Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » search inside

    Thursday, February 12th, 2009

    Delve Networks, ein Hersteller von Video-Playern und verwandten Technologien fürs Internet, hat ein Beispiel dafür vorgestellt, wie man Videos durchsuchen kann (Obamas Anrittsrede). Man gibt den Suchbegriff in das Feld in der Mitte unter dem Bild ein und bekommt in einem „Wärmebild“ angezeigt, wo der Begriff im Video auftaucht. Sehr interessant.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Security-Artikelserie und Crypto-Party der Zeit online

    Do., 28.02.2013, Berlin, Redaktion Zeit online.

    Patrick Beuth, Redakteur im Ressort Digital bei Zeit online, hat in einer kurzen Serie die wichtigsten Werkzeuge für Anonymisierung und Verschlüsselung vorgestellt. Die Beiträge seiner Serie Mein digitaler Schutzschild sind sehr lesbar und anwendungspraktisch verfasst.

    Vorgestellt werden:

    Beuth betont: „Alle von mir getesteten Werkzeuge sind legal. Und sie sind, auch wenn sie etwas kompliziert erscheinen und ihnen teilweise der Ruf anhaftet, vor allem von Kriminellen genutzt zu werden, für den alltäglichen Gebrauch konzipiert. Ich betrachte ihren Einsatz als digitalen Schutzschild, mitunter als digitale Notwehr.“ Er verschweigt nicht, dass es weitere Möglichkeiten der digitalen Selbstverteidigung gibt, aber die Beiträge (mit hilfreichen Links) ist für Leser eine verständliche und nützliche Einführung in das Thema.

    Nach dem Vorbild der so genannten CryptoPartys veranstaltet ZEIT ONLINE am 28. Februar 2013 ab 18 Uhr einen Workshop im Veranstaltungsraum in der Redaktion in Berlin. Redakteur Patrick Beuth und die Organisatoren der Berliner CryptoPartys laden die Leserinnen und Leser von ZEIT ONLINE ein, ihre Notebooks mitzubringen und die in der Serie vorgestellten Programme einzurichten und zu testen.

    Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich:
    http://de.amiando.com/crypto_zeitonline1.html
    Bei der Registrierung werden Name und E-Mail-Adresse abgefragt – wer anonym bleiben möchte, kann einen Fantasienamen angeben. Die E-Mail-Adresse, die Sie angeben, dient nur dazu, um Sie über eventuelle kurzfristige Planänderungen informieren zu können. Im Sinne der CryptoPartys können Sie auch eine anonyme E-Mail-Adresse verwenden. Der einfachste Weg, um die Adresse von der eigenen Identität zu entkoppeln, ist, sie in einem Internetcafe zu registrieren und auch nur dort zu nutzen. Bequemere Wege der Anonymität werden auf der Party selbst vorgestellt.

    Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Einnahmen aus dem Getränkeverkauf gehen an das Tor-Projekt.

    Tags: Cryptoparty, Kommunikationssicherheit, Security, Sicherheit

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Vergesst Passwörter. Nehmt Pass-Sätze!

    SCNR: Da es hier gerade Mode ist, Bilder zu bloggen, will ich auch eins beitragen.

    Vergesst Passwörter. Nehmt Pass-Sätze!

    Angesichts stetig steigender Rechenleistung sind die drei wichtigsten Sachen an einem Passwort: erstens die Länge, zweitens die Länge und drittens die Länge. Ach ja, und man sollte sich auch noch ab und an daran erinnern können. Denn mittels „brute force“, dem simplen lass-das-den-Computer-raten kriegt man jedes Password geknackt. Die Frage ist halt nur, wie lang das dauert.

    Warum es besser ist, Pass Phrases, also „Pass-Sätze“ zu verwenden, als Passwörter, illustriert ein kleiner Comicstrip bei xkcd.xom:
    Quelle:

    https://xkcd.com/936/

    Tags: Password, Passwort, Sicherheit

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Glossar englischer Wirtschafts- und Finanzausdrücke

    Was ein „bull market“ ist, gehört fast schon zum Allgemeinwissen. Was aber ist eine „J-curve“, was ist „kiretsu“ was eine „Pac-Man strategy“? Dererlei Ausdrücke aus der Wirtschaft und dem Finanzwesen erklärt das „Glossary of Financial and Business Terms“. Es enthält mehr als 2.500 Einträge.

    Zusammengestellt wurde das Glossar von Campbell R. Harvey (J. Paul Sticht Professor of International Business, Fuqua School of Business, Duke University) für The New York Times.

    Glossary of Financial and Business Terms:
    www.nytimes.com/library/financial/glossary/bfglosa.htm

    [AUde]

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Vodcast zu Open Data

    Die Elektrischen Reporter basteln an einem neuen Video-Format namens ePolitik. Der erste veröffentlichte Testbeitrag kümmert sich um das Thema Open Data: Was ist das, warum gibt es diese Idee, was bewirkt sie bereits, was kann sie noch bewirken, wie ist die Situation in Deutschland – all diese Fragen werden angesprochen. Und natürlich die Frage, wie die rechtliche Situation derzeit aussieht (spoiler alarm: sehr kompliziert! ;-))

    Die Macher über die Idee hinter ePolitik:

    Internet und Politik stehen in einer wechselseitigen Beziehung zueinander: Einerseits hat sich das Web zu einem politischen Raum entwickelt, zum neuen Ort für politische Debatten, Kommunikation und Protest. Andererseits ist das Netz an vielen Stellen selbst Gegenstand von Politik und Gesetzgebung geworden, wie beispielsweise die heftige Debatte um Netzsperren zeigt. Verändert also die Politik das Netz oder ist es umgekehrt? Entwickelt sich beides aufeinander zu? Mit diesen und anderen Fragen aus der Schnittmenge von Internet und Politik beschäftigt sich ePolitik.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Gefährlicher Softwaretipp

    Auf handelsblatt.com gibt es die Kolumne Schiebs Softwaretipp. Der jüngste der derzeit fünf Beiträge behandelt das Vermeiden Spuren beim Surfen, also die Anonymsierung: Im Netz surfen – und anonym bleiben heißt der Text vom 08.01.2009. Diesen Text halte ich für unverantwortlich, weil grob irreführend.

    Vorweg: Was Jörg Schieb schreibt, ist nicht falsch. Es ist aber so verkürzt, dass meines Erachtens beim Leser ein falscher Eindruck von Sicherheit entsteht. Das ist gefährlich, weil trügerisch.

    Der Text beginnt mit dem Vorspann
    Wer bei seinen Onlinetouren keine Spuren hinterlassen möchte, dem bieten die neuesten Browser eine virtuelle Tarnkappe. Gerüstet mit entsprechenden Pugins, kann niemand mehr nachvollziehen, welche Seiten der User besucht hat.

    Danach werden die Browser Chrome, Internet Explorer und Firefox vorgestellt, außerdem für letzteren das Addon Stealther.

    Tatsächlich behandelt der Text nur die so genannte „Anfangs-Anonymisierung“, d.h. das Vermeiden von Spuren auf dem Rechner, von dem aus gesurft wird – was ja nicht unbedingt der eigene Rechner sein muss. Andere Nutzer sollen nicht mitkriegen, wohin man gesurft hat. Bezeichnenderweise heisst diese Form der Anonymisierung im Szenejargon auch Pornomodus. Schieb umschreibt das etwas dezenter: Dieser Privatmodus war zum Beispiel ideal für die Vor-Weihnachtszeit, denn so konnte niemand herausfinden, auf welchen Webseiten ich möglicherweise etwas eingekauft hatte.

    Falsch an diesem Satz ist bereits, dass der Administrator eines Rechners (etwa in einem Firmennetz) durchaus noch nachvollziehen kann, wohin gesurft wurde – dazu reicht ein voreingestellter Proxy. Auch die Gefahren von Malware, z.B. eines Keystroke-Loggers, bleiben unerwähnt. Stillschweigend geht Schieb davon aus, dass seine Leser ihre Computer selbst administrieren und dabei auf maximale Sicherheit achten. Oder aber, dass seine Leser und diejenigen, die ihnen vielleicht über die Schulter gucken wollen, auf ähnlich geringem Kenntnisstand sind.

    Umfassend abgehandelt wird die Anfangs-Anonymisierung nicht: So lange man sich in Internet-Cafes nicht registrieren muss, kann man dort gut unbeobachtet surfen. Eben, so lange entstehende Spuren nicht personalisiert werden können.

    Und auch das Privacy-Dongle des FoeBuD kann man dafür empfehlen. Dieser USB-Stick bietet zudem die Möglichkeit, heruntergeladene Dateien gar nicht erst auf der Festplatte des genutzten lokalen Rechners zu speichern, sondern gleich auf dem Stick.

    Merkwürdig auch, dass ausgerechnet die Firefox-Erweiterung Stealther empfohlen wird. Die ersten drei der derzeit 102 Reviews beginnen eindeutig: Doesn’t work at all. ; Well the idea is perfect, but the solution is not … ; Very disappointed about this release of Stealther because

    Gefährlich verkürzend ist ebenfalls, dass das Problem der End-Anonymisierung unerwähnt bleibt. Die Spuren also, die beim Betreiber angesurfter Seiten (und bei Servern eingeblendeter Werbung) oder gar beim Hersteller des Browsers gesammelt werden. Wie viele Daten das sind, kann man sich etwa bei leader.ru anschauen (die Seite taugt auch, um Anonymisierungen zu testen).

    Datenspuren vermeiden ist nicht trivial. Für eine Kolumne von weniger als 3.000 Zeichen ist das Thema schlicht ungeeignet.

    Tags: Anfangs-Anonymisierung, Anonymität

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Handout Quellenprüfung online

    Das Handout zu meinem Referat auf dem Jahrestreffen 2010 des netzwerk rechercher (Hamburg, Fr., 09.07.2010)
    Die Ente bleibt draußen – Quellenprüfung im Internet“ mit Linkliste am Ende der Datei steht auf meinem Server www.ude.de zum Download (PDF-Datei, 28 S., 49 KB)

    Ein Artikel von mir zu dem Thema ist in der nr-Werkstatt 9: Quellenmanagement – Quellen finden und öffnen nachgedruckt („Wahrheitsfindung“, S. 87 ff.)

    Tags: Jahreskonferenz, Netzwerk Recherche, Quellenprüfung

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Europaweite Ausschreibungen als Recherchemittel

    Behörden und andere öffentliche Auftraggeber müssen größere Aufträge öffentlich und europaweit ausschreiben – und auch Journalisten können diese Ausschreibungen nutzen, um auf neue Themenideen zu kommen oder etwas von Vorgängen zu erfahren, zu denen die Behörden nicht von sich aus eine Pressemitteilung herausgeben. In diesem Eintrag erläutere ich an ein paar Beispielen, wie wir in der Berlin-Redaktion der taz die Ausschreibungen als Recherchemittel nutzen. Anschließend stelle ich das Portal vor, auf dem die Ausschreibungen veröffentlicht werden, und erläutere die Nutzung.

    Drei Beispiele

    Die Beispiele zeigen, in welchem breitem Spektrum sich die Informationen aus Ausschreibungen journalistisch verwerten lassen: Etwa für eine Kurzmeldung, als Hintergrundinformation oder für einen kleinen Scoop.

    Am 30. August schrieben die Berliner Verkehrsbetriebe „selbstklebende Folien aus Kunststoff“ aus. Die grün getönten Folien sollen auf Fenster der Fahrzeuge geklebt werden, um dort die Folgen von mutwilligen Beschädigungen durch Fahrgäste („Scratching“) zu verringern. Aus der Ausschreibung (PDF) machten wir eine Kurzmeldung.

    Am 13. September veröffentlichte Vattenfall das Ergebnis der Ausschreibung (PDF) für die Organisation der „Vattenfall Klimaaktionstage“ (Vattenfall ist zwar eine Aktiengesellschaft, gehört allerdings dem schwedischen Staat und muss daher ebenfalls öffentlich ausschreiben). Bei den Klimaaktionstagen geht eine von Vattenfall beauftragte PR-Agentur an Schulen und erklärt den Schülern der Klassen 7 bis 10, wie man im Haushalt Strom sparen kann und was Vattenfall unternimmt, um den Strom möglichst klimaschonend zu produzieren. Vattenfall selbst sagt, dass sie das aus gesellschaftlicher Verantwortung machen und um die Schüler über den Klimawandel zu informieren. Aus der Ausschreibung ergibt sich, dass Vattenfall die Klimaaktionstage allerdings nicht flächendeckend in dem Gebiet veranstaltet, in dem Vattenfall Netzbetreiber ist (Ostdeutschland außer Brandenburg plus Hamburg). Stattdessen gibt es die Klimafortbildung für Schüler nur an zwei Orten innerhalb dieser Zone (Hamburg, Berlin) und an einem Ort außerhalb dieser Zone (Lausitz). In Hamburg ist Vattenfall gerade wegen des Neubaus eines Kohlekraftwerkes in der Kritik, in Berlin wegen Plänen zu einem solchen Kraftwerk und in der Lausitz wehren sich Anwohner dagegen, dass ihre Dörfer einem Tagebau weichen sollen. Die Klimaaktionstage finden also genau dort statt, wo Vattenfall gerade besonders in der öffentlichen Kritik steht. Das zeigt, dass es bei den Klimaaktionstagen weniger um den Klimaschutz geht (denn es gibt ja keinen sachlichen Grund dafür, dass nicht auch die Schüler in Rostock, Dresden und München lernen, wie sie das Klima retten können), sondern doch wohl eher die Image-Verbesserung im Vorderund steht. Nun gut, das haben viele vielleicht schon vorher geahnt, aber an diesem Beispiel kann man es einmal anschaulich zeigen. Diese Hintergrundinfo floss jedenfalls in meinen nächsten Artikel über Vattenfall ein.

    Am 1. April veröffentlichte die Berliner Polizei eine Ausschreibung (PDF) über 1.000 Funkgeräte. Es geht dabei darum, die Analogfunktechnik durch einen verschlüsselten Digitalfunk zu ersetzen, der nicht so störanfällig ist und nicht von Ganoven abgehört werden kann. Es geht also darum, die Sicherheit für die Bürger zu verbessern und Berlin wollte mit diesem Pilotprojekt in einer Polizeidirektion bundesweit zu den Vorreitern gehören. Dieser Sicherheitsgewinn wird aber weiter auf sich warten lassen – und Schuld daran sind Fehler der Polizei bei der Ausschreibung der Funkgeräte. Am 3. Dezember hat die Polizei die Ausschreibung daher zurückgezogen und über diese Benachrichtigung über ein nichtabgeschlossenes Verfahren (PDF) kam ich auf das Thema, über das dann ein Kollege schrieb. Die oppositionelle FDP brachte das Thema daraufhin im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses zur Sprache, auch andere Zeitungen berichteten.

    Der Wert von Ausschreibungen für Journalisten

    Der große Vorteil der Ausschreibungen ist, dass gesetzlich festgelegt ist, wann eine Behörde eine Ausschreibung veröffentlichen muss und welche Form sie haben muss. Ausschreibungen sind daher eine gute Ergänzung zu Pressemitteilungen, weil man darin auch über Vorgänge erfährt, über die eine Behörde nie von selbst eine Pressemitteilung herausgeben würde (obwohl die Panne der Polizei bei der Ausschreibung der Digitalfunkgeräte von öffentlichem Interesse ist, hat die Polizei selbst dazu keine Pressemitteilung herausgegeben). Bei einer Reihe von Ausschreibungen wird auch nach dem Abschluss des Verfahrens veröffentlicht, wer den Auftrag bekommen hat und für wie viel Geld der Auftrag vergeben wurde.

    Die Ausschreibungen helfen auch dabei, Informationsfreiheitsgesetze als Recherchemittel besser anzuwenden. Die Informationsfreiheitsgesetze des Bundes und einiger Bundesländer ermöglichen ja auf Antrag einen Zugang zu Behördenakten und damit auch zu Studien und Gutachten, die eine Behörde in Auftrag gibt und bei denen es oft um Fragen von hohem öffentlichen Interesse geht. Das Problem ist allerdings, dass die Behörden in der Regel nicht von sich aus veröffentlichen, zu welchen Themen sie Gutachten und Studien in Auftrag geben. Über die Ausschreibungen kann man nun genau das erfahren und anschließend einen Antrag auf Akteneinsicht nach Informationsfreiheitsgesetz stellen.

    Tenders Electronic Daily: So können Journalisten Ausschreibungen finden

    Großes Lob an die EU: Die Ausschreibungen werden in einer Form veröffentlicht, die das systematische Durchsuchen besonders leicht macht und keine Wünsche offen lässt. Das Portal für die europaweiten Ausschreibungen ist http://ted.europa.eu/. Dort kann man sich mit einem Benutzernamen und einer Mailadresse kostenlos registrieren. Nachdem das Benutzerkonto mit einer Mail freigeschaltet wurde, kann man sich einloggen. Zur Suche nehme ich immer die „Erweiterte Suche“. Und so sieht das Suchfeld aus (auf das Bild klicken, um es zu vergrößern):

    Wichtig ist die Einstellung des Suchbereichs. Eine Suche unter „Letzte Ausgabe“ umfasst lediglich die Ausschreibungen eines Tages, es empfiehlt sich daher die Suche im Archiv. Die Rubriken, die ich für die Suche meistens nutze, sind Ort (z.B. Berlin), Name des Auftraggebers (z.B. Vattenfall) oder Volltext (z.B. Gutachten). Auf der folgenden Seite werden die Ergebnisse angezeigt und man kann auch eine Suche speichern:

    Um die Suche zu speichern, kann man im nächsten Schritt ein Namen für das Suchprofil eingeben. In der Liste der Suchprofile kann man dann einstellen, wie man über neue Ergebnisse informiert werden möchte:

    „News Alert“ bedeutet dabei, dass man per E-Mail benachrichtigt wird, sobald ein neuer Treffer vorliegt. Zudem kann man einstellen, wie schnell man dann benachrichtigt wird – täglich, wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich. Man kann seine individuellen Suchergebnisse auch per RSS abonnieren.

    Ich selbst habe mir ein Suchprofil eingestellt, das relativ breit definiert ist: Ich bekomme alle Aufträge, die Berlin betreffen. Das umfasst die Aufträge von Bezirken, Landes- und Bundesbehörden und es sind meist so zehn bis zwanzig Ausschreibungen pro Tag. Ich scanne jeweils nur ganz kurz über Auftraggeber und Kurzbeschreibung und entscheide dann, ob ich weiterlese. Meistens lese ich nicht weiter und ich bin dann nach nicht einmal einer Minute mit allen Ausschreibungen durch. Die meisten Ausschreibungen sind für den journalistischen Gebrauch irrelevant, es geht da etwa um die Renovierung von Turnhallen, um den Einkauf von Druckern für ein Bezirksamt oder den Kauf von irgendwelchen technischen Geräten für wissenschaftliche Forschungseinrichtungen. Manche Bauprojekte werden auch in zig Teilaufträge aufgesplittet, die dann über Wochen einzeln veröffentlicht werden – so etwa beim Bau des NS-Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“ oder beim Wiederaufbau des Ostflügels des Museums für Naturkunde. Andere Ausschreibungen betreffen Sachverhalte, die bereits öffentlich bekannt sind – zum Beispiel bei der neuen Ausschreibung für den Umbau der Staatsoper Unter den Linden gab es erst die Pressekonferenz zu dem Thema und dann ein paar Tage später wurde die Ausschreibung über die Webseite veröffentlicht.

    Man darf als Journalist, der dieses Instrument nutzen will, also keine Scheu davor haben, sich durch eine große Menge von ziemlich trocken geschriebenen Ausschreibungstexten zu arbeiten und dabei auch ziemlich viel umsonst zu lesen. Dafür winken dann auch einige Perlen – also Vorgänge von öffentlichem Interesse, auf die man anders nicht aufmerksam geworden wäre und auf die einen die Behörde auch selbst nicht hingewiesen hätte. Und davon gibt es mehr als genug: Vielen Sachen konnte ich nicht nachgehen, weil einfach in der tagesaktuellen Produktion die Zeit dafür fehlt. Dann konzentriere ich mich auf das, was mich interessiert – und andere Themen, die vieleicht genauso relevant wären, fallen hinten runter. Andere Journalisten würden wohl anderen Themen nachgehen oder an die gleichen Themen anders herangehen. Zum Beispiel die Fensterschutzfolie bei den Verkehrsbetrieben. Das Thema, das in der taz als Kurzmeldung lief, hat die Berliner Zeitung erweitert und da einen Lokalaufmacher draus gemacht. Ich bin davon überzeugt: Die Ausschreibungen bieten so viel Stoff – es kann gar nicht genug Journalisten geben, die da ein Auge drauf haben.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » 2. Band des „Handbuch Internet-Suchmaschinen“

    Das von Dirk Lewandowski herausgegebene „Handbuch Internet-Suchmaschinen“ bekommt einen zweiten Band: Neue Entwicklungen in der Web-Suche.

    Der Band soll laut Verlagsanzeige: In 12 Kapiteln geben namhafte Wissenschaftler und Praktiker aus dem deutschsprachigen Raum den Überblick über den State of the Art, zeigen Trends auf und geben Handlungsempfehlungen für alle, die sich als Forscher, Entwickler oder Nutzer von Suchmaschinen mit dem Thema Suche beschäftigen.

    Der Band wird ca. 350 Seiten umfassen. Bei Bestellungen bis zum 15. Mai 2011 gilt der Subskriptionspreis 48,00 Euro, danach kostet das Buch 60,00 Euro.

    Den 2009 erschienenen ersten Band gibt es übrigens kapitelweise frei im Netz. Dazu hatte ich in diesem Blog ja schon ein verlinktes Inhaltsverzeichnis gepostet.

    Ferner gibt es das Buch „Web-2.0-Dienste als Ergänzung zu algorithmischen Suchmaschinen“, herausgegeben von Dirk Lewandowski und Christian Maaß, erschienen im August 2008 im Logos-Verlag Berlin. Man kann es ebenfalls kapitelweise als PDF aus dem Netz ziehen.

    Tags: Buch, Handbuch, Handbuch Internet Suchmaschinen, Suchmaschinen

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Ist Mord noch strafbar?

    … fragt der Focus nicht. Wohl aber stellt er die Frage „Telefonstreich: Müntefering-Scherz strafbar?“. In der Tat ist es schwer, in juristischen Fragen Aussagen im Indikativ zu machen. Was machen deutsche Journalisten deshalb: Richtig, sie fragen einen Experten. Und sicherheitshalber wird noch ein Fragezeichen drangehängt. Dann ist der Schreiber auf der richtigen Seite, der Leser aber weiß nicht, ob das Gesetz nun wirklich Mitschnitte verbietet, ob dies eine Mutmaßung des Focus ist oder aber nur die Einzelmeinung eines nicht näher spezifizierten Juristen. Dienst am Leser sieht anders aus.

    Dass Mitschnitte strafbar sind, ist indes unstrittig und unmissverständlich: Im §201 des Strafgesetzbuches heißt es:

    „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt 1. das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder

    2. eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.“

    Der Mitschnitt ist strafbar. Fullstop. Kein Fragezeichen.