Kategorie: Allgemein

  • Journalismus & Recherche » Leopoldina

    Wie geht man eigentlich mit so etwas um, wenn man mehr Zeit hat? Ich habe gerade keine, aber ein Bekannter hat mir eben die ominöse Studie aus Schavans Forschungsministerium zugeschickt, die Schavan angeblich zurückhält.

    Ich sage mir: Wenn ich die schon per Email bekomme, steht sie bestimmt sowieso schon im Netz, wird hoch und runtergetwittert und über Plattformen wie Slideshare verbreitet. Und ein PDF-Dokument, das mit „Zum vertraulichen Gebrauch“ gestempelt ist, das muss man doch einfach weiterverbreiten, Urheberrecht hin oder her.

    Also, hier ist es, das „Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland“. Mit den brisanten Stellen, die die Atompolitik-Pläne Schavans und einer CDU-geführten Regierung ohne bremsenden Koalitionspartner offenbaren.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Die Browser-Adresszeile als neue Kommandozeile

    Über das Blog Daring Fireball bin ich gerade auf diesen Beitrag von Jeff Atwood gestoßen darüber, wie es in vielen modernen Browsern die Adresszeile ähnlich flexibel wie die Kommandozeile erlaubt, mittels Kurzbefehlen schnelle Suchanfragen zu stellen.

    Atwood beschäftigt sich in seinem Beitrag nur mit den entsprechenden Funktionen von Googles Browser Chrome, aber es funktioniert auch mit anderen Browsern. Für mich ist diese Praxis schon lange im Apple-Browser Safari selbstverständlich: Wikipedia-Beiträge etwa rufe ich dank eines Hacks für den Safari-Browser, dem Input-Manager Safari-Stand (nur für Safari am Mac), mittels des Kurzbefehls w Suchwort auf, für Aufrufe in der englischsprachigen Wikipedia habe ich wen als Kürzel definiert. Safari-Stand übergibt dabei mein Suchwort einfach an die Google-Suche, beschränkt auf die Wikipedia-Site und per „I’m Feeling Lucky“-Funktion mit direkter Weiterleitung zum erstbesten Treffer. So sieht der von mir definierte Befehl in den Safari-Stand-Einstellungen aus (@key ist der Variablenname):

    http://www.google.com/search?btnI=I'm+Feeling+Lucky&q=@key+site:de.wikipedia.org.

    Im Alltag spart mir das viel Zeit – und führt dazu, dass ich eigentlich ständig „mal eben“ in Wikipedia nachschlage; viel eher, als ich es über den Umweg Startseite-Sucheingabe-Artikel tun würde. Ähnliche Such-Kürzel habe ich mir für die Amazon-Katalogsuche und die diversen Google-Suchen nach Bildern, Nachrichten und Karten definiert. Mit dem Kürzel bln etwa reicht es, Straßennamen (und Hausnummer) in die Adresszeile einzugeben, und ich erhalte von Google Maps den passenden Kartenausschnitt von Berlin mit Markierung.

    In den Kommentaren zu Atwoods Beitrag finden sich zahlreiche weitere Tipps zu ähnlichen Funktionen, auch im populäreren Mozilla-Browser Firefox.

    Nachtrag: Gerade bin ich auf diesen Webservice gestoßen: Yubnub – a social command line for the web – unbedingt mal ausprobieren.

    Tags: Adresszeile, Browser, Chrome, Firefox, Google, Kommandozeile, Safari

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Beispielhafte Überwachung

    116 fest installierte Überwachungskameras stehen entlang der Route der Anti-Überwachungs-Demonstration „Freiheit statt Angst“. Zumindest habe ich so viele gefunden, als ich am Donnerstag vergangener Woche für die taz die Strecke abgelaufen bin. Auf taz.de haben wir in einen Artikel eine Karte von Google Maps eingebunden, auf der alle 116 Kamerastandorte verzeichnet waren. Außerdem hatte ich auch alle Kameras fotografiert und die Fotos auf einer Karte von Panoramio eingefügt – auch diese Seite war von dem Artikel aus verlinkt.

    Das Ablaufen der Route und das Übertragen der Daten auf die beiden Online-Dienste nahm einen Arbeitstag für eine Person in Anspruch. Hinzu kam noch die zusätzliche Recherche. So stellten wir drei Kameratypen an drei Beispieln vor: Verkehrsüberwachungskamera am Potsdamer Platz, Museumskamera vor dem Deutschen Guggenheim, Behördenkamera vor dem Auswärtigen Amt. Dabei erläuterten wir jeweils: Was ist der Zweck der Kameraüberwachung? Werden die Bilder auch gespeichert? Falls ja: Für wie lange? Allein die Deutsche Bank, die die Kamera an dem Museum betreibt, wollte nicht antworten, ob die Bilder gespeichert werden: „Zu sicherheitstechnischen Fragen können wir generell keine Angaben machen“, meinte ein Banksprecher. Jetzt läuft ein Auskunftsantrag nach § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes.


    Ziel der Berichterstattung war, die alltägliche Überwachung beispielhaft deutlich zu machen. Dabei profitierte ich davon, dass es mit Google Maps und Panoramio zwei Dienste gibt, die sich sehr gut für diesen Zweck nutzen ließen. In der gedruckten Ausgabe der taz vom Samstag – dem Tag der Demo – erschien eine Infografik mit den eingezeichneten Kamerastandorten. Auch dabei half Google Maps: Ich hatte die Kamerastandorte erst online eingetragen und dann nutzen die taz-Infografiker diese Vorlage, um daraus die Karte für den Print zu machen. Keine Ahnung, wie man das früher gemacht hätte. Vielleicht hätte ich das dann auf einem Stadtplan einzeichnen müssen, damit die Infografiker das als Vorlage nehmen können?

    Die Resonanz war übrigens enorm: Bereits am Donnerstagabend hatten die vielgelesenen Blogs netzpolitik.org und Spreeblick die Karte verlinkt. Viele andere Blogs zogen in den folgenden Tagen nach. Die Karte bei Google Maps wurde bisher 22.864-mal betrachtet.

    PS: Vielen Dank an Jan Michael Ihl, von dem die Empfehlung kam, das mit Google Maps umzusetzen!

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Internet-Trends fürs ARD-Morgenmagazin

    Darauf, dass Journalisten und die Öffentlichkeit immer noch keine Ahnung von Internet-Recherche oder RSS haben, setzt offenbar die Redaktion des ARD-Morgenmagazins und die WDR-Pressestelle.

    Sie veröffentlicht nämlich schon heute eine Presseerklärung mit exklusiven Deutschland-Trend-Umfrageergebnissen im World Wide Web, genauer gesagt auf News-Aktuell, dem Pressemitteilungsportal der DPA, trotz deutlichen Vermerks:

    Sperrfrist: Freitag, 9. Februar 2007, 0.00 Uhr, für elektronische Medien 9.00 Uhr – alle bitte mit Quellenhinweis.

    Gut, dass die Leser jetzt wenigstens wissen, dass sie das vor morgen früh nicht weitererzählen dürfen.

    Ach ja, die „Mehrheit der Bürger will einen Kompromiss zum Schutz der Privatsphäre und Ermittlungsmöglichkeiten der Polizei“, „Deutsche würden beim Kauf eines Neuwagen auf einen umweltfreundlichen Motor achten“ und die „Union verliert Stimmen“. Quellenhinweis: ARD-Morgenmagazin. Nicht weitersagen.

    Tags: ARD, Deutschland-Trend, Morgenmagazin, RSS, Sperrfrist

  • Journalismus & Recherche » Adresszeile

    Über das Blog Daring Fireball bin ich gerade auf diesen Beitrag von Jeff Atwood gestoßen darüber, wie es in vielen modernen Browsern die Adresszeile ähnlich flexibel wie die Kommandozeile erlaubt, mittels Kurzbefehlen schnelle Suchanfragen zu stellen.

    Atwood beschäftigt sich in seinem Beitrag nur mit den entsprechenden Funktionen von Googles Browser Chrome, aber es funktioniert auch mit anderen Browsern. Für mich ist diese Praxis schon lange im Apple-Browser Safari selbstverständlich: Wikipedia-Beiträge etwa rufe ich dank eines Hacks für den Safari-Browser, dem Input-Manager Safari-Stand (nur für Safari am Mac), mittels des Kurzbefehls w Suchwort auf, für Aufrufe in der englischsprachigen Wikipedia habe ich wen als Kürzel definiert. Safari-Stand übergibt dabei mein Suchwort einfach an die Google-Suche, beschränkt auf die Wikipedia-Site und per „I’m Feeling Lucky“-Funktion mit direkter Weiterleitung zum erstbesten Treffer. So sieht der von mir definierte Befehl in den Safari-Stand-Einstellungen aus (@key ist der Variablenname):

    http://www.google.com/search?btnI=I'm+Feeling+Lucky&q=@key+site:de.wikipedia.org.

    Im Alltag spart mir das viel Zeit – und führt dazu, dass ich eigentlich ständig „mal eben“ in Wikipedia nachschlage; viel eher, als ich es über den Umweg Startseite-Sucheingabe-Artikel tun würde. Ähnliche Such-Kürzel habe ich mir für die Amazon-Katalogsuche und die diversen Google-Suchen nach Bildern, Nachrichten und Karten definiert. Mit dem Kürzel bln etwa reicht es, Straßennamen (und Hausnummer) in die Adresszeile einzugeben, und ich erhalte von Google Maps den passenden Kartenausschnitt von Berlin mit Markierung.

    In den Kommentaren zu Atwoods Beitrag finden sich zahlreiche weitere Tipps zu ähnlichen Funktionen, auch im populäreren Mozilla-Browser Firefox.

    Nachtrag: Gerade bin ich auf diesen Webservice gestoßen: Yubnub – a social command line for the web – unbedingt mal ausprobieren.

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Kostenlose Infos zu Unternehmensbeteiligungen in den USA – Hinweise erbeten!

    Recherche-Info.de’s own Albrecht Ude fragt über die Mailingliste:

    Moin,

    del.icio.us vermeldet als Kontaktadresse: del.icio.us c/o Yahoo! Inc. 701 First Ave

    Sunnyvale, CA 94089

    Kann mir jemand einen Tipp geben, wo ich herausfinden kann, in welcher Beziehung del.icio.us zu Yahoo steht?

    Ferner: Gibt es (frei nutzbare) Datenbanken ueber Firmenbeteiligungen, in denen sich nachschauen laesst, woran Yahoo, Cisco, Google und Microsoft beteiligt sind?

    Dank voraus,
    & Gruesse,

    Albrecht

    Ohne altklug sein zu wollen, ist meine Antwort: danach kann man suchen. Und ich finde es sinnvoll, meine Suche hier zu beschreiben, damit andere entweder was davon haben, sie als unpassend abhaken, verbessern oder ergänzen können. Selbstverständlich ist damit nicht gemeint, dass eine Frage an gut informierte Kollegen nicht die richtige Herangehensweise ist; im Gegenteil. Aber ich konnte die Frage auf Anhieb nicht beantworten. Mit der Google-Suche nach company ownership database us findet man die Datenbanken von Dialog und Corptech. Dialog ist mir bekannt als eine der besten und umfassendsten Datenbanken dieser Art, aber wie erwartet ist sie kostenpflichtig. Corptech sieht ebenfalls gut aus, ist aber ebenfalls kostenpflichtig. Die Anfrage nach free company ownership database us bringt auf Platz 10 die „Company Information“-Seite der University of Washington zum Vorschein, die ich auswähle, weil Universitäten oft sehr gute Übersichtsseiten zusamme stellen.
    Was in diesem Fall auch zutrifft: eine Fülle von Datenbanken. Allerdings auch hier hauptsächlich Links auf kostenpflichtige Angebote. Mit Ausnahme der SEC Reports (EDGAR), also der Angaben, die bei der Security and Exchange Commission, der US-Börsenaufsicht, eingereicht werden müssen – wie so vieles in den USA öffentliche (und kostenfreie) Daten. Da ich allerdings schnell herausfinde, wie schwierig die zu durchsuchen sind, merke ich auf beim Link auf Edgarscan, einem Interface für die SEC Reports, bereitgestellt von der Unternehmensberatung und Buchprüfungsfirma Price Waterhouse Coopers.
    Die hilft auch tatsächlich weiter, denn dort erfahre ich zum einen aus der knappen, aber präzisen Einführung, dass man die gesuchten Infos am besten in den Jahresberichten findet (also in den „Annual Filings (10-K’s by Filing Period)“). Und die lassen sich auch noch im Volltext nach Stichworten durchsuchen. So bekomem ich am Ende den Eintrag: „Our social search assets were further enhanced in 2005 by the acquisitions of Flickr and del.icio.us, Inc.“
    Na denn – lange nicht die komfortable Abfrage, die sich Albrecht wünscht (zumindest nicht kostenlos), aber wenn man nach einem bestimmten Stück Information sucht, schon sehr hilfreich. Ich kann mir ja kaum vorstellen, dass es in den USA nicht auch Bürgerrechtsgruppen oder Watchdogs gibt, die genau die gesuchten Übersichten kostenlos zur Verfügung stellen. Aber auf Anhieb kann ich erstmal keine finden. Dafür hat dieses Blog ja eine Kommentarfunktion: Wer was weiß, bitte melden!

  • Journalismus & Recherche » WSJ

    Friday, May 19th, 2006

    David, früher freier Journalist und heute Korrespondent des Wall Street Journal Europe, erzählt, dass er bei der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung war, Kenntnisse hatte und gerne „gefummelt“ habe. CAR in seinem Verständnis praktiziert er seit den 80er Jahren. Als er dann etwa mit einer Stasi-Recherche begonnen hat, sei das sehr hilfreich gewesen.

    (more…)

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » Der Schavan-Plan zur Atomkraft

    Wie geht man eigentlich mit so etwas um, wenn man mehr Zeit hat? Ich habe gerade keine, aber ein Bekannter hat mir eben die ominöse Studie aus Schavans Forschungsministerium zugeschickt, die Schavan angeblich zurückhält.

    Ich sage mir: Wenn ich die schon per Email bekomme, steht sie bestimmt sowieso schon im Netz, wird hoch und runtergetwittert und über Plattformen wie Slideshare verbreitet. Und ein PDF-Dokument, das mit „Zum vertraulichen Gebrauch“ gestempelt ist, das muss man doch einfach weiterverbreiten, Urheberrecht hin oder her.

    Also, hier ist es, das „Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland“. Mit den brisanten Stellen, die die Atompolitik-Pläne Schavans und einer CDU-geführten Regierung ohne bremsenden Koalitionspartner offenbaren.

    Tags: Acatech, Annette Schavan, Atomenergie, Atomkraft, Atomstudie, Bundesforschungsministerin, Bundesregierung, CDU, Forschungsministerium, Kernkraft, Leopoldina

  • Journalismus & Recherche » Blog Archive » KT zu Guttenberg – Crowd-Sourcing und Edit War

    Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, der Verteidigungsminister, hat die Bundeskanzlerin um seine Entlassung gebeten.

    Die Plagiatsvorwürfe gegen ihn hatten zu zwei bemerkenswerten Beispielen von Crowd-Sourcing geführt: Zum einen der Offene Brief von Doktoranden an die Bundeskanzlerin, der bis Dienstag, 24.02., 00:49 Uhr über 51.000 mal unterzeichnet wurde, zum zweiten das GuttenPlag Wiki, in dem die Dissertation zu Guttenbergs untersucht wird. Ein zweiter Zwischenbericht (nach dem 1. vom 21.02.) ist für heute angekündigt. (In diesem Fall ist der Terminus Crowd-Sourcing übrigens sehr treffend.)

    Unterdessen ist der Wikipedia-Eintrag Karl-Theodor zu Guttenberg Schauplatz eines Edit-Wars, der den um die Gorch Fock weit in den Schatten stellt: 3 Sperren und 28 aggressive Löschversuche im vergangenen Monat verzeichnet Wiki-Watch, wobei von 1.642 Bearbeitungen (seit Einrichtung des Artikels am 23.05.2005) insgesamt 832 in den letzten 30 Tagen stattfanden.

    Einen vergleichbaren Fall hat es meines Wissens in Deutschland noch nicht gegeben, womit ich Durchschlagskraft der der Fakten via Internet meine, der gegenüber die Meinungen auf Facebook oder bei Amazon wirkungslos blieben.

    Nachtrag:
    Der 2. Zwischenbericht des GuttenPlag-Wiki ist raus, und neben dem offenen Brief der Doktoranten gibt es auch eine Erklärung von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern zu den Standards akademischer Prüfungen (PDF). Beide betonen, dass die Angelegenheit mit dem Rücktitt nicht erledigt ist.

    Tags: Crowd-Sourcing, Edit war

  • Journalismus & Recherche » Stasi

    Friday, May 19th, 2006

    David, früher freier Journalist und heute Korrespondent des Wall Street Journal Europe, erzählt, dass er bei der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung war, Kenntnisse hatte und gerne „gefummelt“ habe. CAR in seinem Verständnis praktiziert er seit den 80er Jahren. Als er dann etwa mit einer Stasi-Recherche begonnen hat, sei das sehr hilfreich gewesen.

    (more…)