muss aus diesen Problemen Forderungen ableiten:

1. Entschleunigung ist Qualität.

2. Fehler sind peinlich und müssen ernst genommen werden.

3. Wenn es die Verleger nicht tun, müssen vielleicht Journalisten ein Businessmodell für Recherche-Journalismus (er)finden.

4. Echte Augenzeugenschaft des Reporters am Ort des Geschehens ist wichtiger als die Dauerpräsenz der Korrespondenten auf den Bildschirmen.

5. Journalismus und Unterhaltung dürfen nicht vermischt werden.

6. Recherche braucht Unterstützung – Zeit, Geld und Zuspruch von Lesern wie von Vorgesetzten.

Es gibt eine ökonomische Nische für Recherche-/Qualitätsjournalismus und Recherche ist zugleich einfacher geworden, effizienter umzusetzen. Dass zugleich aber weniger recherchiert wird, ist ein Paradoxon.
Darum, wie das Handwerkszeug derer aussieht, die sich davon nicht irritieren lassen und selbst recherchieren, handelt der Rest des Kapitels: von Regeln, Strategien, dem Umgang mit Quellen und immer auch wieder den vermeintlichen Unterscheiden zwischen on- und offline-Recherche.