Über eine Falschmeldung der dpa berichten BildBlog und Meedia. Angeblich hatte es am 10.09.09 um 08:00 MESZ in Bluewater, Kalifornien, einen Selbstmordanschlag gegeben. Einige Online-Medien übernahmen den Hoax. Bemerkenswert ist, dass die via Netz verfügbaren „Quellen“ (im Web, auf Youtube und Twitter) augenscheinlich nicht auf Echtheit geprüft wurden. (more…)
“Der Fehler liegt nicht bei der Quelle, sondern bei dem, der nicht richtig recherchiert. Und das ist keine Frage des Internets. Das ist eine Frage der journalistischen Sorgfalt”
Die FAZ hat ernsthaft über eine vorgebliche Pressekonferenz berichtet, die angeblich Harald Schmidt auf Twitter gegeben hat. In dem entsprechenden Twitter-Account bedankt man sich auch artig für deren Berichterstattung: Lese gerade die FAZ und bin auf Seite 33. Vielen Dank für die Berichterstattung zur gestrigen Twitter-PK. Grüße !
Der Wächterpreisträger David Schraven hat im Blog Ruhrbarone, das er mit KollegInnen betreibt, einen Artikel darüber geschrieben, wie Hannelore Kraft, SPD-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen, ihren Lebenslauf geändert hat. Ein schönes Beispiel für den Einsatz der Wayback Machine von archive.org. Schraven hatte eine ältere Version der Kraftschen Website dort angeschaut und festgestellt, dass Informationen verändert worden waren. Wie wichtig das ist, darüber gibt es nun Streit. Aber das ist eine andere Geschichte.
Der preisgekrönte Journalist Erich Möchel beschreibt in einem hervorragenden Artikel bei futurezone.at, wie die iranische Regierung es - offenbar erfolgreich - geschafft hat, die Kommunikationsherrschaft im Land zurück zu erobern.
Der Innenminister von Baden-Württemberg päsentierte ein angeblich vor der Tat im Internet veröffentlichtes ‘Bekennerschreiben’ des Mörders von Winnenden. Das offenbart mangelhafte Online-Recherche der Ermittlungsbehörden. Dabei hatten diese mindestens zwei mal exklusiven Zugriff auf Quellen.
Er wollte sehen, ob Medien dies übernähmen. Und er zeigte damit nicht nur mangelnde Recherchequalitäten, sondern auch Selbstrefenrenzialität im kleinen: Denn die Bearbeiter der Wikipedia waren zwar skeptisch und verlangten für den neuen Vornamen einen Einzelnachweis, akzeptierten aber einen Bericht auf Spiegel online - dessen (ungenannte!) Quelle eben die Wikipedia war. Graphisch schön dargestellt hat das Titanic (die selbst betroffen ist), anzuschauen bei netzpolitik.org „So funktioniert die Informationsgesellschaft“. Spiegel online hat mittlerweile ein wünschenswert klares Postskriptum angefügt und eine Meldung in eigener Sache publiziert, die etwas weniger klar ist.
Der arme Steve Jobs! Über seine Erscheinung und seinen Gesundheitszustand wurde öffentlich so stark spekuliert, dass es den Aktienkurs von Apple beeinflusste. Totgesagt wurde er auch schon mal, oder genauer: Bloomberg financial newswire hatte am 27.08.2008 einen augenscheinlich auf Vorrat verfassten Nachruf (immerhin 17 Seiten!) versehentlich online gestellt.
Ein Hoax, eine Ente. Jemand hatte eine Schnittstelle zum Hochladen von Bildern (einen Online-Viewer) genutzt, um einen gefakten Artikel als Grafik auf die Site zu bringen, wo er dann unter dem Wired-Logo erschien. Den Link darauf verbreitete er bei Twitter.
So leicht geht das also; scheint’s eine besondere Form des „user generated content“ - ein Kuckucksei. Viele Leser der Ente werden vermutlich nicht gemerkt haben, dass sie eine Grafik lesen, statt eines gerenderten Textes. Wohl auch, weil darüber das Logo eines bekannten Mediums prangte. Wired hat die Lücke mittlerweile geschlossen.
Endlich mal was richtig Sinnliches im Recherche-Blog: tolle Beispiele dafür, wie KollegInnen Daten anschaulich dargestellt haben. Die Beispiele stammen aus dem Beitrag 5 Best Data Visualization Projects of the Year des Blogs Flowing Data. Das können doch nicht nur die angelsächsischen KollegeInnen, oder? Ich würde mich sehr über Beispiele aus Deutschland freuen. Kommentare, bitte!
Ich habe aus den angeblich fünf besten noch einmal drei rausgesucht, die ich unter journalistischen Gesichtspunkten für interessant halte. Das schönste ist meiner Ansicht nach dieses hier aus der New York Times:
Man muss sich die originale, interaktive Grafik anschauen (Klick aufs Bild), um es zu vestehen. Sehr anspruchsvoll, auch für die Leser. Ein kleines Meisterwerk.