Archive for the ‘Bücher & Publikationen’ Category

Verification Handbook angekündigt

Saturday, November 16th, 2013

Fact Checking und digitale Quellenprüfung sind journalistisches Alltagsgeschäft. Man muss nicht nur was finden, sei es im Netz oder offline, man braucht auch Massstäbe und Methoden, um beurteilen zu können, ob das Gefundene verwendbar ist, ob man es besser nur mit spitzen Fingern anfasst, oder ob man besser ganz die Finger davon lässt.

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93% der Nutzer hinterlassen eindeutige Spuren auf Websites

Tuesday, October 22nd, 2013

Henning Tillmann hat im Rahmen seines Diploms untersucht, wie einfach Nutzer des WWW durch den „Browser Fingerprint“ zu identifizieren sind. Dank einer Online-Umfrage konnte er 23.709 Datensätze erheben.

Die eher unbekannte Methode des „Browser Fingerprint“ hinterlässt (im Gegensatz etwa zu Cookies) keine Spuren auf dem Rechner des Nutzers, da sie lediglich Daten auswertet, die dessen Browser an angesurfte Websites übermittelt. Wie Tillmann ermittelte, hinterlassen 93% der Nutzer eindeutige und damit nachverfolgbare Spuren auf Websites.
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Neuerscheinung „Die Datenfresser“

Tuesday, April 12th, 2011

Profile sind nützlich, um uns gezielt zum Kauf (…) zu verleiten, uns effizienter zu verwalten und dazu, zukünftiges Verhalten zu prognostizieren“ - deswegen ist es zu einer Industrie geworden, Daten zu sammeln, Profile zu erstellen und zu verkaufen. Die Namen der entsprechenden Firmen kennt jeder - und viele nutzen sie in der Verwechslung, dies geschehe umsonst (statt unentgeldlich).
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2. Band des „Handbuch Internet-Suchmaschinen“

Monday, March 21st, 2011

Das von Dirk Lewandowski herausgegebene „Handbuch Internet-Suchmaschinen“ bekommt einen zweiten Band: Neue Entwicklungen in der Web-Suche.
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Online-Suchstrategien (1): Suchbegriffe finden

Friday, January 21st, 2011

Der trivialste, mithin aber der schwierigste Schritt einer Online-Recherche, ist die Auswahl der Suchbegriffe. Damit steht und fällt die Effizienz der Recherche: Ist ein falscher Begriff dabei, der in den gesuchten Seiten nicht vorkommt, finde ich diese nicht; sind zu wenige oder zu wenig treffende Begriffe dabei, ertrinke ich in der Vielzahl von Treffern.

Eine universelle Lösung für dieses Problem habe ich nicht, aber eine Reihe von Regeln und Tipps:

1.) Möglichst viele Suchbegriffe verwenden, Anzahl der Treffer reduzieren.
Solange ich damit keine gewünschten Treffer ausschließe, kann und sollte ich weitere Suchbegriff hinzufügen. Beispiel: Auf der Suche nach dem Originaltext aus Shakespeares Hamlet kann ich dem Kernzitat [„to be or not to be“] problemlos alle weiteren Wörter aus dem Hamlet-Monolog hinzufügen, also: [„to be or not to be – that ist he question“]
Im Beispiel reduziert sich die Anzahl der Treffer von 1 777 000 auf 704 000.

2.) Was sind gute Suchbegriffe?
Eigennamen von Personen, Werken, Orten, Gebäuden, Organisationen sind sehr gute Suchbegriffe.
Solange es sich sinnvoll vermeiden lässt, sollten diese allerdings nicht als Phrase in Anführungszeichen gesucht werden! Die Anführungszeichen verhindern eine Suche nach anderen Schreibweisen, eingeschobenen weiteren Begriffen und anderen Abweichungen. (Am Beispiel einer Personensuche habe ich das hier ausführlich an einem Beispiel erklärt.)
Im Zweifelsfall kurz die Ergebnisse mit und ohne Anführungszeichen vergleichen!

3.) Wo finde ich gute Suchbegriffe?

a) in der Trefferumgebung
Beispiel: Nach der Eingabe von „to be or not to be“ kann ich, noch bevor ich eine der Trefferseiten aufrufe, weitere Suchbegriffe in der Ergebnisliste der Suchmaschine finden und mit ihnen meine Suchbegriffe ergänzen. In meinem Beispiel etwa die Begriffe [shakespeare hamlet] und die Ergänzung des Zitats (siehe 1.)

b) in der Wikipedia
Zum Einlesen ist sie immer geeignet – vor allem, wenn ich mit dem Thema nicht vertraut bin oder aber in einer Fremdsprache recherchiere. Mit dem Wörterbuch einen Suchbegriff treffend zu übersetzen, gelingt in der Regel nicht.
Beispiel: ich habe mal lange mit dem Suchbegriff [sects] für Sekten gesucht – die Übersetzung ist zwar treffend, aber aus Gründen der political correctness verwenden die Amerikaner statt [sects] lieber den neutraleren Begriff [religious groups]

4.) Zwei Ansätze: Nehme ich Suchbegriffe aus der Überschrift oder aus dem Inhalt?
Paul Myers (BBC) verwendet die nachfolgende Analogie, wenn er erklärt, wie man an die Auswahl der Suchbegriffe herangehen kann: Gute Sachbücher haben ein Inhaltsverzeichnis und einen Index: Während ich im Index alle relevanten Fundstellen für einen Begriff finde, taucht der Suchbegriff im Inhaltsverzeichnis vielleicht nur an einer Stelle auf, dafür führt er dort zu einem sehr relevanten Eintrag.
Wer in unserem Beispiel nach [berühmte Zitate Shakespeare] sucht, mag fündig werden, schließt aber alle Treffer aus, die für [berühmt] oder [Zitat] einen anderen Begriff verwenden, etwa auf Englisch.

Pauls Beispiel zeigt diesen Denkansatz noch besser. Wer nach einer Liste ermordeter Prominenter sucht, kann natürlich überlegen, was jemand, der eine solche Liste erstellt, in die Überschrift schreibt. Schon nach ersten Überlegungen und nur auf Deutsch kommt dabei eine komplexe aber unzureichende Suchanfrage zustande:

[(Liste OR Verzeichnis OR Übersicht) (ermordet OR getötet OR umgebracht OR erschossen) (Prominenter OR Politiker OR Stars OR Künstler)]

Eine solche Schnittmengensuche mit Hilfe des Operators OR kann sinnvoll sein (dazu in einer späteren Folge mehr), in diesem Fall ist sie es nicht, da es zu viele Synonyme gibt, und ich diese zudem in 3-4 Sprachen berücksichtigen sollte.

Zielführender ist hier die Frage: Welche Namen sollten auf der Liste auftauchen?

[John F. Kennedy] sollte dabei sein. Wer noch? Statt nun weitere ermordete amerikanischen Präsidenten hinzugefügt werden, sollte überlegt werden, welche Namen möglichst einen größeren Zugewinn für diese Suche bringen. Etwa:
[John Lennon] gut, ein Künstler, kein Politiker, aber auch USA
[Gandhi] gut, anderer Kontinent (und nebenbei gleich 3 Ermordungen: Mahatma Gandhi, sowie Nehrus Tochter Indira Gandhi und deren Sohn Rajiv Gandhi]
[Benazir Bhutto] gleicher Kontinent wie Gandhi, aber eine Ermordung, die noch nicht solange zurück liegt, damit werden inaktuelle Listen ausgeschlossen; (damit könnte man Gandhi wieder als Suchbegriff entfernen)
[Caesar] gute Ergänzung, wenn die Liste, denn auch die ältere Geschichte abdecken soll.

5.) Aus dem Beispiel unter 4. folgt der allgemeine Rat:
Stell Dir das Dokument vor, dass Du suchst! Was steht da drauf? Welche Begriffe werden für das, was ich suche, verwendet?
Tückisch sind viele Behördenseiten. So wird z.B. in Gesetzen und Verordnungen nicht von Prozentsätzen gesprochen, sondern von „von Hundert-Sätzen“ (v.H.) – der Suchbegriff [„v.H.“] ist daher auf der Suche z.B. nach Steuersätzen ein guter und erklärt, warum der Suchbegriff [Prozent OR %] oft weniger gut geeignet ist. Aber Achtung, das Bundesfinanzministerium verwendet in Pressemitteilungen durchaus Prozentangaben. Lösung: [„v.H.“ OR Prozent OR %].

6.) Und sonst noch: Über Suchbegriffe
a) Reihenfolge matters: bei 2 oder 3 Suchbegriffen macht die Reihenfolge einen Unterschied im Ranking der Treffer (nicht in der Anzahl. Beispiel zum Ausprobieren und Merken: [Hilton Paris] vs. [Paris Hilton]
b) Synonyme berücksichtigen und mit [OR] verbinden!
c) Substantive sind besser als Verben!
d) Solange ich kein [+] oder [„“] benutze findet Google auch andere Schreibeweisen und trunkiert meine Suchbegriffe!
z.B. [photographie] findet sowohl „Fotografie“ als auch „fotografisch“ oder „photographischen“

Recherche heute: Thesen für einen handwerklichen Buchbeitrag

Tuesday, January 4th, 2011

Nach vielen anderen Kollegen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie sich der Journalismus nach 1995 (mit dem Wachstum des Internets) verändert hat und was man in Zukunft wissen muss, bin ich kurz vor Weihnachten gefragt worden, zu dem Buchprojekt unter Leitung von Christian Jakubetz ein Kapitel über Recherche beizusteuern.
Meine ersten Gedanken hierzu will ich gerne hier diskutieren. Wichtig ist der Auftrag: Die Aufgabe des Buchs soll die Vermittlung von Handwerkszeug sein, nicht das Verbreiten von Thesen über die Bedeutung der Recherche etc. Dass ich nachfolgend dennoch mit Thesen arbeite, soll der Diskussion helfen; im Buchkapitel dann steht das Handwerk dann im Vordergrund.
Abgesehen von exemplarischen Suchmaschinen-Anfragen (mit den universellen Operatoren von Google/Bing/Yahoo) möchte ich allerdings darauf verzichten, einzelne Tools, etwas Programme oder Websites vorzustellen.

Wie verändert sich das Recherche-Handwerk durch die Digitalisierung?

1.) Recherche folgt den althergebrachten methodischen Prinzipien und muss ethischen, journalistischen und
juristischen Ansprüchen genügen – egal ob sie online oder offline stattfindet.

a) Prinzipien: Zwei-Quellen-Regel/Quellenlage transparent machen, von außen nach innen (mit
Einschränkung), Vollständigkeit, Plausibilität, Gegenseite hören.

b) Ansprüche: juristisch zulässig, journalistisch sorgfältig und angemessen, ethisch begründbar, d.h.
nach erfolgter Abwägung öffentliches Interesse vs. Einzelinteressen.

2.) Die Unterscheidung zwischen online und offline Recherche ist daher sinnlos und führt zu mehr Problemen
als Lösungen. Eine reine online-Recherche ist methodisch ebenso ungenügend oder zumindest ineffizient
wie eine reine offline-Recherche. (Bei einigen Themen sind Ausnahmen denkbar.)
Journalisten heute müssen permanent abwägen, welche Tools on- wie offline, am effizientesten sind.

3.) Zum Minimalkanon der Internetrecherche gehört ein Grundverständnis der Funktionsweise von
Suchmaschine, der zugehörigen Suchoperatoren und der Quellenprüfung. (ausführlicher Minimalkanon im
Kapitel)
Soll man hier auch einen Minimalkanon der offline-Recherche formulieren oder auch den Minimalkanon
„Presserecht für Rechercheure“?

4.) Das unter 3. beschriebene Handwerkszeug muss dann kreativ, strategisch, sinnvoll eingesetzt werden.
Beispiele für Online-Strategien: Finden von Suchbegriffen, gezieltes Befragen einer Quelle, kostenlose
Nutzung kostenpflichtiger Datenbanken.
Beispiel für Offline-Strategien: Factchecking, Pendeln, Informanten finden, sich selbst zum Protagonist
machen…

5.) Die Welt verändert sich, online wie offline. (Offline sei nur an die Informationsfreiheitsgesetze erinnert.)
Journalistische Bildung braucht kontinuierliche Updates. Redaktionsmanager müssen dies ebenso wie das
redaktionsinterne Wissensmanagement organisieren.

Das Buchkapitel könnte dann folgende Gliederung haben:
I. Was schon immer galt: Prinzipien und Anforderungen an Recherche
II. Minimalkanon der Offline-Recherche
III. Minimalkanon der Online-Recherche
IV. Minimalkanon Presserecht und Recherche
V. Recherche ist immer unter Zeit- und Rechtfertigungsdruck: Wie gehe ich damit um?
(Was macht Recherche effizienter, wie gehe ich mit unklaren Quellen um etc.)
VI. Exemplarische Strategien für (on- und offline) Recherche
VII. Ausblick mit Beispielen: Computer Assisted Reporting

Ich freue mich über Widerspruch, Ergänzungen, Anmerkungen!

Kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung

Wednesday, August 25th, 2010

Im Juli wurde die aktualisierte Version (2.3) des nestor Handbuches „Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung“ veröffentlicht. Es wurde um einzelne Artikel ergänzt, weitere Artikel wurden z.T. erheblich überarbeitet und die Verweise im gesamten Handbuch wurden überprüft und ggf. aktualisiert.
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“Deep Search” - Politik des Suchens jenseits von Google

Tuesday, April 6th, 2010
Das Buch liegt bereits seit Monaten auf dem Tisch, aber wie es eben leider oft so ist - mir ist etwas dazwischen gekommen auf dem Weg zur Rezension. Die hat aber inzwischen zum Glück Philipp Albers für die Sendung Breitband in Deutschlandradio Berlin geliefert (auch schon wieder mehr als eine Woche her…):
Die digitale Explosion konfrontiert uns seit Jahren mit einem regelrechten Daten-Tsunami. Die Suchmaschinen sind es, die uns helfen, diesen Tsunami zu beherrschen. Das Verheerende: Was wir über die Welt wissen, erfahren wir fast immer durch Google. Anders gesagt: Was Google nicht findet, existiert für viele Menschen nicht. Mit dieser Situation und ihren Implikationen beschöftigen sich Medientheoretiker, Kulturwissenschaftler, Soziologen und Politologen im Sammelband “Deep Search – Politik des Suchens jenseits von Google”.
  • Konrad Becker / Felix Stalder (Hrsg.): “Deep Search: The Politics of Search beyond Google”, StudienVerlag & Transaction Publishers, Wien 2009. 216 Seiten, 24,90 €
deutsche Ausgabe:
  • Konrad Becker/ Felix Stalder (Hrsg.): “Deep Search: Die Politik des Suchens jenseits von Google”, Studienverlag & Transaction Publishers, Wien 2009. ca. 220 Seiten, 24,90 €
Hier der Beitrag zum Anhören:

Die MP3 zum Runterladen (3,4 MB)

UNESCO-Neuerscheinung: Story-Based Inquiry von Mark Lee Hunter et al.

Tuesday, February 9th, 2010

Eine Neuerscheinung der UNESCO (von der bereits „The Net for Journalists“ publiziert wurde):

Story-Based Inquiry: A manual for investigative journalists
by Mark Lee Hunter with (in alphabetical order) Nils Hanson ; Rana Sabbagh ; Luuk Sengers ; Drew Sullivan ; Pia Thordsen. Preface by Yosri Fouda.

Das Buch gibts als PDF auf Englisch (PDF-Datei, 81 S., 508 KB), Französisch und Arabisch.
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Handbuch Internet-Suchmaschinen

Thursday, October 22nd, 2009

Eine sehr empfehlenswerte Neuerscheinung dieses Jahres:
Handbuch Internet-Suchmaschinen : Nutzerorientierung in Wissenschaft und Praxis / Hrsg. Dirk Lewandowski. -
Heidelberg : Aka, 2009. -
VIII, 409 S. : Ill., graph. Darst. ; 25 cm
ISBN 978-3-89838-607-4 Pp. : EUR 60.00

Hier die Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek mit Inhaltsverzeichnis (PDF-Datei, 2 S., 248 KB) und Inhaltstext (vom Verlag).
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