Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » ars technica

    Das US-Technikmagazin Ars Technica, hierzulande fast nur Nerds bekannt, hat eine fantastische Recherchere zu den Behauptungen von US-Regierung und Unterhaltungsindustrie, durch „Piraterie“ (also in dem Fall nicht die echte, die vor der Küste Somalias stattfindet, sondern die von Musik etc.) gingen der US-Wirtschaft 250 Milliarden US-Dollar und 750.000 Arbeitsplätze verloren.

    Ein Lehrstück – über die Unterhaltungsindustrie und Lobbying, vor allem aber über Zahlen, die dadurch, dass sie beständig wiederholt werden (vor allem auch in den Medien), nicht richtiger und zuverlässiger werden. Und ziemlich sicher austauschbar, was das Thema angeht. Irgendwann werde ich so etwas auch für Deutschland machen. Wenn ich mal Zeit habe 😉

    750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Googlen spart Geld

    Kleine Alltagsfreuden: Da suchte ich gerade mal einen Artikel, der ursprünglich in der FAS erschienen ist. Eine Rezension über Nick Davies „Flat Earth News“, betitelt „Was haben wir bloß falsch gemacht?“ von Henning Hoff (10. Februar 2008). Wenn online, dann finde ich das Stück unter faz.net.

    Nun halte ich faz.net als Webauftritt für so schlecht, wie ich die FAZ für reaktionär halte. Aber das Folgende hat mich dann doch überrascht:

    Gesucht nach Henning Hoff und Flat in der Suche faz.net, ist der Artikel sofort gefunden – seine Lektüre soll aber 2 Euro kosten. Daraufhin habe ich mal nach „Was haben wir bloß falsch gemacht“ gegoogelt. Und siehe da, da ist das Stück umsonst – bei faz.net!

    Ich bin schon länger überzeugt, dass die Probleme des Online-Journalismus in weiten Teilen zu Lasten des Verlagsmanagements und der technischen Umsetzung gehen – die sind nämlich bestenfalls mangelhaft.

    Meine zwei Cents Euro.

  • Journalismus & Recherche » 0900

    Schöne Infoseite, die Nora Kraft in der FAZ am Sonntag (4. Mai, S. 53) präsentiert: Telefonnummern anzurufen, die mit 0180 beginnen, kostet Geld. Von 3,9 Cent bis 14 Cent pro Minute. Die Gröschlein kann man sich sparen, denn die meisten Firmen, die diese Nummern angeben, haben auch „normale“ Festnetznummern. Welche das sind, zeigt das 0180-Telefonbuch von teltarif.de.

    Suchen kann man man nach dem Firmennamen, der 0180er-Nummer und der „Ersatznummer“. Außerdem gibt’s einen alphabetischen Index nach Firmennamen. Letzter verzeichnet allein unter „A“ über 1500 Einträge.

  • Journalismus & Recherche » Statista

    Christoph Drösser weist auf Zeit Online auf eine interessante Site hin:

    Zahlen für die Massen: Ob zu Sex, Politik, Wirtschaft oder Demografie: Auf statista.org lassen sich beliebige eigene Statistiken basteln – aus haufenweise seriösen Daten.

    Statista.org bietet derzeit etwa 1 Million freie Statistiken an – mit Quellenangabe, so dass deren Verläßlichkeit prüfbar ist. Man darf die Statistiken in Websites einbinden. Sehr schön ist, dass man die einzelnen Statistiken (mittels Flash-Animation) filtern, kombinieren und vergleichen kann. Nach erstem Test halte ich die Suchfunktion für gut.

    Statista wird von der Statista GmbH mit Sitz in Hamburg betrieben. (2007 gegründet, 8 Mitarbeiter, Gründer und Geschäftsführer Friedrich Schwandt, Tim Kröger. Die Nutzung kostenfrei, anzeigenfinanziert).

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Gezieltes Nichtwissen als Taktik

    Rezension von Oliver Hochadel in der NZZ: Nichtwissensgesellschaft : Studien zur gezielten Produktion von Ignoranz. Besprochen wird das von Robert Proctor und Londa Schiebinger herausgegebene Buch Agnotology: The Making and Unmaking of Ignorance. Thema sind ‘wissenschaftliche’ Studien, deren Zweck darin besteht, mittels Fear, Uncertainty and Doubt (FUD) gezielt Verwirrung zu stiften und Entscheidungen zu verhindern oder zu verzögern. Das scheint eine lohnende Lektüre für Journalisten zu sein, die mit wissenschaftlichen Studien zu tun haben.

    Agnotology: The Making and Unmaking of Ignorance (Hardcover) by Robert Proctor (Editor), Londa Schiebinger (Editor) Stanford University Press; illustrated edition edition (May 13, 2008) 312 pages ISBN-10: 080475652X

    ISBN-13: 978-0804756525

    (gefunden bei Hal Faber im WWWW)

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » CAR-Workshop beim Jahrestreffen des Netzwerks Recherche

    Ein herzliches Willkommen allen, die diese Seiten besuchen, weil sie auf dem CAR-Workshop beim Jahrestreffen des „Netzwerks Recherche“ waren, wo wir den Start dieses Blogs verkündet haben. Wie man an diesen Seiten sieht, sind sie noch eine Baustelle. Eigentlich sollten sie zum Jahrestreffen präsentabel sein; nun müssen wir vorläufig mit dieser Version leben. Innerlich sind wir alle schamrot, nach Außen sagen wir, dass „perpetual Beta“ ohnehin der Status du jour für tolle Webprojekte ist. Wir arbeiten jedenfalls dran, und zu wissen, dass uns von jetzt an Millionen von aufmerksamen Leserinnen und Lesern dabei auf die Finger schauen, erhöht selbstverständlich den Druck (’tschuldigung: es muss natürlich „die Motivation heißen“ 😉
    Eine wichtige Bitte: Wer immer die Adresse weiter geben möchte, sollte www.recherche-info.de verwenden. Das ist die Adresse, unter der das Blog permanent erreichbar sein wird.

    Wie versprochen, werden wir hier zunächst so viele Informationen wie möglich zu den Vorträgen veröffentlichen, die bei den CAR-Workshops in Hamburg (Akademie für Publizistik und Jahrestreffen Netzwerk Recherche) gehalten wurden. Bitte haben Sie Geduld, wenn das nicht gleich heute oder morgen der Fall ist, die Referenten sind z.T. noch unterwegs – und manche von haben auch andere Dinge zu tun…

    Wichtig ist mir zu betonen, dass recherche-info.de keine Weblog zur elektronischen Recherche / Online-Recherche / CAR ist, sondern wir uns bemühen werden, alle Arten von journalistischer Recherche zu ihrem Recht kommen zu lassen. Nur ist es so, dass oft die Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Computer-unterstützter Recherche gut auskennen, auch Blogging-affiner sind. Zwar sollte man ohnehin keine sytematische Unterscheidung treffen zwischen Online- und Offline-Recherche, sondern auch den PC und das Internet als ein Werkzeug der Recherche wie viele andere betrachten. Aber das fällt erfahrungsgemäß vielen schwer. Wer also Interesse daran hat, einen Gastbeitrag bei uns zu schreiben zu einem Thema der „klassischen“ Recherche, ist herzlich willkommen.

    Jedenfalls kann man ohne Übertreibung sagen, dass das CAR-Angebot ein enormer Erfolg war. Bis zu 70 Teilnehmer drängten sich im völlig überfüllten Raum 103. Wir entschuldigen uns bei allen, die sich dort wie eine Gurke im Glas vorkamen. Die Beweisfotos kommen, sobald Henk wieder online ist… Wir hatten tatsächlich nicht mit einem derartigen Andrang gerechnet. Im kommenden sollte das anders werden.

    Und natürlich einen ganz besonderen Dank an die Organisatoren des CAR-Programms (ich gehörte nicht dazu), allen voran Marcus Lindemann vom (autoren)werk, das die Veranstaltung auch finanziell unterstützt hat, ebenso wie die Akademie für Publizistik und das Netzwerk Recherche.

    Tags: CAR

  • Journalismus & Recherche » Annette Schavan

    Wie geht man eigentlich mit so etwas um, wenn man mehr Zeit hat? Ich habe gerade keine, aber ein Bekannter hat mir eben die ominöse Studie aus Schavans Forschungsministerium zugeschickt, die Schavan angeblich zurückhält.

    Ich sage mir: Wenn ich die schon per Email bekomme, steht sie bestimmt sowieso schon im Netz, wird hoch und runtergetwittert und über Plattformen wie Slideshare verbreitet. Und ein PDF-Dokument, das mit „Zum vertraulichen Gebrauch“ gestempelt ist, das muss man doch einfach weiterverbreiten, Urheberrecht hin oder her.

    Also, hier ist es, das „Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland“. Mit den brisanten Stellen, die die Atompolitik-Pläne Schavans und einer CDU-geführten Regierung ohne bremsenden Koalitionspartner offenbaren.

  • Journalismus & Recherche » Hotline

    Schöne Infoseite, die Nora Kraft in der FAZ am Sonntag (4. Mai, S. 53) präsentiert: Telefonnummern anzurufen, die mit 0180 beginnen, kostet Geld. Von 3,9 Cent bis 14 Cent pro Minute. Die Gröschlein kann man sich sparen, denn die meisten Firmen, die diese Nummern angeben, haben auch „normale“ Festnetznummern. Welche das sind, zeigt das 0180-Telefonbuch von teltarif.de.

    Suchen kann man man nach dem Firmennamen, der 0180er-Nummer und der „Ersatznummer“. Außerdem gibt’s einen alphabetischen Index nach Firmennamen. Letzter verzeichnet allein unter „A“ über 1500 Einträge.

  • Journalismus & Recherche » umsatz

    Das US-Technikmagazin Ars Technica, hierzulande fast nur Nerds bekannt, hat eine fantastische Recherchere zu den Behauptungen von US-Regierung und Unterhaltungsindustrie, durch „Piraterie“ (also in dem Fall nicht die echte, die vor der Küste Somalias stattfindet, sondern die von Musik etc.) gingen der US-Wirtschaft 250 Milliarden US-Dollar und 750.000 Arbeitsplätze verloren.

    Ein Lehrstück – über die Unterhaltungsindustrie und Lobbying, vor allem aber über Zahlen, die dadurch, dass sie beständig wiederholt werden (vor allem auch in den Medien), nicht richtiger und zuverlässiger werden. Und ziemlich sicher austauschbar, was das Thema angeht. Irgendwann werde ich so etwas auch für Deutschland machen. Wenn ich mal Zeit habe 😉

    750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Vorbildliche Bild-Zeitung, ärgerliche Berliner Zeitung

    Nein, dieses Blog wird nicht zum Berliner-Zeitungs-Watchblog. Die Berliner Zeitung berichtet heute über einen Fall von Kindesmisshandlung in Berlin. Wer der Täter war, ist unklar – das schreibt auch die Berliner Zeitung: „Die Polizei weiß noch nicht, ob die Frau, ihr jüngerer Freund, der nicht Vater des Jungen ist, oder möglicherweise ein Dritter der Täter war“. Dennoch nennt die Berliner Zeitung den Namen der verdächtigten Mutter und zeigt sie im Foto. Für mich ein klarer Verstoß gegen den Pressekodex und journalistische Ethik.

    Die Bildzeitung (Berliner Ausgabe, nicht online) dagegen verkneift sich fast jegliche Hinweise auf die prominente Mutter und schreibt lediglich von einer teuren Wohnung – Name und Foto der Mutter sind aber unkenntlich gemacht. Genauso handhaben es fast alle anderen Zeitungen, die heute darüber berichten. Lediglich die Berliner Morgenpost nennt noch die Prominenz und den Beruf der Mutter.

    Tags: Berliner Zeitung, Bild, Ethik, Pressekodex, Watchblog