Posts Tagged ‘Ente’

Medienente an Wilhelm in Wikisauce

Thursday, February 12th, 2009

Ein anonymer Scherzbold, der nach eigener Auskunft im Interview auf ZEIT online „gerade eine Journalistenschule abgeschlossen“ hat und noch studiert, hat dem neuen Wirtschaftsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg einen weiteren Vornamen verpasst: Wilhelm, platziert zwischen Philipp und Franz und überdies in der Wikipedia.

Er wollte sehen, ob Medien dies übernähmen. Und er zeigte damit nicht nur mangelnde Recherchequalitäten, sondern auch Selbstrefenrenzialität im kleinen: Denn die Bearbeiter der Wikipedia waren zwar skeptisch und verlangten für den neuen Vornamen einen Einzelnachweis, akzeptierten aber einen Bericht auf Spiegel online - dessen (ungenannte!) Quelle eben die Wikipedia war. Graphisch schön dargestellt hat das Titanic (die selbst betroffen ist), anzuschauen bei netzpolitik.org „So funktioniert die Informationsgesellschaft“. Spiegel online hat mittlerweile ein wünschenswert klares Postskriptum angefügt und eine Meldung in eigener Sache publiziert, die etwas weniger klar ist.

Schön zubereitet ist die Ente im Bildblog, wo der Anonymus als Gastautor selber schreibt, und dort findet man auch einen Überblick über die anderen Medien und ihre Reaktionen - die bezeichnenderweise mit „usw. usf.“ endet.

Die Ente aus dem Kuckucksei: Steve Jobs totgesagt

Wednesday, February 4th, 2009

Der arme Steve Jobs! Über seine Erscheinung und seinen Gesundheitszustand wurde öffentlich so stark spekuliert, dass es den Aktienkurs von Apple beeinflusste. Totgesagt wurde er auch schon mal, oder genauer: Bloomberg financial newswire hatte am 27.08.2008 einen augenscheinlich auf Vorrat verfassten Nachruf (immerhin 17 Seiten!) versehentlich online gestellt.

Und nun das: Auf der Site von Wired erschien am 22. Januar die Meldung, Jobs sei einem Herzinfarkt erlegen („Breaking: Steve Jobs in has had a Cardiac Arrest“)

Ein Hoax, eine Ente. Jemand hatte eine Schnittstelle zum Hochladen von Bildern (einen Online-Viewer) genutzt, um einen gefakten Artikel als Grafik auf die Site zu bringen, wo er dann unter dem Wired-Logo erschien. Den Link darauf verbreitete er bei Twitter.

So leicht geht das also; scheint’s eine besondere Form des „user generated content“ - ein Kuckucksei. Viele Leser der Ente werden vermutlich nicht gemerkt haben, dass sie eine Grafik lesen, statt eines gerenderten Textes. Wohl auch, weil darüber das Logo eines bekannten Mediums prangte. Wired hat die Lücke mittlerweile geschlossen.

(gefunden bei intern.de)