Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Datenschutz-Sommerakademie in Schleswig-Holstein

    Die diesjährige Sommerakademie des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) thematisiert den Arbeitnehmerdatenschutz. Das als Frage formulierte Motto Arbeitnehmer – Freiwild der Überwachung? haben Konzerne wie die Bahn, die Telekom und Lidl in den vergangenen Jahren ja eindeutig beantwortet.

    Die Sommerakademie 2009 bietet eine Bestandsaufnahme der technischen Überwachungsmethoden sowie der aktuellen Rechtslage und skizziert tragfähige Lösungen für einen besseren Arbeitnehmerdatenschutz

    Referenten sind u.a. Thilo Weichert (Landesbeauftragter für Datenschutz Schleswig-Holstein, Leiter ULD) und Herta Däubler-Gmelin (MdB, Bundesministerin a.D.). Die Infobörsen am Nachmittag gehen z.B. über Whistleblowing, Filtereinsatz bei Internet-Zugriffen und Überwachung an Büroarbeitsplätzen.

    Die Teilnahme ist kostenflos. Anmeldung online bis zum 21. August 2009 unter
    https://www.datenschutzzentrum.de/sommerakademie/2009/

    Tags: Akademie, Datenschutz

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Googles OR-Operator kaputt?

    Habe ich was verpasst? Warum funktioniert Googles boolscher Operator OR nicht mehr, oder zumindest im Moment nicht?

    Wenn ich nach „albrecht ude“ suche, bekomme ich 1.730 Treffer, suche ich nach „albrecht ude“ OR „ude albrecht“, bekomme ich 1.820 Treffer – so weit, so gut.

    Suche ich aber nach iRights.info, gibt’s 31.700 Treffer, bei irights.info OR irights.de aber nur 30.200. Das hat nichts mit der Unschärfe bei hohen Trefferzahlen zu tun, man kann das auch reproduzieren mit z.B.  „hermann spielkamp“ (170 Treffer) und „hermann spielkamp“OR „spielkamp hermann“ (107 Treffer).

    Die URLs sehen auch nicht gerade so aus, als würden die Suchanfrage „richtig übersetzt“: http://www.google.de/search?hl=de&q=“hermann+spielkamp“OR+“spielkamp+hermann“. Was machen die Plus-Zeichen an den Stellen, an denen sie nichts zu suchen haben?

    Es ändert sich auch nichts, wenn man es über die erweiterte Suche probiert, oder auch advanced search in der .com-Version, wo das Menue ja überarbeitet worden ist, um genau diese ODER-Funktion etwas einfacher verständlich zu machen.

    Sehr seltsam. Hat jemand etwas darüber gehört, dass/warum da geschraubt wird?

    Tags: Boolsche Operatoren, Google, OR

  • Journalismus & Recherche » Neon

    Eben gefunden im frisch erschienen Newsletter des Netzwerks Recherche: Das Magazin Neon, Ableger des Stern (für Leser unter 40 …), vergibt ein Recherchestipendium über 10.000 Euro.

    Bis zum 15. August 2008 können sich Journalisten unter 40 Jahren bei Neon um ein Recherche-Stipendium bewerben. Die fünf besten Exposés sollen mit je 10.000 Euro gefördert werden, die fertigen Geschichten erscheinen – soweit thematisch passend – exklusiv in Neon . Über die Vergabe entscheiden die, die auch sonst über den Inhalt des Blattes entscheiden: die Neon-Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert sowie die Neon-Herausgeber und Stern-Chefredakteure Thomas Osterkorn und Andreas Petzold.

    Mehr Infos zum Recherchestipendium bei Neon.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » whitehouse.gov/robots.txt – change has come

    Noch ist Obama keine 24 Stunden im Amt, schon wird an allen Ecken und Enden der USA etwas geändert. Mit dem Hochladen der neuen Inhalte auf www.whitehouse.gov ist auch die längste mir bekannte robots.txt Datei Geschichte, sie hatte gefühlte 89 Bildschirmseiten und ich habe sie nie abgespeichert, das google cache ist schon leer und archive.org hat Server-Problme 🙁 Sobald ich was habe, trage ich das hier nach. Im MSN live Cache bin ich nun fündig geworden, deren robot war am 9.1. das letzte mal auf der Site:

    http://cc.msnscache.com/cache.aspx?q=%22www+whitehouse+gov+robots+txt%22&d=75320168942549&mkt=de-DE&setlang=de-DE&w=4be343d6,5a788843

    Warum die alte robots.txt überhaupt so lang war, konnte nie jemand erklären – bei Stichproben waren alle Inhalte aus den für Suchmaschinen gesperrten Seiten auch über google auffindbar.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Das Recherche-Paradoxon

    Mein Buckapitel über Recherche wächst. Vor dem handwerklichen Teil will ich etwas weiter ausholen und beschäftige mich damit, warum Recherche es so schwer hat und was man dagegen machen kann. Denn ohne dass sich etwas ändert, wird es nicht dazu kommen, dass einzelne Journalisten, Redaktion, eine ganze Branche mehr auf Recherche setzen. Über Anregungen und Kritik freue ich mich.

    Zeitungen haben Farbfotos bekommen und die Andruckzeiten wurden nach hinten geschoben. Das Netz ist voll mit Nachrichten, Videos und vielem Neuem – kostenlos. Das Konsumieren von Video- und Audioinhalten löst sich zunehmend von Sendezeiten. Das Verbreiten von Inhalten ist dank neuer Technologien und sinkender Technikpreise für jedermann möglich geworden. Blogs sind ein gutes Beispiel hierfür: Anders als mit einer privaten Homepage Ende der 90er Jahre, kann das, was ich in einem Blog schreibe binnen einer halben Stunde weltweit von jedermann gefunden werden. „Senden“ ist kein Privileg mehr. Es braucht nicht viel Weitsicht um zu folgern, dass die Inhalte sich von den Verbreitungsmedien lösen. „Content is King.“ heißt es immer, aber wer setzt das denn um?
    Doch hat sich mit diesem technischen Fortschritt, mit der Entwicklung des Netzes auch die Qualität von Journalismus verändert, gar gebessert? Die Frage ist schwer zu beantworten, eines aber ist sicher: Gemessen an dem enormen Fortschritt bleibt der Journalismus weit hinter seinen (neuen) Möglichkeiten zurück. Gerade in der Recherche ist vieles einfacher oder überhaupt erst möglich geworden, vieles geht schneller, bei einigen Recherchen gibt es zumindest alternative Wege. (Der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass sich abseits technischer Entwicklungen die PR professionalisiert hat und über ungleich mehr Mittel verfügt – das macht zum Teil Recherchen schwieriger.) Gerade der Mangel an Recherche im Allgemeinen und an innovativen Ansätzen in der Recherche im Besonderen ist nicht zu verstehen, wenn man sich nicht klar macht, woran das liegt. Denn es ist unstrittig, dass Recherche die Basis jeglicher journalistischer Qualität ist. Ohne sie können wir fundamentale Ansprüche an Journalismus nicht einhalten: das Streben nach Wahrheit, Genauigkeit und Quellentransparenz. Ohne das nutzt alles andere nichts: kein schnelles Produzieren, kein schöner Schreiben und keine noch so originelle Themenfindung.

    Bevor in diesem Kapitel die Grundsätze der Recherche vorgestellt werden, will ich thesenartig auf die Gründe eingehen, warum wir eben keinen Fortschritt in der Recherche erleben, denn diese Gründe, muss jeder Journalist überwinden, der es anders machen will.

    1. Geschwindigkeit ist King.
    Es gibt ein absurdes Rennen, wer eine Meldung zuerst hat. Onlinejournalismus hat beschleunigt, was schon lange eine journalistische Tugend war: Etwas als erster vermelden zu können. Doch das ist zum Selbstzweck geworden – denn bei den Minutenabständen, um die es heute geht, interessiert das nur noch die News-Junkies in und außerhalb der Redaktionen. Eingeschränkt gelten lasse ich das Geschiwindigkeitsdogma noch für Breaking News und Radio-Nachrichten. Aber selbst bei letzteren bleibt eine halbe Stunde, um die schlimmsten Fehler zu vermeiden.

    2. Fehler werden nicht wahrgenommen.
    Fehler werden gemacht, aber selten wahrgenommen. Fact-Checking vorher findet nicht statt – das ließe sich verschmerzen, wenn mehr Fehler im Nachhinein bekannt würden – über redaktionsinterne Kritik, Leserbriefe, Watchblogs etc. Aber ohne Rückmeldung zur Qualität der Fakten gibt es keinerlei Anreize, besser zu recherchieren. Ein Redaktionsmanagement, das eine Fehlerkultur etabliert, kann auf ein aufwändiges (institutionalisiertes) fact-checking verzichten. (Institutionalisiertes fact-checking reduziert die faktentreue der Autoren, wenn diese auf die institutionelle Fehlersuche und Kontrolle vertrauen.)

    3. Die Verleger haben keine Idee für ihre Zukunft, die sich von ihrer Vergangenheit unterscheidet. Die Verleger beschäftigen sich mit allem, aber nicht mit einem neuen Businessmodell für Ihre Zukunft: Bezahlmodelle, Streit um Nutzerdaten, Leistungsschutzrechte und die Beschimpfung von Google. Die (zum Teil) neue Ökonomie des Netzes kommt darin nicht vor. Welcher Verleger hat sich schon ernsthaft mit dem „long tail“ oder den Ideen von Jeff Jarvis auseinandergesetzt? Verleger sehen die Nischen nicht, in denen sie Geld verdienen können und vermutlich wundert sich kaum jemand, warum es sich für den Spiegel rechnet, sein ganzes Archiv kostenfrei online zu stellen und er schon seit Jahren nicht mehr versucht, Artikel einzeln zu verkaufen.

    Lokales oder auch Hyperlokales ist eine Nische, Qualitätsjournalismus eine andere – zumindest wenn man, wie die Verleger behaupten, Geld mit Inhalten verdienen möchte.

    4. Marketing wird mit Qualität verwechselt. So wie einst die schiere Geschwindigkeit ein Qualitätsmerkmal sein konnte, war es auch die Möglichkeit, einen eigenen Reporter vor Ort zu haben oder schicken zu können. Doch auch das ist zum Symbol verkommen. „Reporter vor Ort“ sorgen heute dafür, dass uns vertraute Gesichter vor stets neuen Kulissen mit dem richtigfarbenen Popschutz auf dem Mikrofon erzählen, was die Heimatredaktion an Agenturmeldungen durchgegeben hat. Eine Zuspitzung, aber keine unzutreffende. Der Korrespondent ist ein Teil des Marketings: vertraute Köpfe und Namen, das Senderlogo am Ort des Geschehens.

    Englische Zeitungen haben einst Reporter losgeschickt, um zu überprüfen, ob das was die Regierung vom Fortgang eines Krieges berichtet, stimmt. Davon sind wir weit entfernt – mit etwas Glück kann der Korrespondent etwas besser einschätzen und einordnen oder er hat wenigstens mit dem Zimmermädchen oder dem Taxifahrer gesprochen. Wie wichtig tatsächliche Nähe ist, zeigen Robert Gutjahrs Erfahrungen in Kairo – er kann auf dem Platz das Geschrei der Massen als Wut und Protest verstehen, auch ohne Arabisch zu können, denn er sieht die in die Höhe gereckten Schuhe. Dietmar Ossenberg vom ZDF hört auf dem Hoteldach dagegen nur das Geschrei und deutet es – falsch – als Freudenjubel. Akustisch vermutlich gar nicht zu unterscheiden.

    5. Die Grenze zwischen Unterhaltung und Journalismus verschwindet. Der sogenannte Sportjournalismus hat es vorgemacht: brave Fragen, der Reporter der sich gemein macht mit Spielern, Trainern, Vereinen und Sponsoren. Mitmachen statt Hinterfragen. Als Unterhaltungsmoderation noch akzeptabel (solange keine Faktenfehler gemacht werden), aber als Journalismus eine Katastrophe.

    Unterhaltende Formen dienen der Quote und es ist ja auch nicht unzulässig, journalistische Medien für Unterhaltung zu nutzen, aber man sollte das dann nicht mehr als Journalismus bezeichnen. Gerade im Radio sind die Grenzen aber fließend geworden: selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern weiß der Hörer kaum, was Journalismus, was Unterhaltung, was Sendermarketing ist und sein soll.

    6. Recherche zahlt sich selten aus. In dem so beschriebenen Umfeld darf man kaum erwarten, dass Recherche geschätzt wird. Es funktioniert ja auch so, schon lange. Mehraufwand wird nicht honoriert, selten überhaupt gewürdigt. Berufsethos ist etwas für Berufseinsteiger und Recherche können sich nur Spiegel und Stern wirklich leisten. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Redaktion des Spiegel ist voller guter Rechercheure, die nach ein paar guten, großen Geschichten in einer Regionalzeitung ein Angebot vom Spiegel bekamen.

    Wer sich für Recherche stark macht, wer selbst recherchieren will, muss aus diesen Problemen Forderungen ableiten:

    1. Entschleunigung ist Qualität.

    2. Fehler sind peinlich und müssen ernst genommen werden.

    3. Wenn es die Verleger nicht tun, müssen vielleicht Journalisten ein Businessmodell für Recherche-Journalismus (er)finden.

    4. Echte Augenzeugenschaft des Reporters am Ort des Geschehens ist wichtiger als die Dauerpräsenz der Korrespondenten auf den Bildschirmen.

    5. Journalismus und Unterhaltung dürfen nicht vermischt werden.

    6. Recherche braucht Unterstützung – Zeit, Geld und Zuspruch von Lesern wie von Vorgesetzten.

    Es gibt eine ökonomische Nische für Recherche-/Qualitätsjournalismus und Recherche ist zugleich einfacher geworden, effizienter umzusetzen. Dass zugleich aber weniger recherchiert wird, ist ein Paradoxon.
    Darum, wie das Handwerkszeug derer aussieht, die sich davon nicht irritieren lassen und selbst recherchieren, handelt der Rest des Kapitels: von Regeln, Strategien, dem Umgang mit Quellen und immer auch wieder den vermeintlichen Unterscheiden zwischen on- und offline-Recherche.

  • Journalismus & Recherche » Stern

    Eben gefunden im frisch erschienen Newsletter des Netzwerks Recherche: Das Magazin Neon, Ableger des Stern (für Leser unter 40 …), vergibt ein Recherchestipendium über 10.000 Euro.

    Bis zum 15. August 2008 können sich Journalisten unter 40 Jahren bei Neon um ein Recherche-Stipendium bewerben. Die fünf besten Exposés sollen mit je 10.000 Euro gefördert werden, die fertigen Geschichten erscheinen – soweit thematisch passend – exklusiv in Neon . Über die Vergabe entscheiden die, die auch sonst über den Inhalt des Blattes entscheiden: die Neon-Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert sowie die Neon-Herausgeber und Stern-Chefredakteure Thomas Osterkorn und Andreas Petzold.

    Mehr Infos zum Recherchestipendium bei Neon.

  • Journalismus & Recherche » In eigener Sache

    Friday, October 15th, 2010

    Journalisten machen Fehler, jeden Tag, bei jeder Zeitung. Um Skepsis, den Umgang mit Fehlern und das Belegen von Fehler zu üben, sollen Studenten meiner Recherche-Vorlesung Fehler suchen und in einem kurzen Blog-Eintrag dokumentieren (Blog vorerst nicht öffentlich.). Vermutlich lässt sich jeden Tag auf jeder Zeitungsseite ein mehr oder minder gravierender Fehler oder Mangel finden. Ja, in jeder Zeitung, auch in der Süddeutschen.

    Das habe ich am 6. Oktober gesagt und schon in der Süddeutschen Zeitung vom selben Tag stolperte ich über folgende Sätze:

    „In Deutschland beispielsweise umfasst der Gesamtwerbemarkt ein Volumen von etwa 27 Milliarden Euro.
    Davon werden laut einer Prognose des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft in diesem Jahr knapp 19 Prozent auf Werbung im Internet entfallen, aber knapp 39 Milliarden Euro auf TV-Werbung.“ (http://www.sueddeutsche.de/digital/internetfaehige-fernseher-google-herrschaft-im-wohnzimmer-1.1009095-2).

    Mindestens eine der beiden Zahlen in diesem Absatz muss falsch sein. Die Zahlen des als Quelle genannten Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft sind leider nicht online – vermutlich muss es aber heißen, dass 39 Prozent und nicht 39 Milliarden (von insgesamt 27 Milliarden) auf Fernsehwerbung entfallen.

    (Tippfehler korrigiert am 18.10., 11.25 Uhr)

    Thursday, October 7th, 2010

    #5: Wie kann ich rauskriegen, wem eine bestimmte Website gehört?
    Jede Domain weltweit muss auf eine natürliche oder eine juristische Person angemeldet/registriert sein. Diese Registrierungsdaten kann jeder einsehen – etwa um sich an den Inhaber zu wenden, wenn es juristische Einwände gegen die Inhalte der Site gibt. Für alle Seiten mit .de-Endung findet sich die Datenbank zum Abrufen der Registrierungsdaten bei der Denic. Für alle anderen Endungen (Top Level Domains) gibt es hier eine Übersicht der offiziellen Registraturen. Im Alltag praktischer sind sogenannte WHOIS-Dienste etwa who.is oder whois.net, die über eine Website erlauben, Domains verschiedener Top Level Domains abzufragen. Aber Achtung: Kein Dienst fragte alle TLDs ab, die Informationen dort können gelegentlich unvollständig oder inaktuell sein!

    #6: Stimmt es, dass Suchmaschinen wie google und Bing das Internet nicht in Echtzeit durchsuchen? Ja, das stimmt und ist auch naheliegend, wenn Sie einmal die Zeit vergleichen, in denen Google Ihnen Ergebnisse von bis zu 4 Milliarden Sites ausspuckt und die Zeit, die es dauert, eine einzelne Site aufzurufen. Trotz der rasant anwachsenden Geschwindigkeiten, Rechner- und Serverkapazitäten kann keine Suchmaschine der Welt in Sekunden oder Bruchteilen davon, nach den Wörtern zu suchen, die gerade eingegeben worden sind. Weil das nicht geht, macht Google es anders und durchsucht das Internet quasi permanent und speichert es auf den eigenen Rechnern an. Diesen abgespeicherten Dateien, Index genannt, suchen wir, wenn wir etwas in den Suchschlitz eingeben – und das geht dann deutlich schneller.

    Nachteil dieser Methode ist, dass wir eben nicht live im Netz suchen, sondern in Daten, die vor Stunden, Tagen, Wochen, manchmal sogar Monaten von Google gespeichert wurden. Das Netz ist selbst für Google so groß, dass nicht alle Seiten im Minutentakt überwacht und gespeichert werden können. Daher müssen die Ressourcen sinnvoll verteilt werden – Seiten, die beliebt sind und ständig neue hochwertige Inhalte liefern, werden sehr häufig und vollständig (also auch in den unteren Ebenen der Site-Map) durchsucht und gespeichert. Die Blogposts dieses Blogs hier werden im Moment täglich erfasst und schon bei den statischen Seiten dieses Blogs kann es auch einmal 2-3 Tage dauern, bis veränderte Inhalte mit einer Suchmaschine gefunden werden können.

    wird fortgesetzt!

    #7: Stimmt es, dass niemand weiß, wie Google funktioniert und der Algorithmus streng geheim ist?

    Monday, October 4th, 2010

    12 Jahre unterrichte ich jetzt schon Online-Recherche und es gibt ein paar Fragen, die immer noch und immer wieder auftauchen. Meist sind das Fragen, um die herum ich ein ganzes Seminar stricken soll – allerdings lassen sich die meisten leicht beantworten, weswegen ich die dafür passende Form wähle und heute mal meine frequently asked questions hier aufliste und beantworte.

    #1: Muss es immer Google sein?
    Nein, Sie können genau so gut auch eine der anderen beiden großen Suchmaschinen, also bing oder yahoo verwenden. Wichtig ist, dass die Suchmaschine einen eigenen Index verwendet und dass dieser möglichst groß ist. An vierter Stelle kommt auch noch ask in Frage.
    Wenn Sie mal ohne vorgefasste Meinung ausprobieren wollen, welche der großen drei Suchmaschinen Ihnen am besten gefällt, probieren Sie blindsearch aus. Dort werden Ihnen die Ergebnisse der drei großen Suchmaschinen nebeneinander dargestellt.

    #2:Darf ich als Journalist Wikipedia nutzen? Ja, dürfen Sie, es wäre sogar törricht, es nicht zu tun – denn die Wikipedia liefert bei den meisten Themen einen guten Einstieg und führt sehr schnell – über die angegebenen Quellen und Links – in die Tiefe. Nur eines dürfen Sie in der Wikipedia tatsächlich nicht: abschreiben, oder überhaupt etwas ungeprüft von dort übernehmen. Viele Angaben aus der Wikipedia lassen sich aber leicht gegenchecken – selbst wenn die Quellen nicht angegeben sind.

    (Falls Ihr Verlag das anders sieht und die Wikipedia gesperrt hat, fragen Sie Ihre Kollegen nach dem Trick mit dem Google cache. Gruß nach Bremen!)

    #3: Bringt es etwas, nacheinander mit google, bing und yahoo zu suchen?
    In der Regel so wenig wie es Ihre Ernährung verbessert, wenn Sie im nacheinander zu McDonalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken gehen. Die drei Konzerne, egal ob Suchmaschinen oder Fast Food, befriedigen mit weitgehend ähnlichen Methoden, das gleiche Bedürfnis.

    #4: Was kann ich tun, wenn ich meine Suchbegriffe nicht auf der angezeigten Seite finde? Schritt 1: Suchen Sie mit Strg-F nach dem Begriff innerhalb der Seite. Wenn das nicht hilft, Schritt 2: Gehen Sie zurück in die Ergebnisliste und klicken dort auf „im Cache“ (oder „zwischengespeicherte Seiten“ bei bing) Dort sollten Sie den Suchbegriff nun finden – mit Strg-F oder weil er schon farbig markiert ist.

    Schritt 3: Lesen Sie den Text ganz oben auf der Cache-Seite. Wenn Sie Ihren Suchbegriff bislang noch nicht gefunden haben, dann ist er wahrscheinlich in der Beschreibung eines Links, der auf die angezeigte Seite verweist, verwendet worden.

    Monday, July 5th, 2010

    Am kommenden Donnerstag trifft sich ein Dutzend Online-Recherche-Trainer an der Akademie für Publizistik in Hamburg, darunter auch die Macher dieses Blogs.
    Die Anmeldung für Recherchetrainer ist noch möglich – dazu einfach kurz einen eigenen kurzen Programmvorschlag und ein paar Infos zur Person an lindemann [at] autorenwerk.de mailen!

    10.30 Uhr Begrüßung und Vorstellungsrunde

    11.00 Uhr Manfred Redelfs: Vorstellung Lehrmodul Online-Recherche Henri-Nannenschule
    anschl. Diskussion: Probleme bei Seminaren/Didaktik der Online-Recherche

    12.00 Uhr Didaktik der Online-Recherche: Übungen für Online-Seminare

    Könnt Ihr bitte jeder eine Übung mitbringen und vorstellen?

    13.00 Uhr Mittagspause

    Ab hier folgendes Format: 10 minütige Präsentationen mit jeweils 10 Minuten Zeit für Fragen/Anmerkungen:

    14:00 Uhr Marco Maas: Calvinisten-Recherche (http://www.wortfeld.de/2007/04/die_calvinisten_1/) und semantische Suche am Beispiel gopubmed.com (zwei Blöcke) Sebastian Mondial: Open-Source-Gis: Daten aus D & EU in zehn Minuten visualisieren und für das Web vorbereiten.

    Max Ruppert: Recherche in Polen (AT)

    15.00 Uhr Rund um Google Marcus Lindemann: Search-Makros und google-Ads in der Recherche (1 Block)

    Claus Hesseling: Firefox: „Ein Schlüsselwort für die Suche hinzufügen“ und yahoo pipes (1 Block)

    Austausch: Was tut sich bei Google? Über Ungereimtheiten und Neues in der Google-Suche (Input & Moderation: Marcus Lindemann)
    (Stichwörter: einzelne Wörter in Anführungszeichen, * als NEAR-Operator, falsche (?) Trefferzahlen in der OR-Suche, google caffeine).

    16.00 Uhr Tools & Plugins Claus Hesseling: Wikitrust & Default User Agent: der Abendblatt-Hack (1-2 Blöcke)

    Boris Karthäuser: htttrack und ggf. 1 weiterer Block nach Wahl

    Austausch: Was sind die wichtigsten Tools & Plugins?

    17.00 Social Networks Gottlob Schober: Twitter bei der Wahl des Bundespräsidenten (Case-Study)

    Matthias Spielkamp: Twitter in der Recherche (Clients und Listen sinnvoll verwenden, wie funktioniert Rivva Social)

    Austausch: Recherche in Sozialen Netzen (Input & Moderation: N.N. Matthias?)
    (Bitte bringt doch, so vorhanden, eigene Beispiele mit.)

    Ende gegen 18 Uhr

    Tuesday, April 20th, 2010

    Lorenz Matzat hat vergangene Woche im Blog des Open Data Network den folgenden Versuch einer Definition vorgestellt. Wir veröffentlichen den Text mit freundlicher Genehmigung; er steht unter der Lizenz CC-by-sa/3.0/de. Matzat wird Gast eines Workshops beim Jahrestreffen des Netzwerks Recherche sein, dass am 9. und 10. Juli in Hamburg stattfindet. Den genauen Termin geben wir bekannt, soblad er feststeht.

    Das Internet ist nicht arm an Buzzwords – Schlagworten, die für einige Zeit Konjunktur haben und sich eben etablieren oder wieder verschwinden. Data Driven Journalism (DDJ) geistert vermehrt seit vergangenem Jahr durch das Web. Im März 2009 startet die englische Tageszeitung The Guardian auf ihrer Website das Datablog; es ist eingebettet in einen Datastore und dürfte bislang als Referenz für DDJ gelten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Thema „Datenjournalismus“ in Deutschland durch die Zeitschrift „M – Menschen Machen Medien“ im März 2010 näher gebracht. Im Periodikum des Fachbereichs Medien der Gewerkschaft ver.di mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren ging es um die „Spannende Recherche im Netz“.

    (more…)

    Monday, June 29th, 2009

    Fleiß ist ein entscheidender Faktor für viele investigative Projekte. Manchmal führt erst der Fleiß zum Erfolg, in anderen Fällen ist gleich klar, dass die Recherche vor allem eine Fleißaufgabe ist. Nachteil: Das hätte ja jeder machen können. Ja, hätte – dennoch macht’s kaum einer.

    Daher hier heute mal ein Programmhinweis auf die WISO-Doku heute Abend (29.6.) um 19.25 Uhr statt der normalen WISO-Sendung im ZDF. (Disclaimer: Ich bin am Rande beteiligt.)

    In 5 Städten wurden jeweils 5 Banken getestet. 1 von 25 Banken hat gut beraten – ein Armutszeugnis nach der Finanzkrise. Ausführliche Pressemitteilung des ZDF hier.

    Und weil das so schön geht, hier gleich der Trailer:

    Monday, May 25th, 2009

    In der taz-internen Ausbildungseinrichtung für Praktikanten und Volontäre mache ich einen Workshop über die Auskunftsrechte, die Journalisten bei der Recherche nutzen können. Den Reader gibt es jetzt bei der taz zum Download. Zwei Aspekte daraus werden auch Anfang Juni auf dem Jahrestreffen des Netzwerk Recherche Thema sein: In dem Workshop „Computer Assisted Reporting in Deutschland“ geht es gut zehn Minuten lang darum, wie man aus einer Excel-Datei mit den Rohdaten für den Berliner Waldzustandsbericht einen Artikel machen kann. Der Workshop beginnt am Freitag um 12:15 Uhr im Raum R3 und wird moderiert von Christina Elmer (dpa Regiodata). Um 14:45 Uhr startet schließlich in dem gleichen Raum mein Workshop über Europaweite Ausschreibungen als Recherchequelle.

    Wednesday, May 20th, 2009

    Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie beim Lesen stutzen und sich fragen, ob der Autor irrt oder Sie selbst daneben liegen?

    Journalisten, die beim sich beim Schreiben nicht wundern, ob das, was sie da gerade schreiben, stimmt, leiden an einer Immunkrankheit, die schnell ihrem Ansehen schaden kann.

    Umso ärgerlicher, wenn die Fakten binnen weniger Minuten zu recherchieren sind.

    Zwei Beispiele aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (an der mich ansonsten ärgert, dass man bei zahlreichen Überschriften keinerlei Hinweis darauf bekommt, um was es geht).

    1.) In dem Artikel „Der Berliner Butter Index“ (leider nur Intro, Rest ist paid content) schreibt der Autor, das Unternehmen habe auch im Ostteil der Stadt eine Filiale, nämlich am Potsdamer Platz.

    Das ist schlicht unwahr, wie sich mit drei Quellen schnell zeigen lässt:
    a) Die Filliale von Butter Lindner liegt laut Homepage des Unternehmens in der Alten Potsdamer Str. 7 b) Die Adresse lässt sich schnell lokalisieren, etwa mit Google Maps.

    c) Wer unsicher über den Mauerverlauf ist, kann zum Potsdamer Platz fahren und nachsehen, oder aber online hier gucken.

    2.) In einem Artikel über den Rechtsstreit über die Erlöse des Berliner Zoos durch Eisbär Knut heißt es:

    „17 Wort- und Bildmarken in verschiedenen Kombinationen und Variationen sind in der Klageschrift aufgeführt“, sagt Gerichtssprecherin Katrin-Elena Schönberg, darunter „Knut der Eisbär“, „Eisbär Baby Knut“, „Knut der Bär“, „KNUT“ und „Respect Habitats. Knut“. Sie alle hat sich der Zoo Berlin schützen lassen. Ob es noch mehr sind, sagt dessen Sprecherin Bienek nicht.

    Wenn der Zoosprecher es nicht sagt, könnte man es ja recherchieren. Auch das geht in Minutenschnelle – beim Deutschen Patent- und Markenamt. Dort finden sich interessanterweise 15 Marken, die der Zoo rund um Knut angemeldet hat – die fehlenden zwei wären eine interessante Frage für eine weiterführende Recherche. Darüber hinaus lässt sich schnell recherchieren, wer noch alles Marken mit Bezug auf den Eisbär Knut angemeldet hat, u.a. die Steiff GmbH sowie mehrere Einzelpersonen. Bei einigen Marken läuft ein Widerspruchsverfahren. Auch das könnte zu weiterführenden Recherchen führen. Könnte.

    Monday, May 4th, 2009

    Kostenpflichtige Datenbanken haben ihre Berechtigung, ich gebe selbst auch jeden Monat Geld dafür aus … ABER: Oft braucht man die Infos, für die man bezahlen soll, gar nicht, sondern hat schon mit der Trefferliste und/oder der Trefferumgebung genug. Ein paar Beispiele hatte ich schon vor Jahren hier veröffentlicht.

    Nachtragen möchte ich heute, dass sich mit dieser Methode auch kostenlos Geburtsdaten von Prominenten rechercheiren lassen, die nämlich gehören zur Trefferumgebung der Personensuche bei gbi.de – dahinter steht u.a. der Munzinger. (Auf dessen Website es keine Trefferumgebung gibt.)

    Zur Erinnerung: Das Geburtsdatum ist die Information, die man benötigt, um das Alter einer Person anzugeben – mit einer nicht tagesaktuellen Angabe des Alters muss man ansonsten eine Abweichung um ein Jahr in Kauf nehmen.

    Das Thema hat sicherlich noch zahlreiche Variationen – her mit den Beispielen!

    Wednesday, April 29th, 2009

    In Berlin erhalten alle Schulen gerade nach und nach Besuch von der Schulinspektion. Das sind drei bis vier Personen: Ein Schulrat oder Seminarleiter, zwei Schulleiter oder Lehrer und ein Elternteil oder Wirtschaftsvertreter. Die begutachten die Schule dann mehrere Tage lang: Sie verteilen Fragebögen an Lehrer, Schüler und Eltern, führen Interviews mit Eltern, Lehrern und der Schulleitung und setzen sich in den Unterricht. Heraus kommt ein rund 30 Seiten langer Bericht. Die Schulen können, wenn sie wollen, diesen Bericht veröffentlichen – hier als ein Beispiel die Fichtenberg-Oberschule. Der Bericht beschreibt die Situation der Schule, ihre Stärken und Schwächen, und gibt Empfehlungen. Er enthält (außer den Namen der Prüfer) keine personenbezogenen Daten.

    Unter Berufung auf das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (PDF) beantragte ich im vergangenen Jahr bei der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Einblick in alle bisher erstellten Schulinspektionsberichte. Die Senatsverwaltung lehnte den Antrag ab. Sie berief sich dabei auf die im Informationsfreiheitsgesetz Ausnahmen der Informationsfreiheit. Erstens sei der laufende Prozesses der Willensbildung innerhalb der Senatsverwaltung betroffen, weil die Schulinspektionsberichte die Grundlage für zukünftige Entscheidungen über Veränderungen des Schulsystems seien. Außerdem seien personenbezogene Daten von Lehrern zu schützen. (more…)

  • Journalismus & Recherche » Recherchestipendium

    Eben gefunden im frisch erschienen Newsletter des Netzwerks Recherche: Das Magazin Neon, Ableger des Stern (für Leser unter 40 …), vergibt ein Recherchestipendium über 10.000 Euro.

    Bis zum 15. August 2008 können sich Journalisten unter 40 Jahren bei Neon um ein Recherche-Stipendium bewerben. Die fünf besten Exposés sollen mit je 10.000 Euro gefördert werden, die fertigen Geschichten erscheinen – soweit thematisch passend – exklusiv in Neon . Über die Vergabe entscheiden die, die auch sonst über den Inhalt des Blattes entscheiden: die Neon-Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert sowie die Neon-Herausgeber und Stern-Chefredakteure Thomas Osterkorn und Andreas Petzold.

    Mehr Infos zum Recherchestipendium bei Neon.

  • Journalismus & Recherche » Top-Level-Domain

    Sunday, May 21st, 2006

    Henk demonstriert einige Methoden, mit deren Hilfe man einschätzen kann, wie zuverlässig die Informationen auf einer Website sind. Schönes Beispiel: Welchen biografischen Informationen über Martin Luther King kann man trauen? Er zeigt erstmal nur die Web-Adressen (URLs) der Seiten:

    • martinlutherking.org
    • martinlutherking.tk
    • 213.198.79.178/members9/~melski/martinlutherking.htm
    • www.psd267.wednet.edu/~kfranz/SocialStudies/MLKJr/martinlutherking.htm

    Die 213.198.79.178/etc.-Adresse ist unvollständig; wird nachgereicht, sobald Henk seine Präsentation schickt.

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  • Journalismus & Recherche » Stipendium

    Eben gefunden im frisch erschienen Newsletter des Netzwerks Recherche: Das Magazin Neon, Ableger des Stern (für Leser unter 40 …), vergibt ein Recherchestipendium über 10.000 Euro.

    Bis zum 15. August 2008 können sich Journalisten unter 40 Jahren bei Neon um ein Recherche-Stipendium bewerben. Die fünf besten Exposés sollen mit je 10.000 Euro gefördert werden, die fertigen Geschichten erscheinen – soweit thematisch passend – exklusiv in Neon . Über die Vergabe entscheiden die, die auch sonst über den Inhalt des Blattes entscheiden: die Neon-Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert sowie die Neon-Herausgeber und Stern-Chefredakteure Thomas Osterkorn und Andreas Petzold.

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