Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Hilfe erbeten: Ein Suchmaschinen-Problem

    Wie viel finden Suchmaschinen?

    Dass keine Suchmaschine „das ganze“ Internet kennt, ist trivial. Man sucht immer in einem Index, der nur einen Teil des (für SEs auffindbaren) Netzes abbildet. Aber wie viel finden Suchmaschinen?

    Wikipedia ist eine ziemlich gute Site, was Suchmaschinenoptimierung angeht (s. z.B. Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google, September 30, 2007, vor allem „Section 1: Data Knowledge in the Google Galaxy- and Empirical Evidence of the Google-Wikipedia Connection“) Ich habe einfach mal verglichen, wie viel „kohle“ Google in der deutschen Wikipedia findet:

    http://www.google.de/search?sclient=psy&hl=de&site=&source=hp&q=kohle+site%3Ade.wikipedia.org&btnG=Suche

    Ungefähr 7.870 Ergebnisse

    Und wieviel kennt Wikipedia selbst?
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial%3ASuche&redirs=0&search=kohle&fulltext=Search&ns0=1 Ergebnisse 1-20 von 15.340 für kohle

    Also deutlich mehr.

    Ich wollte schon „Triumpf“ schreien, habe aber vorher noch Yahoo und Bing geprüft, die den Site-Operator auch haben:
    Yahoo: 41.900 Ergebnisse für kohle site:de.wikipedia.org
    Bing: 1-10 von 16.100 Ergebnisse für kohle site:de.wikipedia.org

    Und da bin ich jetzt ein bischen blank, wie ich das einschätzen soll.
    Für hilfreiche Erläuterungen bin ich sehr dankbar.

    Tags: Bing, Google, Site-Operator, Suchmaschine, Wikipedia, Yahoo

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Starke Anonymität und Unbeobachtbarkeit im Internet

    Abschlussveranstaltung des BMWi-Projektes „Starke Anonymität und Unbeobachtbarkeit im Internet“.
    Fr., 24.11.06, 10.00-16.30 h, BMWi, Scharnhorststr. 34-37, 10115 Berlin.

    Das Projekt „AN.ON – Anonymität Online“ entwickelt und betreibt den vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Internet-Anonymisierungsdienst AN.ON/JAP. Die Software JAP wurde inzwischen einige Millionen Mal aus dem Internet heruntergeladen und von zahlreichen Nutzern regelmäßig für den anonymen Zugriff auf Internetseiten eingesetzt. Die finanzielle Projektförderung durch das BMWi läuft zum Ende des Jahres aus.

    Unter dem Motto „Technik-Szenarien-Geschäftsmodelle“ sollen insbesondere Erfahrungen ausgetauscht und wirtschaftliche Perspektiven diskutiert werden.

    Die Teilnahme ist kostenfrei, die Anmeldung ist fuer die Fachöffentlichkeit eröffnet: Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, Kiel Tel. 0431 – 988 12 00

    ld14@datenschutzzentrum.de

    Weitere Infos auf der Website des Datenschutzzentrums und im Flyer {PDF-Datei, 2 S., 108 KB}

    Zugang zur Veranstaltung mit ausgedrucktem Flyer und Personalausweis.

    Hintergrundinfos:

    AN.ON
    www.anon-online.de

    Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz SWH
    www.datenschutzzentrum.de

    Unerkannte Recherche – AN.ON sichert die Anonymität auch von Journalisten
    (Henry Krasemann, Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein) {PDF-Datei, 2 S., 18 KB}

    [AUde]

  • Journalismus & Recherche » CAR-Tagung Hamburg

    Sunday, June 7th, 2009

    Um ehrlich zu sein: die beiden Workshops von Paul Myers haben erfahrenen Internet-Rechercheuren nicht viel Neues gebracht. Dennoch konnte man hören, wie begeistert viele Teilnehmer waren, die sich nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt hatten. Insofern waren seine Präsentationen ein großer Erfolg.

    Auf drei Beispiele möchte ich aufmerksam machen, die auch für mich sehr interessant waren:

    • Domaintools bietet eine WHOIS-Historie an. Das wusste ich nicht, kann es auch nicht oft nutzen, weil es sehr teuer ist – aber wenn man es wirklich mal braucht, ist es sehr gut, das zu kennen.
    • Man kann das Verzeichnis des Open Directory Projects mit der Way Back Machine durchsuchen. Das ist eigentlich selbstverstädnlich, nur muss man auch darauf kommen. Myers hat es am Beispiel der Website Saddam Husseins gezeigt, indem er erst die Seite zum Irak im aktuellen Verzeichnis herausgesucht, dann die Adresse in die Way Back Machine eingegeben hat (die ja noch immer keine Volltextsuche besitzt), um zum alten Verzeichnis zu kommen – und sich dann Saddams Website aufzurufen (die im Unterverzeichnis Government liegt). Clever.
    • Was für Nerds ist die Seite zu „Google dorks“. Dazu gibt’s keine Erklärung, weil es erstens zu lange dauern würde und ich zweitens den größten Teil selber nicht verstehe. 🙁 Aber ich arbeite dran.

    Tuesday, June 6th, 2006

    Haiko Lietz hat jetzt die Folien seines Vortrags (PDF, Vorsicht: 4,4 MB) veröffentlicht, den er bei der CAR-Tagung an der Akademie für Publizistik gehalten hat (siehe auch den Eintrag zu seinem Vortrag bei recherche-info.de).

    Sunday, May 21st, 2006

    Henk demonstriert einige Methoden, mit deren Hilfe man einschätzen kann, wie zuverlässig die Informationen auf einer Website sind. Schönes Beispiel: Welchen biografischen Informationen über Martin Luther King kann man trauen? Er zeigt erstmal nur die Web-Adressen (URLs) der Seiten:

    • martinlutherking.org
    • martinlutherking.tk
    • 213.198.79.178/members9/~melski/martinlutherking.htm
    • www.psd267.wednet.edu/~kfranz/SocialStudies/MLKJr/martinlutherking.htm

    Die 213.198.79.178/etc.-Adresse ist unvollständig; wird nachgereicht, sobald Henk seine Präsentation schickt.

    (more…)

    Friday, May 19th, 2006

    Robots werden dann eingesetzt, wenn es darum geht, große Datenmengen zu erfassen. Man muss sich jedoch mit Datenformaten auseinandersetzen. Robots sind z.B. die Spider, Crawler etc. von Yahoo, MSN, Google usw.
    (more…)

    Friday, May 19th, 2006

    Haiko Lietz hält den ersten Vortrag des Tages zum Thema Social Network Analysis.

    Wichtig ist ihm die Unterscheidung von Umfrageforschung und Netzwerkanalyse, da die Umfrageforschung blind für Strukturen ist, die Netzwerkanalyse aber aber get davon aus: das Gesamte ist mehr als Summe der Einzelteile.

    (more…)

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » The Reporters Cookbook

    Derek Willis hat ein Wiki namens „The Reporters Cookbook“ aufgesetzt. Es ist als Materialsammlung für Journalisten gedacht, die computergestützt recherchieren. Interessierte finden dort Programme, Informationen zur Untersuchung von Dateien (z.B. Excel), Datenbanken und Statistiken und weiteres mehr. Da es sich um ein Wiki handelt, kann man selbst dazu beitragen.

    The Reporters Cookbook:
    www.forjournalists.com/cookbook/index.php?title=Main_Page

    [AUde]

    Tags: CAR

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Der erste Open Data Hackday – eine Bilanz

    Hauke Johannes Gierow berichtet vom ersten Open Data Hackday in Berlin. Open Data wird Thema eines Workshops mit Lorenz Matzat bei der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche sein, der am 10. Juli um 11.30 Uhr beim NDR in Hamburg stattfindet. Anmeldungen für das Jahrestreffen sind ab sofort möglich.

    Der erste deutsche Open Data Hackday (am 17./18. April) ist nun vorbei, und nach dem die meisten Teilnehmer schon während der re:publica fleißig dabei waren, sind Sie wohl größtenteils in einem Zustand euphorischer Erschöpfung wieder nach Hause gekommen. Viele neue Informationen, Anregungen, Ideen, Kontakte und viel Spaß hinterlassen halt auch ihre Spuren.

    Am Freitag beschäftige sich die re:publica in einem Schwerpunkt mit Open Data und Open Government. Rob McKinnon stellte hier seine Projekte vor, Jack Thurston präsentierte Farmsubsidy.org und Stefan Gehrke diskutierte mit Vertretern aus Zivilgesellschaft und Verwaltung über das Thema „Open Data in Deutschland“. Urs Kleinert zeigte in einem Workshop, wie man sich als Journalist selbst offene Datensätze schaffen kann, Lorenz Matzat erläuterte in seinem Vortrag über „Data-Driven Journalism“ wie man diese Daten praktisch anwenden kann.

    Der Hackday begann am Samstag mit Ideenaustausch und Präsentationen, am Sonntag wurde dann an konkreten Projekten „gehackt“. Interessant zu sehen war für mich (als „Nicht -Programmierer“) wie schnell mit vorhandenen Datensätzen neue Anwendungsbereiche erschlossen werden können (wie etwa eine Grafik zur Visualisierung der Farmsubsidy.org, Daten in den deutschen Bundesländern oder auch der Preview einer Erweiterung von Stefan Wehrmeyers Mapnificient-Projekt um ein Layer mit den Daten des Konjunkturpakets II). Während des Hackdays wurde auch das Portal offenedaten.de vorgestellt, ein von der community betriebenes data.gov. Eine kurze Dokumentation der Projekte gibt es hier.

    Alle beteiligten sind sich einig: Dies war erste der Anfang! Damit keiner lange warten muss: am 8./9. Mai geht es auf dem Open Democracy Camp im Berliner Newthinking Store weiter. Und wer nicht bis dahin warten möchte: unser Wiki hat jederzeit geöffnet und ist bereit neue Projekte aufzunehmen. Wir freuen uns schon auf euch und eure neue Ideen, Daten und Anwendungen.

    Sieht man sich die Open Data Veranstaltungen auf der re:publica, die positive Presseberichterstattung sowie die hohe Teilnehmerzahl (ca. 60 am ersten und 30 am zweiten Tag) des Hackday an, so wird klar: die vergangene Woche war eine gute für die Open Data Bewegung in Deutschland.

    Schöne Bilder von der Veranstaltung gibt es bei Flickr, wer noch zusätzliche Bilder hat, kann diese gerne hochladen.

    Während der Veranstaltung wurden Online-Live Notizen angelegt.

    Ein Pressespiegel findet sich auf der Hackday-Seite, dort ist auch unsere eigene Pressemitteilung einsehbar.

    Alle interessierten können sich auf unserer Mailingliste eintragen oder Mitglied im Open Data Network e.V. werden.

    Wir veröffentlichen den Text, zuerst erschienen im Blog des Open Data Networks,  mit freundlicher Genehmigung; er steht unter der Lizenz CC-by-sa/3.0/de.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung

    Im Juli wurde die aktualisierte Version (2.3) des nestor Handbuches „Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung“ veröffentlicht. Es wurde um einzelne Artikel ergänzt, weitere Artikel wurden z.T. erheblich überarbeitet und die Verweise im gesamten Handbuch wurden überprüft und ggf. aktualisiert.

    nestor ist das deutsche Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung. In nestor arbeiten Bibliotheken, Archive, Museen sowie führende Experten gemeinsam zum Thema Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Quellen.

    Für journalistische Rechercheure sind in dem umfangreichen Handbuch besonders die Abschnitte „Das Referenzmodell OAIS – Open Archival Information System“ (4), „Vertrauenswürdigkeit von digitalen Langzeitarchiven“ (5), die Metadatenstandards (6) und die Formate (7), „Access“ (9) und „Web-Archivierung zur Langzeiterhaltung von Internet-Dokumenten“ (17.9) interessant.

    nestor-Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung / hrsg v. Heike Neuroth ; Achim Oßwald ; Regine Scheffel ; Stefan Strathmann ; Karsten Huth. – Version 2.3 – 2010. – Das Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert (Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported). Es kann komplett (8,5 MB) oder in einzelnen Kapiteln als PDF aus dem Netz geladen werden. Download und Inhaltsverzeichnis:

    http://nestor.sub.uni-goettingen.de/handbuch/index.php .

    nestor – Kompetenznetzwerk für digitale Langzeitarchivierung
    http://www.langzeitarchivierung.de/ .

    Tags: Archivierung, Handbuch

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Trés chic: Richtig gugeln als Infografik

    Trés chic: Richtig gugeln als Infografik. Leider nur auf Englisch.

    Tags: Google

    This entry was posted on Tuesday, November 29th, 2011 at 09:59 and is filed under Google, Google-Basics, Suchmaschinen, Visualisierung. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Buch „The Net for Journalists“

    Von Martin Huckerby (The Thomson Foundation) stammt The Net for Journalists, eine Anleitung zur Online-Recherche. Sie richtet sich an „journalists in developing countries“, deutsche Leser sind also auch angesprochen. Veroeffentlicht wurde das Werk von der UNESCO, auf deren Server es auch als PDF geladen werden kann. Eine (auf viele Pages verteilte) Online-Version und die Inhaltsübersicht gibt es auf der Homepage von Huckerby bei der Thomson Foundation.

    The Net for Journalists: A practical guide to the Internet for journalists in developing countries / by Martin Huckerby. – Unesco, 2005 (zu dem Buch gehört eine CD-ROM).
    portal.unesco.org/ci/en/ev.php-URL_ID=21010
    &URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html

    PDF-Version von The Net for Journalists
    portal.unesco.org/ci/en/files/21010/
    11387936529net_for_journalists.pdf/net_for_journalists.pdf
    {PDF-Datei, 140 S., 2.145 KB}

    HTML-Version und Inhaltsübersicht
    www.thomsonfoundation.org.uk/huckerby/huck01.htm

    Auf der HTML-Seite der UNESCO ist die Mailadresse von einem Mitarbeiter genannt, bei dem man das gedruckte Buch kostenlos bestellen kann.

    [AUde]

  • Journalismus & Recherche » Handwerk

    Nichts ist peinlicher für Journalisten: Falsche Namen und fehlerhafte Zahlen, auf die Leser sie aufmerksam machen. Mit systematischem Factchecking lassen sich zumindest die gröbsten Pannen vermeiden. Die Überprüfung von Fakten kann zudem vor juristischen Niederlagen schützen. Zehn Tipps für Rechercheure und Redakteure.

    Ist es nicht egal, ob ein nepalesischer Flughafen, auf dem eine Maschine mit deutschen Touristen abgestürzt ist, 140 oder 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu liegt? Journalisten sollte das nicht egal sein. Denn 300 Kilometer östlich Kathmandus gibt es keine nepalesischen Flughäfen, dort ist man bereits in Indien – ein ARD-Korrespondent hatte die falsche Entfernung zwischen dem Flughafen Lukla und Kathmandu trotzdem in seiner Meldung gebracht. Er steht damit nicht allein. Faktenfehler unterlaufen auch anderen renommierten Medien, vermutlich täglich, vermutlich auf jeder Zeitungsseite.
    Journalismus ist der Wahrheit verpflichtet und die beginnt in den Details. Wenn Leser nicht darauf vertrauen dürfen, dass ein Journalist Namen und Orte richtig schreibt – wie sollen sie ihm dann vertrauen, wenn er große Neuigkeiten verkündet und Missstände anprangert? Fehler vor ihrer Verbreitung zu finden und zu beseitigen, darum geht es beim Factchecking. Factchecking ist Kern jeder Recherche und damit wichtig für jeden Autor, der peinliche Fehler vermeiden will. Der aus Amerika kommende Fachbegriff steht üblicherweise für das kontrollierende Überprüfen von Fakten durch jemand anderen als den Autor selbst. Für das handwerkliche Überprüfen der Fakten gelten aber dieselben Prinzipien – egal, wer kontrolliert. Hier die wichtigsten Regeln fürs Schreiben (Punkt 1 bis 6) und fürs redaktionelle Überprüfen (Punkt 7 bis 10).

    1. Fakten präzise einarbeiten, Quellen dokumentieren, unklare Stellen kontinuierlich markieren!
    Factchecking beginnt beim Rechercheur, also bei demjenigen, der die Information zusammenträgt. In der Regel ist das der Autor. Überall, wo Tatsachen behauptet werden sollten sie unmittelbar anhand des vorhandenen Materials (zum Beispiel Visitenkarten, Archivartikel, Dokumente aller Art) überprüft werden: Schreibt sich der Name wirklich so? Stimmt die Zahl? Habe ich das aus guten Quellen? Für den Schreibfluss ist es hilfreich, unklare Fakten und fehlende Belege zu markieren und erst später zu recherchieren. Zumindest bei umfangreichen, (juristisch) heiklen Recherchen oder Teamarbeit, muss die Quellenlage nachvollziehbar protokolliert und dokumentiert werden.

    Typische Fehlerquelle: das eigene Gehirn, in dem fehlerhafte Fakten abgespeichert sind. Hier kann das Gegenlesen helfen. Sicher ist aber nur das systematische Verifizieren. Sonst trägt man dazu bei, dass populäre Irrtümer durch permanente Wiederholung kaum noch aus der Welt zu schaffen sind: etwa die vermeintliche Tatsache, dass Spinat besonders viel Eisen enthalte.

    2. Auch verdeckte Fakten und Zitate überprüfen! Aus juristischer Sicht sind auch Tatsachenbehauptungen, die nur zwischen den Zeilen oder in Zitaten stehen, zu überprüfen. Auch für solche Fehler trägt der Autor die Verantwortung. Reine Meinungsäußerungen bleiben außen vor – jedoch hat das meiste, was wir Journalisten für eine Meinungsäußerung halten, sogenannte Tatsachenkerne, die wiederum faktisch überprüft werden können. Hier schützt nur der Gegencheck, nicht aber eine Formulierung wie „meint/glaubt/fürchtet, dass…“.

    Selbst die Dokumentare des Spiegels in der wohl weltgrößten Factchecking-Abteilung können nicht jeden Fakt bis auf die wirklich beste Quelle checken. Also müssen Prioritäten gesetzt werden: Juristisch relevante Fakten haben oberste Priorität. Ist ein Rechtsstreit zu befürchten, sollten alle Tatsachenbehauptungen überprüft werden, da es Methode hat, dass Presseanwälte auch Ungenauigkeiten bei Nebensächlichkeiten angreifen und Erfolge dort als gewonnene Prozesse feiern. Danach folgt die Überprüfung von Namen, Ortsangaben, Beschreibungen sowie, weil besonders fehlerträchtig, aller im Beitrag genannten Zahlen.

    Wer schreibt, bei ein Operation habe der Arzt die Halsschlagader verletzt und anschließend sei der Patient verstorben, suggeriert einen kausalen Zusammenhang. Wenn es eine andere Todesursache gab, muss das gesagt werden. Das gilt unabhängig davon, ob das im Text des Journalisten steht oder aber in einem Zitat von Angehörigen.

    3. So nah wie möglich an die Originalquelle ran! Die erste Frage, die sich der Autor stellt, lautet: Gibt es eine Quelle für diese Information? Die zweite Frage muss lauten: Wie gut ist diese Quelle? Einfach und gängig ist der Umgang mit sogenannten privilegierten Quellen: Aussagen von Amtsträgern, Behörden, Ministerien und Nachrichtenagenturen dürfen Journalisten vertrauen, ohne dass sie durch den Verzicht auf eine zweite Quelle ihre Sorgfaltspflicht verletzen. Trotzdem ist gerade die Überprüfung solcher Aussagen oft eine Recherche wert.

    Wann aber ist man am nächsten an der Originalquelle, der besten Quelle? Schon aus Effizienzgründen kann nicht jedes Mal eine Originalquelle herangezogen werden. In der Praxis geht es also um die beste verfügbare Quelle zum Thema, wobei wichtig ist, ob der fragliche Fakt der Kern oder ein Nebenaspekt der Geschichte ist.

    Typischer Fall: Das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie kann man von Nachrichtenagenturen, den Verfassern der Studie, aus der Kurzfassung der Studie oder aber aus der Studie selbst übernehmen. Jeder Schritt in dieser Reihenfolge führt zu einer besseren Quelle. Ob das, was in der Studie behauptet wird, stimmt, ist dann noch nicht geklärt. Aber es ist schon einmal sicher, was wirklich in der Studie steht.

    4. Zwei unabhängige Quellen befragen!
    Zu einem Thema „alle verfügbaren Quellen“ heranzuziehen, ist eine niemals zu lösende Sysiphos-Aufgabe. Schon die oft geforderten zwei von einander unabhängigen Quellen für einen Fakt, gibt es seltener als gedacht.

    Typischer Fall: Viele Journalisten meinen, die Zwei-Quellen-Regel sei erfüllt, wenn zwei Zeitungsartikel dasselbe besagen. Dass zwei Zeitungsartikel selten zwei von einander unabhängige Quellen sind, liegt nahe: In der Regel greifen sie auf ein und dieselbe Quelle zurück, etwa eine Pressekonferenz, eine Agenturmeldung oder denselben Experten.

    „Voneinander unabhängig“ meint: Zwei Augenzeugen, die ihre Beobachtungen nicht miteinander besprochen und einander angeglichen haben. Oder aber: Zahlen und Informationen, die nachvollziehbar nicht auf dieselbe Quelle (Studie, Pressemitteilung, Expertenaussage) zurückgehen. Wer die Unabhängigkeit seiner Quellen überprüft hat, kann guten Gewissens auf eine Quellenangabe verzichten – oft wird sie aber gerade dann hinzugefügt, um deutlich zu machen, dass man mit Augenzeugen gesprochen, Originaldokumente vorliegen hat, eine Studie im Original gelesen hat.

    Für viele Informationen, etwa in der Unternehmensberichterstattung, gibt es nur wenige für Journalisten zugängliche zweite Quellen – hier liegt die Arbeit des Journalisten darin, die Plausibilität – mit Hilfe von Dritten zu überprüfen, Zweifel anzumerken oder mit einem genauen Blick in veröffentlichte Bilanzen (Primärquelle) infrage zu stellen.

    5. Fakten, die nicht verifiziert werden können, fliegen raus, werden modifiziert oder transparent gemacht!
    Es ist letztlich eine Frage der Effizienz und der Transparenz, wie ein Journalist mit nicht verifizierten Tatsachen umgeht. Zwischen „Fehler riskieren“ und „Fakt weglassen“ gibt es eine ganze Reihe von Zwischenlösungen. Manche Details sind aber vielleicht auch gar nicht so relevant, dass sie unbedingt in einer Meldung oder einem Bericht aufgeführt werden müssen.

    Beispiel: Für eine Auslandsmeldung, die in Deutschland verbreitet wird, ist es nicht relevant, ob der Absturzort eines Flugzeugs 140 oder 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu liegt – Zahl und Himmelsrichtung können also weggelassen werden. Man kann die Angabe aber auch leicht auf das reduzieren, was man genau weiß: „im Osten des Landes“, in der Region des Mount Everest“, „auf einem Provinzflughafen“, „auf einem Flughafen, der eine knappe halbe Flugstunde entfernt ist“. So bleibt die Meldung in jedem Fall richtig.

    Bei Angaben, die Interpretationsspielraum bieten, aber nicht mit einer zweiten Quelle bestätigt werden können, ist der schnelle, aber lautere Ausweg, die Quelle zu nennen: „nach Angaben des Ministeriums Y“, „heißt es auf der Internetseite des Unternehmens X“, „behauptet der Verband Z in einer Pressemitteilung“. Das ist selbst dann noch eine Information, wenn die Quelle anonym bleiben will, weil es der Leser nachvollziehen kann, wie gut oder schlecht die Information abgesichert ist.

    Zweifel und Widersprüche, die vor der Veröffentlichung nicht mehr geklärt werden können, sollten transparent gemacht werden: „während die Gewerkschaften von 1.500 Arbeitsplätzen sprechen, geht es nach Unternehmensangaben um weniger als 1 000 Jobs“. Oder: „will nach eigenen Angaben“, „Belege dafür blieb der Verband schuldig“. Das ist eine saubere, transparente Lösung – gerade im tagesaktuellen Geschäft oder unter Zeitdruck.

    6. Wikipedia, Google und Co: Online hilft! Die Onlinerecherche erleichtert das Factchecking. Noch nie waren so viele Primärquellen so schnell erreichbar – und das weltweit, rund um die Uhr. Für die Onlinerecherche, für die die gleichen Regeln wie für Offline gelten, bieten sich zwei effiziente Methoden an: Erstens: Gute Quellen über Quellen und Links in Wikipedia finden: Wikipedia selbst ist keine Quelle (es sei denn, es ginge um die Genesis der Texte dort). Ein Verzicht wäre aber töricht, denn in vielen Artikeln dort sind die Belege angegeben und verlinkt. Als schneller Weg zu ansonsten nur schwer zu findenden Dokumenten ist die Wikipedia unentbehrlich.

    Zweitens: Eine gute Quelle gezielt befragen: Homepages von Ministerien, Verbänden, Unternehmen lassen sich gezielt befragen. Dabei wird mit dem Site-Befehl die Suche (bei Google, Bing, Yahoo und Co) auf eine Domain eingeschränkt.

    Typische Falle: Wer online recherchiert, bleibt gerne für die ganze Factchecking online und vergisst, dass es noch Telefon, Handarchiv, Bibliothek und andere Mittel gibt.

    7. Die andere Seite anhören!
    Werden Aussagen über Dritte getroffen, die nicht selbst Quelle sind, so sollen sie angehört werden. In juristisch heiklen Geschichten ist das unerlässlich. Das ist fair und zudem auch eine effiziente Methode, um fragwürdige oder umstrittene Fakten herauszuarbeiten. Presserechtlich erschwert der eingearbeitete Widerspruch des Beschuldigten übrigens sehr gut eine Gegendarstellung.

    Aus Angst vor einstweiligen Verfügungen werden konfrontative Anfragen oft kurz gefasst oder aber unterbleiben ganz. Wenn sich aus der Fragestellung ableiten lässt, was berichtet werden soll, ist das tatsächlich möglich. Daher sollte man offen fragen. Nicht „Stimmt es dass Sie 2005 Schmiergeldzahlungen von Unternehmen A erhalten haben?“ sondern „Sind Ihnen Schmiergeldzahlungen bekannt, insbesondere im Zusammenhang mit XY?“

    8. Stichproben machen und Plausibilität kontrollieren! Abnehmende Redakteure sollten zumindest stichprobenartig die vom Autor in dem Beitrag eingearbeiteten Fakten überprüfen: Namen, Orte, Zahlen … So können auch Texte, die ausschließlich auf einer Quelle beruhen, schnell überführt werden. Außerdem kommt ein Fehler selten allein – weil der Journalist mit dem Thema nicht vertraut ist, dem falschen Experten vertraut hat, unter Zeitdruck stand, mit Zahlen fremdelt etc. Findet sich ein Fehler bei einer Stichprobe, muss weiter gecheckt werden.

    Nächster Anhaltspunkt sind für das redaktionelle Controlling sind Ungenauigkeiten und Widersprüche. Die Formulierung „immer mehr“ deutet in der Regel auf eine Geschichte ohne gute Datenbasis hin. Factchecker sollten aber vor allem fragen: Ist das wirklich plausibel?

    Beispiel: Kann es sein, dass Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner auf den Preisnachlass von 18,43 Millionen Euro, den ihm Friede Springer beim Kauf von 680.000 Aktien gewährt hat, 18,36 Millionen Euro Schenkungssteuer bezahlt? Ein solches Geschäft wäre nahezu unsinnig und hätte nur den Finanzminister gefreut – dennoch wurde es bei Handelsblatt Online so berichtet. Darüber hätte jeder Factchecker stolpern müssen. Wenn man Kaufpreis (77 Euro) und Börsenkurs zum Kaufdatum (104,10 Euro) kennt, dann lässt sich der Preisnachlass leicht errechnen und dann dazu die gültigen Steuersätze und Freibeträge lassen sich schnell online finden.

    9. Fakten nicht in der redaktionellen Bearbeitung verändern! Fehler entstehen auch im weiteren redaktionellen Produktionsprozess: beim Redigieren, beim Texten von Überschriften, Teasern, Bildzeilen und Zwischenüberschriften. Wenn etwas gekürzt, gestrichen, umformuliert oder weiter zugespitzt wird, wenn Zahlen gedreht oder umgerechnet werden, dann kommt es schnell zu Faktenfehlern.

    Davor schützt nur ein redaktioneller Ablauf, bei dem der Autor seinen Text noch mal zu sehen bekommt, bevor der Text in den Druck geht. Oder aber: Der Schlussredakteur bespricht mit dem Autor alle faktensensible Änderungen.

    Wer die Aussage, ein bestimmter Preis sei heute 30% höher als noch vor 10 Jahren, umformulieren willl, darf eben nicht schreiben, vor zehn Jahren sei der Preis 30% niedriger gewesen. Abseits der Prozentrechnung gibt es aber ähnliche weitere Fallen: nahezu überall wo es auf genaue Formulierungen ankommt, etwa in Wissenschaft oder Juristerei.

    10. Factchecking bringt Mehrwert!
    Factchecking schützt nicht nur vor peinlichen Fehlern, sondern kann sogar publizistischen Mehrwert bringen. Durch das Erschließen tiefer liegender Quellen wird meist nicht nur der Beleg für einen Fakt gefunden, sondern eine Vielzahl an Details, an Zusatzinformationen gefunden, die wiederum den Text bereichern. Mehr noch: Factchecking liefert neue Themen: Wer überprüft, ob Spinat wirklich so viel Eisen enthält wie stets behauptet wird, findet die Geschichte eines Abschreibfehlers, der über Jahrzehnte nicht korrigiert sondern immer weiter abgeschrieben wurde.

    Am 27. März 2010 hob die Süddeutsche Zeitung die Geschichte auf den Titel, dass der Rhein deutlich kürzer ist als in den gängigen Lexika und Schulbüchern steht (1.230 statt 1.320 Kilometer) – vermutlich ein Zahlendreher in den 60-er Jahren.

    Ich unterrichte am 19. und 20. Mai Fact-Checking an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Es gibt noch freie Plätze. Das Seminar kostet 310 Euro. http://www.akademie-fuer-publizistik.de/seminare/liste/alle-medien/details/fact-checking/

    Ergänzung: Dieser Text ist meine Urfassung zum Thema Factchecking, die dann für die Veröffentlichung im Journalist (online hier: http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/redaktionswerkstatt/faktenchecken-fuer-journalisten-10-fallen.html) verändert wurde. Für die Didaktik halte ich die Regeln hier für angemessener als die 10 Fallen im Journalist.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Die Zunkunft der Videosuche?

    Delve Networks, ein Hersteller von Video-Playern und verwandten Technologien fürs Internet, hat ein Beispiel dafür vorgestellt, wie man Videos durchsuchen kann (Obamas Anrittsrede). Man gibt den Suchbegriff in das Feld in der Mitte unter dem Bild ein und bekommt in einem „Wärmebild“ angezeigt, wo der Begriff im Video auftaucht. Sehr interessant.

    Tags: search inside, Video, video search, videosuche