Archive for the ‘Netzwerk Recherche’ Category

re:publica: Open Data and Open Government

Friday, April 16th, 2010

Rob McKinnon stellt vor: OffeneDaten - ein Portal für offene Daten in Deutschland

McKinnon berichtet davon, dass in Großbritannien bereits drei Regierungsbehörden Open Hackdays veranstaltet haben, um von Hackern zu lernen, wie man Daten organisieren und zugänglich machen kann, die Hackern wiederum haben erfahren, welche Bedürfnisse Behörden haben.

Er kritisiert allerdings die bisher sehr restriktive Politik der EU, wenn es darum geht, tatsächlich Daten zur Verfügung zu stellen.

Kleine Linkliste zur Session mit Rob McKinnon über Open-Data-Projekte:

  • Free Risk: US-Site mit Informationen zur Kreditwürdigkeit (credit ratings)
  • Public Whip: Wahlverhalten der UK-Parlamentarier
  • Track Congress: Informationen über den US-Kongress
  • Meta-Seite: Wikipedia - Sammlung von Sites, die Gesetzgebungs- und andere Regierungsverfahren in vrschiebenen Ländern abbilden, indem sie relvante Dokumente zugänglich machen

Anatomy of Britain - herrliches Beispiel für Datenjournalismus, bevor es das Internet gab.

Morgen und übermorgen finden in Berlin die ersten deutschen Open Data Hackdays statt, bei der Projekte nicht nur vorgestellt, sondern auch entwickelt werden sollen.

Am 9. und 10. Juli wird in Hamburg die Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche stattfinden, bei der es ebenfalls einen Workshop zum Thema Open Government Data geben wird. Das Programm ist derzeit noch nicht veröffentlicht.

Das Zwei-Quellen-Missverständnis

Monday, March 29th, 2010

Nachwort zur Factchecking-Konferenz des netzwerk recherche beim Spiegel (27./28.3.)

Vorab: Es war eine der besten Veranstaltungen des netzwerk recherche – selten geht es dort so sach- und handwerksbezogen zu wie am vergangenen Wochenende auf der Factchecking –Tagung im Spiegel-Hochhaus.

Das mit dem Zwei-Quellen-Prinzip haben die Journalisten hierzulande noch nicht so recht verstanden – von den Journalisten, die diese Regel kennen, meinen die meisten, es genüge, wenn man den zu belegenden Fakt in zwei anderen Medienquellen gefunden habe. Ich habe schon einmal gezeigt, dass das selbst bei so einfachen Fragen wie der Entfernung zwischen zwei Städten zu katastrophalen Fehlern führt, die sich dann aber gleich in allen Medien finden - auch in solchen, die man ansonsten gerne als Qualitätsprodukte lobt. Dokumentare vom Spiegel zeigten am Wochenende ein weiteres Beispiel dieses vermutlich täglich in jeder deutschen Zeitung zu findenden Fehlers: Kaffee sei, so liest man oft, „der nach Erdöl am zwei häufigsten gehandelte Rohstoff der Welt“. Zum Abschreiben gibt es viele, vermeintlich gute Quellen – allein es stimmt bei weitem nicht.

Auch die Denke der Nachrichtenredakteure, die eine zweite Agentur abwarten, bevor sie eine Meldung übernehmen, führt zu Fehlern. Nämlich dann, wenn beide Agenturen auf dieselbe Quellen zurückgreifen, etwa einen Politiker, der Unsinn erzählt. Die Zwei-Quellen-Regel spricht nämlich von zwei voneinander unabhängigen Quellen. Die Regel kann demnach nur für Ereignisse gelten, bei denen man weiß oder zumindest davon ausgehen darf, dass beide Agenturen einen Reporter haben und diese beiden nicht auf dieselbe gemeinsame Quelle zurückgreifen.
Über weite Strecken scheint es daher gängig zu sein, vermeintliche Fakten aus zwei, möglichst anerkannten Medien zu übernehmen. Doch das ist bestenfalls unter großem Zeitdruck noch eine zu akzeptierende Vorgehensweise – die Gefahr, sich dennoch lächerlich zu machen, ist groß.

Wie weit verbreitet diese Praxis ist, zeigen zwei Beispiele:

So berief sich ein großer deutscher Rechercheur, als ihm Fehler in seinem Bestseller nachgewiesen wurden, darauf, dass er diese „Fakten“ aus anerkannten deutschen Medien wie der Bild (!), der FAZ und anderen abgeschrieben „übernommen“ habe und diese ihre Berichte nicht korrigiert hätten (was m.E. kein Kriterium für den Wahrheitsgehalt ist und auch nur schwer abschließend recherchiert werden kann).

Als ich hier darauf hingewiesen habe, dass auch anerkannte Medien gerne mal Quatsch aus Meldungen oder Vorab-Meldungen gedankenlos übernehmen, teilte mir der zuständige Chefredakteur (der netterweise antwortete) mit, er verstehe meine Kritik nicht, da man die Meldung doch richtig wiedergegeben habe. (Es sei doch richtig, dass die genannte Regionalzeitung das Wiedergegebene geschrieben habe.) Dass die Meldung in sich nicht stimmen konnte, widersprüchlich war, störte ihn offensichtlich nicht.

Nur aus dieser Haltung erklärt sich, dass falsche Zahlen zur HartzIV-Lohnabstandsdebatte lange kursierten mit Hinweis auf die seriöse Quelle FAZ.
Einfacher und dank des Internets oft auch schnell zu erledigen wäre es, eine gute, vielleicht sogar eine privilegierte Quelle zu einer Frage zu finden. Das wird zu selten versucht gemacht.
Bildblog hat sich die richtigen Zahlen von der Bundesagentur für Arbeit bestätigen lassen. Genau das ist der Weg. So nah ran an eine Primärquellen wie möglich und dann lieber mit nur einer Quelle, die man im Zweifel benennt, als mit mehreren gleichermaßen falschen.

Entsprechend anders wird das Zwei-Quellen-Prinzip auch im angeslächsischen Journalismus gehandhabt (exemplarisch siehe z.B. „The Essentials of Reuters Sourcing“).

Das Interesse am fact-checking ist erstaunlich groß – oder ist das gerade deshalb so, weil es so vielen so fremd ist?!

Workshop: Recherchieren in europaweiten Ausschreibungen

Sunday, June 7th, 2009

Welches Unternehmen transportiert die Pakete für die Berliner Behörden? Was kostet der Bau der neuen Messehalle? Warum verzögert sich die Einführung des abhörsicheren Polizeifunks? Wie gut hält sich die Landesregierung an einen Umwelt-Beschluss des Abgeordnetenhauses? Was unternimmt die Straßenbahn gegen zerkratzte Fensterscheiben? Am Freitag konnte ich in der Reihe „Computer & Recherche“ auf dem Jahrestreffen des Netzwerk Recherche in Hamburg auf einem Workshop zeigen, wie ich dank der Datenbank mit den europaweiten Ausschreibungen die Antworten auf diese Fragen beantworten und aufschreiben konnte.

Meine Präsentation bestand dabei aus zwei Teilen: Erstens aus vielen Praxis-Beispielen und zweitens aus dem Hintergrund über das Vergaberecht. Meine Folien zum Vergaberecht gibt es hier zum Download als PDF. Und hier nun die Beispiele und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Datenbank mit den Ausschreibungen: (more…)

„Das müssen Sie mir doch sagen“ - Auskunftsrecht für Journalisten

Sunday, June 7th, 2009

Manfred Redelfs (Netzwerk Recherche e.V., Recherche-Abteilung Greenpeace e.V.): sprach auf dem Jahrestreffen des netzwerk recherche über Auskunftsrechte für Journalisten:

  • den journalistischen Auskunftsanspruch nach den Landespressegesetzen (§ 4),
  • die Informationsfreiheitsgesetze (IFG) der Länder und seit Januar 2006 des Bundes,
  • das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) s. 5/08
  • das Umweltinformationsgesetz (UIG) seit 1994 sowie
  • Registerauskünfte (Handelsregister, Grundbuch, Melderegister)

Hier die Präsentation:

„Das müssen Sie mir doch sagen“ - Auskunftsrecht für Journalisten
(PDF-Datei, 27 S., 618 KB)

Paul Myers’ Tipps & Tricks

Sunday, June 7th, 2009

Um ehrlich zu sein: die beiden Workshops von Paul Myers haben erfahrenen Internet-Rechercheuren nicht viel Neues gebracht. Dennoch konnte man hören, wie begeistert viele Teilnehmer waren, die sich nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt hatten. Insofern waren seine Präsentationen ein großer Erfolg.

Auf drei Beispiele möchte ich aufmerksam machen, die auch für mich sehr interessant waren:

  • Domaintools bietet eine WHOIS-Historie an. Das wusste ich nicht, kann es auch nicht oft nutzen, weil es sehr teuer ist - aber wenn man es wirklich mal braucht, ist es sehr gut, das zu kennen.
  • Man kann das Verzeichnis des Open Directory Projects mit der Way Back Machine durchsuchen. Das ist eigentlich selbstverstädnlich, nur muss man auch darauf kommen. Myers hat es am Beispiel der Website Saddam Husseins gezeigt, indem er erst die Seite zum Irak im aktuellen Verzeichnis herausgesucht, dann die Adresse in die Way Back Machine eingegeben hat (die ja noch immer keine Volltextsuche besitzt), um zum alten Verzeichnis zu kommen - und sich dann Saddams Website aufzurufen (die im Unterverzeichnis Government liegt). Clever.
  • Was für Nerds ist die Seite zu „Google dorks“. Dazu gibt’s keine Erklärung, weil es erstens zu lange dauern würde und ich zweitens den größten Teil selber nicht verstehe. :-( Aber ich arbeite dran.

Computer & Recherche auf dem nr-Jahrestreffen 2009

Friday, June 5th, 2009

Auf dem Jahrestreffen des netzwerk recherche ist eine Veranstaltunsgsreihe dem Thema „Computer & Recherche“ gewidmet. So, wie in den letzten Jahren auch. Die nr-Jahreskonferenz ist damit eine ernst zu nehmende Fachkonferenz zu diesem Thema geworden. Hier das Programm:

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complete privacy does not exist

Friday, November 28th, 2008

complete privacy does not exist“, so ein Google-Anwalt laut einer Meldung auf The Smoking Gun. Wie wahr das ist, darauf weist Kai Biermann in „Fotografieren verboten“ auf ZEIT online hin. Mitarbeiter des US-amerikanischen National Legal and Policy Centers (NLPC) haben, nur durch Nutzung von Google-Diensten, einen ungenannten „top Google executive“ in weniger als 30 Minuten eingekreist. Abzurufen ist das PDF-Dokument unter
www.nlpc.org/pdfs/googleexecutive.pdf (PDF-Datei, 7 S., 498 KB)

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Unsichtbares sichtbar und kommunizierbar machen

Sunday, July 20th, 2008

Vortrag auf dem Jahrestreffen 2008 des netzwerk recherche, Freitag, 13. Juni 2008, 15:00 Uhr von PD Dr. Lothar Krempel (Max-Planck Institut für Gesellschaftsforschung MPIfG, Köln).
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Hey, hey Wiki – Wissensmanagement für Journalisten

Saturday, July 19th, 2008

Vortrag auf dem Jahrestreffen 2008 des netzwerk recherche, Freitag, 13. Juni 2008, 14:00 Uhr von Anton Simons (Redakteur der Rhein-Zeitung, Koblenz).
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Albrecht Ude: Entenjagd – Quellenprüfung online

Thursday, June 26th, 2008

Weil ich mit Marcus zusammen das ganze Panel organisiert habe, musste ich auch schierem Zeitmangel den Vortrag nochmal halten, den ich schon beim letzten Jahrestreffen zum Besten gab. Immerhin hatte ich Zeit, ihn nochmal zu überarbeiten.

Hier sind die Folien (PDF-Datei, 24 S., 50 KB)
und die Linkliste (PDF-Datei, 4 S., 20 KB) dazu.

Nach dem Vortrag im letzten Jahr hatte ich zu dem Thema einen Fünfseiter in der c’t, der (mit Genehmigung der Redaktion) in der nr-Werkstatt 9 nachgedruckt ist:
Quellenmanagement – Quellen finden und öffnen / Hrsg.v. netzwerk recherche e.V. Konzeption: Dr. Thomas Leif (verantw.) Redaktion: Thomas Schnedler. Redakt. Mitarbeit: Daniel Bouhs
Wiesbaden : netzwerk recherche, 6/2008. - 140 S., brosch.
(nr-Werkstatt ; Bd. 9)

(PDF-Datei, 140 S., 888 KB)

Update [21.02.2011]:
Eine Ergänzung zum Thema gibt es hier:
PR in der Wikipedia.
Viel Spaß!