Kategorie: Allgemein

  • Februar 2008 – Journalismus & Recherche

    Das Bundesverfassungsgericht hat heute die Vorschriften im Verfassungsschutzgesetz NRW zur
    Online-Durchsuchung und zur Aufklärung des Internet für nichtig erklärt, so die Pressemeldung. In der Urteilsbegründung formuliert das BVErfG das „Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme“.

  • Kostenlose Infos zu Unternehmensbeteiligungen in den USA – Hinweise erbeten! – Journalismus & Recherche

    Recherche-Info.de’s own Albrecht Ude fragt über die Mailingliste:

    Moin, del.icio.us vermeldet als Kontaktadresse: del.icio.us c/o Yahoo! Inc. 701 First Ave Sunnyvale, CA 94089 Kann mir jemand einen Tipp geben, wo ich herausfinden kann, in welcher Beziehung del.icio.us zu Yahoo steht? Ferner: Gibt es (frei nutzbare) Datenbanken ueber Firmenbeteiligungen, in denen sich nachschauen laesst, woran Yahoo, Cisco, Google und Microsoft beteiligt sind? Dank voraus, & Gruesse,

    Albrecht

    Ohne altklug sein zu wollen, ist meine Antwort: danach kann man suchen. Und ich finde es sinnvoll, meine Suche hier zu beschreiben, damit andere entweder was davon haben, sie als unpassend abhaken, verbessern oder ergänzen können. Selbstverständlich ist damit nicht gemeint, dass eine Frage an gut informierte Kollegen nicht die richtige Herangehensweise ist; im Gegenteil. Aber ich konnte die Frage auf Anhieb nicht beantworten. Mit der Google-Suche nach company ownership database us findet man die Datenbanken von Dialog und Corptech. Dialog ist mir bekannt als eine der besten und umfassendsten Datenbanken dieser Art, aber wie erwartet ist sie kostenpflichtig. Corptech sieht ebenfalls gut aus, ist aber ebenfalls kostenpflichtig. Die Anfrage nach free company ownership database us bringt auf Platz 10 die „Company Information“-Seite der University of Washington zum Vorschein, die ich auswähle, weil Universitäten oft sehr gute Übersichtsseiten zusamme stellen.
    Was in diesem Fall auch zutrifft: eine Fülle von Datenbanken. Allerdings auch hier hauptsächlich Links auf kostenpflichtige Angebote. Mit Ausnahme der SEC Reports (EDGAR), also der Angaben, die bei der Security and Exchange Commission, der US-Börsenaufsicht, eingereicht werden müssen – wie so vieles in den USA öffentliche (und kostenfreie) Daten. Da ich allerdings schnell herausfinde, wie schwierig die zu durchsuchen sind, merke ich auf beim Link auf Edgarscan, einem Interface für die SEC Reports, bereitgestellt von der Unternehmensberatung und Buchprüfungsfirma Price Waterhouse Coopers.
    Die hilft auch tatsächlich weiter, denn dort erfahre ich zum einen aus der knappen, aber präzisen Einführung, dass man die gesuchten Infos am besten in den Jahresberichten findet (also in den „Annual Filings (10-K’s by Filing Period)“). Und die lassen sich auch noch im Volltext nach Stichworten durchsuchen. So bekomem ich am Ende den Eintrag: „Our social search assets were further enhanced in 2005 by the acquisitions of Flickr and del.icio.us, Inc.“
    Na denn – lange nicht die komfortable Abfrage, die sich Albrecht wünscht (zumindest nicht kostenlos), aber wenn man nach einem bestimmten Stück Information sucht, schon sehr hilfreich. Ich kann mir ja kaum vorstellen, dass es in den USA nicht auch Bürgerrechtsgruppen oder Watchdogs gibt, die genau die gesuchten Übersichten kostenlos zur Verfügung stellen. Aber auf Anhieb kann ich erstmal keine finden. Dafür hat dieses Blog ja eine Kommentarfunktion: Wer was weiß, bitte melden!

  • Robots – Journalismus & Recherche

    Robots werden dann eingesetzt, wenn es darum geht, große Datenmengen zu erfassen. Man muss sich jedoch mit Datenformaten auseinandersetzen. Robots sind z.B. die Spider, Crawler etc. von Yahoo, MSN, Google usw.

  • Eine Lanze brechen für die Online-Recherche – Journalismus & Recherche

    Den ganzen Unsinn, den man sich ständig anhören muss, wenn man Internet-Recherche als Methode nutzt, lehrt oder verteidigt, habe ich versucht in einem Beitrag für Message zusammenzufassen. Der Artikel ist jetzt erschienen und zur Hälfte auch online.

    1.) Die Glaubwürdigkeit von Onlinequellen ist schwer ermittelbar und sie sind generell eher unglaubwürdig. Offlinequellen sind daher Onlinequellen überlegen. 2.) Wikipedia lässt sich nicht überprüfen, und Fehler könnten unbemerkt übernommen werden, bevor sie korrigiert werden. 3.) Dass jeder frei publizieren kann, ist ein Fluch für den Journalismus. 4.) Es ist besser, mehrere Suchmaschinen zu nutzen als nur eine. 5.) Durch Internetrecherche lässt sich nichts Neues zu Tage fördern, da alles, was im Internet zu finden ist, schon per Definition veröffentlicht ist.

    6.) Die verzerrte Wirklichkeitsabbildung durch Suchmaschinen ist ein zentrales Problem der journalistischen Onlinerecherche.

    In der internen Diskussion der Co-Blogger hier tauchte auch die Frage auf, woher ich den diese ganzen dummen Argumente hätte, mit denen ich mich dann auseinandersetze.
    Daher möchte ich hier auf die beiden Hauptquellen verweisen: Professor Dr. Machill und Dr. Thomas Leif. Bei genauerem Quellenstudium nährt sich dabei der Verdacht, dass Leif, der ohnehin oft gerne halbgare Studien zitiert, seine Urteile Vorurteile vor allem aus der wissenschaftlichen Arbeit Propaganda Machills bezieht. Beide haben sich schon mehr als einmal bei Podiumsdiskussionen und dergleichen getroffen. Sehr putzig ist auch eine Stelle in Machills jüngster Studie, die ich hier ja schon zweimal kommentiert habe. Die Autoren geraten begrifflich ins Schwimmen und referieren, dass Websites einen wichtigen Anteil (sic!) des Internets darstellten und zu vielen Bereichen Informationen lieferten. Selten habe ich einen solchen Sprachmüll gelesen. Sei auch alles nicht so gemeint, versichert mir der Herr Professor per Mail. In Anbetracht der Tatsache, dass die Landesmedienanstalt NRW 100 000 Euro für die „Studie“ ausgegeben hat, finde ich wäre ein Lektorart oder das Gegenlesen durch den Professor, der seinen namen auf den Buchdeckel drucken lässt, doch sicherlich angemessen gewesen.

    Die zweite Quelle für die o.g. Thesen ist das schon altbekannte Interview auf webwatching.info, in dem Thomas Leif Blogger beschimpft (Leif, Thomas: Interview mit Kristin-Leonie Weiland. http://www.webwatching.info)

    Eine Rezension der Machill-Studie findet sich ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Message; aber nicht online.


    Disclaimer: Ich habe nichts gegen Professor Machill, mich ärgert ausschließlich der Inhalt dieser sogenannten Studie. Das ist alles unabhängig von sonstigen Auseinandersetzungen rund um seine Person – mit diesen habe ich nichts zu tun, auch wenn ich in Leipzig einen Lehrauftrag habe.

  • Februar 2006 – Journalismus & Recherche

    Das Jahr 2006 begann mit einer Ente. Und die blieb nicht lange allein.
    Am 01.01.2006 um 10.43 Uhr verbreitete Associated Press (AP) unter der Überschrift „Bund Deutscher Juristen fordert Aussagen unter ‚leichter Folter’“ die Nachricht: „Claus Grötz“, Strafrichter am BGH und Vorsitzender des „Bund Deutscher Juristen“ habe gefordert, zur Terrorbekämpfung müsse die Gewinnung von Aussagen unter ‚leichter Folter‘ möglich sein. So zufolge einer am Vortag um 17.14 Uhr per E-Mail versandten Pressemeldung mit Verweis auf die Website des „Bund Deutscher Juristen“.

    [AUde]

  • Fußballnetzwerke – Journalismus & Recherche

    Ein sehr zeitgemäßer Beitrag kommt gerade von Haiko Lietz, Lesern von Journalismus & Recherche bekannt als Referent auf der CAR-Tagung in Hamburg zum Thema Social Network Analysis:
    Netzwerkanalyse ist eine journalistische Recherchemethode, die in der Mathematik und Soziologie beheimatet ist. Während die Methode im US-Journalismus bereits anfangsweise angewendet wird, wird in Deutschland meist noch über wissenschaftliche Netzwerkanalysen berichtet. Zwei aktuelle Berichte drehen sich um Fußball. Für die österreichischen Analysten von FAS research, deren Website immer einen Besuch wert ist, gehört die Analyse von Fußballspielen zur Öffentlichkeitsarbeit. Sie erhalten ihre Forschungsgelder von der Wirtschaft und dem Staat. Zum Spiel Argentinien gegen Elfenbeinküste fanden sie heraus:

    Da wie dort fand sich eine klassische Spitze (Crespo bzw. Drogba) und eine hängende Spitze (Saviola bzw. Kalou), die stärker in die reziproken Spielaktionen aus dem Mittelfeld heraus eingebunden war und den letzten, entscheidenden Pass spielen sollte.“

    Außerdem sei das Spiel der Argentinier robuster gewesen. Genaueres steht im österreichischen Standard. Im März bereits hatte das Handelsblatt unter dem Titel „Anpfiff zum Milliardenspiel“ über die Netzwerkanalyse des internationalen Fußballprofimarktes berichtet. Lothar Krempel vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung kann in einem einzigen Graphen klarmachen, welche Länder ihre Nationalspieler eher im Ausland oder im Inland spielen hat. Die Netzwerkanalyse ist eine neue Perspektive für den recherchierenden Journalismus.

  • Grass mit zwei S und mehr als zwei Fragezeichen – Journalismus & Recherche

    Der vordere Teil unserer Überschrift belobigt die Jungle World für die schöne Überschrift. Gestern frug ich mich, warum denn noch niemand über Grass’ Vergangenheit gestolpert ist. Einer der Biografen, jemand der über ihn schreibt. Recherche, die noch nicht einmal die Absicht hätte haben müsen, Grass etwas anzuhängen, hätte helfen können. Die Suche nach Zeitzeugen, Menschen, die Grass als Soldat erlebt haben, die Suche nach Dokumenten und sei es nur zu illustrativen Zwecken – all das hätte Chancen geöffnet, dahinter zu kommen.

    Heute berichtet die Berliner Zeitung, dass Grass „vorläufige Erklärung“ als Kriegsgefangener zugänglich im Archiv lag – vermutlich seit 1964.

    Im Moment interessiert aber die Frage, hätte man die Geschichte nicht nur finden können, sondern geradezu finden müssen, wenn man recherchiert hätte? Wir bleiben dran.

    Nachtrag 23 Uhr: Die Spekulation, das Grass einer möglichen Veröffentlichung zuvor kommen wollte, wurde entfernt, da es anders als Berliner Zeitung und Kölner Stadtanzeiger berichteten, keine entsprechenden Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit im Bundesarchiv gibt.

  • Nachrichten-Benachrichtigungen von Moreover – Journalismus & Recherche

    Manchmal hat man es nicht leicht, wenn man Denglisch vermeiden möchte, aber News-Alerts wollte ich einfach nicht in die Überschrift schreiben…
    Nun denn: Moreover kannte ich noch nicht, nun ist mir das Angebot aufgefallen, weil es von AP verklagt wird. Macht aber nix, denn selbst wenn AP gewinnt, wird da noch viel Interessantes drin stehen. Der Dienst sammelt Nachrichten und bietet sie über RSS-Feeds zu einer großen Zahl Kategorien an. Für private Nutzer ist das kostenlos, aber leider nicht frei definierbar. Wer aber zu einem bestimmten Thema auf dem Laufenden bleiben will, etwa „Internet > Online legal issues news“ ist damit vielleicht ganz gut bedient. Ob das besser ist als die Alerts von Google News? Ich weiß es nicht, ich hab’s noch nicht getestet. Kommentare erbeten.

  • „Das müssen Sie mir doch sagen“ – Auskunftsrecht für Journalisten – Journalismus & Recherche

    Manfred Redelfs (Netzwerk Recherche e.V., Recherche-Abteilung Greenpeace e.V.): sprach auf dem Jahrestreffen des netzwerk recherche über Auskunftsrechte für Journalisten:

    • den journalistischen Auskunftsanspruch nach den Landespressegesetzen (§ 4),
    • die Informationsfreiheitsgesetze (IFG) der Länder und seit Januar 2006 des Bundes,
    • das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) s. 5/08
    • das Umweltinformationsgesetz (UIG) seit 1994 sowie
    • Registerauskünfte (Handelsregister, Grundbuch, Melderegister)

    Hier die Präsentation:

    „Das müssen Sie mir doch sagen“ – Auskunftsrecht für Journalisten (PDF-Datei, 27 S., 618 KB)

  • US Airways 1549: Wie zu einem Flugzeugabsturz recherchieren? – Journalismus & Recherche

    Ein Flugzeug stürzt in den Hudson River. Alarm in allen Nachrichtenredaktionen. Woher Informationen nehmen, die über das hinaus gehen, was Augenzeugen und Rettungskräfte zu sagen haben?
    Investigative Reporters & Editors hat auf einer Webseite die Ressourcen zusammen gefasst, die in den USA dafür zur Verfügung stehen. Vorbildlich.