Posts Tagged ‘USA’

Ars Technica über 750.000 und 250 Milliarden

Thursday, October 16th, 2008

Das US-Technikmagazin Ars Technica, hierzulande fast nur Nerds bekannt, hat eine fantastische Recherchere zu den Behauptungen von US-Regierung und Unterhaltungsindustrie, durch „Piraterie“ (also in dem Fall nicht die echte, die vor der Küste Somalias stattfindet, sondern die von Musik etc.) gingen der US-Wirtschaft 250 Milliarden US-Dollar und 750.000 Arbeitsplätze verloren.

Ein Lehrstück - über die Unterhaltungsindustrie und Lobbying, vor allem aber über Zahlen, die dadurch, dass sie beständig wiederholt werden (vor allem auch in den Medien), nicht richtiger und zuverlässiger werden. Und ziemlich sicher austauschbar, was das Thema angeht. Irgendwann werde ich so etwas auch für Deutschland machen. Wenn ich mal Zeit habe ;-)


750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy

Die unbesungene Heroine der Washington Post

Thursday, April 17th, 2008

(Ja, ich weiß, dass das grotesk übersetzt ist.) Ein wunderbarer Artikel, erschienen in The Washington City Paper, über Julie Tate, Staff Researcher bei der Washington Post. Sie war an vier der sechs Geschichten beteiligt, die der Post in diesem Jahr Pulitzer-Preise bescherten.

BusinessJournalism.org – Fundgrube für Wirtschaftsberichterstattung

Saturday, March 24th, 2007

BusinessJournalism.org ist eine Website, die bereits im Jahr 2004 vom Donald W. Reynolds National Center for Business Journalism an der Arizona State University gegründet wurde – und inzwischen eine Menge an Material bietet, inklusive Anleitungen dazu, wie man Finanzmärkte versteht und über sie berichtet. Dazu in der Kategorie „Covering Business“ hilfreiche Artikel über den Aktienmarkt, Technologie und Geschäftsethik. Außerdem gibt es ein Glossar zu Begriffen aus der Finanzwelt und „Dick’s Picks“, Links zu Artikeln, die Wirtschaftsreporter Dick Weiss empfehlenswert findet.

45 Jahre Analyse sozialer Netze - eine Rückschau von Edward O. Laumann

Friday, July 28th, 2006

Der Chicagoer Soziologe Laumann, neben anderen Autor des Buches „The Hollow Core: Interest Representation in National Policymaking“, blickt zurück auf 45 Jahre, in denen er soziale Netze analysiert hat. Dass er sich dabei grundlegende Problemen widmet, liegt nahe. Neben anderen wichtigen definitorischen Fragen wie diesen:

  • How do you define social positions?
  • How do you define social differentiation among social positions?
  • How do you define modes of integration among these differentiated positions?
  • What is the unit of analysis? Individual vs. dyad.
  • How do you define a social relationship?
  • What are the ways in which they vary across social relationships with respect to the logic of their formation?

Der Artikel steht als PDF (1,1 MB) zur Verfügung.

Vom Überlebenswillen mythischer Zahlen

Saturday, July 8th, 2006

Verursacht Kreditkartenbetrug (und andere Formen des so genannten „Identitätsbetrugs“) tatsächlich einen Schaden von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr? Gehen wirklich Diebstähle in New York City im Wert von 2 bis 5 Milliarden US-Dollar jährlich allein auf das Konto von Beschaffungskriminalität?

Die Antwort auf die erste Frage ist nein, die Antwort auf die zweite Frage ist – Überraschung! - ebenfalls nein. Im ersten Fall wäre der Schaden halb so hoch wie die Gewinne es gesamten US-Banksektors, im zweiten Fall ist es sogar so, dass zu der Zeit, als die Zahl zum ersten Mal veröffentlicht wurde, die New Yorker Polizei den Schaden durch Diebstähle auf 300 Millionen US-Dollar bezifferte - aller Diebstähle wohlgemerkt.

Dennoch haben Zahlen dieser Art einen unglaublichen Überlebenswillen – oder, besser gesagt, die Journalisten, die sie ungeprüft verwenden, sorgen dafür, dass sie nicht tot zu kriegen sind. Einen neuen Versuch unternimmt Jack Shafer in seinem sehr lesenswerten Artikel The (Ongoing) Vitality of Mythical Numbers im Online-Magazin Slate (englisch).

Wie sieht es hierzulande aus? Wo sind sie, die mythischen Zahlen? Auf Anhieb fällt mir keine ein, aber das liegt bestimmt nur an meinem schlechten Gedächtnis. Liebe LeserInnen, helft uns auf die Sprünge!

Milliardär will investigativen Journalismus fördern - und davon profitieren

Friday, July 7th, 2006

Der Pragmatismus der US-Amerikaner ist sprichtwörtlich, dennoch kann mich manche Erscheinungsform davon noch überraschen. Mark Cuban, der mit Broadcast.com, einem Dienst zur Videoübertragung über das Internet, reich geworden ist, hat angekündigt, die Website sharesleuth.com zu finanzieren. Die Site ist die Idee von Chris Carey, einem ehemaligen Reporter des St. Louis Post-Dispatch. „Sie wird eine Art Nachrichen-Weblog sein und soll Wertpapierbetrug und rechtswidriges Handeln in Unternehmen aufdecken“, wird Carey bei Cnet zitiert. „Wir werden fragwürdige Unternehmen beim Namen nennen und interessante, intensiv recherchierte Geschichten über die Menschen dahinter veröffentlichen“, so Carey weiter.

Dieses Vorhaben will nun also Mark Cuban unterstützen, in den USA als „Maverick“ berühmt, als eigensinniger Außenseiter. Eine gute Nachricht für den investigativen Journalismus, wie manche finden, denn der ist auch in den USA ziemlich auf den Hund gekommen.

Doch die Geschichte hat noch eine andere Seite. Womit wir beim Pragmatismus wären. Cuban will die Infos, die sharesleuth.com ausgräbt, gern als erster auf dem Tisch haben, um auf ihrer Basis Kaufentscheidungen zu treffen. Problematisch? „Wie unterscheidet sich das von den Kommentatoren bei CNBC, Fox News, Bloomberg und so weiter, die Aktien kaufen oder verkaufen, um dann auf den Sender zu gehen und darüber zu diskutieren, warum sie diese Entscheidungen getroffen haben?“, kommentierte Cuban seine Pläne in einer e-Mail an Cnet. Und, so Cuban weiter: „Ist der schlaue Anleger nicht der, der erst recherchiert und dann über Kauf oder Verkauf entscheidet? Wir werden das gleiche tun, nur veröffentlichen wir, was wir herausgefunden haben.“

Da machen sich Finanzpublikationen viele Gedanken darüber, wie sie Interessenkonflikte vermeiden können und erlassen Richtlinien dazu, welche Aktien ihre Redakteure besitzen dürfen und welche nicht, und dann wirft das Internet das alles über den Haufen, weil nun jeder publizieren kann. Und man kann sich darauf verlassen, dass Investoren demnächst häufiger bei sharesleuth.com vorbeischauen werden. Sehr spannend, das alles.

US-Regierungsinfos suchen mit Google

Tuesday, June 27th, 2006

Ich kannte Googles US Government Search bisher noch nicht, obwohl es den Dienst schon seit längerem unter dem Namen Google Uncle Sam gab. Nun hat ihn Google kräftig renoviert, um FirstGov Parioli zu bieten, das von MSN Search und Vivisimo unterstützt wird. Beide Sites sind Suchportale, die ausschließlich Treffer auf Seiten der US-Regierung finden - was ja sehr nützlich sein kann, denn diese Einschränkung selbst hinzubekommen, ist ohne vergleichbaren Aufwand unmöglich.Ich habe mit keinem der beiden Angebote Erfahrung und gerade keine Zeit zum Testen, daher wie immer: Kommentare willkommen! Details zu Googles neuem Angebot gibt’s bei Google selbst; eine längere Analyse zu FirstGov der Fachbuchautorin Peggy Garvin gibt’s bei LLRX.com (Englisch).

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Die Chicago Tribune und ihr CAR-Superscoop

Sunday, March 12th, 2006

Wie Spiegel Online berichtet, hat die Chicago Tribune mehr als 2600 CIA-Agenten und Tarnfirmen aufgedeckt, indem sie frei zugängliche (im Sinne von „für jeden zugänglich“, nicht im Sinne von kostenlos) Informationen miteinander verknüpft hat. Die Artikel sind (nach kostenloser Registrierung) bei der Chicago Tribune abrufbar. Das sollte jetzt jeder schnell machen, der sich für das Thema interessiert, denn bald werden sie ins kostenpflichtige Archiv wandern. Wie die Tribune-Reporter genau vorgegangen sind, verraten sie nicht. Falls einer von uns Zeit findet, legen wir eine Analyse nach. Falls einer unserer Leser eine beisteuern möchte: Wir sind offen für Gastbeiträge.