Archive for the ‘Tricks, Tools, Tipps’ Category

Besser online recherchieren: Gezielt in einzelnen Branchen recherchieren

Monday, October 20th, 2014

Fragen wie diese tauchen bei Recherchen schnell auf:

-  Wie kriege ich raus, welche Unternehmen es in einer Branche gibt? Wer sind die Wettbewerber?

oder aber auch:

-  Wie kann ich innerhalb einer Branche gezielt recherchieren?

Hier meine Antworten und Ideen.

I.  Mit der Hilfe von Google
Dort gibt es den Operator [related:] der ähnliche Websites findet. Ähnlich bezieht sich hier, auf Websites, die in einem Internet-Katalog (hier dem nicht mehr öffentlich einsehbaren von Google; verfügbarer Katalog: dmoz.org) in der gleichen Rubrik abgelegt sind, sie die genannte Website. Die folgende Suchanfrage

[related:volkswagen.de]

liefert z.B. eine ziemlich vollständige Liste von Automarken (aber auch andere
Websites, die zu VW gehören. Während das wohl eher für Marsmenschen interessant ist, liefert

[related:immobilienscout24.de]

eine gute Liste von anderen Immobilienportalen, auf denen sich auch Schnäppchen finden lassen. Die Ergebnisse sind aber immer nur so gut, wie der dafür genutzte Katalog. Gerade in Nischen-Märkten lässt sich damit nicht recherchieren.
II.  Mit der Hilfe von Datenbanken

Die Datenbank-Plattform genios.de bietet eine ganze Reihe von Firmen-Datenbanken, die sich in ihren Suchkriterien (strukturierte Daten!) voneinander unterscheiden. Auch hier lässt sich die an sich kostenpflichtige Datenbank, kostenlos zum Sortieren nutzen. Hat man erst die kostenlose Ergebnisliste erzeugt, lassen sich die aufgelisteten Unternehmen in der Regel problemlos im Internet oder in anderen Datenbanken finden, zumal die Trefferlisten bereits Ort und Postleitzahl enthalten.
So enthält „bedirect Firmenprofile Deutschland“ nach eigenen Angaben „schwerpunktmäßig“ (d.h. vermutlich weder vollständig noch ausschließlich) Unternehmen mit mehr als 5 Millionen Euro Umsatz. Die Daten stammen zum Teil aus Interviews/Befragungen und sind daher mit Vorsicht zu genießen. Es gilt wie immer: Jede Datenbank ist nur so gut wie die ihr zugrundeliegenden Daten.

a) Darunter bieten u.a. Bedirect (wichtig: „Deutschland Firmenprofile“ nicht die
Datenbank „Kurzprofile“ auswählen) und bismode auch eine Suche nach Branchen, anhand des sogenannte WZ-Codes (2003 oder 2008) des Statistischen Bundesamtes  oder des amerikanische US-Sic an. Der WZ-Code sortiert die ganze Wirtschaftswelt in 99 Über-Branchen ein. So erhält alles, was mit Landwirtschaft hat die Ziffer 01, es folgen Unterbranchen etwa der Anbau einjähriger Pflanzen dann unter 01.1, die sich dann wieder aufgliedert in den Anbau von Getreide (01.11) oder Reis (01.12) oder unter 01.13 dem „Anbau von Gemüse und Melonen sowie Wurzeln und Kartoffeln“etc. der sich wiederum in die Gruppen „Gemüse und Melonen“ (01.13.1) und „Wurzeln und Kartoffeln“ (01.13.2) untergliedert.

Kurzum: Jeder wirtschaftlichen Tätigkeit ist ein maximal 5stelliger WZ-Code
zugeordnet.

Hier ein weiteres Beispiel
10.3 Obst- und Gemüseverarbeitung
10.31   Kartoffelverarbeitung
10.31.0    Kartoffelverarbeitung
10.32    Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften
10.32.0    Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften
10.39    Sonstige Verarbeitung von Obst und Gemüse
10.39.0  Sonstige Verarbeitung von Obst und Gemüse

b) Die einzige Schwierigkeit hier ist, dass man wissen muss, in welchem Format der WZ-Code eingegeben werden muss. Die fünfstelligen Codes sind am einfachsten: Sie werden vollständig eigegeben. Es können aber auch zwei-, drei oder vierstellige Codes eingegeben werden, diese sollten immer mit einem [*] ergänzt werden, damit Sie auch die Unternehmen in den Unterrubriken mifinden, also z.B.:

[103*]  oder   [1032*]

Offensichtlich sind einige Unternehmen nur in der Oberkategorie eingetragen (hier z.B. 10.31) auch wenn es eine gleichnamige Unterkategorie (hier: 10.31.0) gibt.

c) Sobald Sie bei einer Recherche sicher sind, den richtigen Branchenschlüssel
gefunden zu haben, können Sie nun die Suche verfeinern. Bei bedirct etwa nach den Kriterien:
Ort, Postleitzahl (von .. bis), Rechtsform, Person, Eigentümer, Beteiligungen, HRNummer, Amtsgericht, Umsatz (von .. bis), Anzahl der Beschäftigten (von .. bis) und Gründungsjahr (von .. bis)

Darüber hinaus ist auch nach wie vor eine Suche nach Begriffen in der Volltextsuche möglich!
Tipp: Führt die Suche zu keinem Erfolg, suchen Sie zunächst mit einem Kriterium allein. (Bei der Postleitzahl führt z.B. die Suche mit [*] zu falschen Ergebnissen, das Auffüllen mit Nullen aber scheint sinnvolle Ergebnisse zu liefern. D.h. Sie können z.B. alle Unternehmen im Postleitzahlbereich 10000 bis 19999 finden.

© Marcus Lindemann 2014

Besser online recherchieren: Kann man eigentlich Google-Ergebnisse nach Datum sortieren?

Tuesday, September 16th, 2014

Ja.

Und das geht so:

Google sortiert prinzipiell nach seinen eigenen Relevanz-Kriterien.
(Nebenbei: Der genau Alogrythmus hierzu ist so geheim wie die Coca-Cola-Formel, aber die Hauptkritierien sind genauso bekannt wie die Zutaten von Coca-Cola.)

Aber: Die Suchoption „Zeitraum festlegen“ erlaubt, die Treffer auf beliebige Zeiträume einzuschränken. Und jetzt kommt der Trick: Ein solcher Zeitraum kann auch lauten „vor 31.12.2014“ (oder bis zum heutigen Datum), also alle aktuell bekannten Treffer enthalten. Sobald diese Suchoption eingestellt wurde, lässt sich dann auch die Sortierung ändern (siehe screenshot) und man erhält die Treffer in absteigener Sortierung. Durch eine Veränderung des festgelegten Zeitraums kann man dann auch gezielt zu älteren Treffern springen, ohne sich durch die Trefferlisten klicken zu müssen.

Datumsortierung mit Google

Das Ganze funktioniert (natürlich) nur so gut wie die Datumssortierung bei Google funktioniert - und die hat ihre Macken. Schwierigkeiten bereiten oftmals Inhalte auf Nachrichtenseiten, den neben älteren Inhalten auch akutelle Schlagzeilen enthalten (und umgekehrt).

Material zur nr-Fachkonferenz Lokaljournalismus

Wednesday, November 14th, 2012

Am Wochenende fand in München bei der Süddeutschen Zeitung eine Fachkonferenz des netzwerk recherche statt: Dicht dran – oder mittendrin? Lokaljournalismus zwischen Recherche und Regionalstolz.

Dort hatte ich am 10. November ca. 15 Minuten die Gelegenheit, über die lokale Nutzung von Diensten des Internet zu sprechen, Hier jetzt meine Präsentation: Lokalisierung des Internet - RSS, Wikipedia, Twitter (PDF-Datei, 12 S., 28 KB).

Nachfragen gern.

(Nachtrag, Marcus Lindemann)

Mein Material ist auch online - Tipps wie man gezielt regional suchen kann: http://recherche-info.de/blog/wp-content/src/lokal-suchen-nr-09-11-20121.pdf

E-Mail Schnüffelei und was dagegen

Sunday, August 5th, 2012

E-Mails kann man tracken, also nachvollziehen, ob, wann und wo die E-Mail geöffnet (und also vermutlich auch gelesen) wurde. Das geht durch das Einfügen eines „Webbugs“ (auch „Fly“, Fliege genannt) in die Mail, einer transparenten Graphik, die beim Öffnen der Mail von einem Server nachgeladen wird. Dadurch entsteht ein Eintrag im Server-Logfile, der Timestamp (Datum, Uhrzeit, Zeitzone) sowie die IP-Adresse des Empfängers enthält.

(more…)

Fehlerhafte IP-Auslösung bei Flagfox

Saturday, June 9th, 2012

Angeregt durch einen Vortrag auf dem jüngst vergangenen Jahrestreffen des netzwerk recherche überlegte ich, das Firefox-Addon Flagfox zu installieren. Die Beschreibung im Addons-Verzeichnis lautet:

Zeigt mit einer Landesflagge den Standort des Servers der geöffneten Website an und bietet eine Vielzahl an Werkzeugen, wie Website-Sicherheitsprüfungen, Whois, Übersetzung, ähnliche Seiten, Validierung, URL-Kürzung und mehr…

Aber wie üblich habe ich erst mal geschaut, ob es negative Einschätzungen dazu gibt. Und siehe da: Bei Startpage nach +flagfox +mist geschaut, findet sich ein Eintrag aus Will’s Blog vom August 2009 mit einem aussagekräftigen Screencast (09:47 min).
Flagfox liefert tw. falsche Daten, weil Whois-Daten ausgewertet werden. Die taugen zur Lokalisierung der Domaininhaber, aber nicht der Serverstandorte. Empfehenswerter ist World IP.

Datenjournalismus ganz praktisch: Christina Elmer (dpa) auf der re:publica

Sunday, April 17th, 2011

Christina Elmer arbeitet bei der Deutschen Presse-Agentur dpa als dienstleitende Redakteurin für aktuelle Infografiken sowie als Trainerin für Web-Recherche und Computer Assisted Reporting (CAR). Zuvor baute sie bei der dpa Deutschlands erste CAR-Redaktion “dpa-RegioData” mit auf. Auf der re:publica hat sie den Vortrag „Datenjournalismus ganz praktisch - Wie Journalisten Daten finden und sicher nutzen“ gehalten und uns erlaubt, Ihre Folien (PDF, 61 kb) zu veröffentlichen. Einige Beispiele für Karten, die die dpa aus Daten produziert hat, fehlen, weil sie zu groß für das PDF waren. Ich finde besonders Folie 16 interessant, in der Christina ihre Erfahrungen dazu, wie verschiedene Datenquellen mit Anfragen umgehen, in einer Matrix dargestellt hat, eingeteilt nach Qualität, Bandbreite, Zugang und Service.

Kurz notiert: Google Alerts verbessert

Monday, February 28th, 2011

Google Alerts bietet seit kurzem eine zusätzliche Auswahl an - nämlich, ob man „alle Ergebnisse“ oder aber nur die „relvantesten“ haben möchte.
Bislang habe ich an der Alerts ja bemängelt, dass eben nicht alle Treffer aus dem Index gezeigt werden, sondern nur die - gefühlt - top 200 bis 250. Bei einer Google-Suche zu einem vorhandenen Alert konnte man bislang noch nicht von Google per Alert gemeldete Seiten finden.

Wichtig: Für alle vorhandenen Alerts muss man die Einstellung auf „alle“ ändern, sonst hat man nicht von dieser Verbesserung.

10 Tipps fürs Fact-Checking

Thursday, February 24th, 2011

Nichts ist peinlicher für Journalisten: Falsche Namen und fehlerhafte Zahlen, auf die Leser sie aufmerksam machen. Mit systematischem Factchecking lassen sich zumindest die gröbsten Pannen vermeiden. Die Überprüfung von Fakten kann zudem vor juristischen Niederlagen schützen. Zehn Tipps für Rechercheure und Redakteure.

Ist es nicht egal, ob ein nepalesischer Flughafen, auf dem eine Maschine mit deutschen Touristen abgestürzt ist, 140 oder 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu liegt? Journalisten sollte das nicht egal sein. Denn 300 Kilometer östlich Kathmandus gibt es keine nepalesischen Flughäfen, dort ist man bereits in Indien – ein ARD-Korrespondent hatte die falsche Entfernung zwischen dem Flughafen Lukla und Kathmandu trotzdem in seiner Meldung gebracht. Er steht damit nicht allein. Faktenfehler unterlaufen auch anderen renommierten Medien, vermutlich täglich, vermutlich auf jeder Zeitungsseite.
Journalismus ist der Wahrheit verpflichtet und die beginnt in den Details. Wenn Leser nicht darauf vertrauen dürfen, dass ein Journalist Namen und Orte richtig schreibt – wie sollen sie ihm dann vertrauen, wenn er große Neuigkeiten verkündet und Missstände anprangert? Fehler vor ihrer Verbreitung zu finden und zu beseitigen, darum geht es beim Factchecking. Factchecking ist Kern jeder Recherche und damit wichtig für jeden Autor, der peinliche Fehler vermeiden will. Der aus Amerika kommende Fachbegriff steht üblicherweise für das kontrollierende Überprüfen von Fakten durch jemand anderen als den Autor selbst. Für das handwerkliche Überprüfen der Fakten gelten aber dieselben Prinzipien – egal, wer kontrolliert. Hier die wichtigsten Regeln fürs Schreiben (Punkt 1 bis 6) und fürs redaktionelle Überprüfen (Punkt 7 bis 10).

1. Fakten präzise einarbeiten, Quellen dokumentieren, unklare Stellen kontinuierlich markieren!
Factchecking beginnt beim Rechercheur, also bei demjenigen, der die Information zusammenträgt. In der Regel ist das der Autor. Überall, wo Tatsachen behauptet werden sollten sie unmittelbar anhand des vorhandenen Materials (zum Beispiel Visitenkarten, Archivartikel, Dokumente aller Art) überprüft werden: Schreibt sich der Name wirklich so? Stimmt die Zahl? Habe ich das aus guten Quellen? Für den Schreibfluss ist es hilfreich, unklare Fakten und fehlende Belege zu markieren und erst später zu recherchieren. Zumindest bei umfangreichen, (juristisch) heiklen Recherchen oder Teamarbeit, muss die Quellenlage nachvollziehbar protokolliert und dokumentiert werden.

Typische Fehlerquelle: das eigene Gehirn, in dem fehlerhafte Fakten abgespeichert sind. Hier kann das Gegenlesen helfen. Sicher ist aber nur das systematische Verifizieren. Sonst trägt man dazu bei, dass populäre Irrtümer durch permanente Wiederholung kaum noch aus der Welt zu schaffen sind: etwa die vermeintliche Tatsache, dass Spinat besonders viel Eisen enthalte.

2. Auch verdeckte Fakten und Zitate überprüfen!
Aus juristischer Sicht sind auch Tatsachenbehauptungen, die nur zwischen den Zeilen oder in Zitaten stehen, zu überprüfen. Auch für solche Fehler trägt der Autor die Verantwortung. Reine Meinungsäußerungen bleiben außen vor – jedoch hat das meiste, was wir Journalisten für eine Meinungsäußerung halten, sogenannte Tatsachenkerne, die wiederum faktisch überprüft werden können. Hier schützt nur der Gegencheck, nicht aber eine Formulierung wie „meint/glaubt/fürchtet, dass…“.
Selbst die Dokumentare des Spiegels in der wohl weltgrößten Factchecking-Abteilung können nicht jeden Fakt bis auf die wirklich beste Quelle checken. Also müssen Prioritäten gesetzt werden: Juristisch relevante Fakten haben oberste Priorität. Ist ein Rechtsstreit zu befürchten, sollten alle Tatsachenbehauptungen überprüft werden, da es Methode hat, dass Presseanwälte auch Ungenauigkeiten bei Nebensächlichkeiten angreifen und Erfolge dort als gewonnene Prozesse feiern. Danach folgt die Überprüfung von Namen, Ortsangaben, Beschreibungen sowie, weil besonders fehlerträchtig, aller im Beitrag genannten Zahlen.

Wer schreibt, bei ein Operation habe der Arzt die Halsschlagader verletzt und anschließend sei der Patient verstorben, suggeriert einen kausalen Zusammenhang. Wenn es eine andere Todesursache gab, muss das gesagt werden. Das gilt unabhängig davon, ob das im Text des Journalisten steht oder aber in einem Zitat von Angehörigen.

3. So nah wie möglich an die Originalquelle ran!
Die erste Frage, die sich der Autor stellt, lautet: Gibt es eine Quelle für diese Information? Die zweite Frage muss lauten: Wie gut ist diese Quelle? Einfach und gängig ist der Umgang mit sogenannten privilegierten Quellen: Aussagen von Amtsträgern, Behörden, Ministerien und Nachrichtenagenturen dürfen Journalisten vertrauen, ohne dass sie durch den Verzicht auf eine zweite Quelle ihre Sorgfaltspflicht verletzen. Trotzdem ist gerade die Überprüfung solcher Aussagen oft eine Recherche wert.
Wann aber ist man am nächsten an der Originalquelle, der besten Quelle? Schon aus Effizienzgründen kann nicht jedes Mal eine Originalquelle herangezogen werden. In der Praxis geht es also um die beste verfügbare Quelle zum Thema, wobei wichtig ist, ob der fragliche Fakt der Kern oder ein Nebenaspekt der Geschichte ist.

Typischer Fall: Das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie kann man von Nachrichtenagenturen, den Verfassern der Studie, aus der Kurzfassung der Studie oder aber aus der Studie selbst übernehmen. Jeder Schritt in dieser Reihenfolge führt zu einer besseren Quelle. Ob das, was in der Studie behauptet wird, stimmt, ist dann noch nicht geklärt. Aber es ist schon einmal sicher, was wirklich in der Studie steht.

4. Zwei unabhängige Quellen befragen!
Zu einem Thema „alle verfügbaren Quellen“ heranzuziehen, ist eine niemals zu lösende Sysiphos-Aufgabe. Schon die oft geforderten zwei von einander unabhängigen Quellen für einen Fakt, gibt es seltener als gedacht.

Typischer Fall: Viele Journalisten meinen, die Zwei-Quellen-Regel sei erfüllt, wenn zwei Zeitungsartikel dasselbe besagen. Dass zwei Zeitungsartikel selten zwei von einander unabhängige Quellen sind, liegt nahe: In der Regel greifen sie auf ein und dieselbe Quelle zurück, etwa eine Pressekonferenz, eine Agenturmeldung oder denselben Experten.

„Voneinander unabhängig“ meint: Zwei Augenzeugen, die ihre Beobachtungen nicht miteinander besprochen und einander angeglichen haben. Oder aber: Zahlen und Informationen, die nachvollziehbar nicht auf dieselbe Quelle (Studie, Pressemitteilung, Expertenaussage) zurückgehen. Wer die Unabhängigkeit seiner Quellen überprüft hat, kann guten Gewissens auf eine Quellenangabe verzichten – oft wird sie aber gerade dann hinzugefügt, um deutlich zu machen, dass man mit Augenzeugen gesprochen, Originaldokumente vorliegen hat, eine Studie im Original gelesen hat.

Für viele Informationen, etwa in der Unternehmensberichterstattung, gibt es nur wenige für Journalisten zugängliche zweite Quellen – hier liegt die Arbeit des Journalisten darin, die Plausibilität – mit Hilfe von Dritten zu überprüfen, Zweifel anzumerken oder mit einem genauen Blick in veröffentlichte Bilanzen (Primärquelle) infrage zu stellen.

5. Fakten, die nicht verifiziert werden können, fliegen raus, werden modifiziert oder transparent gemacht!
Es ist letztlich eine Frage der Effizienz und der Transparenz, wie ein Journalist mit nicht verifizierten Tatsachen umgeht. Zwischen „Fehler riskieren“ und „Fakt weglassen“ gibt es eine ganze Reihe von Zwischenlösungen. Manche Details sind aber vielleicht auch gar nicht so relevant, dass sie unbedingt in einer Meldung oder einem Bericht aufgeführt werden müssen.

Beispiel: Für eine Auslandsmeldung, die in Deutschland verbreitet wird, ist es nicht relevant, ob der Absturzort eines Flugzeugs 140 oder 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu liegt – Zahl und Himmelsrichtung können also weggelassen werden. Man kann die Angabe aber auch leicht auf das reduzieren, was man genau weiß: „im Osten des Landes“, in der Region des Mount Everest“, „auf einem Provinzflughafen“, „auf einem Flughafen, der eine knappe halbe Flugstunde entfernt ist“. So bleibt die Meldung in jedem Fall richtig.

Bei Angaben, die Interpretationsspielraum bieten, aber nicht mit einer zweiten Quelle bestätigt werden können, ist der schnelle, aber lautere Ausweg, die Quelle zu nennen: „nach Angaben des Ministeriums Y“, „heißt es auf der Internetseite des Unternehmens X“, „behauptet der Verband Z in einer Pressemitteilung“. Das ist selbst dann noch eine Information, wenn die Quelle anonym bleiben will, weil es der Leser nachvollziehen kann, wie gut oder schlecht die Information abgesichert ist.

Zweifel und Widersprüche, die vor der Veröffentlichung nicht mehr geklärt werden können, sollten transparent gemacht werden: „während die Gewerkschaften von 1.500 Arbeitsplätzen sprechen, geht es nach Unternehmensangaben um weniger als 1 000 Jobs“. Oder: „will nach eigenen Angaben“, „Belege dafür blieb der Verband schuldig“. Das ist eine saubere, transparente Lösung – gerade im tagesaktuellen Geschäft oder unter Zeitdruck.

6. Wikipedia, Google und Co: Online hilft!
Die Onlinerecherche erleichtert das Factchecking. Noch nie waren so viele Primärquellen so schnell erreichbar – und das weltweit, rund um die Uhr. Für die Onlinerecherche, für die die gleichen Regeln wie für Offline gelten, bieten sich zwei effiziente Methoden an:
Erstens: Gute Quellen über Quellen und Links in Wikipedia finden: Wikipedia selbst ist keine Quelle (es sei denn, es ginge um die Genesis der Texte dort). Ein Verzicht wäre aber töricht, denn in vielen Artikeln dort sind die Belege angegeben und verlinkt. Als schneller Weg zu ansonsten nur schwer zu findenden Dokumenten ist die Wikipedia unentbehrlich.
Zweitens: Eine gute Quelle gezielt befragen: Homepages von Ministerien, Verbänden, Unternehmen lassen sich gezielt befragen. Dabei wird mit dem Site-Befehl die Suche (bei Google, Bing, Yahoo und Co) auf eine Domain eingeschränkt.

Typische Falle: Wer online recherchiert, bleibt gerne für die ganze Factchecking online und vergisst, dass es noch Telefon, Handarchiv, Bibliothek und andere Mittel gibt.

7. Die andere Seite anhören!
Werden Aussagen über Dritte getroffen, die nicht selbst Quelle sind, so sollen sie angehört werden. In juristisch heiklen Geschichten ist das unerlässlich. Das ist fair und zudem auch eine effiziente Methode, um fragwürdige oder umstrittene Fakten herauszuarbeiten. Presserechtlich erschwert der eingearbeitete Widerspruch des Beschuldigten übrigens sehr gut eine Gegendarstellung.

Aus Angst vor einstweiligen Verfügungen werden konfrontative Anfragen oft kurz gefasst oder aber unterbleiben ganz. Wenn sich aus der Fragestellung ableiten lässt, was berichtet werden soll, ist das tatsächlich möglich. Daher sollte man offen fragen. Nicht „Stimmt es dass Sie 2005 Schmiergeldzahlungen von Unternehmen A erhalten haben?“ sondern „Sind Ihnen Schmiergeldzahlungen bekannt, insbesondere im Zusammenhang mit XY?“

8. Stichproben machen und Plausibilität kontrollieren!
Abnehmende Redakteure sollten zumindest stichprobenartig die vom Autor in dem Beitrag eingearbeiteten Fakten überprüfen: Namen, Orte, Zahlen … So können auch Texte, die ausschließlich auf einer Quelle beruhen, schnell überführt werden. Außerdem kommt ein Fehler selten allein – weil der Journalist mit dem Thema nicht vertraut ist, dem falschen Experten vertraut hat, unter Zeitdruck stand, mit Zahlen fremdelt etc. Findet sich ein Fehler bei einer Stichprobe, muss weiter gecheckt werden.
Nächster Anhaltspunkt sind für das redaktionelle Controlling sind Ungenauigkeiten und Widersprüche. Die Formulierung „immer mehr“ deutet in der Regel auf eine Geschichte ohne gute Datenbasis hin. Factchecker sollten aber vor allem fragen: Ist das wirklich plausibel?

Beispiel: Kann es sein, dass Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner auf den Preisnachlass von 18,43 Millionen Euro, den ihm Friede Springer beim Kauf von 680.000 Aktien gewährt hat, 18,36 Millionen Euro Schenkungssteuer bezahlt? Ein solches Geschäft wäre nahezu unsinnig und hätte nur den Finanzminister gefreut – dennoch wurde es bei Handelsblatt Online so berichtet. Darüber hätte jeder Factchecker stolpern müssen. Wenn man Kaufpreis (77 Euro) und Börsenkurs zum Kaufdatum (104,10 Euro) kennt, dann lässt sich der Preisnachlass leicht errechnen und dann dazu die gültigen Steuersätze und Freibeträge lassen sich schnell online finden.

9. Fakten nicht in der redaktionellen Bearbeitung verändern!
Fehler entstehen auch im weiteren redaktionellen Produktionsprozess: beim Redigieren, beim Texten von Überschriften, Teasern, Bildzeilen und Zwischenüberschriften. Wenn etwas gekürzt, gestrichen, umformuliert oder weiter zugespitzt wird, wenn Zahlen gedreht oder umgerechnet werden, dann kommt es schnell zu Faktenfehlern.
Davor schützt nur ein redaktioneller Ablauf, bei dem der Autor seinen Text noch mal zu sehen bekommt, bevor der Text in den Druck geht. Oder aber: Der Schlussredakteur bespricht mit dem Autor alle faktensensible Änderungen.

Wer die Aussage, ein bestimmter Preis sei heute 30% höher als noch vor 10 Jahren, umformulieren willl, darf eben nicht schreiben, vor zehn Jahren sei der Preis 30% niedriger gewesen. Abseits der Prozentrechnung gibt es aber ähnliche weitere Fallen: nahezu überall wo es auf genaue Formulierungen ankommt, etwa in Wissenschaft oder Juristerei.

10. Factchecking bringt Mehrwert!
Factchecking schützt nicht nur vor peinlichen Fehlern, sondern kann sogar publizistischen Mehrwert bringen. Durch das Erschließen tiefer liegender Quellen wird meist nicht nur der Beleg für einen Fakt gefunden, sondern eine Vielzahl an Details, an Zusatzinformationen gefunden, die wiederum den Text bereichern. Mehr noch: Factchecking liefert neue Themen: Wer überprüft, ob Spinat wirklich so viel Eisen enthält wie stets behauptet wird, findet die Geschichte eines Abschreibfehlers, der über Jahrzehnte nicht korrigiert sondern immer weiter abgeschrieben wurde.

Am 27. März 2010 hob die Süddeutsche Zeitung die Geschichte auf den Titel, dass der Rhein deutlich kürzer ist als in den gängigen Lexika und Schulbüchern steht (1.230 statt 1.320 Kilometer) – vermutlich ein Zahlendreher in den 60-er Jahren.

Ich unterrichte am 19. und 20. Mai Fact-Checking an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Es gibt noch freie Plätze. Das Seminar kostet 310 Euro. http://www.akademie-fuer-publizistik.de/seminare/liste/alle-medien/details/fact-checking/

Ergänzung: Dieser Text ist meine Urfassung zum Thema Factchecking, die dann für die Veröffentlichung im Journalist (online hier: http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/redaktionswerkstatt/faktenchecken-fuer-journalisten-10-fallen.html) verändert wurde. Für die Didaktik halte ich die Regeln hier für angemessener als die 10 Fallen im Journalist.

Online-Suchstrategien (1): Suchbegriffe finden

Friday, January 21st, 2011

Der trivialste, mithin aber der schwierigste Schritt einer Online-Recherche, ist die Auswahl der Suchbegriffe. Damit steht und fällt die Effizienz der Recherche: Ist ein falscher Begriff dabei, der in den gesuchten Seiten nicht vorkommt, finde ich diese nicht; sind zu wenige oder zu wenig treffende Begriffe dabei, ertrinke ich in der Vielzahl von Treffern.

Eine universelle Lösung für dieses Problem habe ich nicht, aber eine Reihe von Regeln und Tipps:

1.) Möglichst viele Suchbegriffe verwenden, Anzahl der Treffer reduzieren.
Solange ich damit keine gewünschten Treffer ausschließe, kann und sollte ich weitere Suchbegriff hinzufügen. Beispiel: Auf der Suche nach dem Originaltext aus Shakespeares Hamlet kann ich dem Kernzitat [„to be or not to be“] problemlos alle weiteren Wörter aus dem Hamlet-Monolog hinzufügen, also: [„to be or not to be – that ist he question“]
Im Beispiel reduziert sich die Anzahl der Treffer von 1 777 000 auf 704 000.

2.) Was sind gute Suchbegriffe?
Eigennamen von Personen, Werken, Orten, Gebäuden, Organisationen sind sehr gute Suchbegriffe.
Solange es sich sinnvoll vermeiden lässt, sollten diese allerdings nicht als Phrase in Anführungszeichen gesucht werden! Die Anführungszeichen verhindern eine Suche nach anderen Schreibweisen, eingeschobenen weiteren Begriffen und anderen Abweichungen. (Am Beispiel einer Personensuche habe ich das hier ausführlich an einem Beispiel erklärt.)
Im Zweifelsfall kurz die Ergebnisse mit und ohne Anführungszeichen vergleichen!

3.) Wo finde ich gute Suchbegriffe?

a) in der Trefferumgebung
Beispiel: Nach der Eingabe von „to be or not to be“ kann ich, noch bevor ich eine der Trefferseiten aufrufe, weitere Suchbegriffe in der Ergebnisliste der Suchmaschine finden und mit ihnen meine Suchbegriffe ergänzen. In meinem Beispiel etwa die Begriffe [shakespeare hamlet] und die Ergänzung des Zitats (siehe 1.)

b) in der Wikipedia
Zum Einlesen ist sie immer geeignet – vor allem, wenn ich mit dem Thema nicht vertraut bin oder aber in einer Fremdsprache recherchiere. Mit dem Wörterbuch einen Suchbegriff treffend zu übersetzen, gelingt in der Regel nicht.
Beispiel: ich habe mal lange mit dem Suchbegriff [sects] für Sekten gesucht – die Übersetzung ist zwar treffend, aber aus Gründen der political correctness verwenden die Amerikaner statt [sects] lieber den neutraleren Begriff [religious groups]

4.) Zwei Ansätze: Nehme ich Suchbegriffe aus der Überschrift oder aus dem Inhalt?
Paul Myers (BBC) verwendet die nachfolgende Analogie, wenn er erklärt, wie man an die Auswahl der Suchbegriffe herangehen kann: Gute Sachbücher haben ein Inhaltsverzeichnis und einen Index: Während ich im Index alle relevanten Fundstellen für einen Begriff finde, taucht der Suchbegriff im Inhaltsverzeichnis vielleicht nur an einer Stelle auf, dafür führt er dort zu einem sehr relevanten Eintrag.
Wer in unserem Beispiel nach [berühmte Zitate Shakespeare] sucht, mag fündig werden, schließt aber alle Treffer aus, die für [berühmt] oder [Zitat] einen anderen Begriff verwenden, etwa auf Englisch.

Pauls Beispiel zeigt diesen Denkansatz noch besser. Wer nach einer Liste ermordeter Prominenter sucht, kann natürlich überlegen, was jemand, der eine solche Liste erstellt, in die Überschrift schreibt. Schon nach ersten Überlegungen und nur auf Deutsch kommt dabei eine komplexe aber unzureichende Suchanfrage zustande:

[(Liste OR Verzeichnis OR Übersicht) (ermordet OR getötet OR umgebracht OR erschossen) (Prominenter OR Politiker OR Stars OR Künstler)]

Eine solche Schnittmengensuche mit Hilfe des Operators OR kann sinnvoll sein (dazu in einer späteren Folge mehr), in diesem Fall ist sie es nicht, da es zu viele Synonyme gibt, und ich diese zudem in 3-4 Sprachen berücksichtigen sollte.

Zielführender ist hier die Frage: Welche Namen sollten auf der Liste auftauchen?

[John F. Kennedy] sollte dabei sein. Wer noch? Statt nun weitere ermordete amerikanischen Präsidenten hinzugefügt werden, sollte überlegt werden, welche Namen möglichst einen größeren Zugewinn für diese Suche bringen. Etwa:
[John Lennon] gut, ein Künstler, kein Politiker, aber auch USA
[Gandhi] gut, anderer Kontinent (und nebenbei gleich 3 Ermordungen: Mahatma Gandhi, sowie Nehrus Tochter Indira Gandhi und deren Sohn Rajiv Gandhi]
[Benazir Bhutto] gleicher Kontinent wie Gandhi, aber eine Ermordung, die noch nicht solange zurück liegt, damit werden inaktuelle Listen ausgeschlossen; (damit könnte man Gandhi wieder als Suchbegriff entfernen)
[Caesar] gute Ergänzung, wenn die Liste, denn auch die ältere Geschichte abdecken soll.

5.) Aus dem Beispiel unter 4. folgt der allgemeine Rat:
Stell Dir das Dokument vor, dass Du suchst! Was steht da drauf? Welche Begriffe werden für das, was ich suche, verwendet?
Tückisch sind viele Behördenseiten. So wird z.B. in Gesetzen und Verordnungen nicht von Prozentsätzen gesprochen, sondern von „von Hundert-Sätzen“ (v.H.) – der Suchbegriff [„v.H.“] ist daher auf der Suche z.B. nach Steuersätzen ein guter und erklärt, warum der Suchbegriff [Prozent OR %] oft weniger gut geeignet ist. Aber Achtung, das Bundesfinanzministerium verwendet in Pressemitteilungen durchaus Prozentangaben. Lösung: [„v.H.“ OR Prozent OR %].

6.) Und sonst noch: Über Suchbegriffe
a) Reihenfolge matters: bei 2 oder 3 Suchbegriffen macht die Reihenfolge einen Unterschied im Ranking der Treffer (nicht in der Anzahl. Beispiel zum Ausprobieren und Merken: [Hilton Paris] vs. [Paris Hilton]
b) Synonyme berücksichtigen und mit [OR] verbinden!
c) Substantive sind besser als Verben!
d) Solange ich kein [+] oder [„“] benutze findet Google auch andere Schreibeweisen und trunkiert meine Suchbegriffe!
z.B. [photographie] findet sowohl „Fotografie“ als auch „fotografisch“ oder „photographischen“

Online-Recherche: Suchmaschinen-Syntax (1/4)

Thursday, January 6th, 2011

Ab heute stelle ich - hoffentlich täglich - Teile meines Buchkapitels (Grundsätzliches dazu hier) über Recherche hier online. Beginnen will ich mit dem Teil, der unstrittig ins Buch gehört: Die Frage wie man vernünftig online recherchiert.
Dazu will ich zunächst die Suchmaschinen-Syntax und dann eine Reihe von komplexeren Suchstrategien präsentieren: Search-Makros, gezielte Befragung einer Online-Quelle, Suchbegriffe suchen und finden (Wie heißt das was ich suche? Inhalte oder Überschriften suchen?), Personensuche, Datenbanken und andere DeepWeb Quellen erschließen. Grundlage ist mein Vortrag Suchstrategien, den ich auf der #nr10 gehalten habe - ergänzt um das, was ich seither dazu gelernt habe.

Zu meiner Darstellungs-Syntax: Ich schreibe Suchbegriffe in eckige Klammern [christian jakubetz], wenn ich nach dem Herausgeber des Buches ohne Anführungszeichen suche (Warum das eine gute Idee ist, erkläre ich in der Folge über Personensuche!) bzw. [„Christian Jakubetz“], wenn ich ihn in Anführungszeichen suche.

Weil es übersichtlicher ist, habe ich die Syntax hier in einem pdf in einer Tabelle dargestellt.

Morgen folgt Teil zwei mit der Syntax, die nicht dokumentiert ist und der, die nicht mit der Syntax aus diesem Teil kombiniert werden kann. Teil 3 dann mit den übrigen Funktionen der erweiterten Suche(n) und Teil 4 mit allem, was sonst noch Grundlegendes über Google, Bing und Co vergessen wurde.

All das ist work in progress für das Buch: Daher freue ich mich über bessere Beispiele, Korrekturen, Ergänzungen!