Posts Tagged ‘Statistik’

Ars Technica über 750.000 und 250 Milliarden

Thursday, October 16th, 2008

Das US-Technikmagazin Ars Technica, hierzulande fast nur Nerds bekannt, hat eine fantastische Recherchere zu den Behauptungen von US-Regierung und Unterhaltungsindustrie, durch „Piraterie“ (also in dem Fall nicht die echte, die vor der Küste Somalias stattfindet, sondern die von Musik etc.) gingen der US-Wirtschaft 250 Milliarden US-Dollar und 750.000 Arbeitsplätze verloren.

Ein Lehrstück - über die Unterhaltungsindustrie und Lobbying, vor allem aber über Zahlen, die dadurch, dass sie beständig wiederholt werden (vor allem auch in den Medien), nicht richtiger und zuverlässiger werden. Und ziemlich sicher austauschbar, was das Thema angeht. Irgendwann werde ich so etwas auch für Deutschland machen. Wenn ich mal Zeit habe ;-)


750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy

Kombinierbare Statistiken bei statista.org

Wednesday, May 21st, 2008

Christoph Drösser weist auf Zeit Online auf eine interessante Site hin:

Zahlen für die Massen: Ob zu Sex, Politik, Wirtschaft oder Demografie: Auf statista.org lassen sich beliebige eigene Statistiken basteln – aus haufenweise seriösen Daten.

Statista.org bietet derzeit etwa 1 Million freie Statistiken an – mit Quellenangabe, so dass deren Verläßlichkeit prüfbar ist. Man darf die Statistiken in Websites einbinden. Sehr schön ist, dass man die einzelnen Statistiken (mittels Flash-Animation) filtern, kombinieren und vergleichen kann. Nach erstem Test halte ich die Suchfunktion für gut.

Statista wird von der Statista GmbH mit Sitz in Hamburg betrieben. (2007 gegründet, 8 Mitarbeiter, Gründer und Geschäftsführer Friedrich Schwandt, Tim Kröger. Die Nutzung kostenfrei, anzeigenfinanziert).

Journalistischer Umgang mit Zahlen

Tuesday, May 6th, 2008

Hier meine Präsentation zum Thema für die Teilnehmer des Workshops in Wittenberg. Mehr zum Thema demnächst hier!journalistischer-umgang-mit-zahlen

Jetzt offiziell: dpa setzt auf CAR

Thursday, June 21st, 2007

Wir haben es schon am Rande der Jahrestagung erfahren, ein Vortrag fiel deswegen aus … Die Deutsche Presseagentur (dpa) setzt auf computer assisted reporting (CAR). Das neue Angebot heißt „RegioData“ und soll im Herbst starten. dpa meldet in eigener Sache: „Auf der Basis von frei verfügbaren statistischen Daten werde dpa die Geschichte hinter den Zahlen recherchieren und Hintergründe beleuchten.“

Das ist ein Anfang! Wir hoffen, über viele der Recherchen hier lesen und berichten zu können. dpa beobachtet schon seit einiger Zeit die CAR-Szene und war auch auf dem allerersten deutschen CAR-Seminar (in Kooperation mit DICAR) vertreten.

Mehrwertsteuer stieg um drei Prozent? In Deutschland jedenfalls nicht

Tuesday, January 16th, 2007

… merkwürdig nur, dass das dennoch soviele Journalisten schrieben – von der taz bis hin zur FAZ.

Wir meinen: ein klarer Fall für Taschenrechner assisted reporting …

Hätten die Kollegen recht, so müsste jetzt auf den Kassenbons und Rechnungen überall eine Mehrwertsteuer von 16,48 Prozent ausgewiesen werden. Habe ich aber noch nicht gesehen. Vielleicht in der Taz-Kantine?

Quizfrage: Um wievel Prozent ist denn die Mehrwertsteuer tatsächlich gestiegen?

Wenn einer der Kollegen, die es zum Jahreswechsel falsch schrieben, die Lösung weiß, spendiere ich dem ersten ein Exemplar von „Zwei Nullen sind keine Acht. Falsche Zahlen in der Tagespresse“ (gibt es nicht mehr neu, was wohl nicht auf den großen Erfolg sondern auf das Desinteresse an Zahlen hindeutet.)

Ein paar Beispiele, unzählige weitere sind leicht zu finden. Wobei nicht jedes Ergebnis einer Suche mit Mehrwertsteuer "um 3 Prozent" site:zudurchsuchendesmedium.de auch ein Treffer ist. Da gibt es auch Löhne, die um drei Prozent steigen dürfen im gleichen Artikel mit der Mehrwertsteuer …

02.01.07 Wirtschaft Die Wirtschaftstermine des Jahres 2007

1. Januar – Berlin. Die Mehrwertsteuer steigt um 3 Prozent, der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sinkt von 6,5 auf 4,2 Prozent. …

F.A.Z.

Vom Überlebenswillen mythischer Zahlen

Saturday, July 8th, 2006

Verursacht Kreditkartenbetrug (und andere Formen des so genannten „Identitätsbetrugs“) tatsächlich einen Schaden von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr? Gehen wirklich Diebstähle in New York City im Wert von 2 bis 5 Milliarden US-Dollar jährlich allein auf das Konto von Beschaffungskriminalität?

Die Antwort auf die erste Frage ist nein, die Antwort auf die zweite Frage ist – Überraschung! - ebenfalls nein. Im ersten Fall wäre der Schaden halb so hoch wie die Gewinne es gesamten US-Banksektors, im zweiten Fall ist es sogar so, dass zu der Zeit, als die Zahl zum ersten Mal veröffentlicht wurde, die New Yorker Polizei den Schaden durch Diebstähle auf 300 Millionen US-Dollar bezifferte - aller Diebstähle wohlgemerkt.

Dennoch haben Zahlen dieser Art einen unglaublichen Überlebenswillen – oder, besser gesagt, die Journalisten, die sie ungeprüft verwenden, sorgen dafür, dass sie nicht tot zu kriegen sind. Einen neuen Versuch unternimmt Jack Shafer in seinem sehr lesenswerten Artikel The (Ongoing) Vitality of Mythical Numbers im Online-Magazin Slate (englisch).

Wie sieht es hierzulande aus? Wo sind sie, die mythischen Zahlen? Auf Anhieb fällt mir keine ein, aber das liegt bestimmt nur an meinem schlechten Gedächtnis. Liebe LeserInnen, helft uns auf die Sprünge!