Archive for the ‘In eigener Sache’ Category

Online-Recherche FAQ, Teil 2

Thursday, October 7th, 2010

#5: Wie kann ich rauskriegen, wem eine bestimmte Website gehört?
Jede Domain weltweit muss auf eine natürliche oder eine juristische Person angemeldet/registriert sein. Diese Registrierungsdaten kann jeder einsehen - etwa um sich an den Inhaber zu wenden, wenn es juristische Einwände gegen die Inhalte der Site gibt. Für alle Seiten mit .de-Endung findet sich die Datenbank zum Abrufen der Registrierungsdaten bei der Denic. Für alle anderen Endungen (Top Level Domains) gibt es hier eine Übersicht der offiziellen Registraturen. Im Alltag praktischer sind sogenannte WHOIS-Dienste etwa who.is oder whois.net, die über eine Website erlauben, Domains verschiedener Top Level Domains abzufragen. Aber Achtung: Kein Dienst fragte alle TLDs ab, die Informationen dort können gelegentlich unvollständig oder inaktuell sein!

#6: Stimmt es, dass Suchmaschinen wie google und Bing das Internet nicht in Echtzeit durchsuchen?
Ja, das stimmt und ist auch naheliegend, wenn Sie einmal die Zeit vergleichen, in denen Google Ihnen Ergebnisse von bis zu 4 Milliarden Sites ausspuckt und die Zeit, die es dauert, eine einzelne Site aufzurufen. Trotz der rasant anwachsenden Geschwindigkeiten, Rechner- und Serverkapazitäten kann keine Suchmaschine der Welt in Sekunden oder Bruchteilen davon, nach den Wörtern zu suchen, die gerade eingegeben worden sind.
Weil das nicht geht, macht Google es anders und durchsucht das Internet quasi permanent und speichert es auf den eigenen Rechnern an. Diesen abgespeicherten Dateien, Index genannt, suchen wir, wenn wir etwas in den Suchschlitz eingeben - und das geht dann deutlich schneller.
Nachteil dieser Methode ist, dass wir eben nicht live im Netz suchen, sondern in Daten, die vor Stunden, Tagen, Wochen, manchmal sogar Monaten von Google gespeichert wurden. Das Netz ist selbst für Google so groß, dass nicht alle Seiten im Minutentakt überwacht und gespeichert werden können. Daher müssen die Ressourcen sinnvoll verteilt werden - Seiten, die beliebt sind und ständig neue hochwertige Inhalte liefern, werden sehr häufig und vollständig (also auch in den unteren Ebenen der Site-Map) durchsucht und gespeichert. Die Blogposts dieses Blogs hier werden im Moment täglich erfasst und schon bei den statischen Seiten dieses Blogs kann es auch einmal 2-3 Tage dauern, bis veränderte Inhalte mit einer Suchmaschine gefunden werden können.

wird fortgesetzt!

#7: Stimmt es, dass niemand weiß, wie Google funktioniert und der Algorithmus streng geheim ist?

Online-Recherche FAQs

Monday, October 4th, 2010

12 Jahre unterrichte ich jetzt schon Online-Recherche und es gibt ein paar Fragen, die immer noch und immer wieder auftauchen. Meist sind das Fragen, um die herum ich ein ganzes Seminar stricken soll - allerdings lassen sich die meisten leicht beantworten, weswegen ich die dafür passende Form wähle und heute mal meine frequently asked questions hier aufliste und beantworte.

#1: Muss es immer Google sein?
Nein, Sie können genau so gut auch eine der anderen beiden großen Suchmaschinen, also bing oder yahoo verwenden. Wichtig ist, dass die Suchmaschine einen eigenen Index verwendet und dass dieser möglichst groß ist. An vierter Stelle kommt auch noch ask in Frage.
Wenn Sie mal ohne vorgefasste Meinung ausprobieren wollen, welche der großen drei Suchmaschinen Ihnen am besten gefällt, probieren Sie blindsearch aus. Dort werden Ihnen die Ergebnisse der drei großen Suchmaschinen nebeneinander dargestellt.

#2:Darf ich als Journalist Wikipedia nutzen?
Ja, dürfen Sie, es wäre sogar törricht, es nicht zu tun - denn die Wikipedia liefert bei den meisten Themen einen guten Einstieg und führt sehr schnell - über die angegebenen Quellen und Links - in die Tiefe.
Nur eines dürfen Sie in der Wikipedia tatsächlich nicht: abschreiben, oder überhaupt etwas ungeprüft von dort übernehmen. Viele Angaben aus der Wikipedia lassen sich aber leicht gegenchecken - selbst wenn die Quellen nicht angegeben sind.
(Falls Ihr Verlag das anders sieht und die Wikipedia gesperrt hat, fragen Sie Ihre Kollegen nach dem Trick mit dem Google cache. Gruß nach Bremen!)

#3: Bringt es etwas, nacheinander mit google, bing und yahoo zu suchen?
In der Regel so wenig wie es Ihre Ernährung verbessert, wenn Sie im nacheinander zu McDonalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken gehen. Die drei Konzerne, egal ob Suchmaschinen oder Fast Food, befriedigen mit weitgehend ähnlichen Methoden, das gleiche Bedürfnis.

#4: Was kann ich tun, wenn ich meine Suchbegriffe nicht auf der angezeigten Seite finde?
Schritt 1: Suchen Sie mit Strg-F nach dem Begriff innerhalb der Seite.
Wenn das nicht hilft, Schritt 2: Gehen Sie zurück in die Ergebnisliste und klicken dort auf „im Cache“ (oder „zwischengespeicherte Seiten“ bei bing) Dort sollten Sie den Suchbegriff nun finden - mit Strg-F oder weil er schon farbig markiert ist.
Schritt 3: Lesen Sie den Text ganz oben auf der Cache-Seite. Wenn Sie Ihren Suchbegriff bislang noch nicht gefunden haben, dann ist er wahrscheinlich in der Beschreibung eines Links, der auf die angezeigte Seite verweist, verwendet worden.

Online-Trainer-Treffen am 8. Juli in Hamburg

Monday, July 5th, 2010

Am kommenden Donnerstag trifft sich ein Dutzend Online-Recherche-Trainer an der Akademie für Publizistik in Hamburg, darunter auch die Macher dieses Blogs.
Die Anmeldung für Recherchetrainer ist noch möglich - dazu einfach kurz einen eigenen kurzen Programmvorschlag und ein paar Infos zur Person an lindemann [at] autorenwerk.de mailen!

10.30 Uhr Begrüßung und Vorstellungsrunde

11.00 Uhr Manfred Redelfs: Vorstellung Lehrmodul Online-Recherche Henri-Nannenschule
anschl. Diskussion: Probleme bei Seminaren/Didaktik der Online-Recherche

12.00 Uhr Didaktik der Online-Recherche: Übungen für Online-Seminare

Könnt Ihr bitte jeder eine Übung mitbringen und vorstellen?

13.00 Uhr Mittagspause

Ab hier folgendes Format: 10 minütige Präsentationen mit jeweils 10 Minuten Zeit für Fragen/Anmerkungen:

14:00 Uhr Marco Maas: Calvinisten-Recherche (http://www.wortfeld.de/2007/04/die_calvinisten_1/)
und semantische Suche am Beispiel gopubmed.com (zwei Blöcke)
Sebastian Mondial: Open-Source-Gis: Daten aus D & EU in zehn Minuten visualisieren und für das Web vorbereiten.
Max Ruppert: Recherche in Polen (AT)

15.00 Uhr Rund um Google
Marcus Lindemann: Search-Makros und google-Ads in der Recherche (1 Block)
Claus Hesseling: Firefox: „Ein Schlüsselwort für die Suche hinzufügen“ und yahoo pipes (1 Block)

Austausch: Was tut sich bei Google? Über Ungereimtheiten und Neues in der Google-Suche (Input & Moderation: Marcus Lindemann)
(Stichwörter: einzelne Wörter in Anführungszeichen, * als NEAR-Operator, falsche (?) Trefferzahlen in der OR-Suche, google caffeine).

16.00 Uhr Tools & Plugins
Claus Hesseling: Wikitrust & Default User Agent: der Abendblatt-Hack (1-2 Blöcke)
Boris Karthäuser: htttrack und ggf. 1 weiterer Block nach Wahl

Austausch: Was sind die wichtigsten Tools & Plugins?

17.00 Social Networks
Gottlob Schober: Twitter bei der Wahl des Bundespräsidenten (Case-Study)
Matthias Spielkamp: Twitter in der Recherche (Clients und Listen sinnvoll verwenden, wie funktioniert Rivva Social)

Austausch: Recherche in Sozialen Netzen (Input & Moderation: N.N. Matthias?)
(Bitte bringt doch, so vorhanden, eigene Beispiele mit.)

Ende gegen 18 Uhr

Data Driven Journalism: Versuch einer Definition

Tuesday, April 20th, 2010

Lorenz Matzat hat vergangene Woche im Blog des Open Data Network den folgenden Versuch einer Definition vorgestellt. Wir veröffentlichen den Text mit freundlicher Genehmigung; er steht unter der Lizenz CC-by-sa/3.0/de. Matzat wird Gast eines Workshops beim Jahrestreffen des Netzwerks Recherche sein, dass am 9. und 10. Juli in Hamburg stattfindet. Den genauen Termin geben wir bekannt, soblad er feststeht.

Das Internet ist nicht arm an Buzzwords – Schlagworten, die für einige Zeit Konjunktur haben und sich eben etablieren oder wieder verschwinden. Data Driven Journalism (DDJ) geistert vermehrt seit vergangenem Jahr durch das Web. Im März 2009 startet die englische Tageszeitung The Guardian auf ihrer Website das Datablog; es ist eingebettet in einen Datastore und dürfte bislang als Referenz für DDJ gelten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Thema „Datenjournalismus“ in Deutschland durch die Zeitschrift „M – Menschen Machen Medien“ im März 2010 näher gebracht. Im Periodikum des Fachbereichs Medien der Gewerkschaft ver.di mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren ging es um die „Spannende Recherche im Netz“.

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Ohne Flei.. kein Prei. (Programmtipp)

Monday, June 29th, 2009

Fleiß ist ein entscheidender Faktor für viele investigative Projekte. Manchmal führt erst der Fleiß zum Erfolg, in anderen Fällen ist gleich klar, dass die Recherche vor allem eine Fleißaufgabe ist. Nachteil: Das hätte ja jeder machen können. Ja, hätte - dennoch macht’s kaum einer.

Daher hier heute mal ein Programmhinweis auf die WISO-Doku heute Abend (29.6.) um 19.25 Uhr statt der normalen WISO-Sendung im ZDF. (Disclaimer: Ich bin am Rande beteiligt.)

In 5 Städten wurden jeweils 5 Banken getestet. 1 von 25 Banken hat gut beraten - ein Armutszeugnis nach der Finanzkrise. Ausführliche Pressemitteilung des ZDF hier.

Und weil das so schön geht, hier gleich der Trailer:

Reader: Auskunftsrechte kennen und nutzen

Monday, May 25th, 2009

In der taz-internen Ausbildungseinrichtung für Praktikanten und Volontäre mache ich einen Workshop über die Auskunftsrechte, die Journalisten bei der Recherche nutzen können. Den Reader gibt es jetzt bei der taz zum Download. Zwei Aspekte daraus werden auch Anfang Juni auf dem Jahrestreffen des Netzwerk Recherche Thema sein: In dem Workshop „Computer Assisted Reporting in Deutschland“ geht es gut zehn Minuten lang darum, wie man aus einer Excel-Datei mit den Rohdaten für den Berliner Waldzustandsbericht einen Artikel machen kann. Der Workshop beginnt am Freitag um 12:15 Uhr im Raum R3 und wird moderiert von Christina Elmer (dpa Regiodata). Um 14:45 Uhr startet schließlich in dem gleichen Raum mein Workshop über Europaweite Ausschreibungen als Recherchequelle.

(Online-) Recherche hätte geholfen (1 + 2)

Wednesday, May 20th, 2009

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie beim Lesen stutzen und sich fragen, ob der Autor irrt oder Sie selbst daneben liegen?

Journalisten, die beim sich beim Schreiben nicht wundern, ob das, was sie da gerade schreiben, stimmt, leiden an einer Immunkrankheit, die schnell ihrem Ansehen schaden kann.

Umso ärgerlicher, wenn die Fakten binnen weniger Minuten zu recherchieren sind.

Zwei Beispiele aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (an der mich ansonsten ärgert, dass man bei zahlreichen Überschriften keinerlei Hinweis darauf bekommt, um was es geht).

1.) In dem Artikel „Der Berliner Butter Index“ (leider nur Intro, Rest ist paid content) schreibt der Autor, das Unternehmen habe auch im Ostteil der Stadt eine Filiale, nämlich am Potsdamer Platz.

Das ist schlicht unwahr, wie sich mit drei Quellen schnell zeigen lässt:
a) Die Filliale von Butter Lindner liegt laut Homepage des Unternehmens in der Alten Potsdamer Str. 7
b) Die Adresse lässt sich schnell lokalisieren, etwa mit Google Maps.
c) Wer unsicher über den Mauerverlauf ist, kann zum Potsdamer Platz fahren und nachsehen, oder aber online hier gucken.

2.) In einem Artikel über den Rechtsstreit über die Erlöse des Berliner Zoos durch Eisbär Knut heißt es:

„17 Wort- und Bildmarken in verschiedenen Kombinationen und Variationen sind in der Klageschrift aufgeführt“, sagt Gerichtssprecherin Katrin-Elena Schönberg, darunter „Knut der Eisbär“, „Eisbär Baby Knut“, „Knut der Bär“, „KNUT“ und „Respect Habitats. Knut“. Sie alle hat sich der Zoo Berlin schützen lassen. Ob es noch mehr sind, sagt dessen Sprecherin Bienek nicht.

Wenn der Zoosprecher es nicht sagt, könnte man es ja recherchieren. Auch das geht in Minutenschnelle - beim Deutschen Patent- und Markenamt. Dort finden sich interessanterweise 15 Marken, die der Zoo rund um Knut angemeldet hat - die fehlenden zwei wären eine interessante Frage für eine weiterführende Recherche. Darüber hinaus lässt sich schnell recherchieren, wer noch alles Marken mit Bezug auf den Eisbär Knut angemeldet hat, u.a. die Steiff GmbH sowie mehrere Einzelpersonen. Bei einigen Marken läuft ein Widerspruchsverfahren. Auch das könnte zu weiterführenden Recherchen führen. Könnte.

Geburtsdaten kostenlos recherchieren (Kostenloses aus kostenpflichtigen Datenbanken (2))

Monday, May 4th, 2009

Kostenpflichtige Datenbanken haben ihre Berechtigung, ich gebe selbst auch jeden Monat Geld dafür aus … ABER: Oft braucht man die Infos, für die man bezahlen soll, gar nicht, sondern hat schon mit der Trefferliste und/oder der Trefferumgebung genug. Ein paar Beispiele hatte ich schon vor Jahren hier veröffentlicht.

Nachtragen möchte ich heute, dass sich mit dieser Methode auch kostenlos Geburtsdaten von Prominenten rechercheiren lassen, die nämlich gehören zur Trefferumgebung der Personensuche bei gbi.de - dahinter steht u.a. der Munzinger. (Auf dessen Website es keine Trefferumgebung gibt.)

Zur Erinnerung: Das Geburtsdatum ist die Information, die man benötigt, um das Alter einer Person anzugeben - mit einer nicht tagesaktuellen Angabe des Alters muss man ansonsten eine Abweichung um ein Jahr in Kauf nehmen.

Das Thema hat sicherlich noch zahlreiche Variationen - her mit den Beispielen!

Keine Informationsfreiheit zur Schulqualität

Wednesday, April 29th, 2009

In Berlin erhalten alle Schulen gerade nach und nach Besuch von der Schulinspektion. Das sind drei bis vier Personen: Ein Schulrat oder Seminarleiter, zwei Schulleiter oder Lehrer und ein Elternteil oder Wirtschaftsvertreter. Die begutachten die Schule dann mehrere Tage lang: Sie verteilen Fragebögen an Lehrer, Schüler und Eltern, führen Interviews mit Eltern, Lehrern und der Schulleitung und setzen sich in den Unterricht. Heraus kommt ein rund 30 Seiten langer Bericht. Die Schulen können, wenn sie wollen, diesen Bericht veröffentlichen - hier als ein Beispiel die Fichtenberg-Oberschule. Der Bericht beschreibt die Situation der Schule, ihre Stärken und Schwächen, und gibt Empfehlungen. Er enthält (außer den Namen der Prüfer) keine personenbezogenen Daten.

Unter Berufung auf das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (PDF) beantragte ich im vergangenen Jahr bei der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Einblick in alle bisher erstellten Schulinspektionsberichte. Die Senatsverwaltung lehnte den Antrag ab. Sie berief sich dabei auf die im Informationsfreiheitsgesetz Ausnahmen der Informationsfreiheit. Erstens sei der laufende Prozesses der Willensbildung innerhalb der Senatsverwaltung betroffen, weil die Schulinspektionsberichte die Grundlage für zukünftige Entscheidungen über Veränderungen des Schulsystems seien. Außerdem seien personenbezogene Daten von Lehrern zu schützen. (more…)

Kleine Rollen-Recherche für zwischendurch

Saturday, April 25th, 2009

Seit Anfang des Jahres müssen die Vermieter aller Wohnungen den Mietinteressenten auf Wunsch den Energieausweis zeigen (war vorher nur für die Wohnungen bestimmter Baujahre Pflicht). Mit dem Energieausweis soll der potenzielle Mieter vergleichen können, wie gut die Wohnungen gedämmt sind, für die er sich interessiert - ob also später mit eher hohen oder niedrigen Heizkosten zu rechnen ist. Aber halten die Vermieter sich an die Pflicht?

In der Berlin-Redaktion der taz stellten wir ein paar Presse-Anfragen an Wohnungsbaugesellschaften. Die stereotype Antwort: Ja, wir haben einen Energieausweis für alle Wohnungen und natürlich kommen wir auch unserer gesetzlichen Pflicht nach, den jedem Mietinteressenten zu zeigen. Gleichzeitig hörten wir aber von Bekannten, dass das in der Realität keinesfalls so gut klappt. Ein klassischer Fall für eine Rollen-Recherche - die auch mit recht geringem Aufwand umzusetzen war. Eine Kollegin und ich suchten uns über Wohnungsinserate sechs Wohnungen aus, also eine bei jeder der sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Und dann waren wir ein Wochenende lang unterwegs.

Alles lief völlig unkompliziert. Für den Fall, dass die Vermieter uns nach unseren Berufen, Lebensverhältnissen oder Einkommensbescheinigungen fragen würden, hatten wir uns ein paar gute Antworten ausgedacht. Aber niemand fragte. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass wir es nicht mit privaten Vermietern zu tun hatten, die persönlich vor Ort waren, sondern mit größeren Gesellschaften, die einen Makler oder Hausmeister schickten.

Vor Ort gaben wir uns als durchschnittlich informierte Verbraucher aus, die irgendwo mal etwas von einer Energiebescheinigung gelesen haben, nichts genaueres wissen, aber neugierig danach fragen. Das Ergebnis: Nur in einem von sechs Fällen lief alles so, wie es sollte. In fünf Fällen dagegen bekamen wir entweder den Energieausweis überhaupt nicht zu Gesicht oder die Vermieter gaben uns falsche Informationen über den Ausweis.

energieausweisrecherche

(taz-Mitarbeiterin mit dem Vertreter einer Wohnungsbaugesellschaft - der hat zwar einen Haufen Papiere dabei, aber keinen Energieausweis)

In der taz schrieben wir zusätzlich zu diesem Testergebnis auch noch ein paar Hintergründe auf. Etwa, dass das Land Berlin im Bundesrat zusammen mit anderen Bundesländern durchgesetzt hat, dass die Mietinteressenten kein Recht darauf haben, eine Kopie des Ausweises zu bekommen. Stattdessen reicht es aus, wenn die Vermieter den Wohnungssuchenden zu einem Extra-Termin in die Verwaltung bestellen und den Ausweis vorzeigen - die darauf stehenden Daten muss sich dann jeder selbst abschreiben.

Download: Die in der taz erschienene Seite als PDF.