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	<title>Journalismus &#38; Recherche &#187; Zahlen</title>
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	<description>Tipps, Tricks und Fundsachen zu journalistischer Recherche und computer-assisted reporting</description>
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		<title>Taschenrechner Assisted Reporting – besser w&#228;r’s, liebes Handelsblatt</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Jul 2006 14:51:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Lindemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Einmaleins]]></category>
		<category><![CDATA[Enten, Scoops & Lehrstücke]]></category>
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		<description><![CDATA[Matthias D&#246;pfner hat Springer Aktien von Friede Springer gekauft – f&#252;r 52,3 Millionen Euro. Das Handelsblatt berichtet online: „Zum Kaufpreis von 52,3 Millionen Euro k&#228;me die Schenkungssteuer hinzu, die D&#246;pfner entrichten m&#252;sse, weil er einen Vorzugspreis bekommen habe. Die Steuer m&#252;sse auf die Differenz zwischem dem B&#246;rsenkurs der Aktie am Tag des Vertragsabschlusses (104 Euro) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Matthias D&#246;pfner hat Springer Aktien von Friede Springer gekauft – f&#252;r 52,3 Millionen Euro. <a title="Das Handelsblatt berichtet:" href="http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200811&#038;_t=ft&#038;_b=1110630">Das Handelsblatt berichtet online:</a></p>
<p>„Zum Kaufpreis von 52,3 Millionen Euro k&#228;me die Schenkungssteuer hinzu, die D&#246;pfner entrichten m&#252;sse, weil er einen Vorzugspreis bekommen habe. Die Steuer m&#252;sse auf die Differenz zwischem dem B&#246;rsenkurs der Aktie am Tag des Vertragsabschlusses (104 Euro) und dem Kaufpreis (77 Euro) entrichtet werden. Die Schenkungssteuer belaufe sich auf 18,36 Millionen Euro.“</p>
<p>Ich schlucke, Mist so’n Geschenk bei der Steuer. Das kann nat&#252;rlich nicht sein und es ist auch nicht so. Und egal, ob Springer-Sprecherin Edda Fels das so gesagt hat, wie der Konjunktiv hier suggeriert, das Handelsblatt h&#228;tte drauf kommen <strike>k&#246;nnen</strike> m&#252;ssen, dass das nicht stimmt. Alle mal mittmachen, Taschenrechner raus!</p>
<p>Textaufgabe, f&#252;nfte Klasse. Matthias war brav und bekommt von Tante Friede zur Belohnung 680&#160;000 Aktien. Die Aktien sind 104 Euro wert, doch Tante Friede will daf&#252;r nur 77 Euro. Wie gro&#223; ist das Geschenk von Tante Friede?</p>
<p>(104&#160;€&#160;? 77&#160;€) × 680&#160;000 = 27&#160;€ × 680&#160;000 = 18&#160;360&#160;000&#160;€ = 18,36 Mio.</p>
<p>Nun soll ja laut Handelsblatt <strike>bzw. Edda Fels</strike> die Schenkungssteuer 18,36 Millionen betragen. Demnach l&#228;ge der Steuersatz bei 100 Prozent, so dass Beschenkte Ihre Geschenke vollst&#228;ndig beim Staat abliefern m&#252;ssten.</p>
<p>Das ist nat&#252;rlich Unsinn. Online findet sich die Info recht schnell <a title="Bundesfinanzministerium online" href="http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_01/nn_3368/DE/Service/Lexikon__A__Z/E/006.html">beim Finanzministerium</a>.</p>
<p>Allen Sp&#246;ttern zum Trotz besteht ja kein Verwandtschaftsverh&#228;ltnis zwischen Springer und D&#246;pfner, weswegen Herr D&#246;pfner in Steuerklasse III f&#228;llt und nur einen Freibetrag von 5&#160;200 Euro hat.</p>
<p>F&#252;r Erbschaften und Geschenke zwischen 12,783 Millionen Euro und 25,565 Millionen Euro liegt der Steuersatz in dieser Klasse bei 41 Prozent.</p>
<p>Demnach muss D&#246;pfner folgenden Betrag zahlen:</p>
<p>(18&#160;360&#160;000&#160;€&#160;? 5&#160;200&#160;€) × 41% = 7&#160;525&#160;468&#160;€ = 7,53 Mio €</p>
<p>Sch&#246;n f&#252;r den Staat und immer noch ein gutes Gesch&#228;ft f&#252;r D&#246;pfner, auch wenn er es &#252;ber Kredite finanziert hat.</p>
<p><em>Nachtrag, 20. Juli, 20:10 Uhr</em></p>
<p>Die Pressesprecherin des Springer-Verlags hat auf Anfrage von <span class="marke">Journalismus &#038; Recherche</span> mitgeteilt, dass der Fehler vom Handelsblatt gemacht worden sei. Sie habe den Betrag richtig als zu versteuernden Vorteil bezeichnet.</p>
<p>Der Aktienkurs zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses lag nach Springer-Angaben bei 104,10 Euro.<br />
Damit ver&#228;ndern sich unsere Berechnungen minimal:</p>
<p>(104,10&#160;€&#160;? 77&#160;€) × 680&#160;000 = 27,10&#160;€ × 680&#160;000 = 18&#160;428&#160;000&#160;€ = 18,43 Mio.</p>
<p>Allerdings stimmt dann die Springer-Zahl nicht mehr …</p>
<p><em>21.40 Uhr:</em></p>
<p>Die Spekulationen &#252;ber Verwandtschaftsverh&#228;ltnisse rei&#223;en nicht ab. Oder wie soll man <a title="die Netzeitung" href="http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/425968.html">die Netzeitung</a> verstehen, die schreibt:</p>
<p>„Der Satz der Schenkungssteuer betr&#228;gt zwischen zwei und 60 Prozent und ist unter anderem vom Grad der Verwandtschaft abh&#228;ngig.“</p>
<p>Der Grad der Verwandschaft kann ja keine Rolle spielen. Und der Steuersatz variiert auch f&#252;r Verwandte nur zwischen 7 und 50 Prozent. Sind Schenkender und Beschenkter nicht verwandt, h&#228;ngt der Steuersatz von der H&#246;he der Schenkung ab. Sicherheitshalber w&#252;rde ich an dieser Stelle noch einen Steuerberater oder das Finanzministerium anrufen. Selbst Blogger k&#246;nnen irren&#8230;</p>
<p><em>Nachtrag, 21. Juli:</em> Das Handelsblatt hat den Satz entfernt – <em>ohne</em> darauf hinzuweisen oder den Zeitstempel zu korrigieren. Wir haben nat&#252;rlich einen <em lang="en">Screenprint</em>.</p>
<p><em>Wir weisen darauf hin, dass wir zwei Tippfehler korrigiert haben, nachdem Thorsten darauf hingewiesen hat.</em></p>
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