Archive for the ‘Reihen’ Category

Online-Suchstrategien (1): Suchbegriffe finden

Friday, January 21st, 2011

Der trivialste, mithin aber der schwierigste Schritt einer Online-Recherche, ist die Auswahl der Suchbegriffe. Damit steht und fällt die Effizienz der Recherche: Ist ein falscher Begriff dabei, der in den gesuchten Seiten nicht vorkommt, finde ich diese nicht; sind zu wenige oder zu wenig treffende Begriffe dabei, ertrinke ich in der Vielzahl von Treffern.

Eine universelle Lösung für dieses Problem habe ich nicht, aber eine Reihe von Regeln und Tipps:

1.) Möglichst viele Suchbegriffe verwenden, Anzahl der Treffer reduzieren.
Solange ich damit keine gewünschten Treffer ausschließe, kann und sollte ich weitere Suchbegriff hinzufügen. Beispiel: Auf der Suche nach dem Originaltext aus Shakespeares Hamlet kann ich dem Kernzitat [„to be or not to be“] problemlos alle weiteren Wörter aus dem Hamlet-Monolog hinzufügen, also: [„to be or not to be – that ist he question“]
Im Beispiel reduziert sich die Anzahl der Treffer von 1 777 000 auf 704 000.

2.) Was sind gute Suchbegriffe?
Eigennamen von Personen, Werken, Orten, Gebäuden, Organisationen sind sehr gute Suchbegriffe.
Solange es sich sinnvoll vermeiden lässt, sollten diese allerdings nicht als Phrase in Anführungszeichen gesucht werden! Die Anführungszeichen verhindern eine Suche nach anderen Schreibweisen, eingeschobenen weiteren Begriffen und anderen Abweichungen. (Am Beispiel einer Personensuche habe ich das hier ausführlich an einem Beispiel erklärt.)
Im Zweifelsfall kurz die Ergebnisse mit und ohne Anführungszeichen vergleichen!

3.) Wo finde ich gute Suchbegriffe?

a) in der Trefferumgebung
Beispiel: Nach der Eingabe von „to be or not to be“ kann ich, noch bevor ich eine der Trefferseiten aufrufe, weitere Suchbegriffe in der Ergebnisliste der Suchmaschine finden und mit ihnen meine Suchbegriffe ergänzen. In meinem Beispiel etwa die Begriffe [shakespeare hamlet] und die Ergänzung des Zitats (siehe 1.)

b) in der Wikipedia
Zum Einlesen ist sie immer geeignet – vor allem, wenn ich mit dem Thema nicht vertraut bin oder aber in einer Fremdsprache recherchiere. Mit dem Wörterbuch einen Suchbegriff treffend zu übersetzen, gelingt in der Regel nicht.
Beispiel: ich habe mal lange mit dem Suchbegriff [sects] für Sekten gesucht – die Übersetzung ist zwar treffend, aber aus Gründen der political correctness verwenden die Amerikaner statt [sects] lieber den neutraleren Begriff [religious groups]

4.) Zwei Ansätze: Nehme ich Suchbegriffe aus der Überschrift oder aus dem Inhalt?
Paul Myers (BBC) verwendet die nachfolgende Analogie, wenn er erklärt, wie man an die Auswahl der Suchbegriffe herangehen kann: Gute Sachbücher haben ein Inhaltsverzeichnis und einen Index: Während ich im Index alle relevanten Fundstellen für einen Begriff finde, taucht der Suchbegriff im Inhaltsverzeichnis vielleicht nur an einer Stelle auf, dafür führt er dort zu einem sehr relevanten Eintrag.
Wer in unserem Beispiel nach [berühmte Zitate Shakespeare] sucht, mag fündig werden, schließt aber alle Treffer aus, die für [berühmt] oder [Zitat] einen anderen Begriff verwenden, etwa auf Englisch.

Pauls Beispiel zeigt diesen Denkansatz noch besser. Wer nach einer Liste ermordeter Prominenter sucht, kann natürlich überlegen, was jemand, der eine solche Liste erstellt, in die Überschrift schreibt. Schon nach ersten Überlegungen und nur auf Deutsch kommt dabei eine komplexe aber unzureichende Suchanfrage zustande:

[(Liste OR Verzeichnis OR Übersicht) (ermordet OR getötet OR umgebracht OR erschossen) (Prominenter OR Politiker OR Stars OR Künstler)]

Eine solche Schnittmengensuche mit Hilfe des Operators OR kann sinnvoll sein (dazu in einer späteren Folge mehr), in diesem Fall ist sie es nicht, da es zu viele Synonyme gibt, und ich diese zudem in 3-4 Sprachen berücksichtigen sollte.

Zielführender ist hier die Frage: Welche Namen sollten auf der Liste auftauchen?

[John F. Kennedy] sollte dabei sein. Wer noch? Statt nun weitere ermordete amerikanischen Präsidenten hinzugefügt werden, sollte überlegt werden, welche Namen möglichst einen größeren Zugewinn für diese Suche bringen. Etwa:
[John Lennon] gut, ein Künstler, kein Politiker, aber auch USA
[Gandhi] gut, anderer Kontinent (und nebenbei gleich 3 Ermordungen: Mahatma Gandhi, sowie Nehrus Tochter Indira Gandhi und deren Sohn Rajiv Gandhi]
[Benazir Bhutto] gleicher Kontinent wie Gandhi, aber eine Ermordung, die noch nicht solange zurück liegt, damit werden inaktuelle Listen ausgeschlossen; (damit könnte man Gandhi wieder als Suchbegriff entfernen)
[Caesar] gute Ergänzung, wenn die Liste, denn auch die ältere Geschichte abdecken soll.

5.) Aus dem Beispiel unter 4. folgt der allgemeine Rat:
Stell Dir das Dokument vor, dass Du suchst! Was steht da drauf? Welche Begriffe werden für das, was ich suche, verwendet?
Tückisch sind viele Behördenseiten. So wird z.B. in Gesetzen und Verordnungen nicht von Prozentsätzen gesprochen, sondern von „von Hundert-Sätzen“ (v.H.) – der Suchbegriff [„v.H.“] ist daher auf der Suche z.B. nach Steuersätzen ein guter und erklärt, warum der Suchbegriff [Prozent OR %] oft weniger gut geeignet ist. Aber Achtung, das Bundesfinanzministerium verwendet in Pressemitteilungen durchaus Prozentangaben. Lösung: [„v.H.“ OR Prozent OR %].

6.) Und sonst noch: Über Suchbegriffe
a) Reihenfolge matters: bei 2 oder 3 Suchbegriffen macht die Reihenfolge einen Unterschied im Ranking der Treffer (nicht in der Anzahl. Beispiel zum Ausprobieren und Merken: [Hilton Paris] vs. [Paris Hilton]
b) Synonyme berücksichtigen und mit [OR] verbinden!
c) Substantive sind besser als Verben!
d) Solange ich kein [+] oder [„“] benutze findet Google auch andere Schreibeweisen und trunkiert meine Suchbegriffe!
z.B. [photographie] findet sowohl „Fotografie“ als auch „fotografisch“ oder „photographischen“

Online-Recherche: Suchmaschinen-Syntax (1/4)

Thursday, January 6th, 2011

Ab heute stelle ich - hoffentlich täglich - Teile meines Buchkapitels (Grundsätzliches dazu hier) über Recherche hier online. Beginnen will ich mit dem Teil, der unstrittig ins Buch gehört: Die Frage wie man vernünftig online recherchiert.
Dazu will ich zunächst die Suchmaschinen-Syntax und dann eine Reihe von komplexeren Suchstrategien präsentieren: Search-Makros, gezielte Befragung einer Online-Quelle, Suchbegriffe suchen und finden (Wie heißt das was ich suche? Inhalte oder Überschriften suchen?), Personensuche, Datenbanken und andere DeepWeb Quellen erschließen. Grundlage ist mein Vortrag Suchstrategien, den ich auf der #nr10 gehalten habe - ergänzt um das, was ich seither dazu gelernt habe.

Zu meiner Darstellungs-Syntax: Ich schreibe Suchbegriffe in eckige Klammern [christian jakubetz], wenn ich nach dem Herausgeber des Buches ohne Anführungszeichen suche (Warum das eine gute Idee ist, erkläre ich in der Folge über Personensuche!) bzw. [„Christian Jakubetz“], wenn ich ihn in Anführungszeichen suche.

Weil es übersichtlicher ist, habe ich die Syntax hier in einem pdf in einer Tabelle dargestellt.

Morgen folgt Teil zwei mit der Syntax, die nicht dokumentiert ist und der, die nicht mit der Syntax aus diesem Teil kombiniert werden kann. Teil 3 dann mit den übrigen Funktionen der erweiterten Suche(n) und Teil 4 mit allem, was sonst noch Grundlegendes über Google, Bing und Co vergessen wurde.

All das ist work in progress für das Buch: Daher freue ich mich über bessere Beispiele, Korrekturen, Ergänzungen!

re:publica: Open Data and Open Government

Friday, April 16th, 2010

Rob McKinnon stellt vor: OffeneDaten - ein Portal für offene Daten in Deutschland

McKinnon berichtet davon, dass in Großbritannien bereits drei Regierungsbehörden Open Hackdays veranstaltet haben, um von Hackern zu lernen, wie man Daten organisieren und zugänglich machen kann, die Hackern wiederum haben erfahren, welche Bedürfnisse Behörden haben.

Er kritisiert allerdings die bisher sehr restriktive Politik der EU, wenn es darum geht, tatsächlich Daten zur Verfügung zu stellen.

Kleine Linkliste zur Session mit Rob McKinnon über Open-Data-Projekte:

  • Free Risk: US-Site mit Informationen zur Kreditwürdigkeit (credit ratings)
  • Public Whip: Wahlverhalten der UK-Parlamentarier
  • Track Congress: Informationen über den US-Kongress
  • Meta-Seite: Wikipedia - Sammlung von Sites, die Gesetzgebungs- und andere Regierungsverfahren in vrschiebenen Ländern abbilden, indem sie relvante Dokumente zugänglich machen

Anatomy of Britain - herrliches Beispiel für Datenjournalismus, bevor es das Internet gab.

Morgen und übermorgen finden in Berlin die ersten deutschen Open Data Hackdays statt, bei der Projekte nicht nur vorgestellt, sondern auch entwickelt werden sollen.

Am 9. und 10. Juli wird in Hamburg die Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche stattfinden, bei der es ebenfalls einen Workshop zum Thema Open Government Data geben wird. Das Programm ist derzeit noch nicht veröffentlicht.

Das Zwei-Quellen-Missverständnis

Monday, March 29th, 2010

Nachwort zur Factchecking-Konferenz des netzwerk recherche beim Spiegel (27./28.3.)

Vorab: Es war eine der besten Veranstaltungen des netzwerk recherche – selten geht es dort so sach- und handwerksbezogen zu wie am vergangenen Wochenende auf der Factchecking –Tagung im Spiegel-Hochhaus.

Das mit dem Zwei-Quellen-Prinzip haben die Journalisten hierzulande noch nicht so recht verstanden – von den Journalisten, die diese Regel kennen, meinen die meisten, es genüge, wenn man den zu belegenden Fakt in zwei anderen Medienquellen gefunden habe. Ich habe schon einmal gezeigt, dass das selbst bei so einfachen Fragen wie der Entfernung zwischen zwei Städten zu katastrophalen Fehlern führt, die sich dann aber gleich in allen Medien finden - auch in solchen, die man ansonsten gerne als Qualitätsprodukte lobt. Dokumentare vom Spiegel zeigten am Wochenende ein weiteres Beispiel dieses vermutlich täglich in jeder deutschen Zeitung zu findenden Fehlers: Kaffee sei, so liest man oft, „der nach Erdöl am zwei häufigsten gehandelte Rohstoff der Welt“. Zum Abschreiben gibt es viele, vermeintlich gute Quellen – allein es stimmt bei weitem nicht.

Auch die Denke der Nachrichtenredakteure, die eine zweite Agentur abwarten, bevor sie eine Meldung übernehmen, führt zu Fehlern. Nämlich dann, wenn beide Agenturen auf dieselbe Quellen zurückgreifen, etwa einen Politiker, der Unsinn erzählt. Die Zwei-Quellen-Regel spricht nämlich von zwei voneinander unabhängigen Quellen. Die Regel kann demnach nur für Ereignisse gelten, bei denen man weiß oder zumindest davon ausgehen darf, dass beide Agenturen einen Reporter haben und diese beiden nicht auf dieselbe gemeinsame Quelle zurückgreifen.
Über weite Strecken scheint es daher gängig zu sein, vermeintliche Fakten aus zwei, möglichst anerkannten Medien zu übernehmen. Doch das ist bestenfalls unter großem Zeitdruck noch eine zu akzeptierende Vorgehensweise – die Gefahr, sich dennoch lächerlich zu machen, ist groß.

Wie weit verbreitet diese Praxis ist, zeigen zwei Beispiele:

So berief sich ein großer deutscher Rechercheur, als ihm Fehler in seinem Bestseller nachgewiesen wurden, darauf, dass er diese „Fakten“ aus anerkannten deutschen Medien wie der Bild (!), der FAZ und anderen abgeschrieben „übernommen“ habe und diese ihre Berichte nicht korrigiert hätten (was m.E. kein Kriterium für den Wahrheitsgehalt ist und auch nur schwer abschließend recherchiert werden kann).

Als ich hier darauf hingewiesen habe, dass auch anerkannte Medien gerne mal Quatsch aus Meldungen oder Vorab-Meldungen gedankenlos übernehmen, teilte mir der zuständige Chefredakteur (der netterweise antwortete) mit, er verstehe meine Kritik nicht, da man die Meldung doch richtig wiedergegeben habe. (Es sei doch richtig, dass die genannte Regionalzeitung das Wiedergegebene geschrieben habe.) Dass die Meldung in sich nicht stimmen konnte, widersprüchlich war, störte ihn offensichtlich nicht.

Nur aus dieser Haltung erklärt sich, dass falsche Zahlen zur HartzIV-Lohnabstandsdebatte lange kursierten mit Hinweis auf die seriöse Quelle FAZ.
Einfacher und dank des Internets oft auch schnell zu erledigen wäre es, eine gute, vielleicht sogar eine privilegierte Quelle zu einer Frage zu finden. Das wird zu selten versucht gemacht.
Bildblog hat sich die richtigen Zahlen von der Bundesagentur für Arbeit bestätigen lassen. Genau das ist der Weg. So nah ran an eine Primärquellen wie möglich und dann lieber mit nur einer Quelle, die man im Zweifel benennt, als mit mehreren gleichermaßen falschen.

Entsprechend anders wird das Zwei-Quellen-Prinzip auch im angeslächsischen Journalismus gehandhabt (exemplarisch siehe z.B. „The Essentials of Reuters Sourcing“).

Das Interesse am fact-checking ist erstaunlich groß – oder ist das gerade deshalb so, weil es so vielen so fremd ist?!

Zensur in China

Wednesday, January 20th, 2010

Durch Googles Androhungdeutung, sich möglicherweise aus der VR China zurückzuziehen, ist die Internet-Zensur der VR wieder in die Diskussion gekommen. Die chinesische Regierung nennt ihre Maßnahmen euphemistisch den „Great Firewall of China“, eine Formulierung, die nachgerade nationale Hochgefühle wecken soll.

Wie es darum bestellt ist, kamm man mit verschiedenen Websites prüfen:
(more…)

Europaweite Ausschreibung offenbart, dass Merkel Klimakillerstrom bezieht

Thursday, December 17th, 2009

merkel-titelDas Kanzleramt und viele weitere Ministerien beziehen Strom, der besonders billig ist und überdurchschnittlich viel CO2 verursacht. Diese Nachricht, die heute in der taz steht, zeigt wieder einmal, was für ein großartiges Instrument europaweite Ausschreibungen sind, um damit auf Themen aufmerksam zu werden. Bei der Recherche war diesmal leider wieder einmal eine Klage vor dem Verwaltungsgericht notwendig, um den Preis und den CO2-Ausstoß des Kanzleramtsstroms zu erfahren. Daher dauerte es auch sieben Monate von meiner ersten Anfrage bis zur Veröffentlichung.

Aber der Reihe nach: Behörden sind ja verpflichtet, größere Einkäufe von Waren oder Dienstleistungen europaweit auszuschreiben. Auf der Webseite der Europäischen Union, wo all diese Ausschreibungen veröffentlicht werden, kann man sich eine automatische Suche mit individuellen Kriterien einrichten und wird bei jedem Treffer per Mail benachrichtigt (zur Nutzung der Webseite siehe auch diese Dokumentation meines Workshops auf der Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche).

So war ich über eine Ausschreibung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gestolpert, die auf diesem Wege Stromlieferanten suchte. Es ging dabei laut Auftragsbeschreibung (PDF) um die „Lieferung elektrischer Energie für ca. 160 Abnahmestellen – Liegenschaften der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, verschiedene Bundesbehörden und Zuwendungsempfänger – in den Landesgrenzen der Stadt Berlin“. Insgesamt sollten 178 Millionen kWh pro Jahr geliefert werden - aufgeteilt auf mehrere Lose, also Unterausschreibungen. 3 Millionen kWh sollten aus Erneuerbaren Energien kommen. Für die restlichen 175 Millionen kWh suchte die Anstalt Lieferanten für Strom „ohne vorgegebene Herkunft“.

22. Mai 2009: Ich frage erstmals bei der Bundesanstalt an: Für welche Behörden wird der Strom eingekauft, was kostet er und wie viel CO2-Ausstoß verursacht er?

27. Mai: Die Bundesanstalt antwortet und listet auf, für wen sie Ökostrom und für wen sie den Strom ohne besondere Herkunft einkauft. Der Ökostrom geht an das Bundesverkehrsministerium. Der Egalstrom gehe an das Bundeskanzleramt, das Auswärtige Amt, die Bundesministerien für Justiz, Bildung, Ernährung, Arbeit, Gesundheit, Wirtschaft, an das Presse- und Informationsamt, an die Bundespolizei, die Bundesnetzagentur, an viele Landesvertretungen und weitere Behörden. Die Bundesanstalt weigert sich allerdings, den Preis für den Strom zu nennen: „Aus vergaberechtlichen Gründen ist mir leider nicht möglich, Ihnen die nachgefragten Auftragswerte bekannt zu geben.“ Außerdem behauptete die Bundesanstalt, ihr sei nicht bekannt, aus welchen Energiequellen wie der Egalstrom erzeugt wurde: Weil „Strom ohne vorgegebene Herkunft nachgefragt wurde, verfügt die Bundesanstalt naturgemäß über keine diesbezüglichen Informationen; dies gilt auch in Bezug auf die Angabe bestimmter Erzeugungsarten und der CO2-Emissionen“.

8. Juni: In einem Brief an die Bundesanstalt erläutere ich den Umfang der Auskunftspflicht nach dem Pressegesetz und bitte um erneute Überprüfung.

18. Juni: Die Bundesanstalt beharrt darauf, dass sie die Strompreise nicht nennen könne. Die EU-rechtlichen Vergabevorschriften würden einem presserechtlichen Auskunftsanspruch entgegenstehen. Der Inhalt der Angebote und insbesondere die Preisgestaltung unterliege gemäß der Artikel 6, 35 Abs. 4 und 41 Abs. 3 der Richtlinie 2004/18/EG zur Vergabe öffentlicher Aufträge dem Gebot der vertraulichen Behandlung. Außerdem müssten die Stromlieferanten darauf vertrauen können, dass die Bundesanstalt Informationen, die üblicherweise vertraulich behandelt werden, nicht an die Presse gibt. (more…)

Digitale Zeitungsarchive

Sunday, November 1st, 2009

Die FAZ hat eine Linkliste zu digitalen Zeitungsarchiven veröffentlicht, denn:

Alte Zeitungen sind das beste Archiv des Alltags, das wir haben. In vielen Blättern, die zum Teil mehr als 200 Jahre alt sind, kann man online stöbern. Unsere Linksammlung zeigt die besten Adressen im Netz.

Eine dankenswerte Aufgabe. Ergänzen möchte ich zwei Informationen, weil ich oft genug in Seminaren erfahre, dass sie nicht bekannt sind: Das Archiv des Spiegels ist inzwischen im Volltext bis zurück zur ersten Ausgabe durchsuchbar - kostenlos. Und wenn man mal auf einen Artikel in der FAZ stößt, der angeblich nur im kostenpflichtigen Archiv vorhanden ist (man suche z.B. nach „Reto Hilty“), sollte man erstmal mit Googles Site-Funktion suchen, bevor man’s glaubt (geht auch bei Yahoo über die erweiterte Suche oder bei Bing mit der Site-Funktion).

Wie aus einem journalistischen Selbstversuch eine wissenschaftliche EU-Studie wurde

Monday, October 26th, 2009

Bislang habe ich mich nur gewundert, gestern habe ich das mal (an)recherchiert. Seit Anfang September geistert eine „EU-Studie“ zur Bankenberatung durch die Medien, gestern bin ich in der aktuellen Wirtschaftswoche (Artikel ist nicht online) drüber gestoplpert und habe mal nachgeschlagen, wer da was gemacht hat – denn das Ergebnis 24 von 25 Beratungen seien schlecht, kam mir bekannt vor…

Mit wenig Aufwand konnte ich dann sehr schnell recherchieren, wie aus einem, wenn auch sehr aufwändigem journalistischem Test (an dem ich am Rande beteiligt war), eine (vermeintlich) „wissenschaftliche Studie“ von „EU-Experten“ wurde.

Ausgangspunkt:Für eine WISO-Doku hat die freie Journalistin Maja Helmer über die autoren(werk) GmbH & Co.KG (disclaimer: deren Geschäftsführer ich bin) einen Banktest bei 25 Banken sowie vier Finanzdienstleister gemacht - in enger Kooperation mit dem Verbrauchzentrale Bundesverband. Und mit einigem Aufwand: In 5 Städten wurden jeweils 5 Bankfilialen besucht, nach vorheriger Terminvereinbarung und immer mit der gleichen fiktiven persönlichen Situation einer Kundin konfrontiert, die eine Anlageempfehlung suchte.

In der Süddeutschen ist das zum Beispiel richtig und ausführlich dargestellt - offenbar, weil die Pressemitteilung Anlass für zumindest ein Telefonat mit dem VZBV bzw. dessen Experten war:

Die Verbraucherschützer simulierten bei ihrem Test immer die selbe Kundin: Eine 55jährige Sekretärin mit einem Nettoeinkommen von 1700 Euro, die bisher nur ein Sparbuch hat, gerade knapp 100.000 Euro erbte und dieses Geld anlegen will.
Eine Besonderheit: Die vermeintliche Kundin muss einen Kredit für ihre Eigentumswohnung abzahlen und könnte das Erbe verwenden, um diese Schulden schneller zu begleichen. Doch auf diese für sie günstige Möglichkeit wies die Kundin von 25 Bankberatern nur jener von der Volksbank Stuttgart hin, kritisiert Manfred Westphal, Finanzexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Generell habe sich kaum einer der Banker um den finanziellen Hintergrund der Dame gekümmert - aus seiner Sicht die Voraussetzung für eine Beratung, die dem Kunden nützt.

Das war im Juni, Sendetermin der Doku 29.6. (Video online hier); Sendetermin des Beitrags über das Abschneiden der vier Finanzdienstleister im gleichen Testsetting war der 22.6. (Video hier online)

Soweit so gut. Schon die Pressemitteilung von VZBV und WISO hat einiges an Presseecho gehabt, unter anderem schaffte er es auf Seite 1 der Berliner Zeitung

Schon hier zeigt sich, das journalisten Pressemitteilungen nicht nur gerne übernehmen, sondern auch noch um Fehler und Missverständliches anreichern (Das mit dem Abschreiben hatten wir beim gleichen Autor schon mal.):

So sei es bei einer Stichprobe nur einem von 25 Bankberatern gelungen, den finanziellen Hintergrund eines Kunden auszuleuchten und dann richtig zu beraten, teilte der VZBV der ZDF-Wiso-Redaktion mit.

(Nebenbei, bevor ich das so formulieren würde, würde ich mir das vom VZBV bestätigen lassen und könnte dann auf die hier irritierende Nennung der WISO-Redaktion verzichten.)

Schon hier wird das Entstehen dieses Tests falsch dargestellt. Dabei heißt es in der Pressemitteilung des Verrbaucherzentrale Bundesverbandes eindeutig:

Die Qualität der Bankberatung in Deutschland ist trotz Finanzkrise katastrophal. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Stichprobe des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion WISO. Demnach gelingt es nur einem von 25 Bankberatern, den finanziellen Hintergrund eines möglichen Kunden auszuleuchten und dann auch richtig zu beraten.

Das wird von zahlreichen anderen Medien dann auch richtig gemeldet, so zum Beispiel (in wahlloser Reihenfolge der Google-Trefferliste) von der Bild, der Financial Times Deutschland, vom SWR und rp-online.

Ein schöner Erfolg für den WISO Test. Doch jetzt nimmt die Geschichte einen obskuren Verlauf:

Die EU-Kommission beschäftigt sich mit dem Thema Bankdienstleistungen und gibt ein „working document“ heraus. In diesem heißt es - vollkommen zutreffend:

In one survey where 25 German bank advisors
were approached in a mystery shopping exercise, 24 of these provided unsuitable advice.

Die Fußnote verweist auf die Pressemitteilung des VZBV.

Aus diesem „working document“ wird dann schnell eine EU-Studie, die keiner mehr gelesen hat.
In der Rede der EU-Kommissarin Meglena Kuneva heißt es noch:

In Germany , researchers posing as consumers approached 25 German bank advisors and received unsuitable advice in 24 out of the 25 cases.

Die Pressemitteilung verweist auf die Studie als Ganzes und verweist nicht auf das Bankberatungsexperiment.
Aus den „researchers“ werden nun von den (ab)schreibenden Kollegen „EU-Experten“ gemacht.

Und so schreiben die Zeitungen:

In Deutschland hätten als Kunden getarnte EU-Experten (sic! mal) in 24 von 25 Fällen „unzureichende Beratung“ bekommen. (Berliner Zeitung

Deren (sic! mal) Experten gaben sich zum Test als Sekretärin aus, die 100 000 Euro geerbt hatte und nun nach optimalen Anlageformen suchte. In 24 von 25 Gesprächen sei die Beratung „inadäquat“ ausgefallen. (Saarbrücker Zeitung)

Aus den „researchers“, die Frau Kuneva noch zurecht so nannte, da es im Englsichen ja abseits der wissenschaftlichen Researcher auch noch journalistische gibt oder solche, die Firmeninformationen zusammentragen macht dann der VZBV in seinem EU-Newsletter „Wissenschaftler“ - vermutlich
ohne zu wissen, dass es die eigene Stichprobe ist: „So habe eine Untersuchung von als Kunden getarnten Wissenschaftlern in Deutschland ergeben, dass die Berater in 24 von 25 Banken ungeeigneten Rat gaben. “

Das ist kurios. Schlimm ist, das viele Kollegen diesen journalistischen Test nun als EU-Studie bezeichnen und der nun überall auftaucht.
(Viele Belege hierfür sind leider nicht mehr online.)

Was ist „reich“ für einen FAZ-Autor?

Monday, September 21st, 2009

Seit es den Zeitungsverlagen schlecht geht (oder sollte man sagen: seit sie nicht mehr die Monopolrenditen der Vergangenheit verdienen), bekommt man auch bei Air Berlin die FAZ (der SZ geht es offenbar noch nicht schlecht genug…). Das ist natürlich eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem Zustand, nur den Focus, die Gala und die Welt Kompakt angeboten zu bekommen (das ist der Rest der Auswahl). Außerdem bekommt man so die Chance, die Qualität der einstmals „besten Tageszeitung der Welt“ (war in den 90ern Mal Eigenwerbung aufgrund irgendeiner Umfrage) zu überprüfen.

In der heutigen Ausgabe findet sich ein Portrait des Kochs und Unternehmers Daniel Boulud, geschrieben von Roland Lindner. Die Überschrift lautet: „Restaurants machen nicht reich“, und im Text wird Boulud zitiert mit der Aussage: „Die Leute denken immer, nur weil man ein Restaurant hat, hat man auch viel Geld. In Wirklichkeit investieren wir den größten Teil des Gewinns wieder ins Geschäft.“ Sehen wir mal davon ab, dass ich nie dachte, wer ein Restaurant hat, sei reich. Höchstens: Wer ein Imperium von zehn Luxusrestaurants in New York City, Vancouver, Paris, Palm Beach, Las Vegas und Peking hat, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht wirklich arm. Aber es geht ja nicht um einen Eindruck, sondern das, was im Artikel steht:

Dinex (Bouluds Unternehmen) beschäftigt 900 Mitarbeiter, den Umsatz beziffert Boulud auf „zwischen 50 und 100 Millionen Dollar.“

Etwas weiter hinten:

Generell nimmt sich Boulud bei seinen Restaurants vor, dass 8 bis 12 Prozent vom Umsatz als Gewinn übrig bleiben.

Boulud hält die Hälfte der Anteile an Dinex, den Rest teilen sich zwei Partner.

Das bedeutet also, dass beim schlechtesten Szenario (50 Mio. Dollar Umsatz, 8 Prozent Gewinn) 4 Millionen Dollar übrig bleiben, von denen die Hälfte Boulud gehören. Jährlich. Beim optimistischsten Szenario sind es 6 Millionen Dollar (die Hälfte von 12% von 100 Mio. Dollar).

Ein so schlechter Geschäftsmann, dass die Aussage: „Wir investieren den Gewinn“ bedeutet, dass Boulud keine Abschreibungen geltend machen kann, wird der Herr über 900 Angestellte wohl nicht sein. Aber nehmen wir mal an, dass er dadurch netto noch einmal die Hälfte seines Gewinns „verliert“ – dann bleibt ihm ein Gewinn von 1 bis 3 Millionen US-Dollar im Jahr. Darauf hätte Herr Lindner, Betriebswirt und Wirtschaftskorrespondent der FAZ in New York, auch selbst kommen können (finde ich).

Es kann natürlich sein, dass derartige Einkünfte für festangestellte FAZ-Redakteure noch lange nicht bedeuten, jemand sei reich. Die Grenzen verschieben sich beständig in einer Welt, in der die FAZ freien Autoren 1,20 Euro pro gedruckter Zeile bezahlt. Aber muss man dann gleich die Überschrift daraus machen?

Beispielhafte Überwachung

Monday, September 14th, 2009

116 fest installierte Überwachungskameras stehen entlang der Route der Anti-Überwachungs-Demonstration „Freiheit statt Angst“. Zumindest habe ich so viele gefunden, als ich am Donnerstag vergangener Woche für die taz die Strecke abgelaufen bin. Auf taz.de haben wir in einen Artikel eine Karte von Google Maps eingebunden, auf der alle 116 Kamerastandorte verzeichnet waren. Außerdem hatte ich auch alle Kameras fotografiert und die Fotos auf einer Karte von Panoramio eingefügt - auch diese Seite war von dem Artikel aus verlinkt.

116-kameras

Das Ablaufen der Route und das Übertragen der Daten auf die beiden Online-Dienste nahm einen Arbeitstag für eine Person in Anspruch. Hinzu kam noch die zusätzliche Recherche. So stellten wir drei Kameratypen an drei Beispieln vor: Verkehrsüberwachungskamera am Potsdamer Platz, Museumskamera vor dem Deutschen Guggenheim, Behördenkamera vor dem Auswärtigen Amt. Dabei erläuterten wir jeweils: Was ist der Zweck der Kameraüberwachung? Werden die Bilder auch gespeichert? Falls ja: Für wie lange? Allein die Deutsche Bank, die die Kamera an dem Museum betreibt, wollte nicht antworten, ob die Bilder gespeichert werden: „Zu sicherheitstechnischen Fragen können wir generell keine Angaben machen“, meinte ein Banksprecher. Jetzt läuft ein Auskunftsantrag nach § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes. (more…)