Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Edit War auf der Gorch Fock

    Wer Lust hat, einen aktuellen Edit War in der Wikipedia zu studieren, schaue sich den Eintrag zur Gorch Fock an. Der Artikel wurde am 29. Januar für die weitere Bearbeitung gesperrt.
    Diese ist mittlerweile wieder freigegeben.

    Ein Klick in die Versionsgeschichte zeigt, dass der Artikel zeitweise im Minutenabstand kontrovers geändert wurde. Auch die Diskussionsseite und deren Versionsgeschichte lohnen die Lektüre.

    Hilfreich ist auch ein Blick auf Wiki-Watch, einem unabhängigen Projekt der Europa-Universität Viadrina Frankfurt / Oder (Juristische Fakultät, Studien- und Forschungsschwerpunkt „Medienrecht“).
    Dort nachgeschaut, erfährt man, dass der am 19. September 2006 angelegte Artikel insgesamt 150 Bearbeiter hat, 74 waren im letzten Monat tätig. Von insgesamt 351 Bearbeitungen des Textes datieren 116 auf den letzten Monat, darunter zwei „aggressive Löschversuche“ und eben eine Sperre.
    Die Nutzungsdaten der Wikipedia sind öffentlich und durch ein Tool eines Wikipedieaners leicht abzurufen: Vom 01. bis zum 18. Januar wurde der Eintrag zwischen 153 und 247 mal pro Tag abgerufen. Am 19.01. schnellte die täglich Nutzung auf ca. 4.500 Abrufe, am 24.01 erreichte sie mit ca. 41.000 Abrufen einen Höhepunkt, bis Ende Januar sank die Nutzung wieder auf ca. 4.500 am 31.

    Tags: Edit war, Wikipedia

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Vom Überlebenswillen mythischer Zahlen

    Verursacht Kreditkartenbetrug (und andere Formen des so genannten „Identitätsbetrugs“) tatsächlich einen Schaden von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr? Gehen wirklich Diebstähle in New York City im Wert von 2 bis 5 Milliarden US-Dollar jährlich allein auf das Konto von Beschaffungskriminalität?

    Die Antwort auf die erste Frage ist nein, die Antwort auf die zweite Frage ist – Überraschung! – ebenfalls nein. Im ersten Fall wäre der Schaden halb so hoch wie die Gewinne es gesamten US-Banksektors, im zweiten Fall ist es sogar so, dass zu der Zeit, als die Zahl zum ersten Mal veröffentlicht wurde, die New Yorker Polizei den Schaden durch Diebstähle auf 300 Millionen US-Dollar bezifferte – aller Diebstähle wohlgemerkt.

    Dennoch haben Zahlen dieser Art einen unglaublichen Überlebenswillen – oder, besser gesagt, die Journalisten, die sie ungeprüft verwenden, sorgen dafür, dass sie nicht tot zu kriegen sind. Einen neuen Versuch unternimmt Jack Shafer in seinem sehr lesenswerten Artikel The (Ongoing) Vitality of Mythical Numbers im Online-Magazin Slate (englisch).

    Wie sieht es hierzulande aus? Wo sind sie, die mythischen Zahlen? Auf Anhieb fällt mir keine ein, aber das liegt bestimmt nur an meinem schlechten Gedächtnis. Liebe LeserInnen, helft uns auf die Sprünge!

    Tags: Einmaleins, Kreditkartenbetrug, Kriminalität, New York, Polizei, Slate, Statistik, USA

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Schweizer Studie: Suchmaschinen und E-Mail wichtigste Werkzeuge für Journalisten

    Für das Institut für Angewandte Medienwissenschaften (IAM, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und die Bernet PR AG für Kommunikation haben Guido Keel und Marcel Bernet eine Studie publiziert:

    IAM-Bernet-Studie Journalisten im Internet 2009 : Eine repräsentative Befragung von Schweizer Medienschaffenden zum beruflichen Umgang mit dem Internet / von Guido Keel ; Marcel Bernet. – Juli 2009 (PDF-Datei, 40 S., 286 KB)

    Die Studie ist die dritte nach früheren in den Jahren 2002 und 2005. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse gibt’s beim Zürcher Presseverein, die Diskussion der Ergenisse bei Bernet.

    In Kurzform (und ohne die Studie bereits en detail gelesen zu haben): Sehr lesenswert sind die Schlussfolgerungen, die es gleich dreimal gibt: Allgemein, für PR-Verantwortliche und für Journalisten.

    Das Internet ist zur Hauptquelle für Informationen geworden, wobei „Internet“ vor allem Wikipedia, Suchmaschinen und E-Mail meint, „Suchmaschinen“ wiederum Google – eine Tatsache, die vermutlich nicht nur für die Schweiz gilt. Google ist „Ausgangspunkt jeder Online-Recherche“, „Wikipedia gilt als glaubwürdig“.

    Die Bedeutung des Web 2.0 ist gestiegen, vor allem Blogs werden genutzt. Twitter und auch RSS-Feeds spielen keine große Rolle.

    Generell „ganz zuoberst auf der Erwartungsliste: Kontaktadressen, Zahlen und Daten, Hintergrundmaterial, Pressemitteilungen. Im Vergleich mit der ersten Erhebung zeigt sich eine Professionalisierung – Journalistinnen und Journalisten nutzen gut gemachte Mediencorner fürs schnelle Prüfen von Fakten und eine allfällige Kontaktaufnahme.“

    Aus den Schlussfolgerungen für Medienschaffende scheinen mir drei besonders wichtig:

    • Medienschaffende brauchen mehr als das Internet
    • Google nicht nur verwenden, sondern auch verstehen
    • Ein kompetenter Umgang muss gelernt sein
  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Auskunftsrecht Grundbuch: Beschluss des OLG Stuttgart im Fall Schlecker

    Das OLG Stuttgart hat am Mittwoch geurteilt, dass Journalisten eine Einsicht ins Grundbuch zusteht, wenn ein öffentliches Interesse bestehst. (ausführlich dazu im Blog von autoren(werk)). Wir stellen hier nun den Beschluss des OLG Stuttgart online.

  • Journalismus & Recherche » Steve Jobs

    Der arme Steve Jobs! Über seine Erscheinung und seinen Gesundheitszustand wurde öffentlich so stark spekuliert, dass es den Aktienkurs von Apple beeinflusste. Totgesagt wurde er auch schon mal, oder genauer: Bloomberg financial newswire hatte am 27.08.2008 einen augenscheinlich auf Vorrat verfassten Nachruf (immerhin 17 Seiten!) versehentlich online gestellt.

    Und nun das: Auf der Site von Wired erschien am 22. Januar die Meldung, Jobs sei einem Herzinfarkt erlegen („Breaking: Steve Jobs in has had a Cardiac Arrest“)

    Ein Hoax, eine Ente. Jemand hatte eine Schnittstelle zum Hochladen von Bildern (einen Online-Viewer) genutzt, um einen gefakten Artikel als Grafik auf die Site zu bringen, wo er dann unter dem Wired-Logo erschien. Den Link darauf verbreitete er bei Twitter.

    So leicht geht das also; scheint’s eine besondere Form des „user generated content“ – ein Kuckucksei. Viele Leser der Ente werden vermutlich nicht gemerkt haben, dass sie eine Grafik lesen, statt eines gerenderten Textes. Wohl auch, weil darüber das Logo eines bekannten Mediums prangte. Wired hat die Lücke mittlerweile geschlossen.

    (gefunden bei intern.de)

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Paul Myers’ Tipps & Tricks

    Um ehrlich zu sein: die beiden Workshops von Paul Myers haben erfahrenen Internet-Rechercheuren nicht viel Neues gebracht. Dennoch konnte man hören, wie begeistert viele Teilnehmer waren, die sich nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt hatten. Insofern waren seine Präsentationen ein großer Erfolg.

    Auf drei Beispiele möchte ich aufmerksam machen, die auch für mich sehr interessant waren:

    • Domaintools bietet eine WHOIS-Historie an. Das wusste ich nicht, kann es auch nicht oft nutzen, weil es sehr teuer ist – aber wenn man es wirklich mal braucht, ist es sehr gut, das zu kennen.
    • Man kann das Verzeichnis des Open Directory Projects mit der Way Back Machine durchsuchen. Das ist eigentlich selbstverstädnlich, nur muss man auch darauf kommen. Myers hat es am Beispiel der Website Saddam Husseins gezeigt, indem er erst die Seite zum Irak im aktuellen Verzeichnis herausgesucht, dann die Adresse in die Way Back Machine eingegeben hat (die ja noch immer keine Volltextsuche besitzt), um zum alten Verzeichnis zu kommen – und sich dann Saddams Website aufzurufen (die im Unterverzeichnis Government liegt). Clever.
    • Was für Nerds ist die Seite zu „Google dorks“. Dazu gibt’s keine Erklärung, weil es erstens zu lange dauern würde und ich zweitens den größten Teil selber nicht verstehe. 🙁 Aber ich arbeite dran.
  • Journalismus & Recherche » Selbstreferenzialität

    Ein anonymer Scherzbold, der nach eigener Auskunft im Interview auf ZEIT online „gerade eine Journalistenschule abgeschlossen“ hat und noch studiert, hat dem neuen Wirtschaftsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg einen weiteren Vornamen verpasst: Wilhelm, platziert zwischen Philipp und Franz und überdies in der Wikipedia.

    Er wollte sehen, ob Medien dies übernähmen. Und er zeigte damit nicht nur mangelnde Recherchequalitäten, sondern auch Selbstrefenrenzialität im kleinen: Denn die Bearbeiter der Wikipedia waren zwar skeptisch und verlangten für den neuen Vornamen einen Einzelnachweis, akzeptierten aber einen Bericht auf Spiegel online – dessen (ungenannte!) Quelle eben die Wikipedia war. Graphisch schön dargestellt hat das Titanic (die selbst betroffen ist), anzuschauen bei netzpolitik.org „So funktioniert die Informationsgesellschaft“. Spiegel online hat mittlerweile ein wünschenswert klares Postskriptum angefügt und eine Meldung in eigener Sache publiziert, die etwas weniger klar ist.

    Schön zubereitet ist die Ente im Bildblog, wo der Anonymus als Gastautor selber schreibt, und dort findet man auch einen Überblick über die anderen Medien und ihre Reaktionen – die bezeichnenderweise mit „usw. usf.“ endet.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Message-Werkstatt zum Web 2.0 ist da!

    Der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift Message liegt ein Werkstatt-Heft zum Web 2.0 bei. Mit allem, was jeder Journo dazu wissen sollte, mit Beiträgen von uns hier!

    Unsere Idee hat übrigens auf das Hauptheft abgefärbt, so dass es dort einen Web-2.0-Schwerpunkt gibt.

    Michael Haller schreibt in seinem Vorwort mit dem Web 2.0 sei es wie mit der Eroberung Amerikas, die Auswanderer hätten vor allem drei Motive geleitet: Glaubensfreiheit, bittere Not oder wirtschaftliches Abenteurertum 😉

    Viel Spaß beim Lesen!

  • Journalismus & Recherche » Hauptstadtjournalismus

    Eine schöne Zusammenfassung der Studie „Journalismus in der Berliner Republik – Wer prägt die politische Agenda in der Bundeshauptstadt?“ (komplett abrufbar als PDF, 700 KB), von Leif Kramp und Stephan Weichert (herausgegeben vom Netzwerk Recherche) gibt es auf der Schweizer Seite medienheft.ch:

    Von Kanzlermachern und Politikberatern – Oder wer die politische Agenda bestimmt – Stephan Weichert und Leif Kramp.

    Ein Auszug:

    Die Recherchesituation der Hauptstadtjournalisten ist von einer starken Ambivalenz geprägt, die sich aus dem Zusammenspiel von Nähe und Distanz, Ausnutzen und Anfreunden ergibt. Hinzu kommen zuweilen auch Wissenslücken in Bezug auf die Sachthemen und das jeweilige Gegenüber. Die für den Recherchejournalismus zentrale Frage, warum in Berlin so wenig bzw. so mangelhaft recherchiert wird, lässt sich auf Grundlage der Befragung zwar nicht eindeutig beantworten. Die Befunde legen allerdings die Vermutungen nahe, dass (1) aktualitätsgebundene Redaktionen generell weniger recherchieren, (2) die Zentralredaktionen eine umfassende Recherche gar nicht unbedingt erwarten, (3) Recherchen – im ökonomischen und ideellen Sinn – nicht (mehr) angemessen honoriert werden und (4) generell nach einem „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip gehandelt wird: Bei einer kritischen Berichterstattung könnten wertvolle Recherchequellen für immer versiegen, umgekehrt könnten publizistische Liebesdienereien und ein Hinwegsehen über Missstände einen dauerhaften Zugang zu Exklusivinformationen garantieren.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Medienente an Wilhelm in Wikisauce

    Ein anonymer Scherzbold, der nach eigener Auskunft im Interview auf ZEIT online „gerade eine Journalistenschule abgeschlossen“ hat und noch studiert, hat dem neuen Wirtschaftsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg einen weiteren Vornamen verpasst: Wilhelm, platziert zwischen Philipp und Franz und überdies in der Wikipedia.

    Er wollte sehen, ob Medien dies übernähmen. Und er zeigte damit nicht nur mangelnde Recherchequalitäten, sondern auch Selbstrefenrenzialität im kleinen: Denn die Bearbeiter der Wikipedia waren zwar skeptisch und verlangten für den neuen Vornamen einen Einzelnachweis, akzeptierten aber einen Bericht auf Spiegel online – dessen (ungenannte!) Quelle eben die Wikipedia war. Graphisch schön dargestellt hat das Titanic (die selbst betroffen ist), anzuschauen bei netzpolitik.org „So funktioniert die Informationsgesellschaft“. Spiegel online hat mittlerweile ein wünschenswert klares Postskriptum angefügt und eine Meldung in eigener Sache publiziert, die etwas weniger klar ist.

    Schön zubereitet ist die Ente im Bildblog, wo der Anonymus als Gastautor selber schreibt, und dort findet man auch einen Überblick über die anderen Medien und ihre Reaktionen – die bezeichnenderweise mit „usw. usf.“ endet.

    Tags: Ente, Selbstreferenzialität, Wikipedia