Archive for the ‘In eigener Sache’ Category

Massiert Wang Xiwei in London?

Thursday, December 29th, 2011

Wang Xiweiauch Wang XiweiIch wundere mich schon länger über den einen oder anderen Kommentar hier im Blog, der zwar augenscheinlich von realen Menschen und nicht von Bots gepostet wurde. Und zwar mehr oder minder auf das Posting einging, aber doch seltsam uninteressiert und inhaltsleer daherkam. Und hatte den leisen Verdacht, das wichtigste daran sei vielleicht die verlinkte Website des (vermeindlichen?) Absenders.

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Google Bildersuche ohne Suchbegriffe

Sunday, October 9th, 2011

Google hat -wohl Ende September schon- in den Suchschlitz der Bildersuche ein kleines Kamerasymbol eingebaut - wenn man darauf klickt, kann man Bilder anhand von Bildern anstatt von Begriffen suchen - entweder über die URL des Bildes oder aber das Hochladen eines Bildes.

Das klingt gut und ist ambitioniert, aber wer schon mal mit Picasa Bilder sortiert hat, weiß, dass das funktionieren kann. Diese Suchmöglichkeit gab es bisher so nicht - auch nicht bei anderen Anbietern. Am nächsten kam wohl tineye.com, aber Tests dort waren stets unbefriedigend.

Ohne umfangreiche Tests gemacht zu haben, hier ein paar erste Eindrücke:

- Google ist Tineye deutlich überlegen - einfach weil die Datenbank dahinter größer ist.

- Sehr gut funktioniert die neue Bildersuche bei Bildern, die in nahezu derselben Größe und im selben Ausschnitt gesucht werden - also typischerweise Profilbilder aus Twitter 6 Co.

- Verwendet man aber ein größeres Bild, aus dem Google nur den Ausschnitt kennt, wird das nicht gefunden.

 

- Komplett nutzlos sind die vorgeschlagenen ähnlichen Bilder, da hier alle möglichen Ähnlichkeiten - insbesondere des Bildaufbaus und der Farben - gefunden werden, aber keine Ähnlichkeiten. Ein Bild eines Turms findet zwar weitere Türme aber nicht weitere Bilder desselben Turms.

- Eine Suche ähnlicher Gesichter funktioniert nicht - soll ja angeblich bei Google auch nie kommen. Aber Picasa macht das ja und kann das ja schon. Für eine Recherche habe ich das mit Bilder aus dem Netz getestet und diese nach dem Runterladen mit Picasa sortiert. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber sehr gut.

- Die neue Suche hilft künftig sicher nicht nur beim Auffinden von Urheberrechtsverletzungen, sondern auch bei journalistischen Recherchen - etwa um weitere Netzwerke oder Seiten zu finden, auf denen eine Person mit dem gleichen Foto aktiv ist.

Das Recherche-Paradoxon

Saturday, February 26th, 2011

Mein Buckapitel über Recherche wächst. Vor dem handwerklichen Teil will ich etwas weiter ausholen und beschäftige mich damit, warum Recherche es so schwer hat und was man dagegen machen kann. Denn ohne dass sich etwas ändert, wird es nicht dazu kommen, dass einzelne Journalisten, Redaktion, eine ganze Branche mehr auf Recherche setzen. Über Anregungen und Kritik freue ich mich.

Zeitungen haben Farbfotos bekommen und die Andruckzeiten wurden nach hinten geschoben. Das Netz ist voll mit Nachrichten, Videos und vielem Neuem - kostenlos. Das Konsumieren von Video- und Audioinhalten löst sich zunehmend von Sendezeiten. Das Verbreiten von Inhalten ist dank neuer Technologien und sinkender Technikpreise für jedermann möglich geworden. Blogs sind ein gutes Beispiel hierfür: Anders als mit einer privaten Homepage Ende der 90er Jahre, kann das, was ich in einem Blog schreibe binnen einer halben Stunde weltweit von jedermann gefunden werden. „Senden“ ist kein Privileg mehr. Es braucht nicht viel Weitsicht um zu folgern, dass die Inhalte sich von den Verbreitungsmedien lösen. „Content is King.“ heißt es immer, aber wer setzt das denn um?
Doch hat sich mit diesem technischen Fortschritt, mit der Entwicklung des Netzes auch die Qualität von Journalismus verändert, gar gebessert? Die Frage ist schwer zu beantworten, eines aber ist sicher: Gemessen an dem enormen Fortschritt bleibt der Journalismus weit hinter seinen (neuen) Möglichkeiten zurück. Gerade in der Recherche ist vieles einfacher oder überhaupt erst möglich geworden, vieles geht schneller, bei einigen Recherchen gibt es zumindest alternative Wege.
(Der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass sich abseits technischer Entwicklungen die PR professionalisiert hat und über ungleich mehr Mittel verfügt – das macht zum Teil Recherchen schwieriger.)
Gerade der Mangel an Recherche im Allgemeinen und an innovativen Ansätzen in der Recherche im Besonderen ist nicht zu verstehen, wenn man sich nicht klar macht, woran das liegt. Denn es ist unstrittig, dass Recherche die Basis jeglicher journalistischer Qualität ist. Ohne sie können wir fundamentale Ansprüche an Journalismus nicht einhalten: das Streben nach Wahrheit, Genauigkeit und Quellentransparenz. Ohne das nutzt alles andere nichts: kein schnelles Produzieren, kein schöner Schreiben und keine noch so originelle Themenfindung.
Bevor in diesem Kapitel die Grundsätze der Recherche vorgestellt werden, will ich thesenartig auf die Gründe eingehen, warum wir eben keinen Fortschritt in der Recherche erleben, denn diese Gründe, muss jeder Journalist überwinden, der es anders machen will.

1. Geschwindigkeit ist King.
Es gibt ein absurdes Rennen, wer eine Meldung zuerst hat. Onlinejournalismus hat beschleunigt, was schon lange eine journalistische Tugend war: Etwas als erster vermelden zu können. Doch das ist zum Selbstzweck geworden – denn bei den Minutenabständen, um die es heute geht, interessiert das nur noch die News-Junkies in und außerhalb der Redaktionen. Eingeschränkt gelten lasse ich das Geschiwindigkeitsdogma noch für Breaking News und Radio-Nachrichten. Aber selbst bei letzteren bleibt eine halbe Stunde, um die schlimmsten Fehler zu vermeiden.

2. Fehler werden nicht wahrgenommen.
Fehler werden gemacht, aber selten wahrgenommen. Fact-Checking vorher findet nicht statt – das ließe sich verschmerzen, wenn mehr Fehler im Nachhinein bekannt würden – über redaktionsinterne Kritik, Leserbriefe, Watchblogs etc. Aber ohne Rückmeldung zur Qualität der Fakten gibt es keinerlei Anreize, besser zu recherchieren. Ein Redaktionsmanagement, das eine Fehlerkultur etabliert, kann auf ein aufwändiges (institutionalisiertes) fact-checking verzichten. (Institutionalisiertes fact-checking reduziert die faktentreue der Autoren, wenn diese auf die institutionelle Fehlersuche und Kontrolle vertrauen.)

3. Die Verleger haben keine Idee für ihre Zukunft, die sich von ihrer Vergangenheit unterscheidet.
Die Verleger beschäftigen sich mit allem, aber nicht mit einem neuen Businessmodell für Ihre Zukunft: Bezahlmodelle, Streit um Nutzerdaten, Leistungsschutzrechte und die Beschimpfung von Google.
Die (zum Teil) neue Ökonomie des Netzes kommt darin nicht vor. Welcher Verleger hat sich schon ernsthaft mit dem „long tail“ oder den Ideen von Jeff Jarvis auseinandergesetzt?
Verleger sehen die Nischen nicht, in denen sie Geld verdienen können und vermutlich wundert sich kaum jemand, warum es sich für den Spiegel rechnet, sein ganzes Archiv kostenfrei online zu stellen und er schon seit Jahren nicht mehr versucht, Artikel einzeln zu verkaufen.
Lokales oder auch Hyperlokales ist eine Nische, Qualitätsjournalismus eine andere – zumindest wenn man, wie die Verleger behaupten, Geld mit Inhalten verdienen möchte.

4. Marketing wird mit Qualität verwechselt.
So wie einst die schiere Geschwindigkeit ein Qualitätsmerkmal sein konnte, war es auch die Möglichkeit, einen eigenen Reporter vor Ort zu haben oder schicken zu können. Doch auch das ist zum Symbol verkommen. „Reporter vor Ort“ sorgen heute dafür, dass uns vertraute Gesichter vor stets neuen Kulissen mit dem richtigfarbenen Popschutz auf dem Mikrofon erzählen, was die Heimatredaktion an Agenturmeldungen durchgegeben hat. Eine Zuspitzung, aber keine unzutreffende. Der Korrespondent ist ein Teil des Marketings: vertraute Köpfe und Namen, das Senderlogo am Ort des Geschehens.
Englische Zeitungen haben einst Reporter losgeschickt, um zu überprüfen, ob das was die Regierung vom Fortgang eines Krieges berichtet, stimmt. Davon sind wir weit entfernt – mit etwas Glück kann der Korrespondent etwas besser einschätzen und einordnen oder er hat wenigstens mit dem Zimmermädchen oder dem Taxifahrer gesprochen. Wie wichtig tatsächliche Nähe ist, zeigen Robert Gutjahrs Erfahrungen in Kairo – er kann auf dem Platz das Geschrei der Massen als Wut und Protest verstehen, auch ohne Arabisch zu können, denn er sieht die in die Höhe gereckten Schuhe. Dietmar Ossenberg vom ZDF hört auf dem Hoteldach dagegen nur das Geschrei und deutet es – falsch – als Freudenjubel. Akustisch vermutlich gar nicht zu unterscheiden.

5. Die Grenze zwischen Unterhaltung und Journalismus verschwindet.
Der sogenannte Sportjournalismus hat es vorgemacht: brave Fragen, der Reporter der sich gemein macht mit Spielern, Trainern, Vereinen und Sponsoren. Mitmachen statt Hinterfragen. Als Unterhaltungsmoderation noch akzeptabel (solange keine Faktenfehler gemacht werden), aber als Journalismus eine Katastrophe.
Unterhaltende Formen dienen der Quote und es ist ja auch nicht unzulässig, journalistische Medien für Unterhaltung zu nutzen, aber man sollte das dann nicht mehr als Journalismus bezeichnen. Gerade im Radio sind die Grenzen aber fließend geworden: selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern weiß der Hörer kaum, was Journalismus, was Unterhaltung, was Sendermarketing ist und sein soll.

6. Recherche zahlt sich selten aus.
In dem so beschriebenen Umfeld darf man kaum erwarten, dass Recherche geschätzt wird. Es funktioniert ja auch so, schon lange. Mehraufwand wird nicht honoriert, selten überhaupt gewürdigt. Berufsethos ist etwas für Berufseinsteiger und Recherche können sich nur Spiegel und Stern wirklich leisten. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Redaktion des Spiegel ist voller guter Rechercheure, die nach ein paar guten, großen Geschichten in einer Regionalzeitung ein Angebot vom Spiegel bekamen.
Wer sich für Recherche stark macht, wer selbst recherchieren will, muss aus diesen Problemen Forderungen ableiten:

1. Entschleunigung ist Qualität.

2. Fehler sind peinlich und müssen ernst genommen werden.

3. Wenn es die Verleger nicht tun, müssen vielleicht Journalisten ein Businessmodell für Recherche-Journalismus (er)finden.

4. Echte Augenzeugenschaft des Reporters am Ort des Geschehens ist wichtiger als die Dauerpräsenz der Korrespondenten auf den Bildschirmen.

5. Journalismus und Unterhaltung dürfen nicht vermischt werden.

6. Recherche braucht Unterstützung – Zeit, Geld und Zuspruch von Lesern wie von Vorgesetzten.

Es gibt eine ökonomische Nische für Recherche-/Qualitätsjournalismus und Recherche ist zugleich einfacher geworden, effizienter umzusetzen. Dass zugleich aber weniger recherchiert wird, ist ein Paradoxon.
Darum, wie das Handwerkszeug derer aussieht, die sich davon nicht irritieren lassen und selbst recherchieren, handelt der Rest des Kapitels: von Regeln, Strategien, dem Umgang mit Quellen und immer auch wieder den vermeintlichen Unterscheiden zwischen on- und offline-Recherche.

Online-Recherche: Suchmaschinen-Syntax (2/4)

Friday, January 7th, 2011

Heute nun Teil zwei der Suchmaschinen-Syntax: die Funktionen, die über die erweiterte Suche nicht zur Verfügung stehen bzw. zum Teil auch gar nicht dokumentiert sind sowie die beiden Funktionen von Google (related und link), die nicht mit anderen Operatoren kombinierbar sind.

Beim Ausprobieren ist mir klar geworden, dass (bis auf einen) all diese Operatoren bei Google, nicht aber bei Bing funktionieren. Die Ausnahme ist der schöne Operator [ip:] mit dem sich alle Seiten auf einem Server mit der angegebenen IP-Adresse finden lassen - das funktioniert aber nur bei Bing und nicht bei Yahoo.

Die Übersicht habe ich im gleichen Layout wie den ersten Teil gestern erstellt und sie findet sich jetzt hier (pdf).

Am Wochenende gibt es dann den Rest zu den erweiterten Suchen und eine Sammlung der bis dahin vergessenen Hinweise zur Suchmaschinen-Handhabung. Ab Montag startet dann eine Reihe über Suchstrategien - erstmal für eine Woche.

Ergänzungen, Fehlerhinweise etc gerne!

Recherche heute: Thesen für einen handwerklichen Buchbeitrag

Tuesday, January 4th, 2011

Nach vielen anderen Kollegen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie sich der Journalismus nach 1995 (mit dem Wachstum des Internets) verändert hat und was man in Zukunft wissen muss, bin ich kurz vor Weihnachten gefragt worden, zu dem Buchprojekt unter Leitung von Christian Jakubetz ein Kapitel über Recherche beizusteuern.
Meine ersten Gedanken hierzu will ich gerne hier diskutieren. Wichtig ist der Auftrag: Die Aufgabe des Buchs soll die Vermittlung von Handwerkszeug sein, nicht das Verbreiten von Thesen über die Bedeutung der Recherche etc. Dass ich nachfolgend dennoch mit Thesen arbeite, soll der Diskussion helfen; im Buchkapitel dann steht das Handwerk dann im Vordergrund.
Abgesehen von exemplarischen Suchmaschinen-Anfragen (mit den universellen Operatoren von Google/Bing/Yahoo) möchte ich allerdings darauf verzichten, einzelne Tools, etwas Programme oder Websites vorzustellen.

Wie verändert sich das Recherche-Handwerk durch die Digitalisierung?

1.) Recherche folgt den althergebrachten methodischen Prinzipien und muss ethischen, journalistischen und
juristischen Ansprüchen genügen – egal ob sie online oder offline stattfindet.

a) Prinzipien: Zwei-Quellen-Regel/Quellenlage transparent machen, von außen nach innen (mit
Einschränkung), Vollständigkeit, Plausibilität, Gegenseite hören.

b) Ansprüche: juristisch zulässig, journalistisch sorgfältig und angemessen, ethisch begründbar, d.h.
nach erfolgter Abwägung öffentliches Interesse vs. Einzelinteressen.

2.) Die Unterscheidung zwischen online und offline Recherche ist daher sinnlos und führt zu mehr Problemen
als Lösungen. Eine reine online-Recherche ist methodisch ebenso ungenügend oder zumindest ineffizient
wie eine reine offline-Recherche. (Bei einigen Themen sind Ausnahmen denkbar.)
Journalisten heute müssen permanent abwägen, welche Tools on- wie offline, am effizientesten sind.

3.) Zum Minimalkanon der Internetrecherche gehört ein Grundverständnis der Funktionsweise von
Suchmaschine, der zugehörigen Suchoperatoren und der Quellenprüfung. (ausführlicher Minimalkanon im
Kapitel)
Soll man hier auch einen Minimalkanon der offline-Recherche formulieren oder auch den Minimalkanon
„Presserecht für Rechercheure“?

4.) Das unter 3. beschriebene Handwerkszeug muss dann kreativ, strategisch, sinnvoll eingesetzt werden.
Beispiele für Online-Strategien: Finden von Suchbegriffen, gezieltes Befragen einer Quelle, kostenlose
Nutzung kostenpflichtiger Datenbanken.
Beispiel für Offline-Strategien: Factchecking, Pendeln, Informanten finden, sich selbst zum Protagonist
machen…

5.) Die Welt verändert sich, online wie offline. (Offline sei nur an die Informationsfreiheitsgesetze erinnert.)
Journalistische Bildung braucht kontinuierliche Updates. Redaktionsmanager müssen dies ebenso wie das
redaktionsinterne Wissensmanagement organisieren.

Das Buchkapitel könnte dann folgende Gliederung haben:
I. Was schon immer galt: Prinzipien und Anforderungen an Recherche
II. Minimalkanon der Offline-Recherche
III. Minimalkanon der Online-Recherche
IV. Minimalkanon Presserecht und Recherche
V. Recherche ist immer unter Zeit- und Rechtfertigungsdruck: Wie gehe ich damit um?
(Was macht Recherche effizienter, wie gehe ich mit unklaren Quellen um etc.)
VI. Exemplarische Strategien für (on- und offline) Recherche
VII. Ausblick mit Beispielen: Computer Assisted Reporting

Ich freue mich über Widerspruch, Ergänzungen, Anmerkungen!

Vertrau’ keinem IP-Locator außer diesen …

Wednesday, November 24th, 2010

Von welchem Server wurde mir diese Mail geschickt? Was können die Betreiber von Websites sehen, wenn ich ihre Site besuche?

Das sind typische Fragen bei journalistischen Recherchen im Netz - zur Überprüfung gibt es zahllose Service im Netz. Leider sind nicht alle Dienste zuverlässig- denn sie liefern für ein und dieselbe Ip-Adresse unterschiedliche Ergebnisse.

Das ist mir schon im vergangenen Jahr aufgefallen, heute nutze ich die Gelegenheit, das zu dokumentieren.

Die IP-Adresse der Akademie für Publizistik in Hamburg ist 217.91.209.83

Je nachdem, wo ich das eingebe, erhalte ich unterschiedliche Ergebnisse:

Auf einen Telekom-Rechner in Berlin verweisen z.B. http://www.whatismyip.com/tools/ip-address-lookup.asp und z.B. http://www.geobytes.com/IpLocator.htm?GetLocation. Das ist aber falsch.

Wer nur auf die Schnelle nachschlägt, könnte auch zu dem Schluss kommen, dass es sich um einen Telekom-Rechner in Celle handelt.

Erst die Suche über die Seiten ip-adress.com/ip_lokalisieren/, whatismyipaddress.com oder ip-lookup.net verweist auf die Akademie für Publizistik (technisch den Host der IP: mail.akademie-fuer-publizistik.de).

Ich kenne mich technisch nicht gut genug aus, um die Ursachen genauer zu verstehen… (lasse mich gerne aufklären). Wichtig aber ist: Wenn ich als Journalist mit IP-Adressen arbeite, ist es nicht egal, welchen Service ich dafür nutze!

Eine Quelle ist eine zu wenig - auch für die Süddeutsche Zeitung

Friday, October 15th, 2010

Artikel mit nur einer Quelle sind irgendwie einseitig und es ist kaum zu vermeiden, dass die Quelle dem Artikel die Richtung vorgibt. Das ist ein Mangel an sich. Die journalistische Darstellungsform für Informationen aus nur einer Quelle heißt Interview - da weiß der Leser nämlich, woher die Informationen kommen. Von Berichten dagegen erwarte ich mehr - erst recht, wenn sie in der Süddeutschen stehen.
Gestern, am 14. Oktober berichtete die SZ (nicht online, oder noch nicht online -das weiß man ja in der SZ nie) über „Daimlers Kreativ-Werkstatt“ - ein Vierspalter mit einem kleinen Kommentar („Zwischen den Zahlen“), beides (!) von Dagmar Deckstein (die ich sonst durchaus schätze). Der Text ist typisch für das Elend der Ein-Quellen-Texte: selten kann man große Fehler nachweisen, aber es ist der Typ von Artikeln, bei denen die PR-Menschen auf der anderen Seite sich die Hände reiben und das wohl als gelungene Arbeit loben.

Nun zu dem konkreten Text, der sich mit der Abteilung „Business Innovation“ bei Daimler beschäftigt:
Da wird der mit schwarzen und pink(!)farbenen Swarovski (!)-Steinchen besetzte Autoschlüssel als „kleines, renditestarkes Zusatzgeschäft“ gepriesen.

Gegen Ende des Artikels geht der Autorin auch noch der Konjunktiv aus und es heißt u.a. im Indikativ, das Daimler CarSharing-Projekt „Car2go“ stünde wie eine Luxus-Fahrschule kurz vor der Serienreife - das Wort „Serienreife“ immerhin in Anführungszeichen - vielleicht aber auch nur, weil es der Autorin für eine Dienstleistung nicht ganz treffend erschien.
Der Text endet mit der merkwürdigen Behauptung, die Abteilung, in die Daimler „jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag“ investiere (Konjunktiv von mir), „trage sich inzwischen selbst.“ Das ist zumindest erläuterungsbedürftig.

Hmm, jetzt habe ich doch noch schnell ein bisschen gegooglet und finde den Text doch etwas bedenklicher, da er möglicherweise durch die PR angeregt wurde. Bei Daimler findet sich nämlich zum dreijährigen Bestehen der Abteilung am 13. Oktober dieser Text hier. Der Artikel ist in der Süddeutschen am 14. Oktober erschienen.

Was ist größer, ein Teil oder das Ganze, liebe Süddeutsche Zeitung?

Friday, October 15th, 2010

Journalisten machen Fehler, jeden Tag, bei jeder Zeitung. Um Skepsis, den Umgang mit Fehlern und das Belegen von Fehler zu üben, sollen Studenten meiner Recherche-Vorlesung Fehler suchen und in einem kurzen Blog-Eintrag dokumentieren (Blog vorerst nicht öffentlich.).
Vermutlich lässt sich jeden Tag auf jeder Zeitungsseite ein mehr oder minder gravierender Fehler oder Mangel finden. Ja, in jeder Zeitung, auch in der Süddeutschen.
Das habe ich am 6. Oktober gesagt und schon in der Süddeutschen Zeitung vom selben Tag stolperte ich über folgende Sätze:

„In Deutschland beispielsweise umfasst der Gesamtwerbemarkt ein Volumen von etwa 27 Milliarden Euro.
Davon werden laut einer Prognose des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft in diesem Jahr knapp 19 Prozent auf Werbung im Internet entfallen, aber knapp 39 Milliarden Euro auf TV-Werbung.“ (http://www.sueddeutsche.de/digital/internetfaehige-fernseher-google-herrschaft-im-wohnzimmer-1.1009095-2).

Mindestens eine der beiden Zahlen in diesem Absatz muss falsch sein. Die Zahlen des als Quelle genannten Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft sind leider nicht online - vermutlich muss es aber heißen, dass 39 Prozent und nicht 39 Milliarden (von insgesamt 27 Milliarden) auf Fernsehwerbung entfallen.

(Tippfehler korrigiert am 18.10., 11.25 Uhr)

Online-Recherche FAQ, Teil 2

Thursday, October 7th, 2010

#5: Wie kann ich rauskriegen, wem eine bestimmte Website gehört?
Jede Domain weltweit muss auf eine natürliche oder eine juristische Person angemeldet/registriert sein. Diese Registrierungsdaten kann jeder einsehen - etwa um sich an den Inhaber zu wenden, wenn es juristische Einwände gegen die Inhalte der Site gibt. Für alle Seiten mit .de-Endung findet sich die Datenbank zum Abrufen der Registrierungsdaten bei der Denic. Für alle anderen Endungen (Top Level Domains) gibt es hier eine Übersicht der offiziellen Registraturen. Im Alltag praktischer sind sogenannte WHOIS-Dienste etwa who.is oder whois.net, die über eine Website erlauben, Domains verschiedener Top Level Domains abzufragen. Aber Achtung: Kein Dienst fragte alle TLDs ab, die Informationen dort können gelegentlich unvollständig oder inaktuell sein!

#6: Stimmt es, dass Suchmaschinen wie google und Bing das Internet nicht in Echtzeit durchsuchen?
Ja, das stimmt und ist auch naheliegend, wenn Sie einmal die Zeit vergleichen, in denen Google Ihnen Ergebnisse von bis zu 4 Milliarden Sites ausspuckt und die Zeit, die es dauert, eine einzelne Site aufzurufen. Trotz der rasant anwachsenden Geschwindigkeiten, Rechner- und Serverkapazitäten kann keine Suchmaschine der Welt in Sekunden oder Bruchteilen davon, nach den Wörtern zu suchen, die gerade eingegeben worden sind.
Weil das nicht geht, macht Google es anders und durchsucht das Internet quasi permanent und speichert es auf den eigenen Rechnern an. Diesen abgespeicherten Dateien, Index genannt, suchen wir, wenn wir etwas in den Suchschlitz eingeben - und das geht dann deutlich schneller.
Nachteil dieser Methode ist, dass wir eben nicht live im Netz suchen, sondern in Daten, die vor Stunden, Tagen, Wochen, manchmal sogar Monaten von Google gespeichert wurden. Das Netz ist selbst für Google so groß, dass nicht alle Seiten im Minutentakt überwacht und gespeichert werden können. Daher müssen die Ressourcen sinnvoll verteilt werden - Seiten, die beliebt sind und ständig neue hochwertige Inhalte liefern, werden sehr häufig und vollständig (also auch in den unteren Ebenen der Site-Map) durchsucht und gespeichert. Die Blogposts dieses Blogs hier werden im Moment täglich erfasst und schon bei den statischen Seiten dieses Blogs kann es auch einmal 2-3 Tage dauern, bis veränderte Inhalte mit einer Suchmaschine gefunden werden können.

wird fortgesetzt!

#7: Stimmt es, dass niemand weiß, wie Google funktioniert und der Algorithmus streng geheim ist?

Online-Recherche FAQs

Monday, October 4th, 2010

12 Jahre unterrichte ich jetzt schon Online-Recherche und es gibt ein paar Fragen, die immer noch und immer wieder auftauchen. Meist sind das Fragen, um die herum ich ein ganzes Seminar stricken soll - allerdings lassen sich die meisten leicht beantworten, weswegen ich die dafür passende Form wähle und heute mal meine frequently asked questions hier aufliste und beantworte.

#1: Muss es immer Google sein?
Nein, Sie können genau so gut auch eine der anderen beiden großen Suchmaschinen, also bing oder yahoo verwenden. Wichtig ist, dass die Suchmaschine einen eigenen Index verwendet und dass dieser möglichst groß ist. An vierter Stelle kommt auch noch ask in Frage.
Wenn Sie mal ohne vorgefasste Meinung ausprobieren wollen, welche der großen drei Suchmaschinen Ihnen am besten gefällt, probieren Sie blindsearch aus. Dort werden Ihnen die Ergebnisse der drei großen Suchmaschinen nebeneinander dargestellt.

#2:Darf ich als Journalist Wikipedia nutzen?
Ja, dürfen Sie, es wäre sogar törricht, es nicht zu tun - denn die Wikipedia liefert bei den meisten Themen einen guten Einstieg und führt sehr schnell - über die angegebenen Quellen und Links - in die Tiefe.
Nur eines dürfen Sie in der Wikipedia tatsächlich nicht: abschreiben, oder überhaupt etwas ungeprüft von dort übernehmen. Viele Angaben aus der Wikipedia lassen sich aber leicht gegenchecken - selbst wenn die Quellen nicht angegeben sind.
(Falls Ihr Verlag das anders sieht und die Wikipedia gesperrt hat, fragen Sie Ihre Kollegen nach dem Trick mit dem Google cache. Gruß nach Bremen!)

#3: Bringt es etwas, nacheinander mit google, bing und yahoo zu suchen?
In der Regel so wenig wie es Ihre Ernährung verbessert, wenn Sie im nacheinander zu McDonalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken gehen. Die drei Konzerne, egal ob Suchmaschinen oder Fast Food, befriedigen mit weitgehend ähnlichen Methoden, das gleiche Bedürfnis.

#4: Was kann ich tun, wenn ich meine Suchbegriffe nicht auf der angezeigten Seite finde?
Schritt 1: Suchen Sie mit Strg-F nach dem Begriff innerhalb der Seite.
Wenn das nicht hilft, Schritt 2: Gehen Sie zurück in die Ergebnisliste und klicken dort auf „im Cache“ (oder „zwischengespeicherte Seiten“ bei bing) Dort sollten Sie den Suchbegriff nun finden - mit Strg-F oder weil er schon farbig markiert ist.
Schritt 3: Lesen Sie den Text ganz oben auf der Cache-Seite. Wenn Sie Ihren Suchbegriff bislang noch nicht gefunden haben, dann ist er wahrscheinlich in der Beschreibung eines Links, der auf die angezeigte Seite verweist, verwendet worden.