Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » Presserecht

    Das netzwerk recherche plant, zusammen mit Prof. Branahl (Uni Dortmund, Institut für Journalistik) ein Handbuch zum “aktivem Presserecht”. Das Ziel ist es, anhand von konkreten Fällen zu zeigen, wie und wo Journalisten ihr Informationsrecht nach dem Presserecht, dem Informationsfreiheitsgesetz, dem Umweltinformationsgesetz, oder anderen Gesetzen bei Behörden zur Not auch vor Gericht durchsetzen können.

    Es sollen Fälle gesammelt, aus denen beispielhaft hervorgeht, mit welchen Formulierungen erfolgversprechende Anträge gestellt werden können. Wo diese Anträge eingereicht werden müssen und wie man mit einer Ablehnung umgeht. Gezeigt werden soll, wie man Widersprüche bei Behörden stellt und wie man schließlich eine Klage durchsetzt und was das alles kostet.

    Dazu werden nicht nur die Auswertung der Fälle vorstellt, sondern die Fälle selbst mit ihren Schriftsätzen dokumentiert. Wie aus einem Werkzeugkasten sollen sich Journalisten dann in dem Handbuch bedienen können, wenn sie ihren Auskunftsanspruch durchsetzen wollen. Frei nach dem Motto: Die Gesetze sind da, lasst uns sie einsetzen.

    Das Handbuch soll gedruckt und im Web publiziert werden. Es soll zudem vor allem im Netz laufend ergänzt werden mit neuen interessanten Fällen. Um schnell mit der Arbeit beginnen, werden mindestens 12 Fälle aus der Praxis gebraucht; jeweils Schriftsätze, Anträge, Entscheidungen und gegebenenfalls die Urteile.

    Wer hat Fälle, oder kennt Journalisten, die ihren Informationsanspruch vor Gericht durchgesetzt haben? Hinweise bitte an David Schraven, der das Projekt koordiniert, unter
    david.schraven@mag.cc.

    [AUde]

  • Journalismus & Recherche » Informationsfreiheitsgesetz

    Donnerstag, Juni 21st, 2007

    Wir haben es schon am Rande der Jahrestagung erfahren, ein Vortrag fiel deswegen aus … Die Deutsche Presseagentur (dpa) setzt auf computer assisted reporting (CAR). Das neue Angebot heißt „RegioData“ und soll im Herbst starten. dpa meldet in eigener Sache: „Auf der Basis von frei verfügbaren statistischen Daten werde dpa die Geschichte hinter den Zahlen recherchieren und Hintergründe beleuchten.“

    Das ist ein Anfang! Wir hoffen, über viele der Recherchen hier lesen und berichten zu können. dpa beobachtet schon seit einiger Zeit die CAR-Szene und war auch auf dem allerersten deutschen CAR-Seminar (in Kooperation mit DICAR) vertreten.

    Dienstag, Juni 19th, 2007

    Was hat die Amtskette des Bürgermeisters von Dormagen mit Subventionen für eine Müllverbrennungsanlage bei Hannover und den Briefen von George W. Bush an Papa Bush zu tun? Unser Blog-Autor Manfred Redelfs, seines Zeichens Recherche-Chef bei Greenpeace und Experte des Netzwerks Recherche fürs Informationsfreiheitsgesetz, weiß es und hat es beim Netzwerk-Recherche-Jahrestreffen 2007 seinen Workshop-Teilnehmern erklärt.

    Seine Präsentation zu Auskunftsrechten für Journalisten und den Vor- und Nachteilen einzelner Gesetze – von journalistischem Auskunftsanspruch nach den Landespressegesetzen, den Informationsfreiheitsgesetzen (IFG) der La?nder und des Bundes, über Umweltinformationsgesetz (UIG), bis zu den Informationsrechten auf Registerauskunft (Handelsregister, Grundbuch, Melderegister) – steht jetzt online: Manfred Redelfs, Auskunftsrecht (PDF, 1,1 MB).

    Montag, Februar 12th, 2007

    Kommentar zum deutschen Bundes-Informationsgesetz erschienen.

    Seit Anfang 2006 gilt in der BRD auf Bundesebene das Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Erste Erfahrungen damit liegen vor.

    Journalisten- und Bürgerrechtsorganisationen hatten sich erfolgreich für ein bundesweites Akteneinsichtsrecht stark gemacht. Damit die Antragsteller das neue Recht auch nutzen können, ohne im Konfliktfall gleich einen Anwalt bemühen zu müssen, haben die IFG-Befürworter jetzt einen eigenen Gesetzeskommentar herausgebracht: Jeder einzelne Paragraph des Gesetzes wird erklärt. Dem besseren Verständnis dienen dabei viele Fallbeispiele.

    Von anderen IFG-Fachkommentaren unterscheidet sich dieser nicht nur durch eine Gesetzesauslegung, die im Zweifelsfall dem Prinzip der größtmöglichen Transparenz folgt, sondern auch dadurch, dass die Anliegen von Journalisten in besonderer Weise berücksichtigt werden. Herausgegeben wird die Veröffentlichung von Netzwerk Recherche, dem Deutschen Journalisten-Verband, der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di, Transparency International und der Humanistischen Union. Autoren sind Dr. Wilhelm Mecklenburg, der für das IFG-Bündnis bereits im Jahr 2004 einen eigenen Gesetzentwurf geschrieben hatte, und der Justitiar des DJV, Benno Pöppelmann.

    Wer Interesse an dem Gesetzeskommentar hat, kann ihn zum Selbstkostenpreis von 10 Euro anfordern bei Dr. Manfred Redelfs, der das IFG-Projekt für Netzwerk Recherche betreut:
    manfred.redelfs@greenpeace.de
    (Bankverbindung folgt nach der Bestellung).

    Ebenso ist das Buch für 10 Euro zuzüglich Porto und Verpackung im Buchshop der DJV-Verlags- und Service GmbH erhältlich.

    (more…)

    Freitag, Januar 19th, 2007

    Ausgerechnet die Seminarteilnehmerin, die einen Tag zu spät zum Seminar kam, weil sie tags zuvor noch einen Penis operieren mußte, schreibt diese Woche über „Wartung & Pflege“ eben jenes Organs im Stern, aber das gehört hier nicht hin. Als V.i.S.d.P. die spannende Frage stellte, wer denn eigentlich den Stern lese, war die Antwort wohl nicht so auf den Punkt, dass ich sie hier in einem Nebensatz unterbringen kann.
    Warum es sich diese Woche aber auf jeden Fall lohnt, den Stern zu lesen: Auf den Seiten 46 und 47 schreibt Hans-Martin Tillack (ja, der mit dem Olaf-Ärger in Brüssel), wie käuflich deutsche Ministerien sind (Online Fassung). Das unterscheidet deutsche Beamte noch von untreuen Wirtschaftskriminellen wie Peter H. aus dem Saarland: Sie machen es auch für Peanuts. Ist ja ungeheuerlich, was der Tillack da schreibt, so präzise, detaillreich. Wie hat er das bloß rausgekriegt?! Den Artikel werde ich fortan allen Seminarteilnehmern (auch denen, die zu spät kommen) in die Hand drücken, damit ja keiner mehr fragt, wofür das Informationsfreiheitsgesetz denn eigentlich gut sein 😉 Die tollen Infos hat Tillack alle über das IFG eingefordert, wenn auch wie so oft bei der Recherche nicht so einfach wie man sich das vorstellt. Aber wir hier ahnten ja schon immer das Fleiß die oberste Tugend des Rechercheurs ist.

    Wie er es genau gemacht hat, verrät der Kollege uns in seinem Blog.

    Achso: und ich habe den Stern eigentlich nur gelesen, weil ich wissen wollte, was ich dieses Wochenende im Weinglas haben werde, wenn ich meine wöchentliche Lektion in der Weinschule von Stern und Rindchen absolviere 😉

    Dienstag, August 15th, 2006

    Nur kurz. Die internen Weisungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind jetzt online.
    Die BA teilt hierzu in einer Pressemitteilung mit: “Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im Internet bisher interne Weisungen und Informationen veröffentlicht.” Genau und kein einziges Dokument darüber hinaus. Und das obwohl auch einzelnen andere Dokumente bereits nach dem IFG herausgegeben wurden und diese dann eigentlich online gestellt werden sollten.
    Weiter heißt es “Die BA setzt damit das seit dem 1. Januar 2006 geltende Informationsfreiheitsgesetz um. (…) Die BA hat sich für die Veröffentlichung zahlreicher Informationen im Internet entschieden, um Bürgern ohne Antragstellung Einsicht in wichtige interne Weisungen zu geben.” Richtiger wäre wohl, dass die BA damit einem geschlossenen Vergleich nachkommt. Sie selbst hat das nicht entschieden, sondern ausdrücklich verweigert, sonst hätte man ja nicht vor Gericht ziehen müssen.

    “Für die BA bedeutet das neben dem Serviceangebot auch eine Arbeitserleichterung.” We will quote you on that!
    “Das Angebot wird ständig aktualisiert und erweitert.” Wir sind gespannt und halten den geneigten Leser hier auf dem Laufenden.

    Sonntag, Juli 30th, 2006

    Gerne hätten wir hier in aller Ausführlichkeit darüber berichtet, was die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP zum IFG geantwortet hat. Denn geantwortet hat sie, nur was wissen wir noch nicht. Der Bundestag verlinkt zwar die Antwort in der dazugehörigen Pressemitteilung vom 19. (!) Juli, doch der Link endet auf einer toten Seite, auf der einmal das Dokument hinterlegt werden soll. Kein Einzelfall – wie die frei zugängliche Liste aller fehlenden Bundestagsdrucksachen auf bundestag.de zeigt.

    Die Pressestelle des Bundestages hat uns am 20. Juli schon versprochen, das Dokument in Kürze online zu stellen. Doch bis heute ist noch nichts passiert. Schade.

    Nachtrag 7. August: Die Antwort der Bundesregierung ist mittlerweile online. Das ist irgendwann zwischen dem 3. und dem 7. August geschehen, also mehr als zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung. Neben einer umfassenden Rechtfertigung der Nicht-Herausgabe der Toll-Collect-Verträge enthält die Antwort u.a. eine Statistik der bisher eingegangenen Anträge. Auswertung folgt sobald wir das Bild ohne Abtippen in eine Tabelle zurückgewandelt haben.

    Nachtrag 9. August: Heise online hat wohl genauso auf die Veröffentlichung gewartet und hat jetzt eine ausführliche Meldung mit Schwerpunkt auf die Argumentatio zur Nichtherausgabe der Toll-Collect-Verträge.

    Freitag, Juli 28th, 2006

    Das Informationsfreiheitsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern tritt am 29. Juli in Kraft.

    Gerade trudelt dazu eine gemeinsame Pressemitteilung des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern, der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern e.V. und Transparency International Deutschland e.V. ein. Tenor: Alles toll.

    Für die Wirtschaft besteht damit “die Möglichkeit, Überregulierung und Bürokratie in der Verwaltung aufzudecken und zu bekämpfen”, die Datenschützer freuen sich, dass durch den Auskunftsanspruch Verwaltungsvorgänge transparenter” werden und “das Prinzip der Amtsverschwiegenheit … erheblich begrenzt” wird, Transparency Int. sieht “die demokratischen Mitwirkungsrechte der Bürgerinnen und Bürger gestärkt”. Hier im Wortlaut:
    (more…)

    Dienstag, Juli 18th, 2006

    Das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes zeigt indirekt Wirkung. Seit Inkrafttreten am 1.1.2006 haben nun schon drei Bundesländer eigene Landes-IFG verabschiedet. Vergangene Woche nun das Saarland, wie Heise meldet. Da waren es schon acht.

    Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis wir nicht mehr die Länder mit, sondern jene ohne IFG aufzählen. Im Moment stehts fifty-fifty. (Eine Übersicht mit Infos zum Stand, Verabschiedungen oder Planungen etc. findet sich bei transparency international.)

    Mit: Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfahlen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland (8)

    Ohne: Niedersachen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Würtemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen, Sachsen Anhalt (8)

    Sonntag, Juli 16th, 2006

    Wie der epd meldet, muss die Bundesagentur für Arbeit interne Dienstanweisungen veröffentlichen.

    Das Urteil hat der Wuppertaler Erwerbslosenverein Tacheles erstritten. Interessant an dem Urteil ist, dass die Behörde die Datenbanken fortlaufend aktualisieren muss. Hier kommt der grundsätzliche Charakter des Gesetzes zum Ausdruck, wonach alle Informaitonen zunächst einmal frei sind und dann begründet werden muss, warum sie ggf. nicht dem IFG unterliegen. Ist das einmal gescheitert, so fallen die Dokumente unter das IFG und sind für jedermann frei verfügbar.

    Die BA hat sich nach den Angaben des Klägers, auf die sich epd beruft, verpflichtet, dem Kläger mitzuteilen, wenn sie Dokumente nicht in diese öffentlichen Verzeichnisse aufnimmt.

    Urteil und PM der BA liegen nicht vor. recherche-info.de bleibt dran, da ich auch 3 Anträge nach dem IFG gegen die BA gestellt habe.

    Mittwoch, Juli 5th, 2006

    Wie das Nodus-Weblog meldet, ist seit dem 01.07. in der Schweiz auf Bundesebene das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (BGÖ) und dessen Verordnung VBGÖ in Kraft. (Ich dachte immer, Deutschland wäre das Schlußlicht…)

    Ähnlich wie in Deutschland flankieren Bürgerrechtsorganisationen die Umsetzung des Gesetzes: das Projekt befreite-dokumente.ch ist initiiert vom Chaostreff Zürich und von Trash.net. Es wird amtliche Dokumente kostenlos anbieten und Kräfte bündeln, solche anzufordern.

    (gefunden bei netzpolitik.org.)

    [AUde]

  • Journalismus & Recherche » Klasse gemacht

    Donnerstag, April 17th, 2008

    (Ja, ich weiß, dass das grotesk übersetzt ist.) Ein wunderbarer Artikel, erschienen in The Washington City Paper, über Julie Tate, Staff Researcher bei der Washington Post. Sie war an vier der sechs Geschichten beteiligt, die der Post in diesem Jahr Pulitzer-Preise bescherten. [Matthias Spielkamp]

    Donnerstag, April 10th, 2008

    Recherchen in Echtzeit: Unter www.swisstrains.ch, einer intelligent gemachten Google-API, kann man auf Basis der Google-Maps alle Züge und Bahnhöfe der Schweiz life verfolgen – und zwar bis zu den S-Bahnen. Mouseover auf einem Bahnhof zeigt den Namen der Station an, Mouseover auf Züge zeigt die Zugnummer, Start und Ziel der Reise, den nächsten Halt und die Geschwindigkeit. Die Positionen sind keine “echten” GPS-Daten, aondern nach Fahrplandaten und Verspätungsdaten gemäß prosurf.sbb.ch berechnet.) Nach Stationen und Zügen kann man suchen.

    Das ist mehr als ein schönes Spielzeug. Leider für Deutschland nicht reproduzierbar, da die Fahrplantreue im Mehdorn-Reich weniger wichtig genommen wird.

    www.swisstrains.ch

    [AUde]

    Freitag, April 6th, 2007

    Das Feuilleton gilt ja nicht gerade als Recherche-Eldorado. Schön, wenn es doch so ist und ärgerlich, wenn man sich fragen muss, warum das nicht längst Standard ist.
    Das sind die Fragen, die sich nach der Lektüre des FAZ-Artikels “Die Legende vom RAF-Spender Wolf Biermann” stellen. In seiner Lobrede auf den Ehrenbürger-wieder-Wowereits-Willen, Wolf Biermann, sagt Wowereit, Biermann habe 1969 das Preisgeld des von West-Berlin gestifteten Fontane-Preises an die RAF gespendet. Das sagt er, um die CDU zu ärgern, die ihn zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft genötigt hat. Vielleicht hat es ja auch gewirkt. Gestimmt hat es nicht.
    Leider ist das nicht allen aufgefallen. der Welt nicht und auch Zeit nicht. Ich war ja damals noch kein Zeitungsleser, aber bevor ich so was schreibe, würde ich mich hoffentlich zweierlei fragen: “Hoppsa, 1969 und die RAF?” schnell mal bei google “wiki:RAF” eingeben. Und: Kuriose Geschichte, von der ich in der ganzen Biermann-Debatte noch nie gehört habe… Das ist doch nen eigenen Text wert.
    Den hat dann die FAZ gemacht. Lob dafür. Und der Vollständigkeit halber: Der Spiegel hat’s auch ge- und vermerkt.

    Samstag, März 24th, 2007

    BusinessJournalism.org ist eine Website, die bereits im Jahr 2004 vom Donald W. Reynolds National Center for Business Journalism an der Arizona State University gegründet wurde – und die inzwischen eine Menge an Material bietet, inklusive Anleitungen dazu, wie man Finanzmärkte versteht und über sie berichtet. Dazu in der Kategorie “Covering Business” hilfreiche Artikel über den Aktienmarkt, Technologie und Geschäftsethik. Außerdem gibt es ein Glossar zu Begriffen aus der Finanzwelt und “Dick’s Picks”, Links zu Artikeln, die Wirtschaftsreporter Dick Weiss empfehlenswert findet.

    Mittwoch, Februar 7th, 2007

    Die besten frei zugänglichen Reference Websites der vergangenen sieben Jahre hat MARS in einer umfangreichen Liste zusammengestellt. MARS ist die Machine-Assisted Reference Section der Reference and User Services Association (RUSA), die wiederum zur American Library Association (ALA) gehört. Solche Listen publiziert MARS jährlich, jetzt eben erstmals als Combined Index, 1999-2006. Zweck: “to recognize outstanding reference sites on the World Wide Web” – die Auswahlkriterien sind zugänglich. Jeder Eintrag ist mit dem Namen des Projektes, sichtbarem URL, Betreiber und Link auf auf die MARS-Review beschrieben – vorbildlich für solch eine Übersicht.

    (more…)

    Freitag, Januar 12th, 2007

    Ist zwar schon eine Weile her, aber besser spät als nie. Beim Chaos Communication Congress hat Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht aus Düsseldorf, einen Vortrag mit dem Titel „ Sie haben das Recht zu schweigen: Durchsuching, Beschlagnahme, Vernehmung – Strategien für den Umgang mit Polizei und Staatsanwalt“ gehalten. Ist ein langer Riemen, daher hat es auch so lange gedauert, bis er hier erscheint, aber absolut lesens- bzw. wissenswert. (Mehr Links folgen noch.)

    Vetter, Autor des sehr viel gelesenen Lawblogs, erläuterte, wie Situationen zu meistern sind, mit denen die meisten von uns wohl eher keine Erfahrung haben und daher auch nicht wüssten, wie man sich im Zweifel „richtig“ verhält. Meiner Ansicht nach ist das ein Thema für Recherche-Info.de, weil die Ermittlungsbehörden bekanntlich inzwischen auch bei Journalisten eine beunruhigende Aktivität entfalten. Der Fall Cicero wird vielleicht ein wenig strapaziert, aber er ist nicht das einzige Beispiel. Betroffen sind auch nicht nur „investigative“ Journalisten.

    „Nehmen Sie das Recht zu schweigen in Anspruch. Damit ist der Vortrag beendet“ – so begann Vetter seinen Vortrag, doch es war mehr als nur ein amüsante Einstieg zu verstehen, denn der Ratsschlag bildete auch gleich das Motiv des Vortrags, das Vetter in einigen Variationen durchspielte.
    (more…)

    Samstag, Dezember 30th, 2006

    MaryJo Websters Teil des Seminars “Transparency Reporting and Computer-Assisted Reporting”, organisiert von Tagesspiegel und World Press Institute in Frankfurt/Oder, war sicher der Glanzpunkt der Veranstaltung.

    Anhand schöner Beispiele aus der Praxis demonstrierte sie, wie CAR im journalistischen Alltag funktionieren kann. Ihre Präsentation und eine Linkliste der zitierten Artikel hat sie nun online gestellt. Viel Spaß beim Stöbern.

    Mittwoch, August 9th, 2006

    Klar, als AOL 500 MB an Suchdaten ins Netz stellte – absichtlich, als Fundus für Suchforscher -, war die Aufregung erstmal groß. AOL hatte die Suchdaten “anonymisiert”, wozu es nach Ansicht des Unternehmens ausreichte, Nutzerkennungen durch Nummern zu ersetzen. Die Kritik war heftig. Aber schnell war (mindestens) ein bekannter Suchexperte zur Stelle, um AOL in Schutz zu nehmen und die Vermutung, anhand der Suchanfragen selbst werde es ein leichtes sein, Nutzer zu identifizieren, als übertrieben abzutun:

    Nevermind that no one actually has come up with an example where someone could be identified. Just the theoretical possibility is enough to create a privacy firestorm in some people’s minds.

    Und nun das: Michael Barbaro und Tom Zeller Jr. von der New York Times haben fleißig recherchiert und der Nummer ein Gesicht gegeben: A Face Is Exposed for AOL Searcher No. 4417749.

    Was jetzt, Herr Linden? Immer noch alle nur paranoid da draußen?

    Also denkt dran: Immer schön Cookies löschen!

    Samstag, Juli 8th, 2006

    Verursacht Kreditkartenbetrug (und andere Formen des so genannten “Identitätsbetrugs“) tatsächlich einen Schaden von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr? Gehen wirklich Diebstähle in New York City im Wert von 2 bis 5 Milliarden US-Dollar jährlich allein auf das Konto von Beschaffungskriminalität?

    Die Antwort auf die erste Frage ist nein, die Antwort auf die zweite Frage ist – Überraschung! – ebenfalls nein. Im ersten Fall wäre der Schaden halb so hoch wie die Gewinne es gesamten US-Banksektors, im zweiten Fall ist es sogar so, dass zu der Zeit, als die Zahl zum ersten Mal veröffentlicht wurde, die New Yorker Polizei den Schaden durch Diebstähle auf 300 Millionen US-Dollar bezifferte – aller Diebstähle wohlgemerkt.

    Dennoch haben Zahlen dieser Art einen unglaublichen Überlebenswillen – oder, besser gesagt, die Journalisten, die sie ungeprüft verwenden, sorgen dafür, dass sie nicht tot zu kriegen sind. Einen neuen Versuch unternimmt Jack Shafer in seinem sehr lesenswerten Artikel The (Ongoing) Vitality of Mythical Numbers im Online-Magazin Slate (Englisch).

    Wie sieht es hierzulande aus? Wo sind sie, die mythischen Zahlen? Auf Anhieb fällt mir keine ein, aber das liegt bestimmt nur an meinem schlechten Gedächtnis. Liebe LeserInnen, helft uns auf die Sprünge!

    Donnerstag, Juni 1st, 2006

    Die FAZ vom 31. Mai wartet mit einem schönen Beispiel auf, wie man mit kurzer Recherche den großen Vorstandsvorsitzender den Bahn der Lüge überführen kann. Der hatte im ZDF-Morgenmagazin nämlich behauptet, im neuen Hauptbahnhof würde – wegen des verkürzten Dachs – allenfalls der Zugführer im Regen stehen, nicht aber der werte Bahnkunde. (pes.) von der FAZ ist hingegangen und hat nachgesehen: Mindestens zwei Wagen würden, wenn es regnet, im Regen stehen. Und das ganz planmäßig, denn der von der FAZ in Augenschein genommene ICE stand laut Wagenstandanzeiger planmäßig.

    So ist das mit der Recherche: Nachschauen hilft.

  • Journalismus & Recherche » offline

    Ein Eintrag, der nichts wenig mit Recherche im Sinne von nachschlagen oder rausfinden zu tun hat. Manchmal muss man eine Meldung gar nicht recherchieren, um zu entscheiden, sie nicht zu drucken ;-)Die Leipziger Volkszeitung berichtetet am 27.6. auf Seite 1 in einem Leitartikel folgendes:

    Weniger Wettbewerb. Gesundheitsfonds beschlossen.

    Berlin/Leipzig (DW/H.E.). Die Koalition hat sich auf erste Eckpunkte der Gesundheitsreform verständigt. Ein zentraler Einigungspunkt ist, so bestätigten Regierungskreise gegenüber der LVZ, die Konzentration der gesetzlichen Kassen auf eine wettbewerbsfähige “Mindestbetriebsgröße”. Sollte es zu einer Mindestmitgliederzahl von einer Million Versicherter kommen, wie auch diskutiert wird, würde sich die Zahl der Kassen um 110 bis 120 verringern. Durch Fusionen würde sich die Kassenstruktur verschlanken und weniger Verwaltungskosten verursachen.

    (Kostenlos online ist nur die ots-Vorabmeldung.)

    Klar, ein Thema und noch nichts, was einen auf den ersten Blick wundern müßte. Die google Recherche “Anzahl Krankenkassen Deutschland” bringt dann auf Rang 1 den Wikipedia-Eintrag “Krankenkasse”, der die Information enthält, es gebe 253 gesetzliche Krankenkassen. Eine Zahl, die die google-Suche “253 gesetzliche Krankenkassen” bei der KKH, spiegel.de und dem Marburger Bund bestätigt und die auch wohl aktuell ist. Wir wissen nicht, wie tagesschau.de dann auf zunächst 252 kommt, vielleicht eine Info aus dem angefragten Ministerium? Egal ist auch wurscht.

    Aber mit der Recherche dieser Zahl wird der Unsinn klar, der der LVZ zumindest noch nicht zwingend auffallen mußte. Nun lautet die Meldung, die tagesschau.de unter Berufung auf die LVZ bringt, 110 bis 120 von 252/253 gesetzlichen Krankenkassen müssten ggf. schließen, damit nur noch solche übrig bleiben, die mindestens eine Million Mitglieder haben.

    Also wenn maximal 133 Krankenkassen (253-120=133) verbleiben, benötigen diese mindestens 133 Millionen Mitglieder (133*1 Million= 133 Millionen) – eine Zahl, die auch ohne die Berücksichtigung von Privatversicherten, Beamten, Unversicherten und Mitversicherten, von der Berücksichtigung großer Kassen mit mehreren Millionen Mitgliedern mal ganz abgesehen, in Deutschland einfach nicht erreicht werden kann.

    Disclaimer: Mir ist die Meldung nur einzig und allein deshalb aufgefallen, weil ich mich beim Lesen der Schlagzeile im RSS-Feed, sofort an die Geschichte des hochverehrten Bildblog erinnerte. Wofür die mir jetzt vermutlich noch ’ne Rechnung für in Anspruch genommene Fortbildung stellen. Recht haben sie ja: Lesen hilft. Hauptsache Habermas hat seinen Spaß.

    tageschau.de hat die Meldung im Laufe des Tages mehrfach geändert – allerdings ohne den Zeitstempel zu ändern. Was man dort auch als Fehler ansieht. Wer Spaß dran hat, hier ist gleich noch einer zu finden, solange der Text und Zeitstempel (Stand: 01.07.2006 09:25 Uhr) unverändert bleiben.

  • Journalismus & Recherche » Data Mining

    Samstag, Dezember 30th, 2006

    MaryJo Websters Teil des Seminars “Transparency Reporting and Computer-Assisted Reporting”, organisiert von Tagesspiegel und World Press Institute in Frankfurt/Oder, war sicher der Glanzpunkt der Veranstaltung.

    Anhand schöner Beispiele aus der Praxis demonstrierte sie, wie CAR im journalistischen Alltag funktionieren kann. Ihre Präsentation und eine Linkliste der zitierten Artikel hat sie nun online gestellt. Viel Spaß beim Stöbern.

    Mittwoch, August 9th, 2006

    Klar, als AOL 500 MB an Suchdaten ins Netz stellte – absichtlich, als Fundus für Suchforscher -, war die Aufregung erstmal groß. AOL hatte die Suchdaten “anonymisiert”, wozu es nach Ansicht des Unternehmens ausreichte, Nutzerkennungen durch Nummern zu ersetzen. Die Kritik war heftig. Aber schnell war (mindestens) ein bekannter Suchexperte zur Stelle, um AOL in Schutz zu nehmen und die Vermutung, anhand der Suchanfragen selbst werde es ein leichtes sein, Nutzer zu identifizieren, als übertrieben abzutun:

    Nevermind that no one actually has come up with an example where someone could be identified. Just the theoretical possibility is enough to create a privacy firestorm in some people’s minds.

    Und nun das: Michael Barbaro und Tom Zeller Jr. von der New York Times haben fleißig recherchiert und der Nummer ein Gesicht gegeben: A Face Is Exposed for AOL Searcher No. 4417749.

    Was jetzt, Herr Linden? Immer noch alle nur paranoid da draußen?

    Also denkt dran: Immer schön Cookies löschen!

    Montag, Juni 19th, 2006

    Ein sehr zeitgemäßer Beitrag kommt gerade von Haiko Lietz, LeserInnen von Recherche-Info.de bekannt als Referent auf der CAR-Tagung in Hamburg zum Theme Social Network Analysis:

    Netzwerkanalyse ist eine journalistische Recherchemethode, die in der Mathematik und Soziologie beheimatet ist. Während die Methode im US-Journalismus bereits anfangsweise angewendet wird, wird in Deutschland meist noch über wissenschaftliche Netzwerkanalysen berichtet. Zwei aktuelle Berichte drehen sich um Fußball. Für die österreichischen Analysten von FAS.research, deren Webseite immer einen Besuch wert ist, gehört die Analyse von Fußballspielen zur Öffentlichkeitsarbeit. Sie erhalten ihre Forschungsgelder von der Wirtschaft und dem Staat. Zum Spiel Argentinien gegen Elfenbeinküste fanden sie heraus:

    Da wie dort fand sich eine klassische Spitze (Crespo bzw. Drogba) und eine hängende Spitze (Saviola bzw. Kalou), die stärker in die reziproken Spielaktionen aus dem Mittelfeld heraus eingebunden war und den letzten, entscheidenden Pass spielen sollte.“

    Außerdem sei das Spiel der Argentinier robuster gewesen. Genaueres steht im österreichischen Standard. Im März bereits hatte das Handelsblatt unter dem Titel „Anpfiff zum Milliardenspiel“ über die Netzwerkanalyse des internationalen Fußballprofimarktes berichtet. Lothar Krempel vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung kann in einem einzigen Graphen klarmachen, welche Länder ihre Nationalspieler eher im Ausland oder im Inland spielen hat. Die Netzwerkanalyse ist eine neue Perspektive für den recherchierenden Journalismus.

    Dienstag, Juni 6th, 2006

    Haiko Lietz hat jetzt die Folien seines Vortrags (PDF, Vorsicht: 4,4 MB) veröffentlicht, den er bei der CAR-Tagung an der Akademie für Publizisitk gehalten hat (siehe auch den Eintrag zu seinem Vortrag bei recherche-info.de).

    Sonntag, Mai 21st, 2006

    Henk demonstriert einige Methoden, mit deren Hilfe man einschätzen kann, wie zuverlässig die Informationen auf einer Website sind. Schönes Beispiel: Welchen biografischen Informationen über Martin Luther King kann man trauen? Er zeigt erstmal nur die Web-Adressen (URLs) der Seiten:

    martinlutherking.org martinlutherking.tk 213.198.79.178/members9/~melski/martinlutherking.htm

    www.psd267.wednet.edu/~kfranz/SocialStudies/MLKJr/martinlutherking.htm – die 213.198.79.178/etc.-Adrese ist unvollständig; wird nachgereicht, sobald Henk seine Präsentation schickt. (more…)

    Freitag, Mai 19th, 2006

    David, früher freier Journalist und heute Korrespondent des Wall Street Journal Europe, erzählt, dass er bei der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung war, Kenntnisse hatte und gerne „gefummelt“ habe. CAR in seinem Verständnis praktiziert er seit den 80er Jahre. Als er dann etwa mit einer Stasi-Recherche begonnen hat, sei das sehr hilfreich gewesen.

    (more…)

    Freitag, Mai 19th, 2006

    Dick arbeitet bei NRC Handelsblad, einer niederländischen Abendzeitung, und bei NRC Next, einem neuen Ableger davon, der sich an jüngere Leser richtet. Schon seit 1993 betreibt Dick CAR und für das Handelsblad viele kleiner und größere Projekte betreut. CAR ist für ihn ein Werkzeug, um journalistische Fragestellungen zu klären.

    (more…)

    Freitag, Mai 19th, 2006

    Robots werden dann eingesetzt, wenn es darum geht, große Datenmengen zu erfassen. Man muss sich jedoch mit Datenformaten auseinandersetzen. Robots sind z.B. die Spider, Crawler etc. von Yahoo, MSN, Google usw. (more…)

    Freitag, Mai 19th, 2006

    Haiko Lietz hält den ersten Vortrag des Tages zum Thema Social Network Analysis.

    Wichtig ist ihm die Unterscheidung von Umfrageforschung und Netzwerkanalyse, da die Umfrageforschung blind für Strukturen ist, die Netzwerkanalyse aber aber get davon aus: das Gesamte ist mehr als Summe der Einzelteile. (more…)

    Sonntag, März 12th, 2006

    Wie Spiegel Online berichtet, hat die Chicago Tribune mehr als 2600 CIA-Agenten und Tarnfirmen aufgedeckt, indem sie frei zugängliche (im Sinne von “für jeden zugänglich”, nicht im Sinne von kostenlos) Informationen miteinander verknüpft hat. Die Artikel sind (nach kostenloser Registrierung) bei der Tribune abrufbar. Das sollte jetzt jeder schnell machen, der sich für das Thema interessiert, denn bald werden sie ins kostenpflichtige Archiv wandern. Wie die Tribune-Reporter genau vorgegangen sind, verraten sie nicht. Falls einer von uns Zeit findet, legen wir eine Analyse nach. Falls einer unserer Leser eine beisteuern möchte: Wir sind offen für Gastbeiträge.

  • Journalismus & Recherche » Alerts

    Manchmal hat man es nicht leicht, wenn man Denglisch vermeiden möchte, aber News-Alerts wollte ich einfach nicht in die Überschrift schreiben…

    Nun denn: Moreover kannte ich noch nicht, nun ist mir das Angebot aufgefallen, weil es von AP verklagt wird. Macht aber nix, denn selbst wenn AP gewinnt, wird da noch viel Interessantes drin stehen. Der Dienst sammelt Nachrichten und bietet sie über RSS-Feeds zu einer großen Zahl Kategorien an. Für private Nutzer ist das kostenlos, aber leider nicht frei definierbar. Wer aber zu einem bestimmten Thema auf dem Laufenden bleiben will, etwa “Internet > Online legal issues news” ist damit vielleicht ganz gut bedient. Ob das besser ist als die Alerts von Google News? Ich weiß es nicht, ich hab’s noch nicht getestet. Kommentare erbeten.

  • Journalismus & Recherche » AOL

    Klar, als AOL 500 MB an Suchdaten ins Netz stellte – absichtlich, als Fundus für Suchforscher -, war die Aufregung erstmal groß. AOL hatte die Suchdaten “anonymisiert”, wozu es nach Ansicht des Unternehmens ausreichte, Nutzerkennungen durch Nummern zu ersetzen. Die Kritik war heftig. Aber schnell war (mindestens) ein bekannter Suchexperte zur Stelle, um AOL in Schutz zu nehmen und die Vermutung, anhand der Suchanfragen selbst werde es ein leichtes sein, Nutzer zu identifizieren, als übertrieben abzutun:

    Nevermind that no one actually has come up with an example where someone could be identified. Just the theoretical possibility is enough to create a privacy firestorm in some people’s minds.

    Und nun das: Michael Barbaro und Tom Zeller Jr. von der New York Times haben fleißig recherchiert und der Nummer ein Gesicht gegeben: A Face Is Exposed for AOL Searcher No. 4417749.

    Was jetzt, Herr Linden? Immer noch alle nur paranoid da draußen?

    Also denkt dran: Immer schön Cookies löschen!

  • Journalismus & Recherche » Social Network Analysis

    Donnerstag, April 17th, 2008

    (Ja, ich weiß, dass das grotesk übersetzt ist.) Ein wunderbarer Artikel, erschienen in The Washington City Paper, über Julie Tate, Staff Researcher bei der Washington Post. Sie war an vier der sechs Geschichten beteiligt, die der Post in diesem Jahr Pulitzer-Preise bescherten. [Matthias Spielkamp]

    Freitag, Juli 28th, 2006

    Der Chicagoer Soziologe Laumann, neben anderen Autor des Buches “The Hollow Core: Interest Representation in National Policymaking”, blickt zurück auf 45 Jahre, in denen er soziale Netze analysiert hat. Dass er sich dabei grundlegende Problemen widmet, liegt nahe. Neben anderen wichtigen definitorischen Fragen wie diesen:

    • How do you define social positions?
    • How do you define social differentiation among social positions?
    • How do you define modes of integration among these differentiated positions?
    • What is the unit of analysis? Individual vs. dyad.
    • How do you define a social relationship?
    • What are the ways in which they vary across social relationships with respect to the logic of their formation?

    Der Artikel steht als PDF (1,1 MB) zur Verfügung.

  • Journalismus & Recherche » Desktopsuche

    Die so genannte Desktop-Suche ist ja inzwischen ein veritables Feld innerhalb der Recherche geworden – bei dem ganzen Zeug’s, das man auf dem Rechner hat. Vor ewigen Zeiten (heißt: vor ca. sechs Jahren) hatte Altavista mal ein Programm zur Verfügung gestellt, das den eigenen Computer durchsucht. Irgendwann, als ich es nötig brauchte, weil meine Festplatte anschwoll, war es verschwunden und nicht mehr zu bekommen. Eine Desktop-Suchmaschine musste also erst wieder von Google auf den Markt gebracht werden, um den Nutzern zu zeigen, dass man sowas braucht (zwischendurch gab es schon das immer noch herausragende Copernic Desktop Search – beides selbstverständlich nur für den PC). So sieht die viel gerühmte Innovationsmaschine Google eben auch manchmal aus.

    Und Apple passt da auch ins Bild: Jahre nach Copernic wird Spotlight in Apples OS X (10.4, “Tiger”) als das Ei des Kolumbus gefeiert. Man muss schon Steve Jobs heißen, um das bringen zu können. Nun bin ich ja seit einigen Monaten auf ein Powerbook umgestiegen und brauche diese Funktion auch. Und was passiert? So gut wie nichts. Spotlight will nämlich nicht. Findet fast nur Dateien, in denen der Suchbegriff im Namen vorkommt. Also erstmal die Apple-schlauen Kollegen interviewt. Keiner weiß was – bei ihnen funktioniert’s natürlich. So war das in der PC-Welt auch schon immer: mein Computer-Karma muss ich irgendwann mal versehentlich in der Toilette runtergespült haben.

    Das Ärgerliche: Auch nach ewigem Suchen findet man in der Hilfe aber auch überhaupt keinen Hinweis darauf, wie man manuell das Indexieren anstoßen oder neu starten kann. Ebensowenig auf der Website. Lausig. Die gute Frau am Apple-Telefon hatte auch keinen Schimmer, gab aber wenigstens den Tipp, mal in den Foren zu suchen. Das hatte ich zwar schon erfolglos gemacht, aber wie’s eben immer so ist mit der Suche: Wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll, findet man auch nix. Hier war der Knackpunkt, dass man nicht nach “index” suchen sollte, sondern eher nach “Keyword/s”. Am Ende hat dann “Spotlight” gereicht (ja, ist mir ja auch peinlich, aber die Apple-Experten waren auch nicht drauf gekommen). Gleich einer der ersten Threads beantwortet die Frage einfach und zufrieden stellend:

    Spotlight > Einstellungen > Privatsphäre > eigenes Volume eintragen (damit wird verhindert, dass es indexiert wird)

    abmelden > neu anmelden – nun ist die Indexierung abgeschaltet

    Spotlight > Einstellungen > Privatsphäre > eigenes Volume wieder entfernen

    abmelden > neu anmelden – nun ist die Indexierung wieder eingeschaltet und wird neu gestartet

    Und siehe da: Es funktioniert.

  • recherche-info.de » Watchblog

    Matthias Döpfner hat Springer Aktien von Friede Springer gekauft – für 52,3 Millionen Euro. Das Handelsblatt berichtet online:

    “Zum Kaufpreis von 52,3 Millionen Euro käme die Schenkungssteuer hinzu, die Döpfner entrichten müsse, weil er einen Vorzugspreis bekommen habe. Die Steuer müsse auf die Differenz zwischem dem Börsenkurs der Aktie am Tag des Vertragsabschlusses (104 Euro) und dem Kaufpreis (77 Euro) entrichtet werden. Die Schenkungssteuer belaufe sich auf 18,36 Millionen Euro. ”

    Ich schlucke, Mist so’n Geschenk bei der Steuer. Das kann natürlich nicht sein und es ist auch nicht so. Und egal, ob Springer-Sprecherin Edda Fels das so gesagt hat, wie der Konjunktiv hier suggeriert, das Handelsblatt hätte drauf kommen können müssen, dass das nicht stimmt. Alle mal mittmachen, Taschenrechner raus!

    Textaufgabe, 5. Klasse. Matthias war brav und bekommt von Tante Friede zur Belohnung 680 000 Aktien. Die Aktien sind 104 Euro wert, doch Tante Friede will dafür nur 77 Euro. Wie groß ist das Geschenk von Tante Friede?

    (104 €-77 €)* 680 000 = 27 € * 680 000 = 18 360 000 € = 18,36 Mio

    Nun soll ja laut Handelsblatt bzw. Edda Fels die Schenkungssteuer 18,36 Millionen betragen. Demnach läge der Steuersatz bei 100%, so dass Beschenkte Ihre Geschenke vollständig beim Staat abliefern müssten.

    Das ist natürlich Unsinn. Online findet sich die Info recht schnell beim Finanzministerium.

    Allen Spöttern zum Trotz besteht ja kein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Springer und Döpfner, weswegen Herr Döpfner in Steuerklasse III fällt und nur einen Freibetrag von 5 200 € hat.

    Für Erbschaften und Geschenke zwischen 12,783 Millionen Euro und 25,565 Millionen Euro liegt der Steuersatz in dieser Klasse bei 41%.

    Demnach muss Döpfner folgenden Betrag zahlen:

    (18 360 000 € – 5 200 €) * 41% = 7 525 468 € = 7,53 Mio €

    Schön für den Staat und immer noch ein gutes Geschäft für Döpfner, auch wenn er es über Kredite finanziert hat.

    Nachtrag, 20.7., 20.10 Uhr

    Die Pressesprecherin des Springer-Verlags hat auf Anfrage von recherche-info.de mitgeteilt, dass der Fehler vom Handelsblatt gemacht worden sei. Sie habe den Betrag richtig als zu versteuernden Vorteil bezeichnet. Der Aktienkurs zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses lag nach Springer-Angaben bei 104,10 Euro. Damit verändern sich unsere Berechnungen minimal:

    (104,10 €-77 €)* 680 000 = 27,10 € * 680 000 = 18 428 000 € = 18,43 Mio

    Allerdings stimmt dann die Springer-Zahl nicht mehr…

    21.40 Uhr:

    Die Spekulationen über Verwandtschaftsverhältnisse reißen nicht ab. Oder wie soll man die Netzeitung verstehen, die schreibt:

    “Der Satz der Schenkungssteuer beträgt zwischen zwei und 60 Prozent und ist unter anderem vom Grad der Verwandtschaft abhängig.”

    Der Grad der Verwandschaft kann ja keine Rolle spielen. Und der Steuersatz variiert auch für Verwandte nur zwischen 7 und 50 Prozent. Sind Schenkender und Beschenkter nicht verwandt, hängt der Steuersatz von der Höhe der Schenkung ab. Sicherheitshalber würde ich an dieser Stelle noch einen Steuerberater oder das Finanzministerium anrufen. Selbst Blogger können irren…

    Nachtrag, 21.7.: Das Handelsblatt hat den Satz entfernt – OHNE darauf hinzuweisen oder den Zeitstempel zu korrigieren. Wir haben natürlich einen Screenprint.

    Wir weisen darauf hin, dass wir zwei Tippfehler korrigiert haben, nachdem Thorsten darauf hingewiesen hat.