Vorab: Lieber Sebastian Wolff von der Berliner Zeitung, es tut mir ein wenig leid, dass ich Sie hier tadele, denn genauso gut könnte ich jeden Tag in jeder deutschen Zeitung einen Artikel herausgreifen und dafür kritisieren, dass er einzig und allein auf einer einzigen Quelle beruht.
In Ihrem Fall auf Angaben des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Zu Gute halten möchte ich Ihnen, dass Sie sich erst gar nicht die Mühe machen, das zu verschleiern. Damit nicht alle den Text lesen müssen: Der GDV beklagt sich, dass Internetbetrüger den Versicherungen das Leben schwer machen und Schaden zufügen. Als Beispiel wird angeführt, dass Schmuck bei Ebay angeboten wird würde (sic!) und diesem Wertzertifikate über einen viel höheren Preis beiliegen – letztere würden dann den Versicherungen vorgelegt, wenn ersterer gestohlen gemeldet wird. Ich habe mir den Artikel direkt nach der Lektüre ausgerissen, um ihn am Mittwoch den Volontären im Rechercheseminar vorlegen zu können – damit die ja nicht denken, das mit den Ein-Quellen-Artikeln sei ein theoretisches Phänomen.
Was ist denn so schlimm daran, möchten Sie fragen? Naja, der Leser zahlt ja dafür, dass Sie sich etwas Arbeit machen, aber in diesem Fall hätten Sie doch besser einfach nur einen Nachdruck mit dem Verbandsmagazin abgemacht, das das Thema, wie Sie ja auch anführen, bereits in einem Artikel aufgegriffen hatte. Wobei, werter Kollege, einige Passagen hart an der Grenze zum Plagiat sind.
Und da ich als Leser ja schon mal dafür bezahlt habe, dass Sie etwas mehr leisten, verrate ich Ihnen nicht nur, was ich mir noch gewünscht hätte, sondern was ich eigentlich für schlichtes Handwerkszeug halte. (Nicht dass Sie Leserforschung betreiben und mein Aboentgelt wieder nicht in die Redaktion wandert.)
Abgesehen davon, dass der Artikel in sich widersprüchlich ist, indem er zum einen behauptet, dass es keine Zahlen gäbe, zum anderen aber sagt, die Zahl solcher Delikte sei gestiegen – hierauf hat ja der Kollege Kunze schon aufmerksam gemacht –, abgesehen davon also stellen sich nach der Lektüre des Textes mehr Fragen als der Artikel vermeintlich beantwortet hat.
Ein paar Ideen ohne Anspruch auf Vollständigkeit: